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ABBA The Museum Stockholm
Schweden entdecken

ABBA The Museum Stockholm

10 Min. Lesezeit

Wer in Stockholm ist und auch nur ansatzweise etwas mit Popmusik anfangen kann, kommt an diesem Ort kaum vorbei. ABBA The Museum auf der Insel Djurgården zieht jährlich rund 500.000 Besucher an. Das liegt weniger an der Größe der Ausstellung als an der Art, wie sie aufgebaut ist: interaktiv, laut, bunt und an vielen Stellen persönlicher, als man es von einem Popmusik-Museum erwartet. Ich war selbst skeptisch, ob ein Museum über eine Band, die sich 1982 getrennt hat, wirklich einen ganzen Nachmittag füllen kann. Die kurze Antwort: Ja, problemlos.

Eingangsbereich des ABBA The Museum auf Djurgården in Stockholm
Der Eingang zum ABBA The Museum liegt direkt neben der Haltestelle der Tram 7 (KI-generiert)

Das ABBA Museum auf Djurgården

Das Museum steht auf Djurgården, der Museumsinsel im Osten Stockholms. Die Adresse lautet Djurgårdsvägen 68, nur wenige Gehminuten vom Vasa Museum und dem Freilichtmuseum Skansen entfernt. Kein Zufall. An einem Tag schafft man hier locker zwei oder drei Museen, ohne lange laufen zu müssen.

Eröffnet wurde ABBA The Museum im Mai 2013. Initiator war Owe Sandström, der Kostümdesigner der Band, zusammen mit den vier Bandmitgliedern. Die Ausstellungsfläche umfasst rund 2.000 Quadratmeter. Das klingt zunächst nicht riesig. Reicht aber, weil an jeder Ecke etwas zum Anfassen oder Ausprobieren steht. Das Museum teilt sich das Gebäude mit der Swedish Music Hall of Fame, die schwedische Musikgeschichte allgemein abdeckt.

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Noch was: Man muss kein Hardcore-Fan sein, um hier Spaß zu haben. Die Ausstellung erzählt die Geschichte von vier Leuten aus Schweden, die innerhalb von zehn Jahren zu den erfolgreichsten Musikern der Welt wurden. Originalobjekte, Filmausschnitte, jede Menge Technik zum Anfassen.

Die Ausstellung im Detail

Der Rundgang beginnt mit einem Zeitstrahl, der die musikalische Entwicklung Schwedens vor ABBA zeigt. Das hilft, die Band einzuordnen. Schweden hatte schon vor 1972 eine aktive Musikszene, aber international kannte die kaum jemand. Bis ABBA kam.

Der Hauptteil der Ausstellung gliedert sich in mehrere Bereiche. Im ersten Raum geht es um die Anfänge: Agnetha Fältskog und Frida Lyngstad als Solistinnen, Björn Ulvaeus bei den Hootenanny Singers, Benny Andersson bei den Hep Stars. In Vitrinen liegen frühe Schallplatten, handgeschriebene Songtexte und Fotos aus den späten 1960er-Jahren.

Originale ABBA-Bühnenkostüme hinter Glas im Museum
Originale Bühnenkostüme aus verschiedenen Tournee-Phasen der Band (KI-generiert)

Dann die Kostüme. Davon gibt es mehr als man erwartet. Die Outfits reichen von den vergleichsweise schlichten Anzügen der Eurovision-Auftritte bis zu den extravaganten Glitzer-Overalls der späten 1970er. Die Kostüme wurden übrigens aus steuerlichen Gründen so auffällig gestaltet. In Schweden konnte man Bühnenkleidung nur dann von der Steuer absetzen, wenn sie eindeutig nicht als Alltagskleidung durchging. Das ist kein Witz. Es steht so auch auf einer der Infotafeln im Museum.

Weiter hinten im Museum steht eine Nachbildung des Polar Studios, dem Aufnahmestudio auf der Insel Skeppsholmen in Stockholm. Hier haben ABBA den Großteil ihrer Alben aufgenommen. Das Original existiert nicht mehr, aber hier steht alles nach: Mischpult, Mikrofone, Kopfhörer, sogar leere Kaffeetassen auf dem Studiotisch. Gibt einen guten Eindruck davon, wie Popmusik in den 1970ern produziert wurde.

An den Wänden hängen Gold- und Platin-Schallplatten aus verschiedenen Ländern. 385 Millionen verkaufte Tonträger, als Zahl abstrakt. Aber wenn man vor dieser Wand steht -- goldene Rahmen aus Australien, Brasilien, Japan, dutzende weitere -- dann wird das plötzlich real.

Die Geschichte von ABBA

Für alle, die mit der Band nicht so vertraut sind: ABBA bestand aus Agnetha Fältskog, Björn Ulvaeus, Benny Andersson und Anni-Frid "Frida" Lyngstad. Die vier traten 1972 erstmals gemeinsam auf, zunächst unter wechselnden Namen. Der Durchbruch kam am 6. April 1974, als sie beim Eurovision Song Contest in Brighton mit "Waterloo" gewannen. Es war Schwedens erster Sieg bei dem Wettbewerb.

Was danach folgte, ging absurd schnell. Zwischen 1974 und 1982 veröffentlichten ABBA acht Studioalben. "Dancing Queen", "Mamma Mia", "SOS", "Fernando", "Knowing Me, Knowing You", "The Winner Takes It All" -- allein "Dancing Queen" stand in 13 Ländern auf Platz eins.

Das Museum zeigt auch die Schattenseiten. Beide Paare innerhalb der Band trennten sich. Björn und Agnetha ließen sich 1980 scheiden, Benny und Frida 1981. Man hört es in der Musik. "The Visitors" von 1981 klingt dunkler als alles davor. Nach einer letzten gemeinsamen Session Ende 1982 löste sich ABBA auf, ohne dass es je eine offizielle Auflösung gab.

Erst 2021, fast 40 Jahre später, veröffentlichte die Band mit "Voyage" ein neues Album. Gleichzeitig startete eine digitale Konzertreihe in London, bei der ABBA als Avatare auf der Bühne stehen. Das Museum zeigt Material zu diesem Comeback, einschließlich Fotos aus den Motion-Capture-Sessions.

Highlights im Museum

Ein paar Stationen sind mir im Kopf geblieben.

Das Klavier mit Verbindung zu Bennys Zuhause: In der Ausstellung steht ein Klavier, das über eine digitale Verbindung mit Benny Anderssons Privatklavier in seinem Stockholmer Zuhause verbunden ist. Wenn Benny zu Hause spielt, bewegen sich die Tasten im Museum von selbst. Das passiert nicht nach Zeitplan. Es kann sein, dass man Glück hat und die Tasten sich während des Besuchs bewegen. Es kann auch sein, dass nichts passiert. Genau das macht es gut.

Rekonstruktion des Polar Studios im ABBA Museum
Die detaillierte Nachbildung des Polar Studios, in dem ABBA ihre Alben aufnahm (KI-generiert)

Die Hologramm-Show: In einem abgedunkelten Raum treten die vier ABBA-Mitglieder als Hologramme auf. Die Technik basiert auf dem Pepper's-Ghost-Effekt, der schon im 19. Jahrhundert erfunden wurde, hier aber mit moderner Projektionstechnik kombiniert wird. Besucher können sich dazustellen und werden per Kamera ins Bild eingefügt. Das Ergebnis lässt sich als Foto oder Video mitnehmen.

Hologramm-Projektion der vier ABBA-Mitglieder auf der Bühne
Die Hologramm-Station, an der Besucher mit den ABBA-Mitgliedern auf der Bühne stehen (KI-generiert)

Das eigene ABBA-Lied aufnehmen: Im Aufnahmestudio-Bereich des Museums gibt es eine Station, an der Besucher selbst einen ABBA-Song einsingen oder Instrumente spielen können. Die Aufnahme wird auf einen Code gespeichert, den man mit nach Hause nehmen kann. Klingt tatsächlich ordentlich. Das Studio hat professionelle Mikrofone und die Software mischt den Gesang automatisch auf die Originalinstrumentierung. Erwarte allerdings Wartezeiten von 10 bis 20 Minuten an dieser Station.

Agnethas Verlobungsring und Bühnenkostüme: Persönliche Gegenstände wie Agnethas Verlobungsring von Björn sind ausgestellt. Daneben hängen die Originalkostüme vom Auftritt in Brighton 1974, als ABBA mit "Waterloo" den Eurovision-Wettbewerb gewannen. Die Kleidungsstücke sind kleiner als erwartet. Man vergisst leicht, dass die 1970er-Jahre andere Körpermaße hatten als heute.

Die Polar Studio Rekonstruktion: Neben dem Mischpult und den Aufnahmegeräten gibt es hier Original-Masterbänder zu sehen. Auf Kopfhörerstationen kann man verschiedene Versionen desselben Songs vergleichen. Wie klang "Gimme! Gimme! Gimme!" vor dem finalen Mix? Die Rohversionen zeigen, wie viel Arbeit in der Nachbearbeitung steckte.

ABBA Voyage Avatare: Der neueste Teil der Ausstellung dreht sich um das Voyage-Projekt. Hier werden die digitalen Avatare gezeigt, die seit 2022 in der eigens gebauten ABBA Arena in London auftreten. Making-of-Material erklärt, wie die vier Bandmitglieder in Motion-Capture-Anzügen ihre Bewegungen aufnehmen ließen, um als digitale Versionen ihrer jüngeren Selbst auf der Bühne zu stehen.

Tickets und Eintrittspreise

Die Tickets für ABBA The Museum sind ausschließlich online erhältlich. An der Kasse vor Ort gibt es keinen Verkauf. Das Museum arbeitet mit Zeitfenstern. Beim Kauf wählt man eine bestimmte Einlasszeit, die in der Regel in 15-Minuten-Intervallen vergeben wird. Im Sommer und an Wochenenden sind die Slots schnell vergriffen. Ich empfehle, mindestens eine Woche im Voraus zu buchen.

Die aktuellen Preise (Stand 2025):

  • Erwachsene: 250 SEK (ca. 22 Euro)
  • Kinder (7-15 Jahre): 95 SEK (ca. 8 Euro)
  • Kinder unter 7 Jahren: kostenlos
  • Studenten und Senioren: 195 SEK (ca. 17 Euro)

Es gibt kein Kombiticket mit dem Vasa Museum oder Skansen. Die Stockholm Pass Card deckt ABBA The Museum ebenfalls nicht ab. Plane für den Besuch etwa zwei bis drei Stunden ein. Wer an jeder interaktiven Station anhält und im Aufnahmestudio einen Song aufnimmt, braucht eher drei Stunden.

Öffnungszeiten

Die Öffnungszeiten variieren je nach Jahreszeit. In der Hauptsaison von Juni bis August ist das Museum täglich von 9:00 bis 20:00 Uhr geöffnet. In der Nebensaison von September bis Mai gelten verkürzte Zeiten, meist von 10:00 bis 18:00 Uhr. Montags und dienstags bleibt das Museum in der Nebensaison gelegentlich geschlossen.

Die genauen Zeiten für den gewünschten Besuchstag werden auf der offiziellen Website angezeigt, sobald man ein Ticket buchen möchte. Dort sieht man auch, welche Zeitfenster noch verfügbar sind. An schwedischen Feiertagen wie Midsommar (Ende Juni) und über Weihnachten gelten Sonderöffnungszeiten.

Ein Tipp: Die erste Stunde nach Öffnung und die letzte Stunde vor Schließung sind in der Regel am ruhigsten. Wer die interaktiven Stationen ohne lange Schlangen nutzen will, sollte entweder früh morgens oder am späten Nachmittag kommen.

Anreise zum ABBA Museum

Djurgården ist gut angebunden. Man kommt auf mehreren Wegen hin.

Tram 7: Die Straßenbahnlinie 7 fährt vom Stadtzentrum (Haltestelle Sergels Torg/Kungsträdgården) direkt nach Djurgården. Ausstieg an der Haltestelle "Liljevaljchs/Gröna Lund". Von dort sind es etwa 300 Meter zu Fuß bis zum Museum. Die Fahrt dauert rund 15 Minuten. Die Tram 7 ist eine historische Straßenbahn und gehört selbst zu den Sehenswürdigkeiten Stockholms.

Bus 67: Der Bus 67 fährt ebenfalls nach Djurgården. Er hält an der Station "Djurgårdsvägen" in unmittelbarer Nähe des Museums. Die Linie verkehrt häufig und ist eine gute Alternative zur Tram.

Fähre von Slussen: Zwischen Slussen und Djurgården pendelt eine Fähre. Die Überfahrt dauert nur etwa zehn Minuten, und man sieht dabei die Stockholmer Wasserfront vom Wasser aus. Vom Anleger Allmänna Gränd auf Djurgården läuft man knapp zehn Minuten zum Museum. Die Fähre akzeptiert die reguläre SL-Karte.

Blick auf die Insel Djurgården mit Museumsgebäuden am Wasser
Djurgården ist Stockholms Museumsinsel mit mehreren Attraktionen auf engem Raum (KI-generiert)

Zu Fuß: Vom Stadtzentrum (Strandvägen) ist Djurgården über die Djurgårdsbrücke in etwa 20 Minuten zu Fuß erreichbar. Der Weg entlang des Wassers ist gerade im Sommer angenehm. Mit dem Fahrrad geht es noch schneller. Leihräder gibt es an mehreren Stationen in der Innenstadt.

Parkmöglichkeiten auf Djurgården sind begrenzt und teuer. In der Hochsaison sind die wenigen Plätze oft schon am Vormittag belegt. Nehmt die Tram oder die Fähre.

Kombinieren mit anderen Attraktionen

Weil auf Djurgården alles nah beieinander liegt, kann man den ganzen Tag auf der Insel verbringen.

Vasa Museum: Das Vasa Museum liegt keine fünf Gehminuten vom ABBA Museum entfernt. Es beherbergt das Kriegsschiff Vasa aus dem Jahr 1628, das bei seiner Jungfernfahrt sank und fast vollständig erhalten geborgen wurde. Für das Vasa Museum sollte man mindestens 90 Minuten einplanen.

Skansen: Das Freilichtmuseum Skansen liegt ebenfalls auf Djurgården. Über 150 historische Gebäude aus ganz Schweden, dazu ein Tierpark. Vor allem mit Kindern lohnt sich das. Skansen braucht mindestens einen halben Tag, also eher für den nächsten Tag einplanen.

Gröna Lund: Der Vergnügungspark Gröna Lund liegt direkt neben dem ABBA Museum. Geöffnet von Ende April bis Ende September. Achterbahnen, Fahrgeschäfte, im Sommer regelmäßig Konzerte. Wer mit Kindern unterwegs ist, kann ABBA Museum und Gröna Lund gut an einem Tag kombinieren.

So würde ich einen Djurgården-Tag aufteilen: Morgens das ABBA Museum (erstes Zeitfenster buchen), danach Mittagessen im Café des Museums oder im nahen Rosendals Trädgård. Nachmittags das Vasa Museum oder Gröna Lund. Abends mit der Fähre zurück nach Slussen.

Häufig gestellte Fragen

Kann man Tickets vor Ort kaufen?

Nein. ABBA The Museum verkauft Tickets ausschließlich online über die offizielle Website. Das System basiert auf Zeitfenstern. Ohne Vorab-Buchung kommt man nicht hinein. Gerade in der Hauptsaison sind Slots oft Tage im Voraus ausverkauft.

Wie lange dauert ein Besuch?

Im Durchschnitt verbringen Besucher zwei bis drei Stunden im Museum. Wer an allen interaktiven Stationen teilnimmt und einen Song aufnimmt, braucht eher drei Stunden. Wer nur die Ausstellung anschauen möchte, kommt mit 90 Minuten aus.

Ist das Museum für Kinder geeignet?

Ja. Die interaktiven Stationen machen Kindern ab etwa fünf Jahren Spaß, auch wenn sie ABBA nicht kennen. Das Verkleiden, Tanzen und Aufnehmen spricht jüngere Besucher an. Kinder unter sieben Jahren haben freien Eintritt.

Gibt es einen Museumsshop?

Ja, am Ausgang befindet sich ein großer Shop mit ABBA-Merchandise: Vinyl-Schallplatten, T-Shirts, Poster, Magnete und Bücher. Die Preise liegen im typischen Museumsshop-Bereich. Wer sparen will, kauft Musik und Bücher besser online.

Darf man im Museum fotografieren?

Fotografieren ist erlaubt und sogar erwünscht. Stative und professionelle Kameraausrüstung sind allerdings nicht gestattet. Smartphones und normale Kameras funktionieren problemlos. An den interaktiven Stationen werden ohnehin automatisch Fotos und Videos erstellt, die man digital mitnehmen kann.

Gibt es eine Garderobe?

Ja, es gibt eine kostenlose Garderobe und Schließfächer. Gerade im Winter ist das praktisch, weil man sich mit dicker Jacke in den engen interaktiven Bereichen schwer bewegen kann. Große Rucksäcke und Koffer können ebenfalls dort verstaut werden.

Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026