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Louisiana Museum
Kunst am Øresund

Louisiana Museum

10 Min. Lesezeit

Nördlich von Kopenhagen, wo die Küste Seelands sanft zum Øresund abfällt, liegt eines der bemerkenswertesten Museen Europas. Das Louisiana Museum of Modern Art verbindet Architektur, Natur und Kunst auf eine Weise, die Besucher seit über sechs Jahrzehnten in ihren Bann zieht. Es ist kein Museum, in dem man schweigend durch weiße Säle wandert. Hier tritt man aus einem Ausstellungsraum und steht plötzlich unter alten Buchen, den Blick auf die schwedische Küste gerichtet, während eine Skulptur von Henry Moore im Gras steht.

Rund 700.000 Menschen besuchen Louisiana jedes Jahr. Damit ist es das meistbesuchte Kunstmuseum Dänemarks und ein Ort, der selbst Menschen anspricht, die mit zeitgenössischer Kunst sonst wenig anfangen können. Das liegt an der Atmosphäre, an der Verbindung von Innen und Außen, an der Sorgfalt, mit der jedes Detail durchdacht ist.

Ein Museum zwischen Bäumen und Meer

Der erste Eindruck beim Betreten des Geländes ist ungewöhnlich für ein Museum dieser Größe. Es gibt keinen monumentalen Eingang, keine Freitreppe, keinen Platz, der Ehrfurcht einflößen soll. Stattdessen betritt man eine weiße Villa aus dem 19. Jahrhundert, die den Kern des Gebäudeensembles bildet. Von hier aus führen verglaste Korridore durch den Park, verbinden Ausstellungsflügel miteinander und öffnen immer wieder den Blick nach draußen.

Diese Durchlässigkeit zwischen Innen und Außen ist das Grundprinzip des Louisiana. Die Architekten Vilhelm Wohlert und Jørgen Bo, die das Museum ab 1958 entwarfen, legten ihre Gebäude so in die Landschaft, dass die Natur zum Teil der Ausstellung wird. Ein Fenster rahmt einen Baum wie ein Gemälde. Ein Gang aus Glas und Holz führt an einem Teich vorbei, in dem sich der Himmel spiegelt. Die Grenze zwischen Kunst und Landschaft verschwimmt, und genau das macht den Besuch zu einem besonderen Erlebnis.

Blick vom Louisiana Museum über den Øresund zur schwedischen Küste
Der Blick vom Skulpturenpark über den Øresund gehört zu den schönsten Momenten eines Louisiana-Besuchs (KI-generiert)

Die Geschichte des Louisiana

Das Museum verdankt seine Existenz einem einzigen Mann: Knud W. Jensen. Der Sohn eines Käsefabrikanten aus Jütland hatte zwei Leidenschaften, die er miteinander verbinden wollte: Kunst und die Idee, dass Kultur kein Privileg einer gebildeten Oberschicht sein darf.

1958 kaufte Jensen das Anwesen in Humlebæk, rund 35 Kilometer nördlich von Kopenhagen. Der Name Louisiana stammt von den drei Ehefrauen des Vorbesitzers Alexander Brun, die alle Louise hießen. Jensen behielt den kuriosen Namen bei. Am 12. August 1958 eröffnete er sein Museum mit einer bescheidenen Sammlung dänischer Kunst.

In den folgenden Jahrzehnten wuchs Louisiana stetig. Jensen bereiste die Welt, knüpfte Kontakte zu Künstlern und Galeristen, kaufte Werke und organisierte Ausstellungen, die weit über Dänemark hinaus Aufsehen erregten. Er holte Alberto Giacometti nach Humlebæk, zeigte Andy Warhol, lud Yoko Ono ein. Dabei blieb er seinem Grundsatz treu: Das Museum sollte offen sein, zugänglich, ein Ort der Begegnung.

Knud W. Jensen leitete Louisiana bis zu seinem Tod im Jahr 2000. In über vier Jahrzehnten verwandelte er ein privates Anwesen in eine Institution von Weltrang. Das Magazin des British Museum bezeichnete Louisiana einmal als das schönste Museum der Welt. Eine solche Bewertung ist natürlich subjektiv, aber sie gibt einen Hinweis auf die Wirkung, die dieser Ort auf seine Besucher hat.

Der Skulpturenpark

Der Skulpturenpark erstreckt sich über das gesamte Gelände und reicht bis an die Klippen über dem Øresund. Rund 60 Skulpturen und Installationen stehen zwischen Bäumen, auf Rasenflächen und an der Küste. Viele davon wurden eigens für Louisiana geschaffen.

Skulptur im Park des Louisiana Museums vor Meereshintergrund
Skulpturen und Natur verschmelzen im weitläufigen Park des Louisiana (KI-generiert)

Alexander Calders Stabile, eine monumentale Stahlskulptur in Schwarz, empfängt die Besucher schon am Eingang. Weiter hinten im Park steht Henry Moores liegende Figur auf einer Wiese mit Blick aufs Meer. Jean Arps Bronzen schmiegen sich an die Konturen des Geländes. Und Max Ernsts große Schildkröte aus Bronze kauert zwischen Büschen, als hätte sie sich dort versteckt.

Besonders eindrucksvoll ist der Giacometti-Flügel. In einem niedrigen, lichtdurchfluteten Raum, der sich zum Park hin öffnet, stehen die hageren Bronzefiguren des Schweizer Bildhauers. Durch die raumhohen Fenster fällt der Blick auf das Wasser. Die Wirkung dieser Gegenüberstellung, die zerbrüchlichen Gestalten Giacomettis vor der weiten Landschaft, gehört zu den stärksten Momenten, die Louisiana zu bieten hat.

Im Sommer nutzen viele Besucher den Park für Picknicks. Auf den Rasenflächen sitzen Familien, Paare und Gruppen von Freunden zwischen den Kunstwerken, essen mitgebrachte Brote und genießen die Aussicht. Das ist ausdrücklich erlaubt und gewünscht. Louisiana versteht sich nicht als Tempel, sondern als Treffpunkt.

Die Sammlung

Die Sammlung des Louisiana umfasst rund 4.000 Werke und konzentriert sich auf Kunst nach 1945. Zu den wichtigsten Positionen gehören Arbeiten von Asger Jorn, dem dänischen CoBrA-Maler, dessen expressive Gemälde einen ganzen Saal füllen. Daneben finden sich Werke von Yves Klein, Robert Rauschenberg, Andy Warhol und Roy Lichtenstein.

In den letzten Jahren hat Louisiana seine Sammlung um zeitgenössische Positionen erweitert. Werke von Olafür Eliasson, Ai Weiwei und Pipilotti Rist sind hinzugekommen. Auch die Fotografie hat an Gewicht gewonnen. Eine starke Reihe von Arbeiten von Andreas Gursky, Thomas Struth und Candida Höfer zeigt die Bandbreite der zeitgenössischen Fotokunst.

Innenansicht eines Ausstellungsraums im Louisiana Museum
Lichtdurchflutete Ausstellungsräume verbinden die Kunst mit der umgebenden Natur (KI-generiert)

Ein Bereich, der oft übersehen wird, ist die Grafiksammlung. Louisiana besitzt über 20.000 Grafiken, Zeichnungen und Drucke, darunter Blätter von Picasso, Matisse, Miró und Louise Bourgeois. Diese Werke werden in wechselnden Kabinettausstellungen gezeigt und lohnen einen genaueren Blick.

Für Kinder gibt es einen eigenen Flügel, das Louisiana Children's Wing. Hier können Kinder ab drei Jahren malen, bauen und experimentieren, angeleitet von Kunstvermittlern. Das Angebot ist im Eintrittspreis enthalten und macht Louisiana zu einem ausgezeichneten Ziel für Familien.

Die Architektur

Die Architektur des Louisiana ist selbst ein Kunstwerk. Wohlert und Bo, die beiden Architekten, schufen zwischen 1958 und 1991 in mehreren Bauabschnitten ein Ensemble, das sich sanft in die Landschaft einfügt. Ihre Materialien sind einfach: weiß verputzte Wände, Ziegel, Holzbalken, große Glasflächen. Nichts drängt sich auf, alles dient der Kunst und dem Blick nach draußen.

Die verglasten Korridore, die die einzelnen Flügel verbinden, sind die vielleicht genialste Idee des Entwurfs. Sie machen den Gang durch das Museum zu einem Wechselspiel zwischen Innen und Außen, zwischen konzentrierter Kunstbetrachtung und freiem Naturerleben. An manchen Stellen sind die Decken so niedrig, dass man sich fast ducken muss. Dann öffnet sich plötzlich ein hoher Raum mit Oberlicht, und die Wirkung ist befreiend.

Der Südflügel, der 1982 eröffnet wurde, beherbergt die größten Ausstellungsräume. Hier finden die großen Wechselausstellungen statt. Der Nordflügel von 1991, der letzte Bauabschnitt von Wohlert und Bo, enthält den Konzertsaal und die Räume für Grafik und Fotografie.

2021 wurde ein Erweiterungsbau angekündigt, der bis 2028 fertiggestellt werden soll. Das Büro BIG (Bjarke Ingels Group) plant einen unterirdischen Flügel, der die Ausstellungsfläche verdoppeln soll, ohne die Parklandschaft zu beeinträchtigen. Es wird spannend zu sehen, wie sich diese Erweiterung in das gewachsene Ensemble einfügt.

Wechselausstellungen

Louisiana zeigt jährlich sechs bis acht große Wechselausstellungen. Die Bandbreite reicht von Einzelschauen bedeutender Künstler bis zu thematischen Gruppenausstellungen, die Kunst, Architektur und Design verbinden.

In der Vergangenheit widmete das Museum großangelegte Retrospektiven Künstlern wie David Hockney, Marina Abramović und Yayoi Kusama. Die Kusama-Ausstellung 2015 zog so viele Besucher an, dass an manchen Tagen Schlangen bis zum Parkplatz reichten. Solche Publikumsmagneten wechseln sich mit ruhigeren, nachdenklicheren Schauen ab, die weniger bekannte Positionen vorstellen.

Auch die Architekturausstellungen genießen einen ausgezeichneten Ruf. Louisiana hat Schauen zu Tadao Ando, Zaha Hadid und Jørn Utzon gezeigt und dabei bewiesen, dass Architektur im Museumskontext funktionieren kann, wenn die Vermittlung stimmt.

Garten und Parklandschaft des Louisiana Museums im Sommer
Die Parklandschaft des Louisiana verändert sich mit den Jahreszeiten und bietet immer neue Eindrücke (KI-generiert)

Das Louisiana Café

Das Museumscafé liegt direkt am Wasser. Durch die großen Panoramafenster blickt man über den Øresund, bei klarem Wetter bis zur schwedischen Küste. Es ist ein Ort, an dem man nach dem Rundgang gern sitzen bleibt, einen Kaffee trinkt und das Gesehene auf sich wirken lässt.

Louisiana Café mit Panoramablick auf den Øresund
Im Louisiana Café trifft skandinavische Küche auf einen der schönsten Ausblicke Dänemarks (KI-generiert)

Die Speisekarte orientiert sich an der nordischen Küche. Zum Mittag gibt es Smørrebrød, Suppen und Salate, nachmittags Kuchen und Gebäck. Die Qualität liegt über dem, was man in einem Museumscafé erwarten würde. Ein Mittagsgericht kostet zwischen 120 und 180 DKK (16 bis 24 EUR), ein Stück Kuchen mit Kaffee rund 95 DKK (13 EUR).

An warmen Tagen öffnet die Terrasse, und dann sitzt man direkt über der Steilküste. Die Kombination aus Meerluft, gutem Essen und dem Nachglühen der Kunsteindrücke macht diesen Ort zu etwas Besonderem. Viele Besucher berichten, dass sie allein wegen des Cafés wiederkommen.

Auch der Museumsshop verdient Erwähnung. Er gehört zu den besten seiner Art in Skandinavien und bietet neben Katalogen und Kunstbüchern auch Designobjekte, Poster und handverlesene Kinderbücher. Die Louisiana-eigenen Publikationen, insbesondere das gleichnamige Magazin, sind grafisch herausragend gestaltet.

Anreise und praktische Infos

Louisiana liegt in Humlebæk, einem kleinen Küstenort an der Strecke zwischen Kopenhagen und Helsingør. Die Anreise mit dem Zug ist unkompliziert und empfehlenswert. Vom Kopenhagener Hauptbahnhof fährt der Kystbanen (Küstenzug) alle 20 Minuten nach Humlebæk. Die Fahrt dauert etwa 35 Minuten. Vom Bahnhof Humlebæk sind es zehn Minuten zu Fuß durch eine ruhige Wohngegend bis zum Museum.

Wer mit dem Auto kommt, findet am Museum kostenlose Parkplätze. Allerdings können diese an Wochenenden und in den Sommermonaten schnell voll werden. Die Fahrt von Kopenhagen über die Strandvejen (Küstenstraße) dauert rund 40 Minuten und führt durch einige der schönsten Vororte der dänischen Hauptstadt.

Die Öffnungszeiten sind dienstags bis freitags von 11 bis 22 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr. Montags ist das Museum geschlossen. Die langen Abendöffnungszeiten unter der Woche sind ein besonderer Vorzug. Wer Louisiana am Donnerstagabend besucht, erlebt das Museum in einer entspannten, fast intimen Atmosphäre.

Der Eintritt beträgt 145 DKK (etwa 19 EUR) für Erwachsene. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Eintritt. Es gibt auch eine Jahreskarte für 545 DKK (73 EUR), die sich schon bei drei Besuchen lohnt. Für den Museumsbesuch solltest du mindestens drei Stunden einplanen, besser einen halben Tag.

Ein Tipp: Verbinde den Louisiana-Besuch mit einem Abstecher nach Helsingør, das nur 15 Zugminuten entfernt liegt. Dort kannst du Schloss Kronborg besichtigen, Shakespeares Hamlet-Schauplatz, und mit der Fähre nach Helsingborg auf der schwedischen Seite übersetzen. So wird aus einem Museumsbesuch ein ganzer Ausflugstag.

Häufig gestellte Fragen

Was kostet der Eintritt ins Louisiana Museum?

Der Eintritt für Erwachsene beträgt 145 DKK (etwa 19 EUR). Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren kommen kostenlos hinein. Eine Jahreskarte kostet 545 DKK (73 EUR) und lohnt sich schon ab dem dritten Besuch.

Wie kommt man von Kopenhagen zum Louisiana?

Am einfachsten mit dem Kystbanen (Küstenzug) vom Hauptbahnhof Kopenhagen. Die Fahrt nach Humlebæk dauert etwa 35 Minuten, Züge fahren alle 20 Minuten. Vom Bahnhof Humlebæk sind es zehn Gehminuten zum Museum.

Lohnt sich Louisiana für Familien mit Kindern?

Ja, sehr. Kinder unter 18 Jahren haben freien Eintritt. Es gibt einen eigenen Kinderflügel mit Kreativwerkstätten, und der weitläufige Skulpturenpark lädt zum Erkunden ein. Picknicks auf dem Gelände sind erlaubt und beliebt.

Wie viel Zeit sollte man für einen Besuch einplanen?

Mindestens drei Stunden, besser einen halben Tag. Der Skulpturenpark allein verdient eine Stunde. Dazu kommen die Ausstellungsräume und das Café. An Donnerstagabenden hat das Museum bis 22 Uhr geöffnet und bietet eine besonders ruhige Atmosphäre.

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Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026