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Maribo
Domstadt am Maribo-See auf Lolland

Maribo

12 Min. Lesezeit

Maribo liegt auf der Insel Lolland, umgeben von drei miteinander verbundenen Seen, und hat eine Ruhe bewahrt, die man in Dänemark nur noch selten findet. Der gotische Dom, der sich über den Dächern der kleinen Stadt erhebt, erinnert daran, dass dieser Ort einmal ein geistliches Zentrum war. Heute ist Maribo vor allem ein Ort, an dem die Zeit langsamer vergeht.

Mit knapp 6.000 Einwohnern ist Maribo die Hauptstadt der Gemeinde Lolland und das administrative Zentrum der Insel. Die Stadt verdankt ihre Gründung dem Birgittenkloster, das im 15. Jahrhundert errichtet wurde und dessen Kirche als Dom bis heute das Stadtbild bestimmt. Die drei Seen, die Maribo umgeben, machen die Stadt zu einem Anziehungspunkt für Vogelbeobachter, Angler und alle, die eine Landschaft suchen, die sich seit Generationen kaum verändert hat.

Eine Domstadt auf Lolland

Lolland ist eine Insel, die oft übersehen wird. Sie liegt südlich von Seeland und ist über Brücken und Fähren erreichbar. Die Landschaft ist flach, stellenweise liegt sie sogar unter dem Meeresspiegel, und die fruchtbaren Böden machen die Insel zu einem der ertragreichsten Agrargebiete Dänemarks. Zuckerrüben, Getreide und Raps prägen das Bild, und die Höfe mit ihren roten Backsteingebäuden stehen weit verstreut in der offenen Landschaft.

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In dieser Ebene wirkt Maribo wie eine Oase. Die Seen umschliessen die Stadt von drei Seiten, und der alte Baumbestand am Ufer gibt dem Ort eine Geborgenheit, die im flachen Lolland selten ist. Die Geschichte der Stadt beginnt 1416, als Erik von Pommern die Gründung eines Birgittenklosters an dieser Stelle genehmigte. Um das Kloster herum entstand eine Siedlung, die langsam zur Stadt wuchs.

Nach der Reformation wurde das Kloster aufgelöst, die Klosterkirche aber blieb als Domkirche erhalten. Maribo wurde Bischofssitz, und der Dom gab der Stadt eine Bedeutung, die über ihre Grösse hinausging. Im 19. Jahrhundert kam die Eisenbahn, und Maribo entwickelte sich zum Verkehrsknotenpunkt Lollands. Diese Funktion hat die Stadt bis heute behalten, auch wenn der Verkehr heute über Straßen statt über Schienen läuft.

Der Dom zu Maribo

Der gotische Dom zu Maribo aus rotem Backstein am Ufer des Sees
Der Dom zu Maribo: Gotische Backsteinkirche aus dem 15. Jahrhundert am Seeufer (KI-generiert)

Der Dom zu Maribo ist eine gotische Backsteinkirche, die zwischen 1416 und 1470 als Klosterkirche des Birgittenklosters errichtet wurde. Der Bau folgt dem Grundriss der Birgittenkirchen, mit einem langen Kirchenschiff und einem Chor, der nach Osten weist und vom Seeufer aus gut sichtbar ist. Der Backsteinbau ist schlicht und kraftvoll zugleich, ohne den Prunk der großen Kathedralen, aber mit einer Würde, die der Bedeutung des Ortes entspricht.

Im Inneren fällt der Blick sofort auf das gotische Kreuzgewölbe, das den gesamten Kirchenraum überspannt. Die Wände sind weiss getüncht, und das Licht fällt durch hohe, schmale Fenster in den Raum. In den Seitenschiffen stehen Epitaphe und Grabplatten aus dem 16. und 17. Jahrhundert, die an Adelige und Geistliche erinnern, die in Maribo begraben wurden.

Besonders bemerkenswert ist das Kruzifix aus dem 15. Jahrhundert, das über dem Altar hängt, und die Kanzel aus der Renaissancezeit, die mit geschnitzten Figuren verziert ist. Die Orgel stammt aus dem 17. Jahrhundert und wird bei Konzerten und Gottesdiensten gespielt. Im Sommer finden im Dom regelmässig Orgelkonzerte statt, bei denen die Akustik des gotischen Raumes zur vollen Geltung kommt. Der Eintritt ist frei.

Vom Kloster selbst ist außer der Kirche wenig erhalten. Die Klostergebäude wurden nach der Reformation abgerissen oder umgebaut. Ein kleiner Kreuzgang neben dem Dom und einige Fundamentreste im Garten sind die letzten sichtbaren Spuren. Informationstafeln erklären die Geschichte des Klosters und den Aufbau der mittelalterlichen Anlage.

Der Maribo-See

Der Maribo-See bei Sonnenuntergang mit Schilf und Bäumen am Ufer
Der Maribo Søndersø: Ruhiges Gewässer mit reicher Vogelwelt und Wanderwegen am Ufer (KI-generiert)

Maribo ist von drei Seen umgeben: dem Søndersø im Süden, dem Nørresø im Norden und dem kleineren Røgbølle Sø im Osten. Zusammen bilden sie eines der grössten Seensysteme Lollands und ein Naturschutzgebiet von europäischer Bedeutung. Die Seen sind flach, von Schilfgürteln gesäumt und bieten Lebensraum für eine Vogelwelt, die ihresgleichen sucht.

Ein Wanderweg führt rund um den Søndersø, die Strecke ist etwa acht Kilometer lang und verläuft grösstenteils am Seeufer durch Wald und über Wiesen. Der Weg ist flach und auch für Familien mit Kinderwagen geeignet. Unterwegs gibt es Bänke und Rastplätze, von denen aus man über das Wasser blicken kann. Im Frühling und Herbst sieht man Tausende von Zugvögeln, die auf den Seen rasten.

Im Sommer kann man auf dem Søndersø Boot fahren. Ruderboote und Tretboote sind am Ufer nahe dem Stadtzentrum zu mieten, und eine Fahrt über den stillen See, vorbei an Seerosen und Schilfinseln, gehört zu den entspannendsten Erlebnissen, die Maribo zu bieten hat. Angeln ist in den Seen erlaubt, und Hecht, Barsch und Brasse gehen an die Angel. Eine Angelkarte (fisketegn) kostet 40 DKK (ca. 5 EUR) pro Tag.

Das Baden in den Seen ist an ausgewiesenen Stellen möglich. Der Badestrand am Søndersø hat einen Sandstrand, eine Badeplattform und flaches Wasser, das sich für Kinder eignet. Die Wassertemperatur erreicht im Juli und August 20 bis 23 Grad, da die flachen Seen sich schneller erwärmen als die Ostsee.

Die Altstadt und der Marktplatz

Bunte Häuser am Marktplatz von Maribo mit dem Dom im Hintergrund
Maribos Marktplatz: Bunte Häuser und gemütliche Cafés im Schatten des Doms (KI-generiert)

Die Altstadt von Maribo ist klein und überschaubar, aber voller Charme. Der Torvet, der zentrale Marktplatz, liegt nur wenige Schritte vom Dom entfernt und wird von bunten Häusern aus dem 18. und 19. Jahrhundert gesäumt. Hier stehen das alte Rathaus, die Apotheke und mehrere Geschäfte und Cafés, die zum Verweilen einladen. An Markttagen herrscht reges Treiben, wenn Bauern und Händler ihre Stände aufbauen.

Die Straßen rund um den Marktplatz sind von niedrigen Häusern gesäumt, viele davon mit den für Lolland typischen gelben oder weissen Fassaden und roten Dächern. Es gibt keine Fussgängerzone im eigentlichen Sinn, aber der Verkehr ist so gering, dass man bequem auf der Strasse flanieren kann. Ein Antiquitätenladen, ein Buchhändler und eine Keramikwerkstatt gehören zu den Geschäften, die dem Ort seinen individuellen Charakter geben.

Das Café am Torvet serviert Kaffee, Kuchen und leichte Gerichte auf einer Terrasse mit Blick auf den Platz. Die Preise sind für dänische Verhältnisse moderat, ein Kaffee mit Kuchen kostet etwa 65 DKK (ca. 9 EUR). Im Sommer sitzt man draußen und beobachtet das ruhige Treiben auf dem Platz, im Winter zieht man sich ins Innere zurück und geniesst die Wärme.

Frilandsmuseet und lokale Geschichte

Historische Gebäude im Frilandsmuseum bei Maribo auf Lolland
Das Frilandsmuseum bei Maribo zeigt das ländliche Leben auf Lolland und Falster (KI-generiert)

Das Frilandsmuseet (Freiluftmuseum) bei Maribo zeigt auf einem weitläufigen Gelände historische Gebäude aus Lolland und Falster, die hierher versetzt und originalgetreu aufgebaut wurden. Bauernhöfe, Werkstätten, Schulen und Wohnhäuser aus dem 17. bis 19. Jahrhundert stehen zwischen Gärten und Feldern und geben einen Eindruck vom ländlichen Leben, das diese Inseln über Jahrhunderte geprägt hat.

Die Häuser sind eingerichtet, als wären ihre Bewohner gerade hinausgegangen. In der Küche steht der Eisentopf auf dem Herd, im Schlafzimmer liegen Decken auf dem Alkoven, und in der Scheune hängt das Werkzeug an der Wand. Im Sommer zeigen Handwerker in historischen Kostümen, wie man Butter macht, Wolle spinnt oder Eisen schmiedet. Kinder können beim Brotbacken helfen oder auf dem Hof Hühner und Ziegen füttern.

Das Stiftsmuseum im Stadtzentrum ergänzt das Freiluftmuseum mit einer Ausstellung zur Geschichte Lollands und Falsters. Archäologische Funde aus der Steinzeit und der Wikingerzeit, historische Dokumente und Alltagsgegenstände erzählen die Geschichte der Inseln. Ein Raum ist der Zuckerrübenindustrie gewidmet, die Lolland im 19. Jahrhundert veränderte und bis heute prägt. Eintritt Frilandsmuseet: 70 DKK (ca. 9 EUR).

Natur und Vogelwelt

Schilfgürtel und Wasservögel am Maribo-See auf Lolland
Die Seen um Maribo sind Lebensraum für Tausende von Wasser- und Zugvögeln (KI-generiert)

Die Seen um Maribo gehören zum Natura-2000-Netzwerk und sind als Vogelschutzgebiet ausgewiesen. Die Mischung aus Flachwasser, Schilfzonen und Feuchtwiesen schafft Lebensraum für über 200 Vogelarten, die hier brüten, rasten oder überwintern. Im Frühling und Herbst rasten Zehntausende von Gänsen und Enten auf den Seen, und im Winter kommen Seeadler, die in den großen Bäumen am Ufer nisten.

Für Vogelbeobachter gibt es mehrere Beobachtungstürme und Aussichtspunkte am Seeufer. Der Turm am Nørresø bietet einen weiten Blick über die Schilfzone und die offene Wasserfläche. Von hier aus kann man mit einem Fernglas Rohrweihen, Haubentaucher, Löffelenten und gelegentlich den Seeadler beobachten. Eine Artenliste ist am Turm angebracht und hilft bei der Bestimmung.

Südlich von Maribo liegt das Naturschutzgebiet Bøtø Nor, eine weitläufige Wiesen- und Feuchtlandschaft, die einst ein Teil des Meeres war und im 19. Jahrhundert eingedeicht wurde. Heute ist das Gebiet ein Paradies für Watvögel und Wiesenbrüter. Kiebitz, Rotschenkel und Kampfläufer brüten in den feuchten Wiesen, und im Herbst rasten hier Goldregenpfeifer und Brachvögel in großen Schwärmen.

Die flache Landschaft Lollands eignet sich sehr gut zum Radfahren. Von Maribo aus führen mehrere ausgeschilderte Radrouten durch die Insel. Die Strecke nach Nakskov an der Westküste ist etwa 25 Kilometer lang und verläuft durch Felder und kleine Dörfer. Die Route nach Sakskøbing im Osten führt am Nørresø vorbei und ist besonders im Frühling reizvoll, wenn die Apfelbäume blühen.

Lolland erkunden ab Maribo

Maribo ist der natürliche Ausgangspunkt, um die Insel Lolland zu erkunden. Die Stadt liegt zentral, und alle Ziele der Insel sind in weniger als einer halben Stunde erreichbar. In Nakskov, der grössten Stadt Lollands, stehen bunte Kaufmannshäuser am Hafen, und die alte Zuckerfabrik erinnert an die industrielle Vergangenheit der Insel. Das U-Boot Springeren liegt im Hafen und kann besichtigt werden.

Im Westen Lollands liegt der Knutheborg Safaripark, einer der grössten Tierparks Nordeuropas. Auf einem weitläufigen Gelände mit Wäldern und Wiesenflächen leben Giraffen, Zebras, Tiger und Nashörner in grosszügigen Gehegen. Man fährt mit dem eigenen Auto durch den Park und beobachtet die Tiere aus nächster Nähe. Eintritt: 249 DKK (ca. 33 EUR) für Erwachsene, 149 DKK (ca. 20 EUR) für Kinder.

Die Südküste Lollands bietet einige der wärmsten Strände Dänemarks. Der Strand von Hyldtofte Østersøbad hat feinen Sand, flaches Wasser und Wassertemperaturen, die im Sommer 22 Grad erreichen können. Die Südlage schützt vor den kühlen Nordwinden, und die Sonne scheint hier im Durchschnitt mehr als anderswo in Dänemark. Ferienhäuser gibt es entlang der gesamten Südküste.

Über die Brücke bei Sakskøbing erreicht man die Nachbarinsel Falster und von dort aus Nykøbing Falster, die grösste Stadt der Inselgruppe. Die Fahrt von Maribo nach Nykøbing dauert etwa 25 Minuten. Wer nach Deutschland weiterreisen möchte, kann die Fähre von Rødby nach Puttgarden nehmen, die Überfahrt dauert 45 Minuten.

Praktische Tipps und Anreise

Maribo erreicht man von Kopenhagen aus per Zug in etwa zwei Stunden. Die Bahnstrecke führt über Ringsted und Nykøbing Falster nach Maribo. Der Bahnhof liegt am Rand der Altstadt, und das Stadtzentrum ist in fünf Minuten zu Fuss erreichbar. Mit dem Auto dauert die Fahrt über die E47 und E55 etwa 90 Minuten.

Von Deutschland aus ist Lolland über die Fähre Puttgarden nach Rødby erreichbar. Die Überfahrt dauert 45 Minuten, und von Rødby sind es 25 Kilometer bis Maribo. Mit der Fertigstellung des Fehmarnbelt-Tunnels, der voraussichtlich 2029 eröffnet wird, entfällt die Fähre, und die Fahrzeit von Hamburg nach Maribo wird sich auf etwa zwei Stunden verkürzen.

An Unterkünften gibt es in Maribo Hotels, Pensionen und Campingplätze. Das Hotel Maribo Søpark liegt direkt am See und bietet Zimmer mit Seeblick. Ferienhäuser finden sich vor allem an der Südküste Lollands. Die Preise sind deutlich niedriger als auf Seeland oder in Nordjütland. Ein Ferienhaus für vier Personen kostet ab 400 EUR pro Woche, ein Doppelzimmer im Hotel ab 600 DKK (ca. 80 EUR) pro Nacht.

Lolland ist eine der sonnenreichsten Regionen Dänemarks. Die Insel profitiert von ihrer südlichen Lage und hat im Durchschnitt mehr Sonnenstunden als der Rest des Landes. Die beste Reisezeit liegt zwischen Mai und September.

Häufig gestellte Fragen

Wie kommt man von Deutschland nach Maribo?

Die schnellste Verbindung führt über die Fähre Puttgarden nach Rødby (45 Minuten Überfahrt). Von Rødby sind es 25 Kilometer bis Maribo. Alternativ kann man über die Storebælt-Brücke und Seeland anreisen, was etwa eine Stunde länger dauert, aber keine Fähre erfordert.

Kann man im Maribo-See schwimmen?

Ja, am Søndersø gibt es einen ausgewiesenen Badestrand mit Sandstrand und Badeplattform. Das Wasser ist flach und erreicht im Sommer Temperaturen von 20 bis 23 Grad. Der Strand eignet sich gut für Familien mit kleinen Kindern.

Lohnt sich der Knutheborg Safaripark?

Der Safaripark gehört zu den grössten Tierparks Nordeuropas und ist besonders für Familien ein Highlight. Man fährt mit dem eigenen Auto durch weitläufige Gehege und sieht Giraffen, Zebras und Nashörner aus nächster Nähe. Für den Besuch sollte man mindestens einen halben Tag einplanen.

Gibt es auf Lolland gute Strände?

Die Südküste Lollands bietet einige der wärmsten Strände Dänemarks. Hyldtofte Østersøbad und der Strand bei Bredfjed haben feinen Sand und flaches Wasser. Die Wassertemperatur kann im Sommer 22 Grad erreichen. Die Strände sind selten überfüllt, selbst in der Hochsaison.

Ist Maribo auch im Winter einen Besuch wert?

Im Winter ist Maribo sehr ruhig, aber die Seen haben ihren eigenen Reiz, besonders wenn sie zugefroren sind. Der Dom ist ganzjährig geöffnet, und die Adventszeit bringt einen kleinen Weihnachtsmarkt auf den Torvet. Die Hotelpreise sind im Winter deutlich niedriger.

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Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026

Lokale Tipps

Gut zu wissen

Dagens Ret: Fast jedes Restaurant bietet werktags ein Tagesgericht (Dagens Ret) für 80-130 DKK an, oft mit Salat und Kaffee. Das ist die günstigste Art, in Dänemark warm zu essen.

Lokale Bäckereien: Vergiss die Ketten und geh in die Bageri um die Ecke. Ein frisches Rugbrød (Roggenbrot) und Wienerbrød (Plundergebäck) kosten einen Bruchteil der Touristencafés.

Spartipp: Die Too Good To Go App ist in Dänemark riesig. Überraschungstüten von Bäckereien und Restaurants ab 29 DKK. Und: Leitungswasser im Restaurant ist immer kostenlos.