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Die besten Orte für Nordlichter
Tromsø, Abisko, Lofoten, Rovaniemi und Island

Die besten Orte für Nordlichter

15 Min. Lesezeit

Das Nordlicht zu sehen steht bei vielen ganz oben auf der Bucket List. Aber wo stehen die Chancen am besten? Ich habe in den letzten Jahren Nordlichter an verschiedenen Orten in Skandinavien beobachtet und kann sagen: Der Standort macht einen gewaltigen Unterschied. Die geographische Lage spielt eine Rolle, aber genauso wichtig sind die lokalen Wetterbedingungen, die Lichtverschmutzung und die Infrastruktur vor Ort.

In diesem Artikel stelle ich die fünf besten Regionen vor, ordne sie nach Wahrscheinlichkeit ein und gebe konkrete Hinweise zur Anreise und Organisation. Spoiler: Mein persönlicher Favorit ist nicht der bekannteste Ort.

Wo sind die Chancen am höchsten?

Nordlichter (Aurora Borealis) treten am häufigsten im sogenannten Nordlichtgürtel auf. Dieser ovale Ring um den magnetischen Nordpol verläuft zwischen 65 und 72 Grad nördlicher Breite. Genau in diesem Bereich liegen Tromsø (69,6°N), Abisko (68,3°N), die Lofoten (68°N) und Rovaniemi (66,5°N).

Tipp: Berechne deine persönliche Nordlicht-Wahrscheinlichkeit mit unserem Nordlicht-Rechner.

Drei Faktoren bestimmen, ob du Nordlichter siehst: Sonnenaktivität (gemessen am Kp-Index), klarer Himmel (keine Wolken) und Dunkelheit (keine Mitternachtssonne, keine Lichtverschmutzung). Den Kp-Index kannst du nicht beeinflussen. Aber den Standort wählst du so, dass Wolken und Lichtquellen möglichst wenig stören.

Nordlichter über einer verschneiten nordischen Landschaft mit klarem Sternenhimmel
Der Nordlichtgürtel verläuft direkt über Nordskandinavien (KI-generiert)

Die Nordlichtsaison dauert von Anfang September bis Ende März. Die besten Monate sind statistisch Oktober, Februar und März. Im Oktober sind die Nächte lang genug, und die Temperaturen noch erträglich. Im Februar und März gibt es häufiger klare Nächte, und die Sonnenaktivität rund um die Tagundnachtgleiche ist tendenziell höher.

Wer mindestens drei klare Nächte an einem der Top-Standorte verbringt, hat eine Chance von über 80 Prozent, Nordlichter zu sehen. Bei fünf Nächten steigt die Wahrscheinlichkeit auf über 90 Prozent. Deshalb: Plane immer mehrere Nächte ein und bleib flexibel.

Tromsø: Norwegens Nordlicht-Stadt

Tromsø ist der bekannteste Nordlicht-Ort der Welt. Das hat gute Gründe. Die Stadt liegt mitten im Nordlichtgürtel auf 69,6°N und bietet gleichzeitig eine Infrastruktur, die es leicht macht, eine Nordlichtreise zu organisieren. Direktflüge aus Oslo, Stockholm, London und anderen Städten. Dutzende spezialisierte Touranbieter. Hotels in allen Preisklassen.

Die Umgebung von Tromsø ist ideal für die Nordlichtjagd. Die Guides kennen Hunderte von Standorten rund um die Stadt und können flexibel auf die Wetterlage reagieren. Wenn es an der Küste bewölkt ist, fahren sie ins Landesinnere. Wenn im Norden Wolken hängen, weichen sie nach Süden aus. Diese Mobilität ist der große Vorteil von Tromsø. Andere Orte bieten weniger Ausweichmöglichkeiten.

Die Sichtbarkeit von Nordlichtern in Tromsø ist bemerkenswert hoch. Statistisch gibt es zwischen September und März an etwa 70 Prozent der klaren Nächte Nordlichtaktivität. Das Problem sind eher die Wolken: Tromsø liegt an der Küste, und das maritime Klima bringt häufig Bewölkung. Deshalb sind geführte Touren, die ins Landesinnere fahren, so beliebt.

Anreise: Direktflüge aus Oslo (1,5 Std.), Stockholm (2 Std.) und London (3,5 Std.). Auch mit dem Hurtigruten-Postschiff erreichbar. Kosten geführte Tour: 150 bis 250 Euro pro Person. Empfohlene Aufenthaltsdauer: Mindestens 3 bis 4 Nächte.

Abisko: Schwedens klarster Himmel

Abisko in Schwedisch-Lappland ist mein persönlicher Favorit. Warum? Weil Abisko die höchste Wahrscheinlichkeit für klare Nächte hat. Das liegt an einem Wetterphänomen namens "Blue Hole of Abisko": Die Berge rund um den Torneträsk-See erzeugen einen Windkanal, der Wolken auseinandertreibt. Selbst wenn es in Kiruna (80 km entfernt) bewölkt ist, kann in Abisko der Himmel klar sein.

Intensives grünes Nordlicht über dem Torneträsk-See bei Abisko
Das "Blue Hole of Abisko" sorgt für überdurchschnittlich klaren Himmel (KI-generiert)

Die Aurora Sky Station, eine Beobachtungsstation auf 900 Metern Höhe, bietet einen freien Blick in alle Richtungen. Man fährt mit dem Sessellift hinauf und wartet oben in einer beheizten Hütte. Wenn die Nordlichter erscheinen, geht man raus auf die Plattform. Der Aufstieg kostet etwa 90 Euro pro Person (inklusive Sessellift und warmem Getränk). Oft sieht man die Nordlichter aber auch unten im Dorf. Einfach vor die Tür treten und nach oben schauen.

Abisko ist kleiner und ruhiger als Tromsø. Hier gibt es keine große Stadt, sondern ein Dorf mit ein paar hundert Einwohnern, der Abisko Mountain Lodge und dem STF Abisko Turiststation. Wer Ruhe sucht und die Chancen maximieren will, ist hier richtig. Die Lichtverschmutzung ist praktisch null.

Anreise: Flug nach Kiruna (SAS, Norwegian), dann 1 Stunde mit dem Zug oder Bus. Alternativ die Erzbahn von Narvik (Norwegen). Kosten Aurora Sky Station: ca. 90 Euro. Empfohlene Aufenthaltsdauer: 3 bis 5 Nächte.

Lofoten: Nordlichter über dem Meer

Die Lofoten bieten eine Kombination, die es sonst nirgends gibt: Nordlichter über dem offenen Nordmeer, mit schroffen Bergen und roten Fischerhütten im Vordergrund. Fotografen lieben diesen Ort, und die Bilder, die hier entstehen, gehören zu den bekanntesten Nordlichtfotos weltweit.

Die Inselgruppe liegt auf 68 Grad Nord und damit mitten im Nordlichtgürtel. Der Golfstrom sorgt für milde Wintertemperaturen (selten unter minus 5 Grad), was die Beobachtung deutlich angenehmer macht als an vielen anderen Orten. Allerdings bringt das maritime Klima auch mehr Wolken mit sich. Die Lofoten haben statistisch weniger klare Nächte als Abisko.

Der große Vorteil: Du brauchst keine Tour zu buchen. Die Lichtverschmutzung ist minimal. Es reicht, am Abend vor dein Rorbu zu treten oder zum nächsten Strand zu fahren. Beliebte Beobachtungsplätze sind der Haukland Beach, Reine, Henningsvær und die Brücken zwischen den Inseln. An diesen Spots hat man freie Sicht nach Norden.

Anreise: Flug nach Svolvær oder Leknes (via Oslo oder Bodø), Fähre ab Bodø, oder mit dem Auto über die E10. Unterkunft: Rorbuer ab ca. 100 Euro/Nacht, Campingplätze ab 20 Euro. Empfohlene Aufenthaltsdauer: 4 bis 7 Nächte.

Rovaniemi und Finnisch-Lappland

Rovaniemi liegt direkt am Polarkreis auf 66,5°N und ist damit der südlichste der hier vorgestellten Orte. Das bedeutet: Die Nordlichtchancen sind etwas geringer als in Tromsø oder Abisko, vor allem bei niedrigem Kp-Index. Bei stärkerer Sonnenaktivität (Kp 3 oder höher) sind die Nordlichter aber auch hier gut sichtbar.

Nordlichter über einem verschneiten Wald bei Rovaniemi in Finnland
Nordlichter über der Schneelandschaft bei Rovaniemi in Finnisch-Lappland (KI-generiert)

Finnland hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber Norwegen: Das Klima ist kontinentaler und trockener. Die Wahrscheinlichkeit für klare Nächte ist deutlich höher als an der norwegischen Küste. Rovaniemi verzeichnet im Winter weniger Bewölkung als Tromsø. Und weiter nördlich, in Inari oder Utsjoki, sind die Bedingungen noch besser.

Rund um Rovaniemi gibt es zahlreiche Anbieter für Glasiglus und Aurora Cabins. Man liegt im warmen Bett und schaut durch die Glasdecke direkt in den Himmel. Kein Frieren, kein Warten im Dunkeln. Klingt komfortabel, ist es auch. Die bekanntesten Anbieter sind Arctic TreeHouse Hotel, Nova Skyland und Arctic Glass Houses.

Wer die Chancen maximieren will, fährt weiter nördlich nach Inari (69°N) oder Utsjoki (70°N). Dort ist man tiefer im Nordlichtgürtel, und die Lichtverschmutzung ist praktisch nicht vorhanden. Die Nera Wilderness Lodge am Inarisee gehört zu den besten Nordlicht-Standorten in ganz Finnland.

Anreise: Direktflüge nach Rovaniemi aus Helsinki (1,5 Std.), ab München oder Berlin mit Umstieg. Nach Inari weiter mit Bus (ca. 5 Std.) oder Mietwagen. Kosten Glasiglu: 250 bis 600 Euro/Nacht. Empfohlene Aufenthaltsdauer: 3 bis 5 Nächte.

Island: Nordlichter im Vulkanland

Nordlichter über dem Kirkjufell-Berg auf der Snaefellsnes-Halbinsel in Island
Der Kirkjufell auf Island gehört zu den meistfotografierten Nordlicht-Motiven (KI-generiert)

Island liegt zwischen 63 und 66 Grad Nord, also am südlichen Rand des Nordlichtgürtels. Trotzdem gehört die Insel zu den beliebtesten Zielen für Nordlichtbeobachtungen. Das liegt an der geringen Lichtverschmutzung (nur 380.000 Einwohner auf einer Fläche grösser als Irland) und an der dramatischen Landschaft, die als Vordergrund für Nordlichtfotos dient.

Die besten Spots auf Island sind abseits von Reykjavik. Das Thingvellir-Gebiet (45 Minuten östlich der Hauptstadt) bietet dunkle Himmel und interessante Felsformationen. Die Snaefellsnes-Halbinsel an der Westküste hat den berühmten Kirkjufell-Berg als Fotomotiv. Im Osten und Norden Islands sind die Chancen noch besser, weil man dort näher am Nordlichtgürtel liegt.

Ein Nachteil von Island: Das Wetter ist extrem wechselhaft. Stürme, Regen und dichte Wolken können sich innerhalb von Stunden bilden. Man braucht Geduld und Flexibilität. Die meisten Besucher buchen eine mehrtägige Tour oder haben einen Mietwagen, um flexibel auf Wetteränderungen reagieren zu können.

Anreise: Direktflüge nach Reykjavik-Keflavik aus vielen europäischen Städten (3 bis 4 Std.). Kosten geführte Tour: 60 bis 100 Euro ab Reykjavik. Empfohlene Aufenthaltsdauer: 5 bis 7 Nächte (wegen des wechselhaften Wetters).

Weitere lohnenswerte Orte

Alta (Norwegen, 70°N): Weniger touristisch als Tromsø, aber mit ähnlich guten Chancen. Alta liegt im Landesinneren der Finnmark und hat ein trockeneres Klima. Das Northern Lights Observatory auf dem Haldde-Berg (904 m) bietet freie Sicht. Touren kosten ab 100 Euro.

Grüne Nordlichter über der verschneiten Finnmark-Landschaft bei Alta
Alta in der Finnmark bietet weniger Wolken als die norwegische Küste (KI-generiert)

Kirkenes (Norwegen, 69,7°N): Am östlichsten Punkt Norwegens, nahe der russischen Grenze. Sehr kalte, klare Winter. Wenig Tourismus, gute Chancen. Kombinierbar mit Hundeschlitten und Schneemobiltouren. Das Snowhotel Kirkenes bietet spezielle Nordlicht-Nächte an.

Nordkap (Norwegen, 71°N): Der nördlichste Punkt Europas ist im Winter nur eingeschränkt erreichbar, aber die Chancen auf Nordlichter sind ausgezeichnet. Die Anreise erfolgt über Honningsvåg (Flug ab Tromsø oder Oslo). Wenige Touristen im Winter bedeuten Ruhe und ungestörte Beobachtung.

Jokkmokk (Schweden, 66,6°N): Am Polarkreis gelegen, bekannt für den samischen Wintermarkt im Februar. Gute Nordlichtchancen bei niedrigen Preisen. Der Ort ist weniger bekannt als Abisko, aber die Bewölkungswerte sind vergleichbar gut. Unterkünfte ab 50 Euro pro Nacht.

Muonio (Finnland, 67,9°N): Ein kleiner Ort in Westlappland, direkt an der schwedischen Grenze. Harriniva Hotels & Safaris bietet Nordlicht-Touren mit Hundeschlitten an. Das kontinentale Klima sorgt für trockene, kalte Nächte mit hoher Sichtbarkeit.

Häufige Fragen

Welcher Ort bietet die höchste Wahrscheinlichkeit für Nordlichter?

Abisko in Schwedisch-Lappland hat statistisch die meisten klaren Nächte dank des "Blue Hole"-Phänomens. Tromsø hat eine höhere Nordlichtfrequenz wegen der Lage im Gürtel, aber mehr Bewölkung. Für das beste Gesamtpaket aus Sichtwahrscheinlichkeit und Infrastruktur empfehle ich Tromsø bei drei Nächten Aufenthalt oder Abisko bei zwei Nächten.

Kann man Nordlichter auch in Südschweden oder Südfinnland sehen?

Bei starker Sonnenaktivität (Kp-Index 6 oder höher) können Nordlichter bis nach Südschweden, Südfinnland und sogar Norddeutschland sichtbar sein. Das passiert aber nur wenige Male pro Jahr. Für eine gezielte Nordlichtreise solltest du nördlich des Polarkreises bleiben, um realistische Chancen zu haben.

Sind Nordlichter in Rovaniemi gut sichtbar?

Rovaniemi liegt am Polarkreis und damit am Südrand der Nordlichtzone. Bei Kp-Index 2 bis 3 sind Nordlichter hier regelmässig sichtbar, wenn auch oft weniger intensiv als weiter nördlich. Die trockene Kälte sorgt für überdurchschnittlich klare Nächte. Für höhere Chancen lohnt sich die Weiterfahrt nach Inari oder Utsjoki.

Brauche ich überall eine geführte Tour?

Nein. An Orten mit geringer Lichtverschmutzung wie den Lofoten, Abisko oder Inari kannst du Nordlichter oft direkt von deiner Unterkunft aus sehen. Eine Tour lohnt sich vor allem in Tromsø (wegen der Wolkenabdeckung und Mobilität) und auf Island (wegen des schnell wechselnden Wetters). In Abisko reicht die Aurora Sky Station als fester Beobachtungspunkt.

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Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026