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Insel Fejø
Fejø liegt vor der Nordküste Lollands in der Ostsee und gilt als die Apfelinsel Dänemarks, ein Ort, an dem Obstbäume blühen und die Stille zu Hause ist.

Insel Fejø

9 Min. Lesezeit

Manche Inseln erreicht man nur, wenn man sie wirklich erreichen will. Fejø gehört dazu. Keine Brücke verbindet sie mit dem Festland, kein Tunnel, kein Damm. Wer nach Fejø möchte, muss die kleine Fähre ab Kragenæs auf Lolland nehmen, eine Viertelstunde über den Smålandsfarvandet, und dann ist man da: auf einer Insel, die sich wie ein Ort außerhalb der Zeit anfühlt.

Fejø misst knapp 16 Quadratkilometer und beheimatet rund 600 Einwohner. Die Insel ist berühmt für ihre Apfelplantagen, die fast ein Fünftel der Fläche bedecken und Fejø den Beinamen "Obstgarten Dänemarks" eingebracht haben. Im Frühling, wenn die Bäume blühen, verwandelt sich die gesamte Insel in ein weißes Blütenmeer, dessen süßer Duft bis an die Küste weht. Im Herbst hängen die Äste schwer von Äpfeln, die in Hofläden und auf Märkten verkauft werden.

Aber Fejø ist mehr als Äpfel. Die Insel bietet Strände, die selten besucht sind, Wanderwege durch Felder und Obstgärten, eine kleine Kirche aus dem 13. Jahrhundert und eine Gemeinschaft, die Besucher willkommen heißt, ohne sich ihnen aufzudrängen. Wer Ruhe sucht, echte Ruhe, der ist auf Fejø am richtigen Ort.

Fejø: Der Obstgarten im Meer

Fejø liegt im Smålandsfarvandet, dem Gewässer zwischen Lolland, Seeland und Falster. Die Insel ist flach, der höchste Punkt misst gerade einmal 12 Meter über dem Meeresspiegel. Die Böden sind fruchtbar, was der Grund für die ausgedehnten Apfelplantagen ist. Das milde Seeklima mit geschützter Lage sorgt für gute Wachstumsbedingungen, und die Frostgefahr im Frühjahr ist geringer als auf dem Festland.

Blühende Apfelplantage auf Fejø im Frühling mit weißen Blüten
Im Frühling verwandeln sich die Apfelplantagen auf Fejø in ein weißes Blütenmeer (KI-generiert)

Die Geschichte des Obstanbaus auf Fejø reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Damals erkannten die Inselbauern, dass die geschützte Lage und die fruchtbaren Lehmböden ideale Bedingungen für Obstbäume boten. Heute stehen auf der Insel über 40.000 Apfelbäume, die mehr als 80 verschiedene Sorten tragen. Einige dieser Sorten sind alte dänische Varietäten, die anderswo längst verschwunden sind.

Der Apfelanbau prägt das gesamte Inselleben. Im September und Oktober dreht sich alles um die Ernte. Das jährliche Fejø Æblefestival (Apfelfest) lockt Besucher vom Festland an, die Apfelkuchen probieren, frisch gepressten Saft trinken und an geführten Rundgängen durch die Plantagen teilnehmen. Im Hofladen Fejø Frugtplantage kann man das ganze Jahr über Apfelsaft, Apfelwein, Apfelessig und andere Produkte kaufen, die ausschließlich aus Fejø-Äpfeln hergestellt werden.

Die Äpfel von Fejø

Die Äpfel von Fejø sind in ganz Dänemark bekannt. Spitzenrestaurants in Kopenhagen verwenden den Fejø-Saft, und die Apfelplantagen sind ein beliebtes Ziel für Feinschmecker, die den Unterschied zwischen industrieller Massenware und handverlesenen Sorten schmecken wollen. Besonders gefragt sind die alten Sorten wie Filippa, Belle de Boskoop und Ingrid Marie, die intensive Aromen haben und sich sehr gut zum Backen eignen.

Die Fejø Cider & Juice Produktion hat sich auf hochwertige Getränke spezialisiert. Der Apfelwein (Cider) wird nach traditioneller Methode hergestellt und in kleinen Chargen abgefüllt. Er schmeckt trocken und fruchtig, ohne die aufdringliche Süße industrieller Produkte. Im Sommer bieten die Hersteller Verkostungen an, bei denen man verschiedene Jahrgänge probieren kann.

Was Fejøs Obstanbau besonders macht, ist der Verzicht auf großflächigen Einsatz von Pestiziden. Viele Plantagen arbeiten biologisch oder nach integrierten Anbaumethoden. Die Inselbewohner wissen, dass die Qualität ihrer Äpfel ihr wichtigstes Kapital ist, und behandeln die Bäume entsprechend sorgfältig. Im Winter werden die Bäume geschnitten, im Frühjahr die Blüten ausgedünnt, damit die verbleibenden Früchte mehr Platz und Nährstoffe bekommen.

Die Fähre: Tor zur Insel

Die Fähre ab Kragenæs auf Lolland ist die einzige Verbindung nach Fejø. Die Überfahrt dauert etwa 15 Minuten und wird von der kommunalen Fährgesellschaft mehrmals täglich angeboten. Die kleine Fähre nimmt Autos, Fahrräder und Fußgänger mit. In der Hochsaison kann es eng werden, weshalb eine frühzeitige Ankunft am Fähranleger ratsam ist.

Die kleine Fähre nach Fejø am Anleger von Kragenæs auf Lolland
Die kleine Fähre ab Kragenæs bringt Besucher in 15 Minuten nach Fejø (KI-generiert)

Die Fährfahrt selbst ist bereits ein kleines Erlebnis. Bei ruhiger See gleitet das Schiff durch das Smålandsfarvandet, vorbei an kleinen Inseln und Schären. Schwäne und Kormorane begleiten die Überfahrt, und bei gutem Wetter sieht man die Kirchtürme von Fejø schon vom Anleger aus. Ein Ticket für die Hin- und Rückfahrt kostet für Fußgänger rund 60 DKK (ca. 8 EUR), ein Auto ist deutlich teurer.

Der Fährfahrplan richtet sich nach der Saison. Im Sommer verkehrt die Fähre häufiger, im Winter nur einige Male pro Tag. Die letzte Fähre zurück nach Kragenæs sollte man nicht verpassen, sonst verbringt man eine ungeplante Nacht auf der Insel, was allerdings schlimmere Schicksale wären.

Die Dörfer auf Fejø

Fejø hat zwei Siedlungen: Vesterby im Westen und Østerby im Osten. Vesterby ist der Fährhafen und die erste Anlaufstelle für Besucher. Hier findet man einen kleinen Hafen mit Liegeplätzen für Segelboote, ein Cafe und den Inselkaufmann, der alles von Brot bis Sonnencreme führt. Die Häuser sind niedrig, weiß gestrichen und von Gärten umgeben, in denen Stockrosen und Lavendel blühen.

Østerby am anderen Ende der Insel ist noch kleiner und noch ruhiger. Hier steht die Fejø Kirke, eine romanische Kirche aus dem 13. Jahrhundert mit einem schlichten Innenraum und einem Taufbecken aus Gotland-Kalkstein. Der Friedhof neben der Kirche erzählt in seinen Grabinschriften die Geschichte der Inselfamilien, die seit Generationen hier leben.

Zwischen den beiden Dörfern liegt eine einzige Straße, die sich durch die Apfelplantagen schlängelt. Am Straßenrand stehen Hofläden mit Selbstbedienung: Man nimmt sich Äpfel, Birnen, Eier oder Marmelade und legt das Geld in eine Dose. Dieses Vertrauenssystem funktioniert auf Fejø seit Jahrzehnten, und niemand käme auf die Idee, es zu missbrauchen.

Natur und Strände

Die Küstenlinie von Fejø wechselt zwischen flachen Sandstränden, Steinufern und Schilfgürteln. Der schönste Strand liegt an der Nordseite der Insel, ein langgezogener Sandstreifen mit Blick auf die offene Ostsee. Das Wasser ist klar und flach, und im Sommer lässt es sich hier wunderbar baden, auch wenn die Temperaturen selten über 20 Grad steigen.

Ruhiger Sandstrand auf Fejø mit Blick auf die Ostsee
Die Strände auf Fejø sind ruhig, naturbelassen und selten besucht (KI-generiert)

An der Südseite der Insel erstrecken sich Salzwiesen, die bei Hochwasser überflutet werden. Diese Feuchtgebiete sind Lebensraum für Watvögel wie Kiebitze, Austernfischer und Säbelschnäbler. Im Frühjahr und Herbst rasten Zugvögel auf den Wiesen, und mit etwas Glück sieht man Seeadler, die über der Küste kreisen.

Im Landesinneren laden Feldwege und Pfade zu Spaziergängen ein. Ein besonders schöner Rundweg führt einmal um die ganze Insel, vorbei an Apfelplantagen, durch kleine Wäldchen und entlang der Küste. Für die etwa 12 Kilometer lange Strecke sollte man zwei bis drei Stunden einplanen, wobei es sich lohnt, immer wieder stehen zu bleiben und die Aussicht zu genießen.

Aktivitäten auf Fejø

Die wichtigste Aktivität auf Fejø ist das Nichtstun. Das klingt paradox, trifft aber den Kern dessen, was die Insel ausmacht. Hier setzt man sich auf eine Bank vor dem Ferienhaus, schaut den Wolken zu, liest ein Buch, geht abends an den Strand und genießt den Sonnenuntergang. Für viele Besucher ist genau das der Luxus, den sie im Alltag vermissen.

Wer aktiver sein möchte, kann die Insel mit dem Fahrrad erkunden. Die Wege sind flach und gut befahrbar, die Entfernungen kurz. Ein Tagesausflug mit dem Rad umfasst die beiden Dörfer, mehrere Hofläden, den Strand und die Kirche, und am Ende hat man die Insel ziemlich vollständig kennengelernt.

Angler finden in den Gewässern rund um Fejø gute Bedingungen. Der Smålandsfarvandet beherbergt Meerforellen, Plattfische und gelegentlich Dorsche. Das Angeln vom Strand aus ist kostenlos, für das Angeln von einem Boot aus benötigt man einen Fiskekort (Angelschein), der online erworben werden kann.

Zwischen Fejø und der winzigen Nachbarinsel Skalø gibt es bei Ebbe eine Wattstrecke, die zu Fuß durchquert werden kann. Skalø ist unbewohnt und besteht aus Weiden und Strandwiesen kleinen Wäldchen. Die Überquerung sollte nur bei Ebbe und mit Kenntnis der Gezeitenzeiten unternommen werden, am besten in Begleitung eines Ortskundigen.

Unterkünfte und praktische Tipps

Die Unterkünfte auf Fejø sind überschaubar, aber charmant. Es gibt Ferienhäuser in verschiedenen Größen, vom einfachen Holzhäuschen bis zum renovierten Bauernhof. Der Fejø Camping liegt direkt am Strand an der Nordseite und bietet Stellplätze für Zelte und Wohnwagen, dazu einige Hütten zur Miete. In der Hochsaison sollte man alles frühzeitig reservieren, da die Kapazitäten begrenzt sind.

Die Einkaufsmöglichkeiten auf Fejø sind begrenzt. Der Kaufmann in Vesterby führt Grundnahrungsmittel, frisches Brot und lokale Produkte. Für größere Einkäufe muss man nach Nakskov auf Lolland fahren (30 Minuten plus Fähre). Selbstversorger sollten einen Grundvorrat mitbringen, besonders wenn sie außerhalb der Saison kommen, denn im Winter schließt der Kaufmann manchmal früher.

Hofladen auf Fejø mit frischen Äpfeln und Apfelprodukten
Die Hofläden auf Fejø verkaufen frische Äpfel und hausgemachte Produkte nach dem Vertrauensprinzip (KI-generiert)

Die Anreise nach Fejø führt über Lolland. Von Kopenhagen fährt man über die E47 und E55 nach Süden, dann ab Maribo Richtung Westen nach Kragenæs. Die Fahrzeit ab Kopenhagen beträgt rund zwei Stunden plus Fährüberfahrt. Aus Deutschland kommt man über die Vogelfluglinie (Puttgarden-Rødby) und fährt dann auf Lolland Richtung Nakskov und Kragenæs.

Häufig gestellte Fragen zu Fejø

Wann ist die beste Zeit für einen Besuch auf Fejø?

Im Mai blühen die Apfelbäume und die Insel zeigt sich von ihrer schönsten Seite. Der Sommer (Juni bis August) eignet sich zum Baden und Radfahren. Im September und Oktober ist Erntezeit mit dem Apfelfest. Im Winter ist Fejø sehr ruhig, und einige Einrichtungen haben geschlossen.

Braucht man ein Auto auf Fejø?

Nein. Die Insel ist so klein, dass man alles zu Fuß oder mit dem Rad erreicht. Ein Auto lohnt sich nur, wenn man Tagesausflüge auf Lolland oder die Nachbarinseln plant. Fahrräder lassen sich am Campingplatz oder bei privaten Vermietern leihen.

Kann man auf Fejø Äpfel selbst pflücken?

Einige Plantagen bieten im Herbst Selbstpflücken an. Die genauen Termine werden lokal bekannt gegeben. In den Hofläden mit Selbstbedienung kann man das ganze Jahr über Apfelprodukte kaufen. Einfach Ware nehmen und Geld in die Kasse legen.

Gibt es Restaurants auf Fejø?

Es gibt ein kleines Cafe in Vesterby und gelegentlich Pop-up-Restaurants im Sommer. Die gastronomische Auswahl ist sehr begrenzt, weshalb Selbstversorgung die gängigste Variante ist. Viele Besucher bringen Proviant mit und genießen Picknicks am Strand oder im Garten ihres Ferienhauses.

Fejø ist eine Insel, die man spüren muss, nicht abhaken. Hier geht es nicht darum, möglichst viele Sehenswürdigkeiten zu besichtigen, sondern darum, einen Gang zurückzuschalten und die einfachen Dinge wahrzunehmen: den Geschmack eines frisch gepflückten Apfels, das Rauschen der Ostsee am Strand, das Licht, das abends durch die Obstbäume fällt. Wer das sucht, findet auf Fejø einen Ort, der sich ins Gedächtnis einschreibt, leise, aber dauerhaft.

Alle dänischen Inseln im Überblick

Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026