Shopping in Stockholm
Ich wollte nur kurz in den Laden schauen. Zwei Stunden später stand ich mit einer Tüte schwedischer Keramik und einem Wollpullover an der Kasse auf Södermalm. 1.800 SEK leichter. Das passiert einem in Stockholm schneller, als man denkt. Die Stadt hat eine Art, einen zum Kaufen zu verführen, die nichts mit aggressivem Marketing zu tun hat. Es ist die Qualität der Dinge. Die Schlichtheit. Schwedisches Design funktioniert, weil es nicht schreit.
Stockholm ist eine der besten Shopping-Städte Nordeuropas. Von der internationalen Luxusmeile über unabhängige Designläden bis zum Vintage-Paradies auf Södermalm findet man hier alles. Schweden hat eine lebendige Mode- und Designszene, und Stockholm ist ihr Zentrum. H&M wurde hier gegründet, Acne Studios hat seinen Flagship Store hier, und in den Seitenstraßen sitzen Dutzende junger Labels, die man außerhalb Schwedens noch nicht kennt.
Überblick
Stockholms Shopping verteilt sich auf vier Hauptgebiete. Norrmalm (Drottninggatan, NK, Åhléns City) ist die klassische Einkaufszone mit großen Kaufhäusern und internationalen Ketten. Östermalm (Sturegallerian, Biblioteksgatan) ist die gehobene Adresse mit Luxusmarken und schwedischen Premium-Labels. Södermalm (SoFo, Hornsgatan) ist das Revier für Vintage, Second Hand, unabhängige Designer und Street Fashion. Gamla Stan hat Souvenirläden und Kunsthandwerk, aber auch überraschend gute kleine Galerien und Schmuckgeschäfte.
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Ein Hinweis vorab: Schweden ist ein nahezu bargeldloses Land. Kreditkarte (Visa, Mastercard) funktioniert überall, auch in kleinen Vintage-Läden und auf Flohmärkten. Manche Geschäfte akzeptieren gar kein Bargeld mehr. Swish, die schwedische Bezahl-App, nutzen nur Einheimische mit schwedischem Bankkonto. Für Touristen reicht die Kreditkarte.
Die Preise in Stockholm sind höher als in Deutschland, aber nicht astronomisch. Ein guter Wollpullover aus schwedischer Produktion kostet 1.200-2.500 SEK. Eine Jeans bei Acne Studios 2.000-3.500 SEK. Vintage-Klamotten auf Södermalm gibt es ab 100 SEK. Schwedische Keramik oder Glaskunst (Kosta Boda, Orrefors): ab 300 SEK für kleine Stücke.
NK (Nordiska Kompaniet)
NK ist Stockholms traditionsreichstes Kaufhaus. Eröffnet 1915 am Hamngatan, direkt gegenüber vom Kungsträdgården. Das Gebäude ist ein Palast im Jugendstil mit Marmortreppen, hohen Decken und einer gläsernen Kuppel. NK steht in einer Liga mit dem KaDeWe in Berlin oder dem Selfridges in London -- nicht ganz so groß, aber genauso elegant.
Im Erdgeschoss: Kosmetik, Parfüm, Accessoires. Erste Etage: Damenmode, darunter schwedische Labels wie Tiger of Sweden, Filippa K und By Malene Birger, daneben internationale Marken. Zweite Etage: Herrenmode. Kellergeschoss: Designabteilung mit skandinavischem Interieur, Porzellan und Glas. Diese Abteilung lohnt sich besonders. Hier findet man Iittala, Marimekko, Kosta Boda und viele schwedische Kleinserien-Hersteller an einem Ort.
Zur Weihnachtszeit ist NK besonders sehenswert. Die Schaufenster werden jedes Jahr aufwändig dekoriert -- Stockholmer kommen eigens, um sie anzuschauen. Das ist seit über 100 Jahren Tradition. NK liegt an der T-Bana-Station Kungsträdgården (blaue Linie). Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 10:00-20:00 Uhr, Samstag 10:00-18:00 Uhr, Sonntag 11:00-17:00 Uhr.
Södermalm: Vintage und Second Hand
Södermalm ist das Viertel für alle, die lieber in kleinen Läden stöbern als durch Kaufhäuser zu laufen. Die Dichte an Vintage- und Second-Hand-Läden ist nirgendwo in Stockholm höher. Entlang der Hornsgatan und in den Seitenstraßen Richtung Zinkensdamm reihen sich die Läden aneinander.
Judits Second Hand (Hornsgatan 75): Einer der bekanntesten Vintage-Läden Stockholms. Schwerpunkt auf Mode der 1960er bis 1990er. Lederjacken, Designerkleider, Denim. Die Inhaberin Judit kauft selbst ein und hat ein Auge für Qualität. Preise: 150-800 SEK für die meisten Stücke, Designerstücke teurer.
Beyond Retro (Åsögatan 144): Eine riesige Halle voller Vintage-Kleidung, sortiert nach Farbe und Stil. Hier findet man alles -- von der Jeansjacke für 200 SEK bis zum Abendkleid für 600 SEK. Beyond Retro hat auch eigene Upcycling-Kollektion, bei der alte Stoffe zu neuen Kleidungsstücken verarbeitet werden.
Stockholms Stadsmission (Hornsgatan 3): Second Hand mit sozialem Zweck. Die Einnahmen gehen an soziale Projekte. Die Auswahl ist zufällig -- Glückssache, wie bei jedem Charity-Shop. Aber die Preise sind niedrig (Hemden ab 80 SEK, Jacken ab 150 SEK), und manchmal findet man echte Schätze zwischen den Alltagsklamotten.
SoFo Design District
SoFo steht für "South of Folkungagatan" -- das Viertel südlich der Folkungagatan auf Södermalm. Hier hat sich in den letzten 15 Jahren eine Szene aus unabhängigen Designläden, Concept Stores, Galerien und Cafés entwickelt. SoFo ist kein Einkaufszentrum, sondern ein Netz aus kleinen Straßen, in denen man von Laden zu Laden schlendert.
Grandpa (Södra Larmgatan 11): Concept Store mit skandinavischer Mode, Einrichtung und Papeterie. Die Auswahl ist handverlesen -- schwedische und dänische Labels, die man sonst nicht findet. Ein guter Ort für Mitbringsel, die nicht nach Souvenir aussehen.
Sneakersnstuff (Åsögatan 124): Einer der einflussreichsten Sneaker-Stores Europas, gegründet 1999 in Stockholm. Limitierte Editionen, Kollaborationen, und regelmäßig Schlangen vor der Tür bei Release-Events. Nicht der Ort für Schnäppchen, aber für Sneaker-Fans Pflichtprogramm.
Am ersten Donnerstag im Monat veranstaltet SoFo den "SoFo Night" -- die Läden haben bis 21:00 Uhr geöffnet, es gibt Musik, Drinks und manchmal Rabattaktionen. Im Dezember findet der SoFo-Weihnachtsmarkt statt, klein aber fein, mit lokalen Designern und Handwerkern.
Östermalms Saluhall
Die Saluhall am Östermalmstorg ist keine Shopping-Mall im engeren Sinn, sondern eine Markthalle. Seit 1888 werden hier Lebensmittel verkauft: frischer Fisch, Fleisch, Käse, Backwaren, schwedische Spezialitäten. Das Gebäude wurde 2020 nach einer mehrjährigen Renovierung wiedereröffnet und sieht prächtig aus -- gusseisernes Dach, Holzvertäfelungen, Fliesen im Originalzustand.
Die Saluhall ist teuer. Das muss man wissen. Ein Kilo Lachs kostet hier 450-600 SEK, Rentier-Trockenfleisch 180 SEK pro 100 Gramm, ein Stück schwedischer Västerbottensost (Hartkäse) 120 SEK. Aber die Qualität ist sehr gut, und die Atmosphäre ist das Geld wert. Wer nicht kaufen will, kann an den Tresen der kleinen Restaurants essen -- Fischsuppe für 165 SEK, Toast Skagen (Krabben auf geröstetem Brot) für 145 SEK.
Ich gehe in die Saluhall, wenn ich etwas Besonderes mitnehmen will: eingelegt Hering in verschiedenen Geschmacksrichtungen, Knäckebröd von kleinen schwedischen Bäckereien, Cloudberry-Marmelade (Hjortron). Das sind Mitbringsel, die ankommen. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9:30-19:00 Uhr, Samstag 9:30-17:00 Uhr. Sonntag meistens geschlossen (einige Restaurants öffnen trotzdem).
Drottninggatan
Die Drottninggatan ist Stockholms Haupteinkaufsstraße. Sie erstreckt sich über fast zwei Kilometer vom Riksdagshuset (Parlament) in der Altstadt bis hinauf zum Odenplan. Der untere Abschnitt (Sergels Torg bis Hötorget) ist am belebtesten -- Fußgängerzone, Straßenmusiker, Menschenmassen. Hier liegen die üblichen Ketten: H&M, Zara, Monki, Weekday, COS.
Ehrlich gesagt ist die Drottninggatan nicht mein Lieblings-Shopping-Revier. Die Läden findet man in jeder europäischen Großstadt. Aber sie hat ihren Zweck: Wenn man schnell einen Pullover von H&M braucht oder Grundausstattung sucht, ist man hier richtig. Und Åhléns City am Klarabergsgatan (direkt an der Kreuzung mit der Drottninggatan) ist ein solides Kaufhaus mit einer guten Kosmetikabteilung und schwedischen Lebensmitteln im Untergeschoss.
Der obere Teil der Drottninggatan (ab Hötorget Richtung Odenplan) wird ruhiger und interessanter. Hier liegen kleinere, unabhängige Geschäfte, Buchhandlungen und Cafés. Der Haymarket, eine renovierte ehemalige Markthalle, hat eine Mischung aus Street Food, Feinkost und kleinen Boutiquen.
Sturegallerian
Die Sturegallerian am Stureplan ist Stockholms exklusivste Shopping-Adresse. Das Einkaufszentrum liegt unterirdisch unter dem Stureplan-Platz und beherbergt Luxusmarken wie Gucci, Louis Vuitton, Mulberry und Tiger of Sweden. Die Architektur ist auffällig: Marmor, Glas und eine zentrale Treppe, die an eine Opernkulisse erinnert.
Direkt am Stureplan beginnt auch die Biblioteksgatan, eine kurze Straße mit hochwertigen Geschäften. Acne Studios hat hier seinen Flagship Store (Norrmalmstorg 2, direkt um die Ecke). Der Laden allein ist architektonisch einen Besuch wert -- minimalistisches Design, Betonwände, die Kleidung wie Kunstwerke präsentiert. Eine Acne-Jeans kostet hier 2.200-3.500 SEK. Kein Schnäppchen, aber schwedische Qualität.
Stureplan ist auch das Ausgehviertel Stockholms -- Bars, Restaurants, Nachtclubs. Wer nachmittags shoppen und abends ausgehen will, bleibt einfach in der Gegend. Die T-Bana-Station Östermalmstorg ist zwei Minuten entfernt.
Schwedische Designmarken: Was sich lohnt
Schweden hat eine starke Dichte an Designmarken, die über Mode hinausgeht. Hier die Labels, für die sich ein Besuch im Flagship Store lohnt:
- Acne Studios: High-Fashion aus Stockholm. Jeans, Lederjacken, Strickwaren. Flagship Store am Norrmalmstorg. Premium-Preise, aber die Qualität ist sehr gut.
- Filippa K: Skandinavischer Minimalismus. Zeitlose Schnitte, gedeckte Farben. Flagship Store in der Grev Turegatan. Ein Blazer kostet 2.800-4.500 SEK.
- COS: H&M-Tochter, aber mit deutlich höherem Designanspruch. Gute Qualität zu moderaten Preisen (Hemden ab 600 SEK, Mäntel ab 1.500 SEK). Store in der Drottninggatan.
- Fjällräven: Outdoor-Ausrüster aus Örnsköldsvik. Den Kånken-Rucksack kennt inzwischen jeder (ab 999 SEK). Im Flagship Store in der Kungsgatan gibt es die komplette Kollektion plus limitierte Editionen.
- Svenskt Tenn: Einrichtungshaus am Strandvägen mit den berühmten Josef-Frank-Stoffen. Kissen, Decken, Vasen. Teuer (ein kleines Kissen ab 800 SEK), aber ikonisch schwedisch.
- Granit: Schwedische Ordnung zum Anfassen. Aufbewahrungsboxen, Notizbücher, Küchenzubehör. Alles in klaren Linien und gedeckten Farben. Store am Götgatan auf Södermalm. Preiswert (Notizbücher ab 60 SEK).
Tipps: Tax Free, Öffnungszeiten und Bezahlen
Tax Free: Nicht-EU-Bürger können sich die schwedische Mehrwertsteuer (25 Prozent, auf Lebensmittel 12 Prozent) ab einem Einkauf von 200 SEK pro Geschäft erstatten lassen. Das läuft über Global Blue oder Planet Tax Free. Im Geschäft nach dem Tax-Free-Formular fragen, es ausfüllen lassen und am Flughafen Arlanda (Terminal 5, nach der Passkontrolle) die Erstattung kassieren. Die tatsächliche Erstattung liegt bei etwa 15-19 Prozent (nach Abzug der Servicegebühr). Bei einem Einkauf von 3.000 SEK sind das 450-570 SEK zurück -- lohnt sich.
Öffnungszeiten: Die meisten Geschäfte in Stockholm öffnen Montag bis Freitag von 10:00 bis 19:00 Uhr, Samstag von 10:00 bis 17:00 Uhr und Sonntag von 11:00 bis 16:00 Uhr (viele Läden auf Södermalm) oder 12:00-16:00 Uhr (Norrmalm). Kaufhäuser wie NK und Åhléns haben längere Öffnungszeiten. Im Dezember verlängern viele Geschäfte auf 21:00 oder 22:00 Uhr.
Bezahlen: Kreditkarte überall. Manche Läden akzeptieren kein Bargeld -- das steht dann am Eingang ("Vi tar ej kontanter"). Kontaktloses Bezahlen (Apple Pay, Google Pay) funktioniert in den meisten Geschäften. Wechselkurs bei der Kartenzahlung: Die Bank-Umrechnung ist fast immer günstiger als die "dynamische Währungsumrechnung" am Kartenterminal. Wenn das Terminal fragt "In SEK oder EUR abrechnen?" -- immer SEK wählen.
Sale-Saisons: Der schwedische Sommerschlussverkauf (Sommarrea) beginnt Ende Juni. Der Winterschlussverkauf startet am 27. Dezember (Mellandagsrea), direkt nach Weihnachten. In beiden Phasen gibt es Rabatte von 30 bis 70 Prozent, auch in den gehobenen Läden. Die ersten Tage sind am ergiebigsten -- danach sind die besten Stücke weg.
Häufige Fragen
Wo findet man die besten Vintage-Läden in Stockholm?
Auf Södermalm, besonders entlang der Hornsgatan und im SoFo-Viertel. Judits Second Hand, Beyond Retro und Stockholms Stadsmission sind die bekanntesten. Samstags finden oft Flohmärkte im Freien statt -- Hornstulls Marknad am Hornstull ist der größte (April bis Oktober, Samstag und Sonntag).
Lohnt sich Shopping in Stockholm trotz der hohen Preise?
Für schwedische Designmarken (Acne Studios, Filippa K, Fjällräven) ja -- die Preise sind in Stockholm teilweise niedriger als im Export. Für internationale Ketten lohnt es sich preislich weniger. Vintage und Second Hand sind dagegen oft günstiger als in deutschen Großstädten.
Haben Geschäfte in Stockholm sonntags geöffnet?
Ja, die meisten Geschäfte im Zentrum öffnen sonntags, allerdings mit verkürzten Zeiten (11:00-16:00 Uhr oder 12:00-16:00 Uhr). Kaufhäuser wie NK und Åhléns haben sonntags von 11:00-17:00 Uhr geöffnet. Kleine unabhängige Läden auf Södermalm können sonntags geschlossen sein.
Was sind gute Mitbringsel aus Stockholm?
Schwedische Klassiker: Kånken-Rucksack von Fjällräven (ab 999 SEK), Dalahäst (Dalapferd) in verschiedenen Größen (ab 150 SEK), Knäckebröd oder Cloudberry-Marmelade aus der Östermalms Saluhall, Josef-Frank-Stoffe von Svenskt Tenn, oder ein limitierter Print vom Fotografiska.
Gibt es Outlet-Stores in der Nähe von Stockholm?
Ja. Das Barkarby Outlet liegt etwa 20 Minuten nordwestlich der Innenstadt (T-Bana bis Barkarby, dann Bus). Über 50 Stores mit schwedischen und internationalen Marken, Rabatte von 30-70 Prozent auf UVP. Haga Outlet in Södertälje (30 Minuten mit dem Pendlerzug) ist kleiner, aber hat gute Angebote bei Filippa K und Tiger of Sweden.
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Weiterführende Informationen
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026