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Moskenesøy
Das südliche Ende der Lofoten mit Reine, Å und dem Reinebringen

Moskenesøy

12 Min. Lesezeit

Moskenesøy ist die südwestlichste der großen Lofoten-Inseln und für viele Besucher der dramatischste Teil des Archipels. Hier wird die Landschaft noch schroffer, die Berge noch steiler, die Dörfer noch kleiner. Die E10, Norwegens berühmteste Inselstraße, endet hier in Å, einem winzigen Fischerdorf, hinter dem nur noch der offene Atlantik kommt. Wer bis hierher fährt, hat die gesamte Lofoten-Kette durchquert und steht am Ende der Welt, zumindest fühlt es sich so an.

Die Insel ist rund 186 Quadratkilometer groß und hat nur etwa 1.100 Einwohner, verteilt auf eine Handvoll Orte entlang der Küste. Reine, das Verwaltungszentrum, gilt als eines der schönsten Dörfer Norwegens. Die Berge steigen hier teilweise direkt aus dem Meer auf, ohne Vorland, ohne Übergang. Zwischen den Gipfeln liegen verborgene Strände, die nur zu Fuß erreichbar sind, und in den Gewässern vor der Küste zieht der berüchtigte Moskenesstraumen, einer der stärksten Gezeitenströme der Welt.

Reine: Das meistfotografierte Dorf Norwegens

Reine liegt auf einer kleinen Halbinsel, umgeben von spitzen Bergen und tiefblauem Wasser. Die roten Rorbuer stehen dicht am Ufer, dahinter ragen die Felszacken des Reinebringen in den Himmel. Dieses Bild ist zum Inbegriff der Lofoten geworden und ziert Reiseführer, Kalender und Instagram-Feeds auf der ganzen Welt. 1999 wurde Reine in einer norwegischen Fernsehsendung zum schönsten Ort des Landes gewählt.

Rote Rorbuer in Reine auf Moskenesøy mit Bergkulisse
Reine: Rote Rorbuer vor der dramatischen Bergkulisse (KI-generiert)

In Reine leben nur rund 300 Menschen, und doch hat der Ort alles, was man braucht: einen kleinen Supermarkt, ein Postamt, eine Fähranlegestelle und mehrere Rorbu-Unterkünfte. Das Reine Rorbuer, direkt am Hafen gelegen, gehört zu den bekanntesten Unterkünften auf den gesamten Lofoten. Die Hütten wurden restauriert, ohne ihren historischen Charme zu verlieren, und bieten heute komfortable Zimmer mit Blick auf die Berge.

Die Galerie Eva Harr in Reine zeigt Kunst und Fotografien aus den Lofoten. Eva Harr, eine lokale Künstlerin, hat über Jahrzehnte die Landschaft und das Licht der Inseln eingefangen. Ihre Bilder hängen in Galerien in Oslo und Bergen, aber die eindrucksvollste Sammlung findet man hier, in einem umgebauten Bootshaus direkt am Hafen.

Von Reine aus starten Bootstouren zum Reinefjord, einem schmalen Fjord, der sich tief zwischen die Berge schneidet. Am Ende des Fjords liegt der Strand Bunes, ein Naturparadies, das nur per Boot oder über eine mehrstündige Wanderung erreichbar ist. Im Sommer kommt man mit dem Taxiboot in etwa 20 Minuten hin und kann dort zelten oder einfach einen Tag am Strand verbringen.

Å: Am Ende der Straße

Å ist der letzte Ort auf den Lofoten, den man mit dem Auto erreichen kann. Der Name besteht aus einem einzigen Buchstaben, dem letzten im norwegischen Alphabet, und das passt perfekt: Hier endet die E10, hier endet die Zivilisation, hier fängt der Atlantik an. Das Dorf hat rund 100 Einwohner und ist heute ein lebendiges Freilichtmuseum.

Das Norsk Fiskeværsmuseum (Norwegisches Fischerdorfmuseum) in Å zeigt, wie das Leben in einem Lofoten-Fischerdorf im 19. Jahrhundert aussah. Alte Rorbuer, Bootshäuser, eine Lebertranbrennerei und eine Bäckerei stehen noch an ihren ursprünglichen Plätzen. In der Bäckerei wird nach historischem Rezept Brot gebacken, und in der Brennerei kann man den Prozess der Lebertranherstellung nachvollziehen, inklusive des durchdringenden Geruchs, der dazugehört.

Das Fischerdorf Å am Ende der E10 auf den Lofoten
Å: Das Ende der Straße, der Anfang des Atlantiks (KI-generiert)

Das Lofoten Stockfish Museum, ebenfalls in Å, widmet sich der Geschichte des Stockfischs, dem Produkt, das die Lofoten jahrhundertelang berühmt und wohlhabend gemacht hat. Stockfisch ist an der Luft getrockneter Dorsch, der bis zu fünf Jahre haltbar ist und schon im Mittelalter als Exportgut nach ganz Europa verschifft wurde. Noch heute ist Stockfisch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, und Italien ist der größte Abnehmer.

Wer in Å übernachtet, erlebt das Dorf in der Mitternachtssonne oder unter Nordlichtern beinahe allein. Die Tagesausflügler sind dann weg, die Rorbuer leuchten warm in der Dämmerung, und die Stille ist so vollständig, dass man das Wasser unter den Stegen plätschern hört. Es gibt ein kleines Restaurant, das lokalen Fisch serviert, und eine Bäckerei, die auch abends noch Zimtschnecken verkauft.

Der Reinebringen

Der Reinebringen (448 m) ist die bekannteste Wanderung auf den Lofoten und einer der meistfotografierten Aussichtspunkte Norwegens. Vom Gipfel blickt man hinunter auf Reine, die Rorbuer, den Reinefjord, die umliegenden Gipfel und das offene Meer. Dieses Panorama hat den Lofoten-Tourismus so stark angekurbelt, dass die Behörden 2019 eine Steintreppe bauen mussten, weil der alte Pfad von den Menschenmassen zertrampelt wurde.

Die neue Sherpa-Treppe hat rund 1.600 Stufen und wurde von nepalesischen Sherpas aus Naturstein gebaut. Sie macht den Aufstieg sicherer, aber nicht leichter. Rund 500 Höhenmeter müssen überwunden werden, und die Stufen sind teilweise hoch und steil. Die Wanderung dauert etwa eineinhalb bis zwei Stunden bergauf und eine Stunde bergab. Feste Wanderschuhe sind Pflicht, Wanderstöcke empfehlenswert.

Panoramablick vom Reinebringen auf Reine und die Lofoten
Blick vom Reinebringen: Reine, Reinefjord und die Bergkette (KI-generiert)

Der Startpunkt liegt an der E10 zwischen Reine und dem Tunnel Richtung Moskenes. Ein Parkplatz wurde eingerichtet, aber er ist in der Hochsaison (Juni bis August) oft schon am Vormittag voll. Wer den Gipfel in Ruhe genießen möchte, startet früh morgens oder spät abends, wenn die Mitternachtssonne den Blick über das Panorama in warmes Gold taucht. Wer Menschenmassen vermeiden will, kommt im September oder Mai, wenn das Wetter noch stabil ist, aber deutlich weniger Besucher unterwegs sind.

Kvalvika und andere Wanderungen

Der Kvalvika Beach ist einer der schönsten Strände der Lofoten und nur zu Fuß erreichbar. Die Wanderung startet am Parkplatz bei Fredvang und dauert etwa eineinhalb Stunden. Der Weg führt über einen Bergrücken, durch Moor und über Felsen, bevor er steil zum Strand abfällt. Unten erwartet einen ein breiter Sandstrand zwischen hohen Felswänden, an dem manchmal wildes Zelten praktiziert wird, obwohl es offiziell nicht erlaubt ist.

Wer noch höher hinaus will, wandert vom Kvalvika Beach weiter zum Ryten (543 m). Von diesem Gipfel sieht man den Strand von oben, eingebettet zwischen den Bergen, mit dem Meer im Hintergrund. Das ist einer der wildesten Blicke auf den gesamten Lofoten. Die Wanderung zum Ryten vom Parkplatz aus dauert insgesamt drei bis vier Stunden und erfordert gute Kondition.

Eine weitere beliebte Tour führt zum Vindstad, einem verlassenen Fischerdorf am Reinefjord, das nur per Boot oder zu Fuß erreichbar ist. Von Vindstad aus wandert man weiter zum Strand Bunes, einem Naturparadies, das im Sommer zum Baden einlädt, sofern man sich an das kalte Wasser gewöhnt hat. Die Wanderung ist leichter als der Reinebringen und gut für Familien geeignet.

Lofotodden Nationalpark

Der Lofotodden Nationalpark wurde 2018 gegründet und schützt die Südspitze von Moskenesøy, die raue, abgelegene Landschaft jenseits von Å. Der Park umfasst 99 Quadratkilometer Land und angrenzende Meeresgebiete. Hier gibt es keine Straßen, keine Häuser, keine Infrastruktur, nur steile Berge, verborgene Buchten und eine Küste, an der der Atlantik mit voller Kraft gegen den Fels schlägt.

Der Nationalpark ist ein Paradies für geübte Wanderer. Die Wege sind nicht markiert, und man braucht Karten, GPS und Erfahrung in weglosem Gelände. Belohnt wird man mit Einsamkeit und einer Wildnis, die in Europa selten zu finden ist. Seeadler kreisen über den Klippen, und im Meer vor der Küste schwimmen gelegentlich Orcas und Pottwale. Der Zugang erfolgt über Å oder per Boot von Reine aus.

Moskenesstraumen und der Maelstrom

Zwischen Moskenesøy und der kleinen Insel Værøy fließt der Moskenesstraumen, einer der stärksten Gezeitenströme der Welt. Bis zu vier Milliarden Kubikmeter Wasser strömen bei jedem Gezeitenwechsel durch die enge Passage, was gewaltige Strudel erzeugt. Dieser Strom war die Vorlage für den Maelstrom in Edgar Allan Poes berühmter Erzählung "A Descent into the Maelstrom" und wurde schon von Jules Verne in "20.000 Meilen unter dem Meer" erwähnt.

Heute kann man den Moskenesstraumen bei geführten Bootstouren aus sicherer Entfernung beobachten. Die Strudel sind besonders stark bei Springflut und wenn Gezeitenstrom und Wind gegeneinander laufen. Die Fischer der Region haben gelernt, mit dem Strom zu leben, und nutzen die nährstoffreichen Gewässer, die er erzeugt, zum Fischen. Dorsch, Heilbutt und Köhler kommen hier in großer Zahl vor.

Die wilde Küste von Moskenesøy mit dem Moskenesstraumen
Die wilde Südküste von Moskenesøy: Hier tobt der Moskenesstraumen (KI-generiert)

Unterkünfte und Anreise

Die meisten Unterkünfte auf Moskenesøy sind Rorbuer. In Reine, Hamnøy und Å stehen historische Fischerhütten, die zu komfortablen Unterkünften umgebaut wurden. Die Reine Rorbuer direkt am Hafen gehören zu den begehrtesten Adressen der Lofoten und sind in der Hochsaison Monate im Voraus ausgebucht. Die Preise liegen zwischen 1.500 und 4.500 NOK pro Nacht, je nach Größe und Ausstattung.

Die Anreise nach Moskenesøy erfolgt entweder über die E10, die von Svolvær aus in etwa zweieinhalb Stunden nach Reine führt, oder per Fähre von Bodø nach Moskenes. Die Fähre braucht etwa dreieinhalb Stunden und ist besonders im Sommer beliebt. Eine Reservierung ist in der Hochsaison dringend empfehlenswert, da die Fähren häufig ausgebucht sind. Die Überfahrt kostet für ein Auto mit zwei Personen rund 900 NOK.

Auf der Insel selbst gibt es keinen öffentlichen Nahverkehr. Ein Mietwagen oder ein eigenes Auto ist praktisch unverzichtbar. Die Straßen sind gut, aber schmal und kurvig. Parkplätze bei den beliebten Wanderungen (Reinebringen, Kvalvika) sind begrenzt. Es gibt Supermärkte in Reine und Sørvågen, aber die Auswahl ist kleiner als in Svolvær oder Leknes.

Häufige Fragen zu Moskenesøy

Wie schwer ist die Wanderung auf den Reinebringen?

Die Wanderung ist anstrengend, aber technisch nicht schwierig. Die Sherpa-Treppe hat rund 1.600 Stufen, und man überwindet etwa 500 Höhenmeter. Der Aufstieg dauert eineinhalb bis zwei Stunden. Feste Wanderschuhe sind Pflicht, Wanderstöcke helfen besonders beim Abstieg. Die Tour ist nicht für kleine Kinder geeignet, Jugendliche mit guter Kondition schaffen sie problemlos.

Ist Reine wirklich so schön wie auf den Fotos?

Ja, und viele Besucher sagen, dass es in der Realität sogar eindrucksvoller ist als auf Bildern. Die Kombination aus roten Rorbuer, tiefblauem Wasser und spitzen Bergen ist nirgendwo sonst in dieser Intensität zu finden. Am schönsten ist Reine bei klarem Wetter in der Mitternachtssonne oder unter Nordlichtern. Auch bei Regen und Wolken hat der Ort seinen Reiz, weil die Nebelschwaden zwischen den Bergen hängen.

Kann man am Kvalvika Beach zelten?

Wildes Zelten ist in Norwegen grundsätzlich durch das Jedermannsrecht (Allemannsretten) erlaubt, sofern man mindestens 150 Meter von bewohnten Häusern entfernt bleibt. Am Kvalvika Beach zelten im Sommer regelmäßig Wanderer. Allerdings gibt es keine sanitären Einrichtungen, und man muss seinen gesamten Müll wieder mitnehmen. Im Lofotodden Nationalpark gelten zusätzliche Schutzregeln.

Wie lange sollte man auf Moskenesøy einplanen?

Mindestens zwei bis drei Tage, um Reine, Å und eine größere Wanderung (Reinebringen oder Kvalvika) zu schaffen. Wer auch den Lofotodden Nationalpark erkunden oder eine Bootstour zum Moskenesstraumen machen möchte, sollte vier bis fünf Tage einplanen. Die Insel hat einen langsameren Rhythmus als die nördlicheren Lofoten-Inseln, und es lohnt sich, diesen Rhythmus anzunehmen.

Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026