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Bier in Dänemark
Carlsberg, Mikkeller und Craft Beer

Bier in Dänemark

10 Min. Lesezeit

Dänemark und Bier, das ist eine Verbindung, die weit über den Carlsberg-Slogan hinausreicht. In kaum einem anderen europäischen Land hat sich die Bierkultur in den vergangenen zwei Jahrzehnten so grundlegend gewandelt wie zwischen Skagen und Gedser. Wo früher Carlsberg und Tuborg den Markt unter sich aufteilten, braut heute eine lebendige Szene aus kleinen und mittelgroßen Brauereien Biere, die auf internationalen Wettbewerben Medaillen einheimsen.

In Kopenhagener Bars stehen Zapfhähne mit Dutzenden verschiedener Sorten bereit. In Aarhus experimentieren junge Brauer mit wilden Hefen und Fassreifung. Und auf dem Land, in umgebauten Bauernhöfen und ehemaligen Molkereien, entstehen Biere, die ihresgleichen suchen. Dieser Artikel erzählt die Geschichte des dänischen Biers, von den Anfängen der Carlsberg-Brauerei bis zur Gegenwart der Craft-Beer-Revolution.

Dänemark als Bierland

Die Dänen trinken Bier. Das war schon so, als Wikinger aus Hörnern tranken, und es ist bis heute so. Der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch liegt bei etwa 55 Litern, was Dänemark in der europäischen Rangliste einen soliden Mittelplatz sichert. Zum Vergleich: In Deutschland sind es rund 90 Liter, in Tschechien über 140.

Bier hat in der dänischen Gesellschaft eine andere Stellung als etwa Wein. Es gilt nicht als Alltagsgetränk für die Mittagspause, sondern ist eher dem Feierabend und dem Wochenende vorbehalten. Zum Freitagsbier, auf Dänisch fredagsøl, trifft man sich mit Kollegen, Nachbarn oder Freunden. An Feiertagen gehört ein bestimmtes Bier dazu: zu Weihnachten das Julebryg, zu Ostern das Påskebryg.

Eine Besonderheit des dänischen Biermarkts ist die geringe Zahl an Biersorten, die es historisch gab. Jahrzehntelang dominierten helle Lager den Markt. Dunkle Biere, Stouts oder Ales waren kaum erhältlich. Das änderte sich erst ab den 2000er Jahren, als die Craft-Beer-Bewegung Dänemark erreichte und das Angebot förmlich explodierte.

Historisches Carlsberg-Gebäude in Kopenhagen
Die historischen Carlsberg-Gebäude in Kopenhagen erzählen die Geschichte einer der bekanntesten Biermarken der Welt (KI-generiert)

Carlsberg: Vom Kopenhagener Keller zur Weltmarke

Die Geschichte von Carlsberg beginnt 1847, als J.C. Jacobsen auf dem Hügel Valby Bakke am Rand von Kopenhagen seine Brauerei gründete. Den Namen wählte er nach seinem Sohn Carl und dem dänischen Wort bjerg (Berg). Jacobsen war ein Mann der Wissenschaft. Er hatte in München bei Gabriel Sedlmayr, dem Pionier der untergärigen Brauerei, gelernt und brachte Hefekulturen in einer Hutschachtel nach Dänemark zurück.

Was Carlsberg von anderen Brauereien seiner Zeit unterschied, war Jacobsens Überzeugung, dass Brauen eine Wissenschaft sei. 1875 gründete er das Carlsberg-Laboratorium, eine Forschungseinrichtung, die Bierbrauern auf der ganzen Welt zugutekommen sollte. Hier gelang dem Forscher Emil Christian Hansen 1883 ein Durchbruch: Er isolierte erstmals eine reine Hefezelle, Saccharomyces carlsbergensis. Diese Reinzuchthefe ermöglichte es, Bier mit gleichbleibender Qualität zu brauen, und Carlsberg stellte sie kostenlos zur Verfügung.

Diese Entscheidung war typisch für den Geist des Hauses. Jacobsen hatte verfügt, dass die Ergebnisse des Laboratoriums der gesamten Brauindustrie offenstehen sollten, nicht nur Carlsberg. Es war ein Akt wissenschaftlicher Großzügigkeit, der die Bierbrauerei weltweit veränderte.

Heute gehört Carlsberg zu den vier größten Brauereikonzernen der Welt. Das Unternehmen braut in über 40 Ländern und beschäftigt rund 40.000 Mitarbeiter. Das Stammhaus in Kopenhagen, der Carlsberg Byen, wird derzeit in ein modernes Stadtquartier umgewandelt. Wo einst Bier gelagert wurde, entstehen Wohnungen, Büros und Kultureinrichtungen. Die historischen Gebäude, darunter die berühmten Elefantentore von 1901, stehen unter Denkmalschutz.

Das Visit Carlsberg Museum im alten Brauereigelände erzählt die Geschichte des Unternehmens auf anschauliche Weise. Eine Führung durch die historischen Kellergewölbe und Brauhallen dauert etwa eineinhalb Stunden. Im Eintrittspreis von 120 DKK (16 EUR) sind zwei Bierproben enthalten. An Samstagen finden zusätzliche Brauworkshops statt.

Tuborg und andere Traditionsmarken

Tuborg, 1873 in Hellerup bei Kopenhagen gegründet, war Jahrzehnte lang Carlsbergs größter Konkurrent. Die beiden Brauereien lieferten sich Marketingschlachten, die in die dänische Werbegeschichte eingingen. 1970 fusionierten sie schließlich unter dem Dach der Carlsberg-Gruppe, bewahrten aber ihre separaten Markenidentitäten.

Tuborg steht in Dänemark vor allem für ein Ritual: den Tuborg Julebryg. Jedes Jahr am ersten Freitag im November wird das Weihnachtsbier ausgeliefert, und im ganzen Land feiern Menschen den sogenannten J-Dag. Bars verlängern ihre Öffnungszeiten, Freundesgruppen treffen sich zum ersten Julebryg des Jahres, und Tuborg-Lastwagen fahren durch die Innenstädte. Es ist einer der wenigen Anlässe, bei denen eine Produkteinführung zu einem nationalen Ereignis wird.

Neben Carlsberg und Tuborg existieren weitere dänische Traditionsbrauereien. Faxe, gegründet 1901 in der gleichnamigen Kleinstadt auf Seeland, braut vor allem Exportbier für den internationalen Markt. Harboe aus Skælskør produziert neben Bier auch Softdrinks und Malzextrakte. Und Albani aus Odense, 1859 gegründet, gehört heute ebenfalls zur Carlsberg-Gruppe, behält aber ihren regionalen Charakter.

Der Aufstieg der Craft-Beer-Szene

Die dänische Craft-Beer-Bewegung begann in den späten 1990er Jahren, als erste Hobbybrauer anfingen, zu Hause Ale und Stout zu brauen. Inspiriert von der amerikanischen Craft-Szene und der belgischen Brautradition suchten sie nach Geschmacksvielfalt jenseits des hellen Lagers.

Craft-Beer-Auswahl in einer Kopenhagener Bar
Die Craft-Beer-Szene in Dänemark bietet eine starke Vielfalt an Stilen und Geschmacksrichtungen (KI-generiert)

Einer der Pioniere war Nørrebro Bryghus, das 2003 als Brauereigasthaus im Kopenhagener Stadtteil Nørrebro eröffnete. Der Braumeister Anders Kissmeyer, zuvor bei Carlsberg beschäftigt, braute dort India Pale Ales, Weizenbiere und Stouts in einer Qualität, die Aufmerksamkeit erregte. Nørrebro Bryghus bewies, dass es in Dänemark einen Markt für Bier jenseits des Mainstreams gab.

Der eigentliche Durchbruch kam wenige Jahre später mit Mikkeller und dem wachsenden Netzwerk kleiner Brauereien. Heute zählt Dänemark über 200 Brauereien, die meisten davon Kleinbetriebe mit einer Jahresproduktion unter einer Million Liter. Die Vielfalt der Bierstile ist bemerkenswert. Von klassischen belgischen Trappistennachbauten über hopfenstarke IPAs bis hin zu fassgereiften Sauerbieren findet man in Dänemark praktisch alles.

To Øl (wörtlich: Zwei Bier) ist neben Mikkeller eine der bekanntesten Craft-Brauereien des Landes. Die Gründer Tore Gynther und Tobias Emil Jensen, ehemalige Schüler derselben Schule wie Mikkeller-Gründer Mikkel Borg Bjergsø, begannen als Gypsy Brewer ohne eigene Braustätte. Heute betreiben sie eine eigene Brauerei in Svinninge auf Seeland und eine Bar in Kopenhagen. Ihre Biere reichen von zugänglichen Session IPAs bis zu experimentellen Wildfermentationen.

Mikkeller: Der Nomade des Bierbrauens

Mikkel Borg Bjergsø war Physik- und Mathematiklehrer an einer Kopenhagener Schule, als er 2006 begann, in seiner Küche Bier zu brauen. Was als Hobby begann, wurde innerhalb weniger Jahre zu einem der aufregendsten Bierprojekte Europas.

Mikkeller Bar in Kopenhagen mit bunter Bierauswahl
Mikkeller-Bars gibt es mittlerweile in zahlreichen Städten weltweit (KI-generiert)

Das Besondere an Mikkeller war von Anfang an das Konzept des Gypsy Brewing. Bjergsø besaß keine eigene Brauerei. Stattdessen reiste er zu befreundeten Brauern in Belgien, Schottland, Norwegen und den USA und braute dort seine Rezepte. Dieses nomadische Modell ermöglichte ihm eine Freiheit, die konventionelle Brauer nicht hatten. Er konnte mit verschiedenen Anlagen, Hefen und Wassersorten experimentieren, ohne an einen Standort gebunden zu sein.

Mikkellers Biere fielen auf. Beer Advocate, die einflussreichste Bierbewertungsplattform der Welt, vergab Spitzenwertungen. Beer Geek Breakfast, ein Haferflocken-Stout mit Kaffee, wurde zum internationalen Kultbier. Andere Kreationen trugen Namen wie 1000 IBU (ein extrem bitteres IPA), Spontanale (ein Sauerbier in belgischer Tradition) oder Texas Ranger (ein chiliverschärftes Stout).

Heute betreibt Mikkeller eigene Bars in Kopenhagen, Tokio, Barcelona, San Francisco und weiteren Städten. Die Kopenhagener Mikkeller Bar in der Viktoriagade im Stadtteil Vesterbro ist ein Pflichtbesuch für Bierfans. 40 Zapfhähne bieten eine ständig wechselnde Auswahl, dazu kommen Hunderte Flaschen. Ein halber Liter Mikkeller-Bier kostet dort zwischen 55 und 90 DKK (7,40 bis 12 EUR), je nach Sorte.

Seit 2020 braut Mikkeller auch in einer eigenen Anlage, der Mikkeller Baghaven im Kopenhagener Stadtteil Refshaleøen. Hier entstehen fassgereifteils Sauerbiere und Lambic-inspirierte Kreationen in Eichenfässern. Die Brauerei ist an Wochenenden für Besucher geöffnet und bietet Führungen mit Verkostung für 200 DKK (27 EUR) an.

Brauereien zum Besuchen

Dänemark bietet Bierfans eine Reihe von Brauereien, die Besucher willkommen heißen. Hier eine Auswahl der lohnendsten Ziele:

Kupferkessel in einer dänischen Craft-Beer-Brauerei
Viele dänische Craft-Brauereien öffnen ihre Türen für Besucher und bieten Verkostungen an (KI-generiert)

Ebeltoft Gårdbryggeri an der Ostküste Jütlands braut in einem historischen Hof und bietet Führungen mit anschließender Verkostung lokaler Sorten an. Die Brauerei liegt in der Nähe des charmanten Städtchens Ebeltoft und lässt sich gut mit einem Ausflug an die Küste verbinden.

Amager Bryghus auf der Kopenhagener Insel Amager gehört zu den angesehensten Craft-Brauereien des Landes. Ihre Todd the Axe Man-Serie, eine Reihe hopfenbetonter IPAs, hat internationale Auszeichnungen gewonnen. Samstags öffnet der Taproom, wo man frisch gezapftes Bier direkt vom Fass genießen kann.

Herslev Bryghus bei Roskilde verbindet biologische Landwirtschaft mit Bierbrauen. Die Brauerei baut einen Teil ihrer Braugerste selbst an und verwendet Quellwasser aus eigenen Brunnen. Die Führungen dort sind besonders lehrreich, weil sie den gesamten Weg vom Feld ins Glas nachvollziehbar machen. Der Eintritt mit Verkostung kostet 150 DKK (20 EUR).

Auf Bornholm braut Svaneke Bryghus seit 2000 Biere mit Inselcharakter. Die Brauerei in der kleinen Hafenstadt Svaneke ist ein Touristenmagnet und serviert ihre Biere im eigenen Restaurant mit Blick aufs Meer. Ein Biertasting mit vier Sorten kostet 85 DKK (11 EUR).

Die besten Bierbars in Kopenhagen

Kopenhagen hat sich in den letzten Jahren zu einer der besten Bierstädte Europas entwickelt. Die Dichte an spezialisierten Bierbars ist bemerkenswert, und die Auswahl geht weit über dänische Produkte hinaus.

Gemütliche Bierbar in Kopenhagen mit Craft-Beer-Zapfhähnen
Kopenhagens Bierbars bieten oft Dutzende verschiedener Sorten vom Fass (KI-generiert)

Fermentoren in der Halmtorvet-Straße ist ein Brauereigasthaus mit 30 Zapfhähnen und einer eigenen Brauanlage hinter Glas. Hier braut man vor den Augen der Gäste und wechselt die Auswahl ständig. Das Essen ist auf Bierbegleitung abgestimmt, mit Gerichten wie geschmortem Schweinebauch zu einem Rauchbier oder Austern zu einem trockenen Saison.

Taphouse am Lavendelstræde nahe dem Rathausplatz hält den dänischen Rekord mit 61 Zapfhähnen. Die Karte wechselt täglich und umfasst Biere aus ganz Europa und Nordamerika. Für Einsteiger empfiehlt sich das Tasting Board mit fünf kleinen Gläsern für 135 DKK (18 EUR).

Ølsnedkeren (der Biertischler) in Nørrebro ist eine ruhigere Alternative. Die Bar hat nur 14 Hähne, aber die Auswahl ist sorgfältig kuratiert. Das Personal kennt jedes Bier und berät gern. Die Atmosphäre ist entspannt, fast wohnzimmerartig. An Wochentagen kann man hier in Ruhe ein gutes Bier trinken, ohne von Touristengruppen umgeben zu sein.

Bierpreise und Einkaufstipps

Bier in Dänemark ist teurer als in Deutschland, aber günstiger als in Norwegen oder Schweden. Ein Sixpack Carlsberg im Supermarkt kostet rund 40 DKK (5,40 EUR). Craft-Bier-Flaschen liegen je nach Marke und Sorte zwischen 30 und 80 DKK (4 bis 10,70 EUR) pro 0,33-Liter-Flasche.

In Bars und Restaurants zahlst du für ein Fassbier (0,4 Liter) zwischen 50 und 80 DKK (6,70 bis 10,70 EUR). Craft-Bier vom Fass ist etwas teurer, hier sind 65 bis 95 DKK (8,70 bis 12,70 EUR) üblich. Im Vergleich zu Kopenhagener Cocktailpreisen ist Bier allerdings die günstigere Option.

Für den Einkauf empfehlen sich die Supermärkte Meny und Irma, die beide eine gute Auswahl an dänischen Craft-Bieren führen. Spezialisierte Biergeschäfte wie Kihoskh in der Sønder Boulevard oder BottleShop in der Gammel Kongevej bieten noch breitere Sortimente mit Hunderten von Flaschen aus aller Welt.

In Dänemark gibt es ein Pfandsystem für Flaschen und Dosen. Der Pfandbetrag liegt zwischen 1 und 3 DKK pro Flasche und wird beim Kauf aufgeschlagen. Leergut kannst du an Automaten in jedem größeren Supermarkt zurückgeben.

Häufig gestellte Fragen

Was kostet ein Bier in Dänemark?

Im Supermarkt kostet ein Carlsberg oder Tuborg rund 7 DKK (1 EUR) pro Dose. In Bars zahlt man für ein Fassbier zwischen 50 und 80 DKK (6,70 bis 10,70 EUR). Craft-Bier liegt etwas höher bei 65 bis 95 DKK (8,70 bis 12,70 EUR).

Kann man die Carlsberg-Brauerei in Kopenhagen besichtigen?

Ja, das Visit Carlsberg Museum im historischen Brauereigelände bietet Führungen und Ausstellungen. Der Eintritt kostet 120 DKK (16 EUR) und beinhaltet zwei Bierproben. An Samstagen gibt es zusätzliche Brauworkshops.

Was ist Gypsy Brewing?

Beim Gypsy Brewing besitzt der Brauer keine eigene Brauerei, sondern nutzt die Anlagen anderer Brauereien für seine Rezepte. Mikkeller wurde als Gypsy Brewer berühmt und konnte so weltweit mit verschiedenen Braustätten experimentieren.

Welche dänischen Craft-Bier-Marken sollte man probieren?

Neben Mikkeller gehören To Øl, Amager Bryghus, Nørrebro Bryghus und Svaneke Bryghus zu den empfehlenswertesten Marken. Für Einsteiger eignet sich ein Tasting Board in einer spezialisierten Bar wie dem Taphouse in Kopenhagen.

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Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026