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Reetdachhaus in Dänemark
Urlaub unter dem traditionellen Strohdach

Reetdachhaus in Dänemark

12 Min. Lesezeit

Es gibt Häuser, in denen man übernachtet. Und es gibt Häuser, in denen man ankommt. Ein Reetdachhaus in Dänemark gehört zur zweiten Kategorie. Sobald du die Tür öffnest, umfängt dich ein Geruch nach Holz und altem Stroh, die Decken sind niedrig, die Wände dick, und draußen rauscht der Wind durch die Dünen. Das ist kein Urlaub im Ferienhaus. Das ist Zeitreise und Geborgenheit gleichzeitig.

Ich habe in den letzten Jahren mehrere Reetdachhäuser in verschiedenen Regionen Dänemarks gemietet. Jedes hatte seinen eigenen Charakter, seine eigene Geschichte. Was sie alle gemeinsam hatten: dieses unverwechselbare Gefühl, das entsteht, wenn über dir statt Beton und Ziegel ein lebendiges Dach aus Schilfgras liegt. In diesem Artikel erzähle ich, was Reetdachhäuser ausmacht, wo du die schönsten findest und was du bei der Buchung beachten solltest.

Traditionelles dänisches Reetdachhaus mit weißen Wänden und gepflegtem Garten
Typisches dänisches Reetdachhaus mit charakteristischem Strohdach (KI-generiert)

Was ein Reetdachhaus so besonders macht

Reet, im Dänischen „stråtag" genannt, ist nichts anderes als Schilfgras. Es wächst in Feuchtgebieten, an Seen und in Flussauen. In Dänemark wird Reet seit Jahrhunderten als Baumaterial verwendet, und bis heute gibt es Handwerksbetriebe, die sich auf das Decken von Reetdächern spezialisiert haben. Ein gut gemachtes Reetdach hält 30 bis 50 Jahre, manche sogar länger.

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Das Besondere am Reet ist seine natürliche Isolierfähigkeit. Ein Reetdach ist im Winter warm und im Sommer kühl. Die dicke Schicht aus getrocknetem Schilf speichert Wärme, wenn es draußen kalt ist, und hält die Hitze ab, wenn die Sonne auf das Dach brennt. Klimaanlagen oder aufwändige Dämmungen sind in einem Reetdachhaus überflüssig. Das Material reguliert die Temperatur von selbst.

Dazu kommt die Akustik. Unter einem Reetdach ist es leiser als unter Ziegeln oder Blech. Regen prasselt gedämpft auf das dicke Strohdach, Wind wird geschluckt statt verstärkt. Selbst bei Sturm, und an der dänischen Nordsee gibt es davon reichlich, bleibt es im Inneren erstaunlich ruhig. Dieses Wohngefühl ist schwer in Worte zu fassen, aber wer es einmal erlebt hat, will es nicht mehr missen.

Geschichte der Reetdachhäuser in Dänemark

Reetdachhäuser gibt es in Dänemark seit dem Mittelalter. Die ältesten erhaltenen Exemplare stammen aus dem 17. Jahrhundert, aber das Bauprinzip ist noch viel älter. Schilf war der günstigste und am leichtesten verfügbare Baustoff für Dächer. Ziegel konnten sich nur wohlhabende Stadtbewohner leisten, und Holzschindeln waren in den baumarmen Küstenregionen Jütlands Mangelware.

So wurde Reet zum Standardmaterial für Bauernhäuser, Fischerhütten und Landsitze gleichermaßen. Auf den Inseln Fanø und Rømø, wo der Seehandel im 18. Jahrhundert für Wohlstand sorgte, bauten die Kapitäne prächtige Reetdachhäuser mit aufwändigen Fassaden. Diese Häuser stehen zum Teil noch heute und sind als Kulturdenkmäler geschützt.

Im 20. Jahrhundert geriet das Reetdach in Dänemark in Vergessenheit. Moderne Baustoffe waren billiger und pflegeleichter. Viele Reetdachhäuser verfielen oder wurden abgerissen. Erst seit den 1980er Jahren erlebte das Reetdach eine Renaissance. Die Menschen erkannten den kulturellen Wert und die architektonische Schönheit dieser Bauweise. Heute werden in Dänemark wieder neue Häuser mit Reetdach gebaut, und die alten Bestände werden aufwändig restauriert.

Die schönsten Regionen für Reetdachhäuser

Reetdachhäuser findest du in ganz Dänemark, aber manche Regionen haben eine besonders hohe Dichte und eine besonders lange Tradition. Hier sind die Gebiete, in denen das Erlebnis am authentischsten ist.

Fanø ist die Königin der Reetdachhäuser. Die kleine Insel vor der Westküste Jütlands hat den höchsten Anteil an reetgedeckten Gebäuden in ganz Dänemark. Im Hauptort Nordby stehen die historischen Kapitänshäuser dicht an dicht, jedes mit seinem eigenen Charakter. Viele dieser Häuser können als Ferienhäuser gemietet werden. Die Atmosphäre auf Fanø ist anders als alles andere: keine Hotelburgen, kein Massentourismus, nur Dünen, Strand und diese wunderbaren alten Häuser.

Reetdachhaus hinter Dünen an der dänischen Nordseeküste
Reetdachhäuser fügen sich in die Dünenlandschaft ein wie kein anderer Haustyp (KI-generiert)

Rømø bietet ähnliche Qualitäten wie die Nachbarinsel, ist aber größer und hat einen der breitesten Strände Europas. Die Reetdachhäuser auf Rømø stehen oft etwas weiter auseinander als auf Fanø. Das gibt dir mehr Privatsphäre und Ruhe. Die Insel ist über einen Damm mit dem Festland verbunden, was die Anreise unkompliziert macht.

Nordjütland rund um Skagen und Løkken hat ebenfalls eine reiche Tradition an Reetdachhäusern. Hier waren es vor allem Fischer und Bauern, die unter Reet lebten. Die Häuser sind oft etwas einfacher als die Kapitänshäuser auf Fanø, haben dafür aber einen bodenständigen Charme, der dir das Gefühl gibt, Teil der Landschaft zu sein.

Südfünen und die Inseln der Dänischen Südsee bieten Reetdachhäuser in einer sanfteren Landschaft. Statt Dünen und Nordseewind erwartet dich hier eine hügelige Landschaft mit Obstgärten und Buchenwäldern. Die Häuser auf Ærø und Langeland sind besonders hübsch und stehen oft in kleinen Dörfern, in denen die Zeit stehengeblieben zu sein scheint.

Bornholm hat seinen eigenen Baustil. Die Reetdachhäuser auf der Ostseeinsel sind kleiner und gedrungener als auf dem Festland. Viele haben Fachwerk aus hellem Holz und dicke Feldsteinmauern. Die Kombination aus Reetdach, Fachwerk und Granitstein ist typisch für Bornholm und findet sich so nirgendwo sonst in Dänemark.

Raumklima und Wohngefühl unter Reet

Wer zum ersten Mal ein Reetdachhaus betritt, bemerkt sofort den Unterschied zu einem modernen Ferienhaus. Die Luft ist anders. Nicht trocken wie in einem klimatisierten Neubau, nicht muffig wie in einem schlecht gelüfteten Altbau. Reet atmet. Das Material reguliert die Feuchtigkeit im Raum auf natürliche Weise und sorgt für ein ausgeglichenes Raumklima.

Gemütliches Inneres eines dänischen Reetdachhauses mit Holzbalken und Kamin
Holzbalken und niedrige Decken schaffen eine gemütliche Atmosphäre (KI-generiert)

Die meisten Reetdachhäuser haben niedrigere Decken als moderne Bauten. Was zunächst beengend klingen mag, fühlt sich in der Praxis erstaunlich gemütlich an. Die niedrigen Räume speichern Wärme besser und schaffen eine Intimität, die hohe Decken nicht bieten können. Besonders an Winterabenden, wenn der Kamin knistert und draußen der Sturm heult, entfaltet diese Bauweise ihren ganzen Zauber.

Die Wände in Reetdachhäusern sind oft dicker als in Neubauten, manchmal 40 bis 50 Zentimeter. Das liegt an der traditionellen Bauweise mit Feldstein oder dickem Mauerwerk. Die tiefen Fensterlaibungen laden zum Hinsetzen ein und geben dem Haus einen wehrhaften, schützenden Charakter. Du fühlst dich geborgen, auch wenn der Novembersturm mit 80 Stundenkilometern über die Küste fegt.

Viele modernisierte Reetdachhäuser verbinden das alte Ambiente mit zeitgemäßem Komfort. Fußbodenheizung unter Dielenböden, moderne Küchen hinter alten Holzfronten, stilvolle Badezimmer in ehemaligen Vorratskammern. Diese Mischung aus alt und neu macht den besonderen Reiz aus. Du wohnst in einem Haus mit Geschichte, musst aber auf nichts verzichten.

Reetdachhaus als Ferienhaus mieten

Die Nachfrage nach Reetdachhäusern als Ferienhäuser ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Viele Eigentümer haben ihre Häuser liebevoll renoviert und bieten sie über die gängigen Ferienhausportale an. Bei der Suche solltest du einige Dinge beachten.

Die Filteroptionen der großen Portale erlauben es nicht immer, gezielt nach Reetdachhäusern zu suchen. Manche Anbieter haben eine entsprechende Kategorie, bei anderen musst du über die Suchbegriffe „Reetdach", „stråtag" oder „thatched roof" arbeiten. Schau dir die Fotos genau an. Ein echtes Reetdach erkennst du an der typischen goldbraunen Färbung und der weichen, abgerundeten Dachkante.

Bei der Buchung solltest du auf das Baujahr und den Renovierungsstand achten. Ein historisches Reetdachhaus aus dem 18. Jahrhundert hat seinen Reiz, kann aber auch Einschränkungen mit sich bringen: niedrige Türen, steile Treppen, kleine Fenster. Für Familien mit Kleinkindern ist ein renoviertes Haus mit ebenerdigen Schlafzimmern oft die bessere Wahl.

Prüfe auch, ob das Haus über einen Kamin verfügt. Ein Reetdachhaus ohne Kamin ist wie ein Segelboot ohne Segel. Es funktioniert zwar, aber es fehlt etwas Wesentliches. Der Kamin ist das Herz des Reetdachhauses, besonders in der kühleren Jahreszeit.

Preise und Buchungstipps

Reetdachhäuser kosten im Schnitt 10 bis 30 Prozent mehr als vergleichbare moderne Ferienhäuser. Das liegt am höheren Instandhaltungsaufwand und an der begrenzten Verfügbarkeit. Ein Reetdach muss regelmäßig gewartet werden, und die Versicherungskosten sind höher als bei Ziegeldächern. Diese Kosten legen die Eigentümer auf den Mietpreis um.

In der Nebensaison (Oktober bis April) findest du einfache Reetdachhäuser ab etwa 400 Euro pro Woche. Gehobene Häuser mit moderner Ausstattung, großem Garten und Meerblick liegen bei 600 bis 900 Euro. In der Hauptsaison im Juli verdoppeln sich diese Preise annähernd.

Besonders gefragt sind Reetdachhäuser über Weihnachten und Silvester. Die Kombination aus historischem Ambiente, Kaminfeuer und winterlicher Küstenlandschaft zieht viele Urlaüber an. Wenn du zu dieser Zeit ein Reetdachhaus haben willst, solltest du spätestens im September des Vorjahres buchen.

Reetdachhaus im Winter mit Schnee auf dem Dach und warmem Licht in den Fenstern
Im Winter entfalten Reetdachhäuser ihren vollen Charme (KI-generiert)

Mein Tipp für den besten Preis: Buche für den Zeitraum Ende September bis Anfang November. Die Farben der Natur sind großartig, die Strände leer, und die Preise liegen bei etwa der Hälfte des Sommerpreises. Packe warme Kleidung ein, kauf dir Brennholz beim lokalen Kaufmann, und genieße die Abende vor dem Kamin.

Pflege und Besonderheiten des Reetdachs

Als Ferienhausmieter musst du dich nicht um die Pflege des Reetdachs kümmern. Trotzdem ist es interessant zu wissen, was hinter dieser traditionsreichen Bauweise steckt.

Ein neues Reetdach ist etwa 30 bis 40 Zentimeter dick. Das Schilf wird in Bündeln auf die Dachlattung gelegt und mit Draht oder Holzspießen befestigt. Die Arbeit ist reine Handarbeit und erfordert viel Erfahrung. Ein guter Reetdachdecker braucht für ein durchschnittliches Haus etwa zwei bis drei Wochen. Die Kosten für ein neues Reetdach liegen bei 40.000 bis 80.000 DKK (5.400 bis 10.700 Euro) pro 100 Quadratmeter Dachfläche.

Als Mieter gibt es eine wichtige Regel: Feuer und Reetdach vertragen sich nicht. Das Grillen direkt neben dem Haus ist in den meisten Fällen verboten. Halte dich an die Vorgaben des Vermieters, was den Grillplatz angeht. Feuerwerkskörper in der Nähe von Reetdachhäusern sind ebenfalls tabu. Auch das Rauchen im Freien sollte mit Abstand zum Haus erfolgen.

Gepflegter Garten eines dänischen Reetdachhauses mit Staketenzaun und blühenden Rosen
Viele Reetdachhäuser haben liebevoll gepflegte Gärten (KI-generiert)

Die Kamine in Reetdachhäusern sind speziell gesichert. Der Schornstein ist doppelt isoliert und ragt weit über die Dachfläche hinaus, damit keine Funken auf das Reet fallen. Trotzdem solltest du den Kamin nur mit trockenem, unbehandeltem Holz befeuern und auf Zeitungspapier als Anzünder verzichten. Brennende Papierfetzen können durch den Schornstein aufsteigen.

Reetdachhaus kaufen in Dänemark

Wer sich in die Reetdachhäuser verliebt hat, denkt vielleicht über einen Kauf nach. Als EU-Bürger kannst du in Dänemark grundsätzlich Immobilien erwerben, aber bei Ferienhäusern gelten Sonderregeln. Du musst nachweisen, dass du eine besondere Bindung an Dänemark hast, etwa durch langjährigen regelmäßigen Aufenthalt. Das Justizministerium entscheidet über den Antrag.

Die Preise für Reetdachhäuser variieren stark je nach Lage, Zustand und Größe. Ein renovierungsbedürftiges Haus auf dem Land kostet ab etwa 800.000 DKK (107.000 Euro). Ein komplett saniertes Haus in guter Lage auf Fanø oder an der Nordseeküste kann leicht 3 bis 5 Millionen DKK (400.000 bis 670.000 Euro) kosten.

Bedenke die laufenden Kosten. Ein Reetdach muss alle 5 bis 10 Jahre teilweise ausgebessert und alle 30 bis 50 Jahre komplett erneuert werden. Die Gebäudeversicherung für Reetdachhäuser liegt etwa 50 Prozent über der für konventionelle Häuser. Dafür bekommst du ein Stück dänische Baukultur, das mit jedem Jahr wertvoller wird.

Häufige Fragen

Sind Reetdachhäuser feuergefährlich?

Reetdächer sind brennbar, ja. Aber die modernen Sicherheitsstandards reduzieren das Risiko erheblich. Die Schornsteine sind doppelt isoliert, Rauchmelder sind Pflicht, und die Brandschutzvorgaben für die Elektrik sind strenger als bei normalen Häusern. Statistisch gesehen brennen Reetdachhäuser in Dänemark nicht häufiger als andere Gebäude. Halte dich an die Regeln bezüglich Grillen und offenes Feuer, dann bist du auf der sicheren Seite.

Gibt es Reetdachhäuser mit Pool?

Vereinzelt ja, aber die Kombination ist selten. Traditionelle Reetdachhäuser haben in der Regel keinen Pool. Es gibt allerdings neuere Ferienhäuser im Reetdach-Stil, die einen Poolanbau haben. Diese verbinden die Optik des Reetdachs mit modernem Komfort. Erwarte jedoch höhere Preise: 1.200 bis 2.000 Euro pro Woche in der Hauptsaison.

Eignen sich Reetdachhäuser für Familien mit kleinen Kindern?

Grundsätzlich ja, aber mit Einschränkungen. Achte bei der Buchung auf ebenerdige Schlafzimmer und moderne Treppen. Historische Häuser haben oft steile, enge Stiegen. Prüfe auch, ob der Garten eingezäunt ist. Die meisten renovierten Reetdachhäuser sind familienfreundlich ausgestattet, inklusive Hochstuhl und Kinderbett auf Anfrage.

Wann ist die beste Reisezeit für ein Reetdachhaus?

Jede Jahreszeit hat ihren Reiz. Im Sommer genießt du die langen Abende im Garten. Im Herbst die Stürme und die Farben der Natur. Im Winter das Kaminfeuer und die dänische Hygge. Für das intensivste Reetdachhaus-Erlebnis empfehle ich Oktober oder November: günstige Preise, dramatische Natur und Abende, an denen der Kamin den Mittelpunkt des Familienlebens bildet.

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Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026