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Strandkörbe an der Ostsee
Geschichte, Mieten und die besten Strände

Strandkörbe an der Ostsee

12 Min. Lesezeit

Kein Bild steht so sehr für einen Tag an der Ostsee wie ein gestreifter Strandkorb im weißen Sand. Rund 100.000 Strandkörbe stehen jeden Sommer an den deutschen Küsten, die meisten davon an der Ostsee. Sie gehören so selbstverständlich zum Strandbild wie die Möwen und der Geruch von Sonnencreme. Dabei ist der Strandkorb keine uralte Tradition, sondern eine Erfindung des späten 19. Jahrhunderts, die aus einer ganz praktischen Not heraus entstand.

Wer heute einen Strandkorb mietet, bekommt Windschutz, ein Sonnendach, ausklappbare Fußstützen und oft auch ein kleines Tischchen. Die Konstruktion hat sich seit über 130 Jahren kaum verändert, weil sie einfach funktioniert. Aber wie kam es überhaupt zum Strandkorb? Was kostet eine Saison? Und warum streiten sich Urlaüber jedes Jahr um die besten Plätze?

Die Erfindung des Strandkorbs

Im Jahr 1882 bestellte die rheumageplagte Elfriede von Maltzahn beim Rostocker Korbmacher Wilhelm Bartelmann einen überdachten Strandsitz. Sie wollte trotz ihrer Gelenkbeschwerden am Strand von Graal-Müritz sitzen, brauchte aber Schutz vor Wind und Sonne. Bartelmann baute einen einsitzigen Korb aus Weidengeflecht mit einer nach hinten geneigten Rückenlehne und einem Verdeck. Das war der erste Strandkorb.

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Die Reaktionen am Strand waren so positiv, dass Bartelmanns Frau Elisabeth das Geschäftspotenzial erkannte. Sie begann, Strandkörbe an Badegäste zu vermieten, zunächst in Warnemünde. Das Geschäft lief gut: Der Strandkorb löste ein Problem, das alle Strandurlaüber kannten. Die Ostseeküste ist windig, und selbst an warmen Sommertagen kann ein kalter Nordost die Freude am Strand verderben. Im Strandkorb saß man geschützt.

Historische Strandkörbe an der Ostsee in Schwarz-Weiß-Optik
Strandkörbe prägen das Bild der Ostseeküste seit 1882 (KI-generiert)

Schnell verbreitete sich die Idee an der gesamten Küste. In den 1890er Jahren bauten bereits mehrere Korbflechter in Mecklenburg und Schleswig-Holstein Strandkörbe. Der Zweisitzer, der heute Standard ist, wurde um 1900 entwickelt. Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts gehörten Strandkörbe in jedem Seebad von Fehmarn bis Usedom zum festen Inventar.

Während der DDR-Zeit blieben die Strandkörbe an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns erhalten, aber die Qualität litt unter Materialmangel. In den westdeutschen Seebädern an der Ostsee und Nordsee florierte das Geschäft dagegen. Nach der Wiedervereinigung erlebte die Strandkorbindustrie einen Boom, als die Seebäder in Mecklenburg-Vorpommern renoviert und die Strände neu bestückt wurden.

Wie ein Strandkorb gebaut wird

Ein Strandkorb besteht aus etwa 40 Einzelteilen und wiegt fertig montiert zwischen 60 und 80 Kilogramm. Das Grundgerüst wird aus massivem Buchenholz oder Eschenholz gefertigt, das verleimt und verschraubt wird. Die Verkleidung besteht traditionell aus geflochtenem Weidengeflecht, das in Handarbeit um das Gerüst gezogen wird. Für die Bespannung des Verdecks und der Seitenteile kommt PVC-beschichtetes Polyestergewebe zum Einsatz, das wetterfest und UV-beständig ist.

Es gibt zwei Grundtypen: den Ostsee-Strandkorb mit gerundeter Haube und den Nordsee-Strandkorb mit eckiger, kantiger Form. Die Unterscheidung geht auf die unterschiedlichen Windverhältnisse zurück. An der Ostsee, wo der Wind etwas weniger stark weht als an der Nordsee, reicht die geschwungene Form. An der Nordsee braucht man den kantigeren Aufbau für besseren Windschutz. In der Praxis sind die Unterschiede heute gering, weil viele Hersteller Mischformen produzieren.

Die Herstellung eines einzelnen Strandkorbs dauert etwa 12 bis 15 Arbeitsstunden. Der größte deutsche Hersteller ist die Strandkorbfabrik Heringsdorf auf Usedom, die jährlich mehrere tausend Körbe produziert. In Rostock fertigt die Firma Bartelmann (benannt nach dem Erfinder) ebenfalls in Serie. Handwerksbetriebe, die jeden Korb einzeln fertigen, gibt es noch in Lübeck und auf Rügen. Ein neuer Strandkorb kostet je nach Hersteller und Ausstattung zwischen 800 und 2.500 Euro.

Strandkorb mieten: Preise und Buchung

Strandkörbe werden tageweise, wochenweise oder für die ganze Saison vermietet. Die Preise variieren stark je nach Lage und Saison. Hier eine Übersicht für die Ostsee:

Tagesmiete: 8 bis 15 Euro pro Tag in der Hauptsaison (Juli und August). In der Nebensaison (Mai, Juni, September) sinken die Preise auf 5 bis 10 Euro. Einige Strände bieten Halbtagstarife an (ab Mittag oder bis Mittag), die 3 bis 5 Euro günstiger sind.

Reihen von Strandkörben an einem weißen Ostseestrand bei Sonnenschein
Strandkörbe in Reih und Glied: Die erste Reihe ist am begehrtesten (KI-generiert)

Wochenmiete: 50 bis 90 Euro pro Woche. Die Wochenmiete lohnt sich ab 5 Tagen und hat den Vorteil, dass der gleiche Korb reserviert bleibt. In der Hochsaison ist eine Vorausbuchung dringend empfohlen, weil die Strandkörbe in der ersten Reihe schnell vergeben sind.

Saisonmiete: 250 bis 600 Euro für die gesamte Badesaison (Mai bis September). Saisonkörbe stehen fest an einem Platz und werden nicht umgestellt. Sie lohnen sich für Dauercamper, Ferienhausbesitzer und Einheimische, die den ganzen Sommer über regelmäßig am Strand sind.

Die Buchung läuft über die jeweilige Kurverwaltung oder den Strandkorbvermieter vor Ort. In vielen Seebädern kann man Strandkörbe inzwischen online reservieren, etwa über die Websites der Kurverwaltungen von Binz, Heringsdorf oder Timmendorfer Strand. Vor Ort erkennt man den Vermieter an den kleinen Häuschen am Strandzugang. Wer spontan kommt, fragt dort nach freien Körben. In der Nebensaison findet sich fast immer etwas, in der Hochsaison im Juli und August kann es in beliebten Bädern eng werden.

Die besten Strände für Strandkörbe

Binz (Rügen): Der Strand von Binz ist 5 Kilometer lang, feinsandig und nach Osten ausgerichtet. Die Strandkörbe stehen dicht an dicht, und das Seebad hat eine lange Bädertradition seit 1876. Die Seebrücke, die Promenade und die Bäderarchitektur im Hintergrund machen Binz zum Postkartenort. Tagesmiete: 10 bis 13 Euro.

Heringsdorf (Usedom): Die drei Kaiserbäder Heringsdorf, Bansin und Ahlbeck teilen sich einen 12 Kilometer langen Sandstrand. Heringsdorf hat die längste Seebrücke Deutschlands (508 Meter). Die Strandkörbe sind hier etwas teurer als anderswo, dafür ist der Service gut organisiert. Tagesmiete: 12 bis 15 Euro.

Timmendorfer Strand (Lübecker Bucht): Einer der bekanntesten Badeorte Schleswig-Holsteins. Der Strand ist breit, flach und familienfreundlich. Die Infrastruktur ist sehr gut: Restaurants, Toiletten und Duschen in Gehweite. Tagesmiete: 10 bis 14 Euro. Der Nachbarstrand Niendorf ist ruhiger und etwas günstiger.

Strandkörbe vor Bäderarchitektur in einem Ostseebad
Strandkörbe und Bäderarchitektur gehören an der Ostsee zusammen (KI-generiert)

Kühlungsborn (Mecklenburg): Das größte Seebad Mecklenburg-Vorpommerns hat 6 Kilometer Strand und über 1.800 Strandkörbe. Die Promenade ist 3 Kilometer lang und verbindet Ost- und Weststrand. Kühlungsborn ist weniger überlaufen als Binz und Heringsdorf und bietet ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Tagesmiete: 8 bis 12 Euro.

Scharbeutz (Lübecker Bucht): Scharbeutz hat in den letzten Jahren stark in seine Strandinfrastruktur investiert. Die neue Strandpromenade, moderne Umkleiden und ein gutes Gastronomieangebot machen den Ort zu einer Alternative zum teureren Timmendorfer Strand. Tagesmiete: 9 bis 12 Euro.

Strandkorb kaufen: Für den eigenen Garten

Ein Strandkorb im Garten bringt Urlaubsstimmung nach Hause. Die Preise für neue Körbe beginnen bei etwa 500 Euro für einfache Modelle aus Importproduktion (meist aus Polen oder Indonesien). Deutsche Markenprodukte kosten 900 bis 2.500 Euro. Luxusmodelle mit Liegefunktion, LED-Beleuchtung und Lautsprechern können auch 3.000 Euro und mehr kosten.

Gebrauchte Strandkörbe sind eine günstige Alternative. Am Ende jeder Saison verkaufen Kurverwaltungen und Vermieter ausgemusterte Körbe, die 3 bis 5 Jahre im Einsatz waren. Die Preise liegen zwischen 150 und 400 Euro. Die Körbe haben Gebrauchsspuren, sind aber grundsätzlich stabil. Wer handwerklich geschickt ist, kann das Geflecht und die Bespannung selbst erneuern. Ersatzteile gibt es bei den Herstellern.

Im Garten sollte der Strandkorb auf einem festen Untergrund stehen, damit er nicht in den Rasen einsinkt. Eine Steinplatte oder ein Holzpodest eignen sich gut. Im Winter muss der Korb entweder eingelagert oder mit einer wasserdichten Schutzhülle abgedeckt werden, sonst nimmt das Holz Schaden. Die Hülle kostet 30 bis 80 Euro und lohnt sich.

Strandkorb-Kultur und Etikette

Rund um den Strandkorb hat sich eine eigene kleine Kultur entwickelt. Die erste Reihe ist die begehrteste: freier Blick aufs Meer, kein anderer Korb davor, kurzer Weg zum Wasser. Stammgäste buchen ihren Korb in der ersten Reihe oft schon im Winter für die nächste Saison. Die zweite Reihe ist günstiger und hat den Vorteil, etwas windgeschützter zu stehen, weil die Körbe der ersten Reihe einen Teil des Seewinds abfangen.

Die Ausrichtung des Strandkorbs ist wichtig. Die offene Seite zeigt traditionell zum Meer, aber erfahrene Strandbesucher drehen den Korb gelegentlich so, dass die Öffnung von der Windrichtung abgewandt ist. Das verbessert den Windschutz erheblich. Ob man den Korb drehen darf, hängt vom Vermieter ab. Manche erlauben es, andere bestehen auf der Ausrichtung nach vorn, damit das Strandbild einheitlich bleibt.

Eine ungeschriebene Regel: Handtücher und persönliche Gegenstände im Strandkorb gelten als Platzreservierung. Wer seinen Korb gemietet hat, kann ihn den ganzen Tag nutzen und zwischendurch zum Essen gehen, ohne dass jemand anders Anspruch erhebt. Die Nummer auf dem Korb und das Mietticket beweisen im Zweifelsfall, wem der Korb gehört. Streit gibt es trotzdem manchmal, wenn Tagesgäste in einen vermeintlich leeren Saisonkorb klettern.

Häufig gestellte Fragen

Was kostet ein Strandkorb pro Tag an der Ostsee?

In der Hauptsaison (Juli und August) zahlt man 8 bis 15 Euro pro Tag, je nach Seebad und Lage. In der ersten Reihe direkt am Wasser ist es teurer als in der dritten oder vierten Reihe. In der Nebensaison (Mai, Juni, September) sinken die Preise auf 5 bis 10 Euro. Manche Strände bieten Halbtagstarife ab 5 Euro an.

Kann man Strandkörbe online reservieren?

Ja, viele Kurverwaltungen bieten inzwischen Online-Buchung an. In Binz, Heringsdorf, Timmendorfer Strand und Kühlungsborn kann man den Strandkorb auf der Website der Kurverwaltung auswählen und buchen, oft sogar mit Kartenansicht und Reihenauswahl. In kleineren Bädern läuft die Buchung noch über das Telefon oder direkt vor Ort beim Strandkorbvermieter.

Was ist der Unterschied zwischen Ostsee- und Nordsee-Strandkörben?

Der Ostsee-Strandkorb hat eine gerundete, geschwungene Haube. Der Nordsee-Strandkorb ist kantiger und hat eine flachere, eckige Abdeckung, die mehr Windschutz bieten soll. In der Praxis sind die Unterschiede gering, und viele moderne Strandkörbe sind Mischformen. An der Ostsee dominiert der gerundete Typ, an der Nordsee der eckige.

Wo kann man gebrauchte Strandkörbe kaufen?

Am Ende der Saison (September und Oktober) verkaufen Kurverwaltungen und Vermieter ausgemusterte Strandkörbe für 150 bis 400 Euro. Angebote findet man auf den Websites der Kurverwaltungen, bei Ebay Kleinanzeigen und direkt bei den Vermietern. Auch die Strandkorbfabrik Heringsdorf und andere Hersteller haben einen Werksverkauf mit Ausstellungsstücken und B-Ware.

Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026