Zum Hauptinhalt springen
Island und die Vulkane: wie sicher ist eine Reise gerade wirklich?

Island und die Vulkane: wie sicher ist eine Reise gerade wirklich?

7 Min. Lesezeit

Kaum ein Reiseziel wird so häufig mit einer Frage gebucht wie Island: Kann da nicht jederzeit ein Vulkan ausbrechen? Die Antwort ist ein Ja, das weniger dramatisch ist, als es klingt. Sie verlangt aber eine genauere Betrachtung als das übliche „alles halb so wild“.

Hier steht, wie die Lage im August 2026 aussieht, was die Fachleute erwarten und welche Konsequenz das für eine geplante Reise hat.

Der Stand im August 2026

Zurzeit bricht auf Island kein Vulkan aus. Der letzte Ausbruch in der Kraterreihe Sundhnúkur auf der Halbinsel Reykjanes begann am 16. Juli 2025 und war Anfang August desselben Jahres beendet, offiziell bestätigt zum 5. August 2025. Seither ist es an der Oberfläche ruhig.

Diese Ruhe ist der Grund, warum viele Reiseberichte inzwischen Entwarnung geben. Sie erzählen aber nur die Hälfte der Geschichte, denn unter der Oberfläche geht die Entwicklung weiter.

Warum die Entwarnung keine ganze Entwarnung ist

Der isländische Wetterdienst misst unter dem Gebiet Svartsengi weiterhin Hebung und Magmazufluss. Seit dem Beginn des letzten Ausbruchs im Juli 2025 haben sich dort nach Angaben der Behörde rund 28 Millionen Kubikmeter Magma angesammelt. Steigt der Druck weiter, ist das wahrscheinlichste Szenario, dass sich das Magma erneut in Richtung der Sundhnúkur-Kraterreihe schiebt und dort austritt.

Auch das Auswärtige Amt beschreibt in seinen Reisehinweisen mit Stand August 2026 eine anhaltende Aktivität auf Reykjanes und rät, das betroffene Gebiet zu meiden. Wer also eine Reise plant, sollte nicht von einer abgeschlossenen Episode ausgehen, sondern von einem Gebiet, das seit Ende 2023 in Schüben arbeitet und das vermutlich weiter tun wird.

Das klingt beunruhigender, als es für Reisende ist. Denn die entscheidende Frage lautet nicht, ob etwas passiert, sondern wo.

Wie klein das betroffene Gebiet tatsächlich ist

Die Ausbrüche der vergangenen Jahre fanden alle in einem schmalen Streifen auf der Halbinsel Reykjanes statt, südwestlich von Reykjavík. Gesperrt wird jeweils nur dieses Gebiet, und die Sperrung folgt der Lava, nicht der Landesgrenze. Der Rest der Insel ist regulär zugänglich, also Reykjavík, der Golden Circle, die gesamte Südküste, die Westfjorde und der Norden.

Der Flughafen Keflavík liegt zwar auf derselben Halbinsel, aber außerhalb der bisherigen Ausbruchszonen und war während aller Ausbrüche seit 2021 in Betrieb. Auch das ist ein Unterschied zu 2010, als die Aschewolke des Eyjafjallajökull den europäischen Luftraum lahmlegte. Die Reykjanes-Ausbrüche sind Spaltenausbrüche mit fließender Lava und ohne nennenswerte Aschebildung.

Eine Einschränkung betrifft die Blaue Lagune, die in unmittelbarer Nachbarschaft der aktiven Zone liegt und in den vergangenen Jahren mehrfach kurzfristig geschlossen wurde. Wer sie fest einplant, sollte flexibel bleiben oder ein Ticket mit kulanter Stornoregel wählen.

Was Island besser macht als andere Länder

Island lebt seit tausend Jahren mit Vulkanen und hat daraus ein Überwachungssystem gebaut, das weltweit als eines der besten gilt. Seismische Sensoren und GPS-Messungen erfassen die Bewegung des Magmas, und ein Ausbruch kündigt sich in der Regel Stunden bis Tage vorher durch Erdbebenschwärme an. Die Zivilschutzbehörde schickt in solchen Fällen SMS-Warnungen an alle Mobiltelefone in der betroffenen Region, auch an ausländische.

Praktisch bedeutet das: Man steht nicht plötzlich vor einer Lavafront. Man bekommt eine Nachricht aufs Handy, Straßen werden gesperrt, und der Tourismus verlagert sich um ein paar Kilometer. Genau so ist es bei jedem der Ausbrüche seit 2021 gelaufen.

Was das für eine gebuchte Reise heißt

Aus der Lage folgen vier praktische Punkte, die eine Islandreise entspannter machen:

  • Die Route nicht auf Reykjanes aufbauen. Wer die Halbinsel als Tagesausflug einplant und nicht als Reisemittelpunkt, verliert im Zweifel einen Programmpunkt und nicht den Urlaub.
  • Vor Ort die offiziellen Quellen nutzen. Der isländische Wetterdienst und die Zivilschutzbehörde veröffentlichen den aktuellen Stand, das ist verlässlicher als Reiseblogs und Nachrichtenmeldungen aus zweiter Hand.
  • Eine Reiseversicherung prüfen, die Naturereignisse einschließt. Nicht jede Police zahlt bei behördlichen Sperrungen. Was dabei zu beachten ist, steht in unserem Beitrag zur Reiseversicherung für Island.
  • Nicht auf eigene Faust zur Lava. Bei den letzten Ausbrüchen mussten wiederholt Menschen geborgen werden, die abgesperrte Bereiche betreten hatten. Gase in Bodensenken sind dabei gefährlicher als die Lava selbst, weil man sie nicht sieht.

Die größere Gefahr auf einer Islandreise ist ohnehin eine andere. Statistisch verunglücken deutlich mehr Besucher durch Wetter, Brandungswellen an der Südküste und Fahrfehler auf Schotterpisten als durch vulkanische Aktivität. Dazu haben wir eine eigene Übersicht zur Sicherheit in Island.

Fazit

Island ist derzeit ruhig, aber nicht fertig. Unter Svartsengi baut sich weiter Druck auf, und ein weiterer Ausbruch in der Sundhnúkur-Reihe gilt als wahrscheinlich. Das ist kein Grund, eine Reise abzusagen, denn betroffen wäre ein kleines, gut überwachtes Gebiet, und der Flugbetrieb lief bisher jedes Mal weiter.

Wer die Halbinsel Reykjanes flexibel einplant und die offiziellen Warnungen im Blick behält, reist so sicher wie in jedem anderen nordeuropäischen Land. Nur mit der Aussicht, im richtigen Moment etwas zu sehen, das die wenigsten je zu Gesicht bekommen.

Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.