Leksand
Leksand liegt am südlichen Ufer des Siljan-Sees in Dalarna, etwa 280 Kilometer nordwestlich von Stockholm. Rund 5.800 Menschen leben im Ort. Fragt man Schweden, welcher Ort am stärksten mit Midsommar verbunden ist, fällt fast immer der Name Leksand. Die Feier hier gilt als die bekannteste des Landes. nicht die größte, aber die traditionsreichste.
Leksand ist auch die Heimat der Kirchboote (Kyrkbåtar), jener langen Holzboote, in denen die Gemeinden über den Siljan zur Kirche ruderten. Diese Tradition hat UNESCO-Kandidaten-Status und wird jedes Jahr im Sommer lebendig gehalten. Dazu kommen ein überraschend guter Wasserpark (Sommarland), das Munthe-Haus eines Bestsellerautors und eine Landschaft, die Dalarna in seiner schönsten Form zeigt.
Steckbrief Leksand
- Einwohnerzahl: ca. 5.800 (Gemeinde: ca. 16.000)
- Region: Dalarna (Dalarnas län)
- Gewässer: Siljan-See (Südufer)
- Entfernung Stockholm: ca. 280 km (3 Stunden)
- Bekannt für: Midsommar, Kirchboote, Sommarland
- Nächster Bahnhof: Leksand (Zugverbindung ab Stockholm)
Überblick
Leksand ist ein Kirchort, der seit dem Mittelalter existiert. Die Leksands kyrka steht auf einer Anhöhe über dem See und stammt in ihrer heutigen Form aus dem 18. Jahrhundert. Der weiße Kirchturm ist schon von weitem sichtbar und dient als Orientierungspunkt. Um die Kirche herum stehen Kyrkstallarna. kleine Stallgebäude, in denen die Kirchgänger früher ihre Pferde unterstellten, wenn sie zum Gottesdienst kamen. Einige dieser Ställe sind aus dem 17. Jahrhundert erhalten.
Der Ort selbst ist überschaubar. Eine Hauptstraße mit Geschäften, das Touristenbüro, ein paar Restaurants und Cafés. Es gibt kein "Altstadtviertel" im klassischen Sinne, denn Leksand war nie eine Stadt, sondern eine Kirchgemeinde (socken), die aus Dutzenden Dörfern bestand. Das Zentrum ist erst im 20. Jahrhundert entstanden. Das macht nichts, denn der Reiz liegt nicht in der Architektur, sondern in der Kulturlandschaft rundherum.
Ich war an einem Mittsommerabend in Leksand. Die Wiese vor der Kirche war voller Menschen, der Maibaum stand geschmückt, und die Fiddler spielten. Ringsum Familien in Dalarna-Trachten, Kinder mit Blumenkränzen im Haar. Es war warm, die Sonne ging nicht unter, und man verstand plötzlich, warum Schweden diesen Tag so feiern.
Midsommar in Leksand
Die Midsommar-Feier in Leksand findet am Freitag vor dem 25. Juni statt. dem Midsommarafton. Schon am Vormittag beginnt das Programm. Gegen 14 Uhr wird der Midsommarstång (Maibaum) aufgestellt. Das ist kein kleines Gestell, sondern ein fünf bis sechs Meter hoher Pfahl, kreuzförmig, behängt mit Birkengrün, Blumen und Girlanden. Dutzende Helfer brauchen eine halbe Stunde, um ihn aufzurichten. Die Zuschauer stehen drum herum und klatschen, wenn er steht.
Dann wird getanzt. Små grodorna (Kleine Frösche) ist der bekannteste Tanz. alle, Kinder wie Erwachsene, hüpfen im Kreis um den Maibaum und quaken dabei. Wer zum ersten Mal dabei ist, findet das absurd. Wer zum zweiten Mal dabei ist, macht mit. Die Dalarna-Trachten sind in Leksand besonders aufwändig: blaue Schürzen, bestickte Mieder, weiße Hauben für die Frauen, dunkle Anzüge mit Silberknöpfen für die Männer. Jedes Dorf in der Gemeinde hat seine eigene Tracht-Variante.
Nach dem Tanzen wird gegessen. Das Midsommar-Menü ist überall gleich: Sill (eingelegter Hering) in verschiedenen Sorten, neue Kartoffeln mit Dill, Knäckebrot, Erdbeeren mit Sahne. Dazu Bier oder Aquavit. letzterer kalt und in kleinen Gläsern, begleitet von Trinkliedern (Snapsvisor). Die Stimmung ist ausgelassen, aber nicht übertrieben. Midsommar in Leksand hat wenig mit Party zu tun und viel mit Gemeinschaft.
Am Midsommarafton kommen bis zu 20.000 Besucher nach Leksand. Hotels und Stugor sind Monate im Voraus ausgebucht. Wer dabei sein will, sollte bis spätestens Februar reservieren. Alternativ in Rättvik oder Mora übernachten und mit dem Auto nach Leksand fahren.
Kirchboote (Kyrkbåtar)
Die Kyrkbåtar (Kirchboote) von Leksand sind anders als alles andere in Schweden. Im 17. und 18. Jahrhundert hatten die Dörfer rund um den Siljan keine Straßen, die zur Kirche führten. Stattdessen bauten die Gemeinden lange Ruderboote, in denen 12 bis 20 Personen Platz fanden. Jeden Sonntag ruderten die Kirchgemeinden über den See zum Gottesdienst in Leksand. Die Boote waren schmal, bis zu 12 Meter lang und leicht gebaut.
Die Tradition der Kirchbootfahrten starb im 19. Jahrhundert aus, als Straßen gebaut wurden. Seit den 1940er Jahren wird sie als kulturelles Erbe wiederbelebt. Heute gibt es rund 40 aktive Kirchboote in der Region. Am ersten Sonntag im Juli findet der Kyrkbåtsrodden statt. ein Kirchboot-Ruderwettbewerb auf dem Siljan. Die Boote starten von verschiedenen Dörfern und rudern nach Leksand. Am Ufer stehen Zuschauer, in den Booten sitzen Ruderer in Dalarna-Trachten. Das Ganze hat den Charakter eines lebendigen Museums.
Die Kirchboottradition ist als schwedisches UNESCO-Weltkulturerbe-Kandidat vorgeschlagen. Am Ufer bei Leksand kann man einige der Boote besichtigen. Im Leksands Hembygdsgård (Heimatmuseum) gibt es eine Ausstellung zur Geschichte der Kyrkbåtar, mit Originalbooten, Werkzeugen und Fotos. Im Sommer werden Probefahrten angeboten. eine halbe Stunde auf dem See im historischen Boot, begleitet von einem Guide. Kosten: 150 SEK pro Person.
Leksands Sommarland
Leksands Sommarland ist Skandinaviens größter Wasserpark und liegt drei Kilometer südlich des Ortszentrums. Was 1969 als einfacher Campingplatz begann, ist heute eine Anlage mit über 30 Wasserattraktionen, Wasserrutschen, Wellenbecken und einem Abenteuerspielplatz. Im Sommer (Mitte Juni bis Mitte August) kommen täglich mehrere Tausend Besucher.
Der Eintritt kostet 445 SEK für Erwachsene und 395 SEK für Kinder (4 bis 11 Jahre). Kinder unter 4 sind frei. Im Preis sind alle Rutschen und Attraktionen enthalten. Die Highlights: eine 250 Meter lange Wildwasserrutsche, ein Wellenbecken mit künstlichen Wellen und eine Hochgeschwindigkeitsrutsche, die mit 40 km/h ins Wasser schießt. Für kleinere Kinder gibt es einen separaten Bereich mit flachen Becken und Mini-Rutschen.
Neben dem Wasserpark gibt es Go-Karts, einen Hochseilgarten und einen Streichelzoo. Die gesamte Anlage ist auf Familien mit Kindern ausgerichtet. Die Gastronomie vor Ort ist typisch Freizeitpark: Burger, Hot Dogs, Pizza und Eis. Die Preise sind etwas höher als außerhalb (ein Burger kostet 135 SEK), aber die Portionen sind ordentlich. Wer sparen will, bringt ein Picknick mit. es gibt Grünflächen und Picknicktische.
Der Park hat von Mitte Juni bis Mitte August geöffnet, täglich von 10 bis 18 Uhr. An heißen Tagen im Juli kann es voll werden. Vormittags ist es ruhiger. Parkplätze sind kostenlos und reichlich vorhanden.
Munthe-Haus
Das Munthes Hildasholm liegt am Siljan-Ufer, etwas nördlich des Zentrums. Das Haus gehörte dem schwedischen Arzt und Autor Axel Munthe (1857-1949), der mit seinem Buch "Das Buch von San Michele" (1929) einen Weltbestseller schrieb. Munthe lebte phasenweise auf Capri und in Stockholm, aber sein Sommerhaus in Leksand war sein Rückzugsort.
Das Haus ist seit 1997 als Museum zugänglich. Es zeigt Munthes Möbel, Bücher, persönliche Gegenstände und Fotografien. Die Einrichtung ist gut erhalten: Jugendstil-Möbel, italienische Keramik und schwedische Bauernmöbel stehen nebeneinander. Im Garten wachsen alte Rosensorten, und von der Terrasse hat man einen unverstellten Blick auf den Siljan.
Das Museum ist im Sommer (Juni bis August) täglich geöffnet. Eintritt 100 SEK, Kinder unter 12 frei. Führungen auf Schwedisch und Englisch. Der Besuch dauert etwa eine Stunde. Wer "Das Buch von San Michele" gelesen hat, bekommt hier einen Eindruck vom anderen Leben des Autors. dem in Dalarna, fern von Capri und Rom.
Siljan-Ufer und Natur
Leksand liegt am Südufer des Siljan, dort wo der See am breitesten ist. Das Ufer ist hier flacher als in Rättvik oder Mora, mit Wiesen und Birkenwäldern. Der Leksandsstrand hat flaches Wasser und ist für Familien mit kleinen Kindern gut geeignet. Im Juli wird das Wasser 18 bis 20 Grad warm.
Südlich von Leksand beginnen die Wälder. Der Granberget (512 m) ist ein bewaldeter Hügel, auf den ein markierter Wanderweg führt. Vom Aussichtspunkt oben sieht man über den ganzen Siljan. Die Wanderung dauert etwa 1,5 Stunden hin und zurück. Im Herbst leuchten die Laubbäume in Rot und Gold. dann ist die Strecke am schönsten.
Die Gegend um Leksand eignet sich gut zum Beerenpflücken. Ab Ende Juli wachsen Blaubeeren in den Wäldern, ab August Preiselbeeren. Pilze gibt es ab September: Pfifferlinge und Steinpilze. Das Jedermannsrecht (Allemansrätten) erlaubt das Sammeln in der freien Natur. Im Ort verkauft ein kleiner Laden lokalen Honig, Marmelade und getrocknete Pilze.
Auf dem Siljan kann man Kanu- und Kajaktouren machen. Verleih am Campingplatz Leksand Strand, ab 350 SEK pro halben Tag. Eine schöne Route führt entlang des Südufers nach Osten, vorbei an alten Bootshäusern und kleinen Buchten. Wer Glück hat, sieht vom Wasser aus einen Seeadler.
Kultur und Veranstaltungen
Neben Midsommar und dem Kirchboot-Rudern hat Leksand weitere Veranstaltungen. Das Musik vid Siljan-Festival im Juli macht auch in Leksand Station. Konzerte in der Kirche und auf dem Kirchhügel, manchmal auch in privaten Gärten. Das Leksand Winter Festival im Februar bringt Eisskulpturen, Fackelzüge und Schlittenhunderennen.
Der Leksands Hembygdsgård (Heimatmuseum) liegt am Seeufer und umfasst historische Holzgebäude, eine Ausstellung zur Kirchboot-Tradition und einen Museumsladen. Im Sommer finden hier Handwerksvorführungen statt: Brotbacken, Weben, Schmieden. Der Eintritt ist frei. Nebenan steht das Kulturhuset, ein modernes Veranstaltungszentrum mit Bibliothek, Ausstellungsräumen und einem Café.
Leksand hat auch eine überraschend starke Eishockey-Tradition. Der Leksands IF spielt in der SHL, der höchsten schwedischen Liga. Die Heimspiele in der Tegera Arena ziehen Tausende Fans an. Ein Ticket kostet ab 250 SEK. Die Atmosphäre in der Halle ist laut und leidenschaftlich. wer im Winter in Leksand ist, sollte sich ein Spiel ansehen.
Anreise und Tipps
Mit dem Auto: Von Stockholm über die E4 und Riksväg 70 nach Leksand. Die Strecke ist 280 Kilometer lang, die Fahrzeit beträgt rund 3 Stunden. Von Mora sind es 50 Kilometer nach Leksand (40 Minuten), von Rättvik 25 Kilometer (20 Minuten).
Mit dem Zug: SJ fährt von Stockholm Centralstation nach Leksand. Die Fahrt dauert 2,5 bis 3 Stunden, mit Umstieg in Borlänge. Tickets ab 199 SEK bei Frühbuchung. Der Bahnhof liegt zentral, fünf Gehminuten vom See.
Übernachtung: Das Leksands Krog & Hotell hat Zimmer ab 900 SEK mit Frühstück. Der First Camp Leksand-Dalarna (ehemals Leksand Strand) bietet Campingplätze, Wohnmobilstellplätze und Stugor am Seeufer, ab 250 SEK (Zelt) bzw. 800 SEK (Stuga). Das Korstäppans Herrgård, ein altes Herrenhaus südlich der Stadt, vermietet Zimmer ab 1.200 SEK. ruhig, gepflegt und mit gutem Restaurant.
Essen: Das Leksands Krog serviert regionale Küche: Rentierfleisch und Siljan-Fisch, dazu dalarnisches Flatbröd. Hauptgerichte ab 195 SEK. Das Café Ångbåtsbryggan am See hat guten Kaffee und Zimtschnecken (55 SEK). Am Leksands-Knäckebröd-Fabrikverkauf kann man das berühmte Knäckebrot direkt kaufen. frischer als im Supermarkt und in Sorten, die es anderswo nicht gibt.
Beste Reisezeit: Midsommar (dritte Juniwoche) ist das Highlight. Juli und August für Sommarland, Baden und Kirchboot-Rudern. September für Herbstfärbung. Winter für Eishockey und Stille am See.
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Häufig gestellte Fragen
Wann ist Midsommar in Leksand?
Midsommarafton wird am Freitag vor dem 25. Juni gefeiert. Das genaue Datum wechselt je nach Kalenderjahr zwischen dem 19. und 25. Juni. Die Feier in Leksand zieht bis zu 20.000 Besucher an. Hotels sind Monate im Voraus ausgebucht. bis Februar reservieren.
Was kostet der Eintritt ins Sommarland?
445 SEK für Erwachsene, 395 SEK für Kinder (4 bis 11 Jahre), frei für Kinder unter 4 Jahren. Alle Rutschen und Attraktionen sind im Preis enthalten. Geöffnet von Mitte Juni bis Mitte August, täglich 10 bis 18 Uhr. Parkplätze kostenlos.
Was sind Kyrkbåtar?
Kyrkbåtar (Kirchboote) sind lange Ruderboote, in denen die Gemeinden rund um den Siljan zum Gottesdienst fuhren. Die Tradition stammt aus dem 17. Jahrhundert. Heute werden die Boote bei kulturellen Veranstaltungen genutzt. Am ersten Juli-Sonntag findet in Leksand ein Kirchboot-Ruderwettbewerb statt. Die Tradition ist UNESCO-Weltkulturerbe-Kandidat.
Wie kommt man von Stockholm nach Leksand?
Mit dem Auto in 3 Stunden (280 km über E4 und Riksväg 70). Mit dem Zug in 2,5 bis 3 Stunden ab Stockholm C, mit Umstieg in Borlänge. Tickets ab 199 SEK bei früher Buchung. Der Bahnhof Leksand liegt fünf Gehminuten vom Siljan-Ufer.
Lohnt sich Leksand auch ohne Midsommar?
Ja. Im Juli und August gibt es das Sommarland (Wasserpark), Kirchboot-Rudern und Baden am Siljan. Das Munthe-Haus und der Hembygdsgård sind sehenswert. Im Winter locken Eishockey (Leksands IF in der SHL) und die stille Winterlandschaft. Der Ort ist ein guter Ausgangspunkt für Dalarna insgesamt.
Lokale Tipps
Gut zu wissen
Dagens Lunch: Werktags 11-14 Uhr bieten fast alle Restaurants ein Tagesgericht für 120-160 SEK an, mit Salat, Brot und Kaffee. Abends zahlst du für das Gleiche das Doppelte.
Fika ernst nehmen: Setz dich um 10 oder 14 Uhr in ein lokales Café, bestell Filterkaffee und eine Kanelbulle. 20 Minuten Pause, nicht to go. So tickt Schweden.
Spartipp: Systembolaget (Alkoholladen) schließt samstags um 15 Uhr und ist sonntags zu. Vorplanen! Im Supermarkt gibt es nur Leichtbier unter 3,5%.
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Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026




