Roadtrips in Dänemark
Dänemark ist ein Land, das sich am besten auf vier Rädern erschließt. Die Entfernungen sind überschaubar, die Straßen gut ausgebaut, und hinter jeder Kurve wartet eine neue Landschaft: breite Nordseestrände, sanfte Hügel in Mitteljütland, stille Fjorde, bunte Hafenstädte. Ein Roadtrip durch Dänemark hat den Vorteil, dass man nie stundenlang auf der Autobahn sitzt. Die Etappen sind kurz genug, um unterwegs anzuhalten, wann immer etwas lockt.
In diesem Artikel stelle ich vier Routen vor, die unterschiedliche Seiten des Landes zeigen. Von der wilden Westküste über die touristische Margeritenroute bis zum Inselhüpfen in der dänischen Südsee ist für jeden Geschmack etwas dabei. Dazu gibt es praktische Informationen zu Kosten, Fähren, Verkehrsregeln und Unterkünften.
Warum Dänemark ein Roadtrip-Land ist
Das gesamte dänische Festland, also Jütland, ist nur rund 350 Kilometer lang und maximal 150 Kilometer breit. Die Inseln Fünen und Seeland sind noch kompakter. Das bedeutet: Du kannst morgens an der Nordsee frühstücken und nachmittags in Kopenhagen Kaffee trinken. Kein Etappenziel ist weiter als drei Autostunden entfernt.
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Die Straßenqualität ist durchweg gut. Autobahnen verbinden die großen Städte, und die Landstraßen sind asphaltiert und gut beschildert. Staus gibt es fast nur im Großraum Kopenhagen und auf den Zufahrten zur Storebælt-Brücke am Freitagnachmittag. Ansonsten fährt man entspannt und zügig.
Besonders reizvoll sind die Küstenstraßen. Dänemark hat über 7.300 Kilometer Küstenlinie, und ein großer Teil davon ist mit dem Auto erreichbar. Manche Abschnitte, besonders an der Nordsee, gehören zu den schönsten Küstenstraßen Nordeuropas. Dazu kommen die Brücken: Die Storebælt-Brücke (Großer Belt) und die Øresundbrücke verbinden die Landesteile und sind selbst ein Erlebnis.
Route 1: Die Nordseeküste von Süd nach Nord
Diese Route führt entlang der gesamten dänischen Westküste, von der deutsch-dänischen Grenze bis zur Nordspitze Jütlands. Sie ist etwa 350 Kilometer lang und lässt sich in vier bis fünf Tagen bequem abfahren.
Start ist in Tønder, der südlichsten Stadt Jütlands, bekannt für ihr jährliches Folkmusik-Festival. Von dort geht es nach Ribe, Dänemarks älteste Stadt mit ihrem mittelalterlichen Stadtkern und dem starken Dom. In Ribe solltest du mindestens einen halben Tag einplanen, idealerweise mit einem Spaziergang zum Wattenmeer bei Ebbe.
Weiter nördlich liegt Blåvand, ein beliebter Ferienort mit einem der breitesten Strände Dänemarks. Die Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg, die von einem Künstler in riesige Mulepferde verwandelt wurden, sind ein originelles Fotomotiv. Von Blåvand geht es nach Hvide Sande am Ringkøbing Fjord, wo die Nordsee auf einen ruhigen Binnenfjord trifft.
Der nördliche Abschnitt wird wilder. Bei Bovbjerg Fyr steht ein roter Leuchtturm auf einer 40 Meter hohen Steilklippe. Weiter nördlich folgt der Thy Nationalpark, Dänemarks erster Nationalpark, mit seinen weitläufigen Dünen und Heideflächen. In Klitmøller, dem dänischen Cold Hawaii, kannst du Surfern zuschauen oder es selbst versuchen.
Die Route endet in Skagen, wo Nordsee und Ostsee aufeinandertreffen. Am Grenen, der nördlichsten Spitze, stehst du mit einem Fuß in der Nordsee und dem anderen in der Ostsee. Skagen selbst ist ein hübscher Ort mit gelb getünchten Häusern, guten Fischrestaurants und dem Skagens Museum, das die berühmten Skagenmaler zeigt.
Route 2: Die Margeritenroute
Die Margeritenroute (Margueritruten) ist Dänemarks bekannteste touristische Straße. Sie erstreckt sich über 3.600 Kilometer durch das ganze Land und verbindet die schönsten Landschaften, Sehenswürdigkeiten und Kulturorte. Braune Schilder mit einer weißen Margerite weisen den Weg.
Niemand fährt die gesamte Route auf einmal. Stattdessen sucht man sich Abschnitte heraus, die zu den eigenen Interessen passen. Für einen einwöchigen Roadtrip empfehle ich den Abschnitt von Aarhus über Silkeborg nach Ribe, der durch das grüne Herz Jütlands führt. Hier wechseln sich Seen, Wälder und Heideflächen ab, und die Dörfer am Weg bewahren den Charme vergangener Zeiten.
Ein anderer lohnender Abschnitt führt über Fünen, die Insel zwischen Jütland und Seeland. Die Margeritenroute durchquert hier eine liebliche Landschaft mit Herrenhäusern, Obstplantagen und kleinen Häfen. In Odense, der Geburtsstadt Hans Christian Andersens, lohnt ein Stopp für das Museum des Märchendichters. Und im Süden Fünens liegt Faaborg, eine der charmantesten Kleinstädte des Landes.
Die Margeritenroute ist bewusst als Nebenstrecke angelegt. Sie meidet Autobahnen und führt stattdessen über Landstraßen und durch Dörfer. Das Tempo ist langsamer, dafür sieht man mehr. An vielen Punkten gibt es braune Informationstafeln, die auf Sehenswürdigkeiten in der Nähe hinweisen.
Route 3: Inselhüpfen in der dänischen Südsee
Die dänische Südsee liegt südlich von Fünen und umfasst ein Archipel aus über 50 Inseln, von denen rund 30 bewohnt sind. Ein Roadtrip durch dieses Gebiet kombiniert Autofahrten mit Fährüberfahrten und bietet ein Dänemark abseits der Touristenströme.
Start ist in Svendborg auf Fünen, einem lebhaften Hafenstädtchen mit guter Gastronomie. Von hier nimmt man die Fähre nach Ærø, einer Insel, die wie eine Zeitkapsel wirkt. Die Hauptstadt Ærøskøbing mit ihren bunten Fachwerkhäusern aus dem 17. und 18. Jahrhundert gehört zu den besterhaltenen Kleinstädten Dänemarks. Hier gibt es keine Eile, keine Hektik, nur schmale Gassen, Stockrosen vor den Türen und den Geruch von Meer.
Von Ærø geht es mit einer anderen Fähre nach Langeland, einer langgestreckten Insel mit wilden Pferden im Süden und dem mittelalterlichen Schloss Tranekær im Norden. Dann weiter nach Tåsinge, das über eine Brücke mit Fünen verbunden ist, und schließlich zur kleinen Insel Thurø, die Segler aus ganz Skandinavien anzieht.
Für diese Route solltest du fünf bis sieben Tage einplanen. Die Fähren verkehren regelmäßig, aber nicht stündlich. Plane die Überfahrten im Voraus und buche in der Hochsaison (Juli/August) reservierte Plätze. Die Fährpreise variieren je nach Strecke. Die Überfahrt Svendborg-Ærøskøbing kostet für ein Auto mit zwei Personen rund 450 DKK (60 EUR) für die einfache Fahrt.
Route 4: Quer durch Jütland
Diese Route verbindet die Ost- mit der Westküste und zeigt die landschaftliche Vielfalt der jütischen Halbinsel. Start ist in Aarhus, Dänemarks zweitgrößter Stadt, bekannt für das Aros Kunstmuseum, das Freilichtmuseum Den Gamle By und eine lebhafte Café-Szene.
Von Aarhus geht es westwärts über Silkeborg am Julsø-See. Silkeborg liegt inmitten des dänischen Seengebiets, einer Landschaft, die so gar nicht dem flachen Dänemark-Klischee entspricht. Bewaldete Hügel, tiefblaue Seen und gewundene Flüsse prägen das Bild. Die Himmelbjerget, mit 147 Metern einer der höchsten Punkte des Landes, bietet einen Panoramablick, der an klaren Tagen bis zum Kattegat reicht.
Weiter westlich liegt die Heide. Hier wird die Landschaft weiter und karger. Bei Herning erstreckt sich die größte zusammenhängende Heidefläche Dänemarks. Im August, wenn die Heide blüht, färbt sich die Fläche violett, und der Anblick ist überwältigend. Außerhalb der Blütezeit hat die Heide einen spröden Charme, braun und windgepeitscht, aber auf ihre Art schön.
Die Route endet an der Nordsee, wahlweise in Hvide Sande oder Søndervig. Beide Orte bieten breite Sandstrände und die Möglichkeit, den Tag mit einem Spaziergang am Meer ausklingen zu lassen. Die Gesamtstrecke von Aarhus zur Westküste beträgt nur etwa 120 Kilometer, aber mit Stopps und Umwegen wird daraus leicht ein Drei-Tages-Trip.
Ein Abstecher lohnt sich zum Jelling, einem kleinen Ort südlich von Vejle, der zum UNESCO-Welterbe gehört. Die Runensteine von Jelling, errichtet im 10. Jahrhundert von den Wikingerkönigen Gorm dem Alten und Harald Blauzahn, gelten als Geburtsurkunde Dänemarks. Das zugehörige Museum erzählt die Geschichte der Wikinger in dieser Region und ist kostenlos zugänglich.
Kosten und Budget
Ein Roadtrip durch Dänemark ist nicht billig, aber die Kosten lassen sich mit etwas Planung im Griff behalten. Hier eine Übersicht der wichtigsten Posten:
Mietwagen: Ein Kleinwagen kostet ab etwa 350 DKK (47 EUR) pro Tag, ein Mittelklassewagen ab 500 DKK (67 EUR). Die günstigsten Angebote findest du, wenn du mindestens vier Wochen im Voraus buchst. An Flughäfen sind die Preise höher als in der Innenstadt.
Benzin: Der Literpreis für Benzin liegt bei etwa 13 DKK (1,74 EUR), Diesel kostet rund 11 DKK (1,48 EUR). Ein sparsamer Kleinwagen verbraucht auf 100 Kilometer rund 6 Liter, was Treibstoffkosten von etwa 78 DKK (10,50 EUR) pro 100 Kilometer ergibt.
Brückenmaut: Die Storebælt-Brücke kostet für einen PKW 260 DKK (35 EUR) pro Fahrt. Wenn du von Jütland nach Seeland oder Kopenhagen willst, kommst du an dieser Brücke nicht vorbei. Die Øresundbrücke nach Schweden kostet 390 DKK (52 EUR) pro Fahrt, ist aber für reine Dänemark-Trips nicht relevant.
Unterkunft: Ein Ferienhaus für vier Personen kostet je nach Lage und Saison zwischen 600 und 1.500 DKK (80 bis 200 EUR) pro Nacht. Hotels in größeren Städten beginnen bei rund 800 DKK (107 EUR) für ein Doppelzimmer. Campingplätze sind günstiger, ab etwa 250 DKK (33 EUR) pro Nacht für zwei Personen mit Auto.
Essen: Ein Mittagessen im Restaurant kostet zwischen 100 und 180 DKK (13 bis 24 EUR). Wer selbst kocht, spart erheblich. Die Supermärkte Netto, Rema 1000 und Aldi bieten günstige Lebensmittel, und Ferienhäuser haben immer eine Küche.
Praktische Tipps für Selbstfahrer
Die Verkehrsregeln in Dänemark entsprechen weitgehend dem europäischen Standard. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 130 km/h auf Autobahnen, 80 km/h auf Landstraßen und 50 km/h innerorts. Abblendlicht ist auch tagsüber Pflicht. Radarkontrollen sind häufig, und die Bußgelder sind hoch: Wer in einer 50er-Zone mit 80 km/h erwischt wird, zahlt mindestens 2.000 DKK (268 EUR).
Die Promillegrenze liegt bei 0,5. Bei Vergehen wird das Bußgeld in Promille des Nettoeinkommens berechnet, was für dänische Verhältnisse empfindliche Summen ergeben kann. Am sichersten ist es, auf Alkohol am Steuer komplett zu verzichten.
Auf manchen Strandabschnitten an der Westküste ist das Autofahren am Strand erlaubt. Das klingt verlockend und ist es auch, aber es gibt Regeln. Fahre nur auf den markierten Abschnitten, halte dich an die Tempo-30-Begrenzung und meide weiches Sand. Ein festgefahrener Wagen im Sand vor der aufkommenden Flut ist eine Situation, die niemand erleben möchte. Wenn du unsicher bist, lass es lieber.
Parken ist in den Städten gebührenpflichtig. In Kopenhagen kosten Parkplätze bis zu 47 DKK (6,30 EUR) pro Stunde. In kleineren Städten sind die Gebühren moderater. Nutze die Park-Apps EasyPark oder ParkPark, die in ganz Dänemark funktionieren. In Ferienhausgebieten ist das Parken fast immer kostenlos.
Wer mit dem eigenen Auto aus Deutschland anreist, hat zwei Hauptrouten: über die Grenzübergänge bei Flensburg/Padborg oder mit der Fähre von Puttgarden nach Rødby. Die Landroute ist kürzer, die Fähre bietet eine angenehme Pause. Ab 2029 soll der Fehmarnbelt-Tunnel die Fähre ersetzen und die Fahrzeit zwischen Hamburg und Kopenhagen deutlich verkürzen.
Ein letzter Tipp: Lade dir die App Rejseplanen herunter. Sie ist eigentlich für den öffentlichen Nahverkehr gedacht, zeigt aber auch Fährverbindungen und Brückenquerungen an. Und nimm dir eine physische Straßenkarte mit. Die dänischen Landstraßen haben manchmal keinen Mobilfunkempfang, und dann ist eine Papierkarte Gold wert.
Häufig gestellte Fragen
Braucht man für einen Roadtrip in Dänemark ein Auto?
Ja, für die ländlichen Gebiete und Küstenabschnitte ist ein Auto fast unverzichtbar. Der öffentliche Nahverkehr deckt die Städte gut ab, aber Ferienhäuser, Strände und Leuchttürme erreichst du am besten mit dem eigenen Wagen. Mietwagen gibt es ab etwa 350 DKK (47 EUR) pro Tag.
Was kostet die Storebælt-Brücke?
Die Maut für einen PKW beträgt 260 DKK (35 EUR) pro Fahrt. Eine BroPas-Karte lohnt sich, wenn du die Brücke mehrmals überqueren willst. Sie kostet einmalig 185 DKK und gewährt dann Rabatte auf jede Überfahrt.
Wie lange sollte ein Roadtrip durch Dänemark dauern?
Mindestens eine Woche, um einen Landesteil gründlich zu erkunden. Für die gesamte Nordseeküste von Süd nach Nord plane vier bis fünf Tage ein. Wer das ganze Land sehen will, braucht mindestens zwei Wochen, besser drei.
Kann man in Dänemark am Strand Auto fahren?
Ja, an einigen Abschnitten der Nordseeküste ist das Fahren am Strand erlaubt und markiert. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 30 km/h. Achte auf weiches Sand und steigende Flut. Auf den meisten Stränden Seelands und der Inseln ist das Fahren nicht gestattet.
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026