Saimaa
Der Saimaa ist nicht einfach ein See. Er ist ein Universum aus Wasser, Inseln und stillen Buchten, das sich über weite Teile Ostfinnlands erstreckt. Mit einer Fläche von über 4.370 Quadratkilometern ist er der größte See Finnlands und der viertgrößte Europas. In seinen Gewässern lebt eines der seltensten Säugetiere der Welt: die Saimaa Ringelrobbe, von der nur noch rund 430 Exemplare existieren.
Wer den Saimaa zum ersten Mal auf einer Landkarte betrachtet, versteht sofort, warum Finnland als Land der tausend Seen gilt. Der See besteht aus unzähligen Becken, die durch enge Sunde und breite Wasserstraßen miteinander verbunden sind. Zwischen den Wasserflächen ragen Inseln aller Größen empor, bewachsen mit Birken, Kiefern und Fichten. An manchen Stellen ist es schwer zu sagen, wo der See aufhört und wo das Festland beginnt. Diese Grenze zwischen Wasser und Land verschwimmt in einer Weise, die typisch finnisch ist.
Die Region rund um den Saimaa gehört zum finnischen Seenfinnland und war schon immer ein Sehnsuchtsort. Im Sommer ziehen Tausende Finnen in ihre Sommerhäuser am Seeufer, wo sie baden, angeln, in der Sauna schwitzen und abends auf dem Steg sitzen, um den Sonnenuntergang zu beobachten. Das finnische Wort für diese Art von Sommerglück lautet mökkielämä, und am Saimaa lässt es sich vielleicht am reinsten erleben.
Tipp: Berechne dein persönliches Reisebudget mit unserem Finnland-Reisekostenrechner.
Ein See wie ein Labyrinth
Der Saimaa entstand nach der letzten Eiszeit vor etwa 8.000 Jahren, als das Schmelzwasser der Gletscher die Senken und Täler der Region füllte. Was dabei herauskam, ist weniger ein einzelner See als vielmehr ein verzweigtes Seensystem. Insgesamt gehören rund 13.700 Inseln zum Saimaa. Die Uferlinie erstreckt sich über mehr als 15.000 Kilometer, was ungefähr der Entfernung von Helsinki nach Sydney entspricht. Diese Zahl klingt unglaublich, wird aber verständlich, wenn man bedenkt, wie zerklüftet und verwinkelt die Küste des Sees ist.
Die größte Tiefe des Saimaa beträgt 82 Meter. In den flacheren Bereichen schimmert das Wasser bernsteinfarben, gefärbt vom Torf der umliegenden Moore. In den tieferen Becken wird es dunkelblau bis fast schwarz. Die Wasserqualität ist in den meisten Teilen des Sees ausgezeichnet. An vielen Stellen kann man das Wasser bedenkenlos trinken, auch wenn das offiziell nicht empfohlen wird.
Der See gliedert sich in mehrere große Teilbecken. Der Haukivesi bei Savonlinna, der Pihlajavesi südlich davon und der Puruvesi im Osten gehören zu den bekanntesten. Jedes dieser Becken hat seinen eigenen Charakter. Der Puruvesi etwa gilt wegen seines klaren Wassers als einer der saubersten Seen Finnlands. Im Sommer erreicht die Sichttiefe hier bis zu fünf Meter, was für einen See dieser Größe bemerkenswert ist.
Die Saimaa Ringelrobbe
Die Saimaa Ringelrobbe, auf Finnisch norppa, ist das Wahrzeichen des Sees und zugleich ein Sorgenkind des Naturschutzes. Diese Süßwasserrobbe entstand, als nach der Eiszeit die Verbindung zum Meer abgeschnitten wurde und eine Population von Ringelrobben im Saimaa eingeschlossen blieb. Über Jahrtausende passten sich die Tiere an das Süßwasser an und entwickelten sich zu einer eigenständigen Unterart. Heute gibt es nur noch etwa 430 Saimaa Ringelrobben, was sie zu einem der am stärksten gefährdeten Meeressäuger der Welt macht.
Die Robben leben über den gesamten See verstreut, bevorzugen aber ruhige Buchten und Inselbereiche. Im Frühjahr bringen die Weibchen ihre Jungen in Schneehöhlen zur Welt, die sie an geschützten Uferstellen anlegen. Der Klimawandel gefährdet diese Fortpflanzungsweise, denn milde Winter mit wenig Schnee machen den Bau stabiler Geburtshöhlen schwierig. Zu den weiteren Gefahren gehören Fischernetze, in denen sich die Robben verfangen können, und die zunehmende Freizeitnutzung des Sees.
Um die Ringelrobbe zu schützen, gibt es seit den 1980er Jahren umfangreiche Maßnahmen. In bestimmten Bereichen des Sees gelten saisonale Fangverbote für Fischernetze. Die Anwohner werden gebeten, in der Fortpflanzungszeit Rücksicht zu nehmen und die Uferbereiche nicht zu stören. Die Schutzprogramme zeigen Wirkung: Die Population ist in den letzten Jahren langsam gewachsen, nachdem sie in den 1980er Jahren auf nur 150 Tiere gesunken war. Mit etwas Glück kann man eine Ringelrobbe im Sommer auf einem Felsen in der Sonne liegen sehen, besonders in den geschützten Bereichen rund um den Linnansaari und den Kolovesi Nationalpark.
Savonlinna und die Burg Olavinlinna
Savonlinna ist die Stadt am Saimaa schlechthin. Sie liegt auf mehreren Inseln zwischen den Seebecken Haukivesi und Pihlajavesi und wird von Wasser umgeben, wohin man auch blickt. Die Burg Olavinlinna, die auf einer kleinen Felsinsel mitten im Wasser steht, ist das Wahrzeichen der Stadt und eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Festungen Nordeuropas. Sie wurde 1475 vom schwedischen Ritter Erik Axelsson Tott erbaut, um die östliche Grenze gegen Russland zu sichern.
Heute ist Olavinlinna vor allem als Schauplatz der Opernfestspiele von Savonlinna bekannt. Jeden Sommer im Juli verwandelt sich der Innenhof der Burg in eine Opernbühne unter freiem Himmel. Seit 1912 finden hier Aufführungen statt, und die Akustik des mittelalterlichen Gemäuers verleiht den Vorstellungen eine ganz eigene Atmosphäre. Die Festspiele ziehen jährlich bis zu 70.000 Besucher an. Karten kosten je nach Platzierung zwischen 60 und 200 EUR und sollten Monate im Voraus gebucht werden.
Abseits der Burg bietet Savonlinna einen lebhaften Marktplatz am Hafen, von dem aus Ausflugsschiffe zu Fahrten über den See starten. Das Savonlinna Provinzmuseum im Riihisaari informiert über die Geschichte der Seenschifffahrt und das Leben am Saimaa. Entlang der Uferpromenade reihen sich Cafés und Restaurants, in denen frisch gefangener Fisch aus dem See serviert wird. Besonders der Muikku, ein kleiner Süßwasserfisch, der in Roggenmehl paniert und in Butter gebraten wird, ist eine lokale Spezialität.
Dampfschifffahrt auf dem Saimaa
Der Saimaa hat eine lange Tradition als Verkehrsweg. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert transportierten Dampfschiffe Holz, Waren und Passagiere zwischen den Städten am See. Einige dieser alten Schiffe fahren noch heute und bieten Touristenfahrten an, die einen Hauch von Nostalgie verströmen. Die Schornsteine qualmen, die Dampfmaschinen stampfen, und an den Ufern ziehen Wälder und Inseln langsam vorbei.
Die bekannteste Dampfschiffroute führt von Savonlinna nach Kuopio und dauert rund zwölf Stunden. Diese Fahrt durch das Herz des Seensystems gehört zu den schönsten Wasserreisen Europas. Man passiert enge Kanäle, weite Seeflächen und Dutzende Inseln. An Bord werden Mahlzeiten serviert, und das Sonnendeck bietet Platz zum Beobachten der vorbeiziehenden Landschaft. Die einfache Fahrt kostet etwa 100 EUR pro Person.
Kürzere Ausflugsfahrten starten von Savonlinna, Lappeenranta und Kuopio. Eine zweistündige Rundfahrt durch die Inseln bei Savonlinna kostet etwa 25 EUR und gibt einen guten ersten Eindruck vom See. In Lappeenranta werden Fahrten durch den Saimaa Kanal angeboten, die bis an die russische Grenze führen. Diese Touren verbinden die Naturschönheit des Sees mit einem Stück Industriegeschichte.
Inseln und Ferienhäuser
Die Inseln des Saimaa sind das, was viele Reisende am meisten fasziniert. Einige sind winzig, kaum mehr als ein Felsen mit ein paar Kiefern darauf. Andere sind so groß, dass ganze Dörfer auf ihnen liegen. Auf vielen Inseln stehen Ferienhäuser, die man mieten kann und die nur mit dem Boot erreichbar sind. Wer sich für ein solches Haus entscheidet, erlebt eine Abgeschiedenheit, die in Europa selten geworden ist. Kein Straßenlärm, keine Nachbarn, nur das Wasser und der Wald.
Ein typisches Ferienhaus am Saimaa hat eine Sauna, einen eigenen Steg und ein Ruderboot. Die meisten Häuser sind aus Holz gebaut und schlicht eingerichtet. Strom kommt oft aus Solarzellen, Wasser wird aus dem See gepumpt und gefiltert. Es gibt keine Klimaanlage und keinen Fernseher, dafür aber einen Holzofen und eine Terrasse mit Blick auf den See. Die Miete für ein solches Haus liegt im Sommer zwischen 500 und 1.200 EUR pro Woche, je nach Lage, Ausstattung und Größe. In der Nebensaison sind die Preise niedriger.
Für Familien eignen sich besonders die Ferienhaussiedlungen auf den größeren Inseln, wo es Spielplätze, Gemeinschaftssaunen und manchmal sogar einen kleinen Laden gibt. Paare und Alleinreisende finden auf den abgelegeneren Inseln die Einsamkeit, die sie suchen. Die Anreise zum Ferienhaus erfolgt meist mit einem Motorboot, das vom Vermieter gestellt wird. Die Koordination klappt in der Regel problemlos, auch wenn man kein Finnisch spricht.
Der Saimaa Kanal
Der Saimaa Kanal ist ein Bauwerk, das die Geschichte der Region maßgeblich beeinflusst hat. Eröffnet im Jahr 1856, verbindet er den Saimaa See über eine Strecke von 43 Kilometern mit dem Finnischen Meerbusen bei Wyborg. Acht Schleusen überwinden dabei einen Höhenunterschied von 76 Metern. Der Kanal machte die Städte am Saimaa zu Häfen mit Zugang zur Ostsee und brachte wirtschaftlichen Aufschwung in eine Region, die zuvor vom Seehandel abgeschnitten war.
Die Geschichte des Kanals ist eng mit der wechselvollen Geschichte Kareliens verknüpft. Nach dem Zweiten Weltkrieg lag der südliche Teil des Kanals auf sowjetischem Gebiet. Erst 1968 wurde ein Pachtvertrag geschlossen, der Finnland die Nutzung des gesamten Kanals ermöglichte. Dieser Vertrag wurde mehrfach verlängert. Der Kanal wird bis heute für den Güterverkehr genutzt, vor allem für den Transport von Holz und Papier. Gleichzeitig hat er sich zu einer touristischen Attraktion entwickelt.
Von Lappeenranta aus werden Ausflugsfahrten durch den Kanal angeboten. Die Passage durch die Schleusen ist ein Erlebnis für sich. Das Wasser steigt langsam, die mächtigen Schleusentore öffnen sich, und das Schiff gleitet in den nächsten Abschnitt. Eine Kanalfahrt von Lappeenranta bis zur Grenze und zurück dauert etwa fünf Stunden und kostet rund 50 EUR. Die Fahrten finden in der Regel von Juni bis August statt.
Aktivitäten rund um den See
Angeln steht am Saimaa ganz oben auf der Liste der beliebtesten Beschäftigungen. Der See beherbergt über 30 Fischarten, darunter Hecht, Zander, Barsch und die begehrte Seeforelle. Für das Angeln mit der Handangel genügt eine allgemeine Fischereiabgabe von 45 EUR pro Jahr. Wer mit der Spinnrute oder dem Netz fischen möchte, benötigt eine zusätzliche Genehmigung, die bei den örtlichen Behörden erhältlich ist. Viele Ferienhausvermieter helfen bei der Beschaffung der nötigen Papiere und geben Tipps zu den besten Angelstellen.
Paddeln und Kanufahren gehören zu den ruhigsten Arten, den See zu erkunden. In Savonlinna, Kuopio und Lappeenranta gibt es Verleihstationen, die Kajaks und Kanus für Stunden oder Tage vermieten. Ein Tageskajakmietpreis liegt bei etwa 40 EUR. Mehrtägige Paddeltouren führen durch das Labyrinth der Inseln und ermöglichen Übernachtungen auf Zeltplätzen am Ufer oder auf unbewohnten Inseln. Das Jedermannsrecht erlaubt das Zelten in der Natur, solange man ausreichend Abstand zu bewohnten Häusern hält.
Die Nationalparks Linnansaari und Kolovesi liegen mitten im Saimaa und sind nur per Boot erreichbar. Linnansaari schützt eine Insellandschaft mit altem Wald und ist einer der besten Orte, um die Saimaa Ringelrobbe zu beobachten. Kolovesi ist bekannt für seine bis zu 5.000 Jahre alten Felszeichnungen, die nur vom Wasser aus sichtbar sind. Beide Parks bieten markierte Wanderwege, Zeltplätze und Feuerstellen.
Anreise und beste Reisezeit
Die Städte am Saimaa sind gut mit dem Zug erreichbar. Von Helsinki fährt man nach Savonlinna etwa vier Stunden, nach Lappeenranta rund zweieinhalb Stunden und nach Kuopio etwa viereinhalb Stunden. Frühbucher zahlen für die Zugfahrt oft nur 20 bis 40 EUR. Der nächstgelegene Flughafen ist Lappeenranta, der von einigen europäischen Billigfluglinien angeflogen wird. Von dort aus erreicht man den Saimaa in wenigen Minuten.
Die Hauptsaison am Saimaa ist der Sommer von Mitte Juni bis Mitte August. In dieser Zeit sind die Tage lang, das Wasser warm genug zum Schwimmen, und die Ferienhäuser sind am gefragtesten. Juli und August bieten Wassertemperaturen von 18 bis 22 Grad. Der September bringt die herbstliche Laubfärbung und ist ideal für Wanderungen und Kajaktouren bei weniger Trubel. Im Winter friert der See zu und verwandelt sich in eine weite, weiße Fläche, auf der man Schlittschuhlaufen, Eisfischen und Schneemobil fahren kann. Die Eisdicke erreicht im Februar oft 50 Zentimeter und mehr, genug, um sogar mit dem Auto über den See zu fahren.
Häufige Fragen zum Saimaa
Wie groß ist der Saimaa See?
Der Saimaa hat eine Fläche von rund 4.370 Quadratkilometern und ist damit der größte See Finnlands und der viertgrößte Europas. Die Uferlinie erstreckt sich über mehr als 15.000 Kilometer, und der See umfasst etwa 13.700 Inseln.
Kann man die Saimaa Ringelrobbe sehen?
Mit Glück kann man die Robben im Sommer auf Felsen in der Sonne beobachten, besonders im Linnansaari Nationalpark. Geführte Bootstouren erhöhen die Chancen. Dabei ist Abstand zu halten, um die Tiere nicht zu stören. Ferngläser sind empfehlenswert.
Kann man im Saimaa schwimmen?
Das Wasser des Saimaa hat eine gute bis sehr gute Qualität. Im Juli und August erreicht die Wassertemperatur 18 bis 22 Grad. Die meisten Ferienhäuser verfügen über einen eigenen Steg mit Badeleiter. Öffentliche Badestrände gibt es in Savonlinna, Lappeenranta und Kuopio.
Was kostet ein Ferienhaus am Saimaa?
Ein Ferienhaus mit Sauna und eigenem Seezugang kostet im Sommer zwischen 500 und 1.200 EUR pro Woche. Einfachere Hütten sind günstiger, luxuriösere Objekte mit mehreren Schlafzimmern und moderner Ausstattung können auch 1.500 EUR und mehr kosten.
Friert der Saimaa im Winter zu?
Der Saimaa friert normalerweise zwischen Dezember und Januar zu. Die Eisdicke erreicht im Februar und März 40 bis 60 Zentimeter. Auf dem Eis kann man Schlittschuhlaufen, Eisfischen und in manchen Bereichen sogar mit dem Auto fahren. Die Eissaison dauert bis April.
Weitere Regionen in Finnland
Beliebte Finnland Artikel
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026