Reiseveranstalter Norwegen
Norwegen auf eigene Faust zu bereisen ist wunderbar. Aber manchmal fehlt die Zeit zum Planen, oder man will bestimmte Erlebnisse, die sich ohne lokale Kontakte kaum organisieren lassen. Wer schon einmal versucht hat, auf den Lofoten zur Hauptsaison ein Ferienhaus zu finden, weiß, wovon ich rede. Reiseveranstalter nehmen einem diesen Aufwand ab und kennen dazu Ecken des Landes, auf die man allein nicht gekommen wäre.
Ich habe über die Jahre verschiedene Anbieter getestet, manche für organisierte Gruppenreisen, andere für individuell zusammengestellte Rundreisen. Der Markt ist überschaubar, aber die Unterschiede zwischen den Veranstaltern sind deutlich. Was sie gemeinsam haben: Alle setzen auf Norwegen als Schwerpunkt oder bieten zumindest ein starkes Skandinavien-Programm. Was sie unterscheidet, sind Reisestil, Zielgruppe und natürlich der Preis.
Warum ein Reiseveranstalter sinnvoll sein kann
Norwegen ist kein billiges Reiseland. Wer falsch plant, gibt schnell deutlich mehr aus als nötig. Ein guter Reiseveranstalter kennt die saisonalen Schwankungen, hat Kontingente bei Hotels und Fähren, die Individualreisende nicht bekommen, und weiß, welche Strecken sich lohnen. Besonders bei Rundreisen durch mehrere Regionen spart man mit einem durchdachten Paket oft bares Geld.
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Dazu kommt die Logistik. Norwegens Infrastruktur ist gut, aber die Entfernungen sind gewaltig. Von Oslo bis zum Nordkap sind es über 2.000 Kilometer, und nicht jede Verbindung zwischen zwei Orten ist so unkompliziert, wie man es von Mitteleuropa gewohnt ist. Fährüberfahrten müssen reserviert werden, Inlandsflüge sind teuer, Mietwagen in der Hochsaison knapp. Ein Veranstalter koordiniert das alles.
Dann gibt es Erlebnisse, die man ohne Veranstalter schlicht nicht bekommt. Wer eine Hundeschlittenfahrt in Tromsø will, eine geführte Gletscherwanderung am Jostedalsbreen oder eine Whale-Watching-Tour vor den Vesterålen, braucht lokale Partner. Die großen Reiseveranstalter haben solche Kontakte über Jahre aufgebaut und können Aktivitäten in ihre Pakete einbauen, die man als Einzelperson gar nicht oder nur umständlich buchen könnte.
Kontiki Reisen: Der Skandinavien-Spezialist
Kontiki Reisen aus Köln gehört zu den ältesten Skandinavien-Spezialisten im deutschsprachigen Raum. Seit den 1970er Jahren organisiert das Unternehmen Reisen nach Norwegen, Schweden, Finnland und Island. Der Fokus liegt klar auf Skandinavien, das ist der entscheidende Unterschied zu Großveranstaltern, bei denen der Norden nur eines von hundert Zielen ist.
Das Programm umfasst Rundreisen mit dem eigenen Auto, Flugreisen, Hurtigruten-Pakete und individuelle Bausteinreisen. Besonders stark ist Kontiki bei Autorundreisen. Man bekommt eine fertige Route mit vorgebuchten Hotels, Fährtickets und einem Reiseheft, in dem die schönsten Stopps beschrieben sind. Die Routen sind durchdacht, die Hotels sorgfältig ausgewählt. Ich habe das selbst einmal für Fjordnorwegen gemacht und war überrascht, wie gut die Tagesetappen passten.
Preislich liegt Kontiki im mittleren bis gehobenen Segment. Eine zweiwöchige Autorundreise durch Fjordnorwegen mit Übernachtungen in guten Mittelklassehotels kostet ab etwa 2.500 Euro pro Person. Fährüberfahrten ab Kiel oder Hirtshals sind oft im Preis enthalten. Die Beratung per Telefon ist persönlich, man merkt, dass die Mitarbeiter selbst regelmäßig nach Skandinavien reisen.
Hurtigruten: Mehr als eine Postschifffahrt
Hurtigruten ist gleichzeitig Reederei und Reiseveranstalter. Die Fahrt mit dem Postschiff entlang der norwegischen Küste von Bergen nach Kirkenes ist für viele der Inbegriff einer Norwegen-Reise. 34 Häfen in elf Tagen, Fjorde, Inseln, Nordkap, und im Winter Nordlichter. Aber Hurtigruten bietet weit mehr als nur die klassische Küstenroute.
Seit einigen Jahren hat das Unternehmen sein Angebot massiv ausgebaut. Es gibt Expeditionskreuzfahrten nach Spitzbergen und in die Antarktis, aber auch kürzere Teilstrecken entlang der norwegischen Küste. Wer nicht elf Tage Zeit hat, kann eine Teilstrecke buchen, etwa Bergen bis Tromsø in sechs Tagen oder Kirkenes bis Bergen als Rückreise nach Süden.
Dazu kommen Landprogramme, die Hurtigruten seit 2019 als eigene Pakete anbietet. Man kann die Schiffsreise mit Aufenthalten in Tromsø, auf den Lofoten oder am Nordkap kombinieren. Diese Verlängerungen sind gut organisiert, mit Transfers, Unterkünften und Aktivitäten wie Hundeschlittenfahrten oder Seeadler-Safaris.
Die Preise für die klassische Postschiffreise starten bei etwa 1.800 Euro pro Person für eine Teilstrecke in einer Innenkabine. Die volle Rundreise Bergen-Kirkenes-Bergen kostet ab 3.500 Euro, je nach Saison und Kabinentyp auch deutlich mehr. Die neuen Hybridschiffe MS Roald Amundsen und MS Fridtjof Nansen sind teurer als die klassischen Postschiffe, bieten dafür aber modernere Kabinen und ein gehobeneres Bordprogramm.
Wikinger Reisen: Wandern in Norwegen
Wikinger Reisen aus Hagen ist der Spezialist für aktive Reisen. Wer Norwegen zu Fuß erleben will, ist hier richtig. Das Angebot reicht von geführten Gruppenreisen mit deutschsprachiger Reiseleitung bis zu individuellen Wanderreisen, bei denen man allein unterwegs ist, aber Unterkünfte und Gepäcktransport organisiert bekommt.
Die geführten Touren haben in der Regel 12 bis 20 Teilnehmer, einen erfahrenen Guide und ein moderates Wanderniveau. Man muss kein Bergsteiger sein, sollte aber vier bis sechs Stunden Gehzeit am Tag schaffen. Die Routen führen durch die Hardangervidda, über die Lofoten, durch das Jotunheimen-Gebirge oder entlang der Fjorde. Übernachtet wird in Wanderhütten des DNT (Norwegischer Touristenverein), in kleinen Hotels oder in Pensionen.
Was mir an Wikinger Reisen gefällt: Die Gruppen sind klein genug, dass man sich kennenlernt, aber groß genug, dass keine Pflichtgeselligkeit entsteht. Die Guides kennen ihre Regionen wirklich gut und erzählen mehr als nur den Standardtext aus dem Reiseführer. Eine einwöchige geführte Wanderreise durch die Lofoten kostet ab etwa 1.900 Euro, inklusive Flug, Übernachtungen und Verpflegung.
Die individuellen Wanderreisen funktionieren nach dem Prinzip: Wikinger plant die Route, bucht die Unterkünfte und liefert detaillierte Wegbeschreibungen. Man wandert allein oder zu zweit, in eigenem Tempo. Das Gepäck wird zur nächsten Unterkunft transportiert. Diese Variante ist teurer als die Gruppenreise, bietet aber maximale Flexibilität.
Fjord Tours: Norway in a Nutshell
Fjord Tours ist ein norwegisches Unternehmen mit Sitz in Bergen, das sich auf Tagestouren und Kurzrundreisen spezialisiert hat. Das bekannteste Produkt ist Norway in a Nutshell, eine kombinierte Reise aus Zug, Bus und Fähre, die an einem einzigen Tag die Highlights Fjordnorwegens zusammenfasst.
Die klassische Route startet in Oslo oder Bergen. Man fährt mit der Bergenbahn über das Hochgebirge, wechselt auf die berühmte Flåmbahn, die sich in 20 Haarnadelkurven hinunter zum Aurlandsfjord schlängelt, steigt in Flåm auf die Fähre und fährt durch den Nærøyfjord (UNESCO-Welterbe), bevor es mit dem Bus nach Voss und per Zug zurück geht. Das Ganze dauert etwa 12 Stunden und kostet ab 2.200 NOK (rund 190 Euro).
Neben der Nutshell-Route bietet Fjord Tours weitere Kombitouren an: Hardangerfjord in a Nutshell, Sognefjord in a Nutshell, Rosendal in a Nutshell. Das Prinzip ist immer gleich: verschiedene Verkehrsmittel werden zu einer Rundreise kombiniert, die man an einem Tag oder mit Übernachtung machen kann. Für Reisende, die nur begrenzt Zeit haben, sind diese Touren perfekt. Man bekommt an einem Tag mehr zu sehen als bei einer Woche Autofahrt, allerdings natürlich ohne die Möglichkeit, spontan anzuhalten.
Weitere Anbieter im Überblick
Scandtrack Touristik aus Hamburg bietet seit über 30 Jahren Reisen nach Skandinavien an. Das Programm ist breit: Ferienhäuser, Rundreisen, Angelurlaub, Nordlichtreisen. Scandtrack arbeitet eng mit norwegischen Partnern zusammen und kann auch ausgefallene Wünsche erfüllen, etwa eine Kombination aus Angeln und Nordlichtjagd in der Finnmark.
Fjell und Fjord Reisen ist ein kleiner Veranstalter, der sich auf Outdoor-Reisen in Norwegen spezialisiert hat. Kanufahrten, Trekkingtouren, Skilanglauf-Wochen, alles in kleinen Gruppen mit erfahrenen Guides. Die Preise sind fair, die Reisen intensiv. Wer die Natur sucht und nicht das Hotel, ist hier richtig.
Elch Adventure Tours bietet vor allem Winterreisen nach Nordnorwegen an. Hundeschlittentouren, Schneemobil-Safaris, Nordlichtjagden und Übernachtungen in Lavvus (den traditionellen Zelten der Sámi). Die Reisen richten sich an Abenteuerlustige, die sich nicht vor minus 20 Grad scheuen.
Die großen deutschen Pauschalreiseveranstalter wie TUI und DER Touristik haben ebenfalls Norwegen im Programm, allerdings mit einem deutlich schmaleren Angebot. Meist beschränkt es sich auf Kreuzfahrten, Städtereisen nach Oslo oder Bergen und ein paar Standardrundreisen. Die Beratung zu Norwegen ist bei den Spezialisten in der Regel besser.
Preise und Buchungstipps
Die Kosten für eine organisierte Norwegen-Reise hängen von vielen Faktoren ab. Grundsätzlich gilt: Frühbucher sparen. Wer im Januar oder Februar für den Sommer bucht, bekommt bei fast allen Veranstaltern bessere Preise als bei kurzfristiger Buchung. Besonders für Fährüberfahrten und Unterkünfte auf den Lofoten lohnt sich die frühe Buchung, da die Kapazitäten begrenzt sind.
Die Hochsaison in Norwegen dauert von Mitte Juni bis Mitte August. In diesen Wochen sind die Preise am höchsten, die Verfügbarkeit am niedrigsten. Wer zeitlich flexibel ist, sollte die Nebensaison in Betracht ziehen. Der September bietet stabiles Wetter und Herbstfarben günstigere Preise. Im Mai und Anfang Juni ist die Landschaft grün, die Wasserfälle führen Schmelzwasser, die Touristenmassen fehlen.
Für Winterreisen nach Nordnorwegen (Nordlichter, Hundeschlitten, Schnee) liegt die beste Zeit zwischen November und März. Die Preise sind hier oft niedriger als im Sommer, allerdings kommen die Kosten für spezielle Winterausrüstung und Aktivitäten hinzu.
Mein Tipp: Fordere bei mehreren Veranstaltern ein Angebot an. Die Preise für vergleichbare Reisen können um 20 bis 30 Prozent auseinanderliegen. Achte dabei auf den Gesamtpreis, und auch darauf, was enthalten ist. Manche Veranstalter schließen Mahlzeiten und Transfers ein, bei anderen kommen diese Kosten noch oben drauf.
Häufige Fragen zu Reiseveranstaltern für Norwegen
Lohnt sich ein Reiseveranstalter oder lieber selbst planen?
Das kommt auf die Reiseart an. Für eine simple Ferienhaus-Woche am Fjord reicht Eigenplanung völlig aus. Für Rundreisen über mehrere Regionen, Hurtigruten-Reisen oder Aktivurlaub mit Wanderungen und Bootstouren lohnt sich ein Veranstalter fast immer. Man spart Zeit bei der Planung, bekommt oft bessere Hotelpreise und hat einen Ansprechpartner, falls etwas schiefgeht.
Wann sollte ich meine Norwegen-Reise buchen?
Für Sommerreisen (Juni bis August) am besten im Januar oder Februar. Die besten Unterkünfte auf den Lofoten und die günstigsten Fährplätze sind früh ausgebucht. Für Winterreisen nach Nordnorwegen reicht eine Buchung drei bis vier Monate im Voraus, außer rund um Weihnachten und Silvester.
Was kostet eine organisierte Norwegen-Rundreise?
Eine zweiwöchige Autorundreise durch Fjordnorwegen kostet ab etwa 2.500 Euro pro Person bei Doppelbelegung, inklusive Hotels und Fähren. Geführte Wanderreisen liegen bei 1.800 bis 2.500 Euro für eine Woche. Die Hurtigruten-Rundreise Bergen-Kirkenes-Bergen startet bei 3.500 Euro. In der Hochsaison können die Preise 30 bis 50 Prozent höher liegen.
Kann ich bei Reiseveranstaltern auch Einzelbausteine buchen?
Ja, die meisten Norwegen-Spezialisten bieten Bausteinreisen an. Man stellt sich die Reise selbst zusammen: ein paar Tage Oslo, dann Fähre zu den Lofoten, dann Hurtigruten-Teilstrecke. Der Veranstalter kümmert sich um die Buchungen und Transfers zwischen den Bausteinen. Das ist teurer als ein fertiges Paket, aber deutlich flexibler.
Weiterführende Informationen
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026