Nationalparks in Skandinavien
Inhaltsverzeichnis
- 1 Nationalparks im Norden: ein Überblick
- 2 Norwegen: Fjorde, Gletscher und Hochebenen
- 3 Schweden: Wildnis und Weite
- 4 Finnland: Seen, Wälder und Stille
- 5 Island: Vulkane, Eis und Geysire
- 6 Wandern in skandinavischen Nationalparks
- 7 Praktische Tipps für Nationalpark-Besuche
- 8 Häufige Fragen zu Nationalparks in Skandinavien
Skandinavien hat über 100 Nationalparks. Allein Norwegen kommt auf 47, Schweden auf 30, Finnland auf 41 und Island auf 3. Die Bandbreite reicht von arktischen Gletschergebieten über boreale Urwälder bis hin zu vulkanischen Mondlandschaften. Der Eintritt ist fast überall kostenlos. Was alle Parks gemeinsam haben: deutlich weniger Besucher als vergleichbare Parks in Mitteleuropa oder Nordamerika.
Dieser Artikel stellt 20 Parks vor, die sich aus unterschiedlichen Gründen lohnen. Manche sind leicht zugänglich und familientauglich, andere erfordern mehrtägige Wanderungen und echte Outdoor-Erfahrung. Für jeden ist etwas dabei.
Nationalparks im Norden: ein Überblick
Die skandinavischen Länder verfolgen unterschiedliche Ansätze beim Naturschutz. Norwegen hat seit 1962 systematisch Nationalparks eingerichtet und schützt damit rund 7,5 Prozent seiner Landfläche. Schwedens älteste Nationalparks, darunter Sarek und Abisko, wurden bereits 1909 gegründet und gehören damit zu den ältesten in Europa. Finnlands Nationalparks werden von Metsähallitus verwaltet und zeichnen sich durch ausgezeichnete Infrastruktur aus: markierte Wege, Schutzhütten, Feuerstellen und Trockentoiletten machen sie besonders einsteigerfreundlich.
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Islands drei Nationalparks sind jünger und decken zusammen fast 14 Prozent der Landfläche ab. Vatnajökull, der größte, wurde erst 2008 gegründet und umfasst den gleichnamigen Gletscher, Europas größte Eiskappe.
In allen skandinavischen Ländern gilt eine Form des Jedermannsrechts (Allemannsretten in Norwegen, Allemansrätten in Schweden, Jokamiehenoikeus in Finnland). Das bedeutet: Man darf sich frei in der Natur bewegen, zelten und Beeren pflücken, solange man Rücksicht auf die Natur und Grundbesitzer nimmt. In Nationalparks gelten teilweise strengere Regeln, besonders beim Zelten und Feuermachen.
Norwegen: Fjorde, Gletscher und Hochebenen
Jotunheimen ist der Klassiker. Hier stehen die beiden höchsten Berge Nordeuropas: Galdhøpiggen (2.469 m) und Glittertind (2.452 m). Der Park ist 1.151 Quadratkilometer groß und bietet über 250 Gipfel über 1.900 Metern. Der bekannteste Wanderweg ist der Besseggen-Grat zwischen dem grünen Gjende-See und dem blauen Bessvatnet. Die Wanderung dauert 6 bis 8 Stunden und erfordert Trittsicherheit. Die DNT-Hütten im Park sind gut, Reservierung im Sommer dringend empfohlen. Anreise über Lom oder Beitostølen.
Hardangervidda ist Europas größte Hochebene und Norwegens größter Nationalpark mit 3.422 Quadratkilometern. Die Landschaft ist weit und offen baumlos. Hier lebt Europas größte Wildren-Herde mit rund 7.000 Tieren. Im Sommer kann man tagelang über die Hochebene wandern, ohne einer Menschenseele zu begegnen. Ausgangspunkte sind Finse (erreichbar per Zug auf der Bergenbahn) oder Haukeliseter.
Rondane, Norwegens ältester Nationalpark (1962), ist sanfter als Jotunheimen. Runde Bergkuppen statt scharfer Grate, weiche Mooslandschaften und klare Seen. Zehn Gipfel über 2.000 Meter, aber die Wanderungen sind weniger ausgesetzt. Gut für Familien und Einsteiger. Rondvassbu, die zentrale Hütte, liegt auf 1.165 Metern und ist Ausgangspunkt für die meisten Touren.
Lofotodden an der Südspitze der Lofoten wurde erst 2018 gegründet. Schroffe Berge, weiße Sandstrände und tiefblaues Meer auf engem Raum. Die Wanderung zum Kvalvika Beach und weiter auf den Ryten (543 m) gehört zu den besten Tageswanderungen in ganz Skandinavien. Der Park ist klein (100 km²), aber dicht gepackt mit Höhepunkten.
Dovrefjell-Sunndalsfjella ist der einzige Ort in Norwegen, an dem Moschusochsen leben. Die Tiere wurden 1953 aus Grönland eingeführt, nachdem die ursprüngliche Population ausgestorben war. Geführte Safaris starten von Kongsvold, die Chance auf Sichtung liegt bei über 90 Prozent. Neben den Moschusochsen gibt es Steinadler und Polarfüchse.
Schweden: Wildnis und Weite
Sarek in Lappland gilt als der letzte große Wildnispark Europas. Keine markierten Wege, keine Hütten, keine Brücken. 1.970 Quadratkilometer Berge und Gletscher. Sarek ist nur für erfahrene Outdoor-Leute geeignet, die mit Karte und Kompass umgehen können. Die Rapa-Mündung im Südosten ist eines der schönsten Flusstäler Europas. Anreise über Kvikkjokk oder Ritsem.
Abisko ist der Gegenpol zu Sarek. Klein (77 km²), gut erreichbar per Zug und mit der Naturstation Abisko als Anlaufpunkt. Abisko liegt am Startpunkt des Kungsleden, Schwedens berühmtestem Fernwanderweg. Der Nationalpark bietet Tageswanderungen zum Njulla-Berg (1.164 m) mit Panoramablick über den Torneträsk-See. Im Winter ist Abisko einer der besten Orte in ganz Skandinavien, um Nordlichter zu sehen, weil die Berge im Westen Wolken abhalten.
Padjelanta liegt westlich von Sarek und ist Schwedens größter Nationalpark (1.984 km²). Der Name kommt aus dem Samischen und bedeutet "das höhere Land". Die Landschaft ist weiter und offener als in Sarek, mit großen Seen und weiten Hochebenen. Der Padjelantaleden führt in rund einer Woche durch den Park. Die Seen Virihaure und Vastenjaure gehören zu den abgelegensten Gewässern Schwedens.
Kosterhavet ist Schwedens einziger Meeresnationalpark und liegt vor der Westküste bei Strömstad. Hier gibt es Schwedens einziges Korallenriff, dazu Seehunde und eine reiche Unterwasserwelt. Man kann schnorcheln, tauchen oder mit dem Kajak die Koster-Inseln umrunden. Die Anreise erfolgt per Fähre von Strömstad. In den Sommermonaten gibt es Naturführungen und geführte Kajaktouren.
Muddus (samisch: Muttos) in Norrbotten ist einer der ältesten Urwälder Europas. Manche Kiefern sind über 700 Jahre alt. Der Park ist flach und vorhersehbar für Einsteiger. Die Schlucht des Muddus-Flusses mit ihrem 42 Meter hohen Wasserfall ist der landschaftliche Höhepunkt. Im Frühsommer nisten hier Kraniche und Steinadler.
Finnland: Seen und Wälder
Oulanka in Kuusamo gehört zu den beliebtesten Nationalparks Finnlands. Der 270 Quadratkilometer große Park ist bekannt für den Karhunkierros-Wanderweg (Bärenpfad), der sich auf 80 Kilometern durch Schluchten, über Hängebrücken und entlang rauschender Stromschnellen windet. Die kürzere Variante, der Kleine Bärenpfad, ist 12 Kilometer lang und an einem Tag machbar. Die Infrastruktur ist sehr gut: Schutzhütten und Holzstege über Moorgebiete.
Nuuksio liegt nur 35 Kilometer von Helsinki entfernt und zeigt, dass man für Wildnis in Finnland nicht weit fahren muss. Granitfelsen und Birkenwälder auf 53 Quadratkilometern. Hier lebt das Flughörnchen, Finnlands seltenste Säugetierart. Am Haukkalampi-See gibt es ein Naturzentrum mit Ausstellung und Café. Von Helsinki kommt man mit Bus und S-Bahn in unter einer Stunde hierher.
Urho-Kekkonen im Norden Finnlands ist mit 2.550 Quadratkilometern einer der größten Parks des Landes. Die Landschaft wechselt zwischen kahlen Fjälls (baumlosen Hochflächen) und dichten Birkenwäldern. Der Park grenzt an Norwegen und bietet Langstreckenwanderungen durch echte Wildnis. Saariselkä am Rand des Parks ist der beste Ausgangspunkt. Im Winter kann man hier auf Langlaufski durch die verschneite Tundra gleiten.
Koli in Nordkarelien ist Finnlands Nationallandschaft. Der Blick vom Ukko-Koli-Gipfel (347 m) über den Pielinen-See gilt als der berühmteste Ausblick des Landes und hat zahlreiche finnische Maler inspiriert. Der Park ist kompakt (30 km²) und gut erschlossen. Oben am Gipfel gibt es ein Hotel und Restaurant. Im Winter werden die Hänge als Skigebiet genutzt.
Lemmenjoki ist Finnlands größter Nationalpark (2.850 km²) und einer der ausgedehntesten Wildnisgebiete Europas. Am gleichnamigen Fluss wird bis heute Gold gewaschen. Im Sommer kann man Boote mieten und den Fluss hinauffahren. Die samische Kultur ist hier noch lebendig, und im Herbst während der Ruska-Zeit leuchten die Birkenwälder in allen Rot- und Gelbtönen.
Island: Vulkane und Geysire
Vatnajökull ist mit 14.141 Quadratkilometern der zweitgrößte Nationalpark Europas (nach Nordost-Grönland). Er umfasst den Vatnajökull-Gletscher und die umliegenden Gebiete, darunter die Gletscherlagune Jökulsárlón, den Wasserfall Svartifoss mit seinen Basaltsäulen und das Hochlandgebiet Askja. Die Zugänglichkeit variiert stark: Jökulsárlón erreicht man bequem über die Ringstraße, Askja erfordert ein Allradfahrzeug und ist nur im Sommer passierbar.
Þingvellir (Thingvellir) ist der historisch wichtigste Ort Islands. Hier tagten die Wikinger ab 930 im Althing, und hier driften die nordamerikanische und eurasische Kontinentalplatte auseinander. In der Silfra-Spalte kann man zwischen den Kontinentalplatten schnorcheln oder tauchen. Die Sicht unter Wasser beträgt über 100 Meter. Þingvellir liegt auf dem Golden Circle und ist von Reykjavik in 45 Minuten erreichbar.
Snæfellsjökull im Westen Islands ist der kleinste der drei Nationalparks. Der gleichnamige Gletscher-Vulkan inspirierte Jules Verne zu "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde". An klaren Tagen sieht man den Snæfellsjökull von Reykjavik aus. Die Halbinsel Snæfellsnes, auf der der Park liegt, wird oft als "Island im Kleinen" bezeichnet, weil sie Gletscher, Lavafelder und Vogelklippen Strände auf engem Raum vereint.
Wandern in skandinavischen Nationalparks
Die Wandersaison in Skandinavien dauert je nach Region von Juni bis September. Im Norden Norwegens und Schwedens liegt bis Juni Schnee auf den Pässen, im Süden kann man oft schon im Mai starten. Die längsten Tage hat man rund um die Sommersonnenwende am 21. Juni, wenn es nördlich des Polarkreises gar nicht dunkel wird.
Für Einsteiger eignen sich: Nuuksio (Finnland), Koli (Finnland), Abisko (Schweden), Rondane (Norwegen) und Þingvellir (Island). Diese Parks haben markierte Wege, gute Infrastruktur und sind ohne spezielle Ausrüstung begehbar.
Für Fortgeschrittene: Jotunheimen (Norwegen), Oulanka (Finnland), Hardangervidda (Norwegen) und der Kungsleden in Abisko/Padjelanta (Schweden). Hier braucht man solide Wanderschuhe, wetterfeste Kleidung und Erfahrung mit wechselhaftem Bergwetter.
Für Profis: Sarek (Schweden), Urho-Kekkonen Wildniszone (Finnland) und das isländische Hochland im Vatnajökull-Park. Hier gibt es keine markierten Wege, keine Hütten und teilweise Flussquerungen. Karte und Kompass sind Pflicht, ebenso Erfahrung mit Wildnistrekking.
Praktische Tipps für Nationalpark-Besuche
Kosten: Der Eintritt in alle skandinavischen Nationalparks ist kostenlos. Kosten fallen nur für Hüttenübernachtungen (DNT-Hütten in Norwegen: 500 bis 900 NOK pro Nacht für Mitglieder), Parkplätze (häufig in Norwegen, 50 bis 150 NOK pro Tag) und geführte Touren an. Eine DNT-Mitgliedschaft kostet 790 NOK pro Jahr und lohnt sich ab drei Hüttennächten.
Ausrüstung: Wasserdichte Wanderschuhe mit Knöchelschutz und Regenhose (auch im Sommer), Mütze und Handschuhe für die Berge und Sonnenschutz (besonders in Finnland und Nordschweden von Mitte Juni bis Mitte August). Ein Mückenkopfnetz ist in Lappland kein Luxus, sondern Notwendigkeit.
Anreise: Viele Parks in Norwegen und Schweden erfordern ein Auto. In Finnland gibt es Busverbindungen zu den meisten Parks. Islands Parks liegen an oder nahe der Ringstraße. Die Zuganbindung ist in Schweden am besten: Abisko und Padjelanta erreicht man per Nachtzug von Stockholm.
Regeln: Kein offenes Feuer in der freien Natur während Trockenperioden. Müll mitnehmen, nichts zurücklassen. Drohnen sind in den meisten Parks verboten oder genehmigungspflichtig. Hunde müssen in Norwegen und Schweden während der Brutzeit (April bis August) an der Leine geführt werden.
Häufige Fragen zu Nationalparks in Skandinavien
Darf man in skandinavischen Nationalparks wild zelten?
In Norwegen und Schweden grundsätzlich ja, dank Jedermannsrecht. In der Regel gilt: mindestens 150 Meter Abstand zu bewohnten Häusern, maximal zwei Nächte am selben Ort. In einigen Parks gibt es Einschränkungen, besonders in der Nähe von Hütten. In Finnlands Nationalparks ist Zelten nur an gekennzeichneten Plätzen erlaubt. Auf Island gibt es kein Jedermannsrecht für Camping.
Welcher Nationalpark ist der beste für eine erste Skandinavien-Reise?
Abisko in Schweden bietet den besten Mix aus Erreichbarkeit und Natur. Man kommt per Nachtzug von Stockholm, hat die Naturstation als Basis und kann Tageswanderungen unternehmen. Alternativ Nuuksio bei Helsinki, wenn man Parks mit Stadtbesuch kombinieren will.
Gibt es in skandinavischen Nationalparks gefährliche Tiere?
Bären gibt es in Schweden (ca. 2.800), Finnland (ca. 2.000) und Norwegen (ca. 175). Begegnungen sind extrem selten, Angriffe noch seltener. In Norwegen können Moschusochsen im Dovrefjell aggressiv werden, wenn man zu nah kommt (Mindestabstand 200 Meter). Die größte tatsächliche Plage sind Mücken in Lappland.
Kann man skandinavische Nationalparks auch im Winter besuchen?
Ja, aber die Bedingungen sind anders. In Finnland sind viele Parks im Winter per Langlaufski oder Schneeschuh zugänglich. In Norwegen bieten DNT-Hütten auch im Winter Übernachtungen an. Abisko in Schweden ist im Winter ein Hotspot für Nordlichter. Island ist ganzjährig bereisbar, aber Hochlandstraßen sind im Winter gesperrt.
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Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.