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Austvågøy
Die größte Insel der Lofoten mit Svolvær und Trollfjord

Austvågøy

11 Min. Lesezeit

Austvågøy ist die größte und östlichste Insel der Lofoten, und für viele Besucher der erste Berührungspunkt mit dem berühmten Archipel. Wer mit dem Flugzeug auf den Lofoten landet, kommt in Svolvær an, dem wichtigsten Ort auf Austvågøy. Wer mit der Hurtigruten anreist, steigt ebenfalls hier aus. Die Insel ist so etwas wie das Eingangstor zu den Lofoten, aber sie ist mehr als nur ein Durchgangsort.

Mit einer Fläche von rund 526 Quadratkilometern beherbergt Austvågøy die steilsten und höchsten Berge der gesamten Inselkette. Der Higravstinden ragt 1.146 Meter aus dem Meer empor, und das nur wenige Kilometer von der Küste entfernt. Diese Kombination aus schroffen Gipfeln, tiefen Fjorden und kleinen Fischerdörfern macht den besonderen Charakter der Insel aus. Hier stehen jahrhundertealte Rorbuer neben modernen Galerien, und in den Häfen liegen Fischerboote neben Segelkatamaranen.

Svolvær: Die Hauptstadt der Lofoten

Svolvær ist keine offizielle Hauptstadt, aber jeder auf den Lofoten nennt sie so. Mit rund 4.700 Einwohnern ist sie die größte Stadt des Archipels und sein wirtschaftliches Zentrum. Der Hafen ist das Kern: Hier legen die Hurtigruten-Schiffe an, hier starten die Bootstouren in den Trollfjord, und hier liegen die Fischerboote, die auch heute noch für den Dorsch auslaufen.

Die Stadt hat sich in den letzten zwanzig Jahren vom verschlafenen Fischerort zu einem lebendigen Touristenziel entwickelt, ohne dabei ihren Charakter zu verlieren. In der Fußgängerzone reihen sich Galerien, Cafés und Outdoor-Ausrüster aneinander. Das Magic Ice, eine Galerie aus purem Eis, zeigt Skulpturen bei minus fünf Grad. Im Lofoten Krigsminnemuseum (Kriegsgedenkmuseum) erfährt man, wie die Lofoten im Zweiten Weltkrieg zum Schauplatz britischer Kommandounternehmen wurden.

Der Hafen von Svolvær mit bunten Rorbuer und Fischerbooten
Svolvær: Hafen mit Rorbuer vor der Bergkulisse (KI-generiert)

Oberhalb von Svolvær thront die Svolværgeita, ein markanter Felszacken, der wie eine Ziege auf zwei Beinen aussieht. Der Sprung zwischen den beiden Hörnern der Geita gilt als Mutprobe unter Kletterern und ist zu einem Symbol für die Lofoten geworden. Wer nicht selbst springen möchte, kann den Felsen von unten bewundern oder eine geführte Klettertour buchen, die auch weniger erfahrene Kletterer bis zum Gipfel bringt.

Kabelvåg: Geschichte und Kultur

Nur fünf Kilometer westlich von Svolvær liegt Kabelvåg, ein Ort, der historisch noch bedeutender ist als sein größerer Nachbar. Im Mittelalter war Kabelvåg der wichtigste Handelsplatz auf den Lofoten. Hier fand der legendäre Lofotfiske statt, der saisonale Dorschfang, der tausende Fischer aus ganz Nordnorwegen anzog. Die Kirche von Kabelvåg, erbaut 1898, ist die zweitgrößte Holzkirche in Nordnorwegen und ein starker Bau.

Das Lofoten Museum in Kabelvåg erzählt die Geschichte der Fischerei, die das Leben auf den Inseln seit Jahrhunderten prägt. In nachgebauten Rorbuer kann man sehen, unter welchen Bedingungen die Fischer im 19. Jahrhundert lebten: eng, kalt und vom Geruch des Dorschs durchdrungen. Direkt daneben liegt das Lofoten Aquarium (Lofotakvariet), das die Meereswelt vor den Lofoten zeigt, mit Dorschen, Seewölfen, Krabben und sogar kleinen Haien.

Der Ort ist deutlich ruhiger als Svolvær und eignet sich gut als Basis für Wanderungen. Von Kabelvåg aus starten Wege zum Tjeldbergtinden (367 m), einem der beliebtesten Aussichtsgipfel auf Austvågøy. Die Wanderung dauert knapp zwei Stunden und belohnt mit einem Panorama, das den halben Lofoten-Archipel umfasst.

Henningsvær: Das Venedig der Lofoten

Henningsvær liegt auf mehreren kleinen Inseln vor der Südwestküste von Austvågøy, verbunden durch Brücken. Der Ort trägt den Beinamen "Venedig der Lofoten", und wenn man über die letzte Brücke fährt und die bunten Häuser auf den Felsinseln vor sich sieht, versteht man warum. Es ist einer der fotogensten Orte in ganz Norwegen.

Henningsvær auf den Lofoten mit bunten Häusern auf Felsinseln
Henningsvær: Das Venedig der Lofoten (KI-generiert)

Berühmt geworden ist Henningsvær auch durch den Henningsvær Stadion, einen Fußballplatz auf einer winzigen Felsinsel, umgeben von Meer und Trockengestellen für Stockfisch. Das Luftbild dieses Platzes ging um die Welt und wurde zum Sinnbild für die besondere Lage der Lofoten-Orte. Gespielt wird hier tatsächlich, der lokale Fußballverein trägt hier seine Heimspiele aus.

In Henningsvær hat sich eine lebhafte Kunstszene etabliert. Die Kaviar Factory, eine ehemalige Kaviarfabrik, ist heute eine Galerie für zeitgenössische Kunst mit Ausstellungen internationaler Künstler. Im Lofoten Hus, dem Kulturhaus, finden regelmäßig Konzerte und Lesungen statt. Zwischen den Galerien liegen kleine Restaurants und Cafés, in denen man frischen Fisch essen und den Blick über den Hafen genießen kann.

Der Trollfjord

Der Trollfjord an der Ostseite von Austvågøy gehört zu den bekanntesten Naturwundern Norwegens. Nur zwei Kilometer lang und an der engsten Stelle kaum hundert Meter breit, umgeben von über tausend Meter hohen Felswänden. Die Hurtigruten fährt regelmäßig in diesen Fjord hinein, dreht das Schiff im Inneren und fährt rückwärts wieder heraus. Von Svolvær aus starten täglich Bootstouren und Kajakexpeditionen zum Trollfjord.

Am Trollfjord fand 1890 die berühmte Trollfjordschlacht statt, als Kleinfischer gegen die Dampfschiffe der großen Reedereien kämpften, die den Fjord mit Netzen abgesperrt hatten. Der Protest führte zum Lofotgesetz von 1897, das den freien Zugang zu den Fischgründen garantierte. Der Maler Gunnar Berg hat diese Szene in einem Gemälde festgehalten, das heute im Kunstmuseum in Svolvær hängt.

Die Region um den Trollfjord ist auch einer der besten Orte in Nordnorwegen, um Seeadler zu beobachten. Die Vögel nisten in den Steilwänden und lassen sich bei Bootstouren häufig blicken. Ihre Flügelspannweite von bis zu 2,50 Metern macht sie zu eindrucksvollen Erscheinungen, besonders wenn sie im Sturzflug einen Fisch aus dem Wasser greifen.

Berge und Wanderungen

Austvågøy hat die höchsten Berge der Lofoten, und entsprechend vielfältig sind die Wandermöglichkeiten. Der Fløya (589 m) direkt über Svolvær ist der Klassiker. Die Wanderung dauert etwa drei Stunden (hin und zurück), ist gut markiert und bietet vom Gipfel einen überwältigenden Blick auf den Hafen, die umliegenden Inseln und den Raftsund. An klaren Tagen sieht man bis zu den Vesterålen.

Wanderer auf einem Berggrat auf Austvågøy mit Blick auf die Lofoten
Wandern auf Austvågøy: Schroffe Gipfel über dem Meer (KI-generiert)

Anspruchsvoller ist der Aufstieg zum Blåfjell (597 m) oberhalb von Kabelvåg. Der Weg ist steiler, teilweise ausgesetzt und erfordert Trittsicherheit. Belohnt wird man mit einem 360-Grad-Panorama, das selten zu finden ist. Der Djevelporten (Teufelstor), eine natürliche Felsbogenformation, liegt auf dem Weg und ist ein beliebtes Fotomotiv.

Für erfahrene Bergsteiger bietet sich der Higravstinden (1.146 m) an, der höchste Berg der Lofoten. Der Aufstieg erfordert Kletterausrüstung und alpine Erfahrung. Geführte Touren starten in Svolvær und dauern einen ganzen Tag. Vom Gipfel aus überblickt man das gesamte Lofoten-Archipel, die Vesterålen und bei gutem Wetter sogar die norwegische Festlandsküste.

Wer es gemütlicher mag, findet rund um Henningsvær flachere Küstenwanderungen, die durch Mooslandschaften und über Felsplatten führen. Der Weg entlang der Küste vom Henningsvær Stadion Richtung Norden ist leicht zu gehen und zeigt die typische Lofoten-Landschaft auf engstem Raum: Meer, Fels, Trockengestelle für Stockfisch und im Hintergrund die Bergkette.

Unterkünfte und Gastronomie

Die Rorbuer (Fischerhütten) sind die typischste Unterkunftsform auf den Lofoten, und auf Austvågøy gibt es sie in allen Preisklassen. Die einfachsten Rorbuer bieten Stockbetten, eine kleine Küche und ein gemeinsames Bad. Die gehobenen Varianten haben Fußbodenheizung, eigene Sauna und Panoramafenster mit Meerblick. Preise reichen von 800 NOK pro Nacht für eine einfache Hütte bis 4.000 NOK für eine Luxus-Rorbu in Svolvær.

Das kulinarische Angebot hat sich in den letzten Jahren stark verbessert. In Svolvær serviert das Børsen Spiseri frischen Fisch direkt am Hafen, vom Stockfisch-Risotto bis zum gegrillten Skrei. Das Bacalao liegt im selben Gebäude und bietet gehobenere Küche. In Henningsvær hat das Fiskekrogen einen exzellenten Ruf für seine Fischsuppe und den gebratenen Heilbutt. Die Preise für ein Hauptgericht liegen zwischen 250 und 450 NOK.

Wer sparen möchte, kauft im Supermarkt in Svolvær (Coop oder Rema 1000) ein und kocht in der Rorbu selbst. Frischen Fisch bekommt man manchmal direkt von den Fischern am Hafen, wenn man freundlich fragt. In Kabelvåg gibt es eine Bäckerei mit ausgezeichnetem Sauerteigbrot und Zimtschnecken, die morgens früh schon geöffnet hat.

Anreise nach Austvågøy

Der Flughafen Svolvær (SVJ) wird von Bodø aus mit Widerøe angeflogen. Die Flugzeit beträgt nur 25 Minuten. Alternativ fliegt man nach Harstad/Narvik (EVE) und fährt von dort etwa drei Stunden mit dem Auto über die E10 nach Svolvær. Von Bodø aus verkehrt auch eine Fähre nach Moskenes am südlichen Ende der Lofoten. Von dort sind es rund 160 Kilometer auf der E10 nach Svolvær, eine Fahrt, die durch die gesamte Inselkette führt und allein schon ein Erlebnis ist.

Beleuchtete Rorbuer in Svolvær bei Nacht mit Nordlicht
Rorbuer in Svolvær: Typische Fischerhütten als Unterkünfte (KI-generiert)

Die Hurtigruten legt sowohl in Svolvær als auch in Stokmarknes (Vesterålen) an und bietet damit eine bequeme Anreise auf dem Seeweg. Wer mit dem eigenen Auto kommt, fährt auf der E10 über die Brücken und Tunnel, die die Lofoten-Inseln miteinander verbinden. Mautpflichtig ist die Strecke seit 2017 nicht mehr. Im Sommer kann es auf der E10 zu Verzögerungen kommen, besonders an den Engstellen und in den einspurigen Tunneln.

Auf der Insel selbst gibt es einen Busservice (Nordland fylkeskommune), der Svolvær, Kabelvåg und Henningsvær verbindet. Die Frequenz ist allerdings begrenzt, besonders abends und am Wochenende. Ein Mietwagen ist die flexiblere Option und lässt sich in Svolvær oder am Flughafen abholen. Die Straßen auf Austvågøy sind gut ausgebaut, auch wenn einige Nebenstraßen eng und kurvig sind.

Häufige Fragen zu Austvågøy

Wie kommt man am besten nach Austvågøy?

Der schnellste Weg führt per Flug von Bodø nach Svolvær mit Widerøe (25 Minuten). Alternativ kann man nach Harstad/Narvik fliegen und mit dem Auto über die E10 fahren (ca. 3 Stunden). Die Fähre von Bodø nach Moskenes braucht etwa 3,5 Stunden, danach sind es rund 160 km auf der E10 nach Svolvær.

Wann ist die beste Reisezeit für Austvågøy?

Juni bis August bietet Mitternachtssonne, die besten Wanderbedingungen und das größte Aktivitätenangebot. März und April sind ideal für Skitouren und Nordlichter bei gleichzeitig zunehmender Helligkeit. Der Winter (November bis Januar) bringt Nordlichter, ist aber kalt und dunkel mit eingeschränktem Tourangebot.

Kann man den Trollfjord von Austvågøy aus besuchen?

Ja. Von Svolvær starten täglich Bootstouren in den Trollfjord, die zwischen drei und vier Stunden dauern. Es gibt RIB-Touren, Katamaranfahrten und Kajakexpeditionen. Die Preise liegen zwischen 900 und 1.500 NOK pro Person. In der Hochsaison sollte man vorab buchen.

Gibt es auf Austvågøy gute Strände?

Austvågøy hat keine klassischen Badestrände wie die weiter westlich gelegenen Inseln. Die Küste ist überwiegend felsig. Kleine Buchten mit Sand finden sich vereinzelt bei Kabelvåg und in der Nähe von Henningsvær. Wer Lofoten-Strände sucht, findet die schönsten auf Vestvågøy (Haukland) und Moskenesøy (Kvalvika).

Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026