Fährgesellschaften Norwegen
Die Fähre nach Norwegen gehört für viele Reisende zum Urlaub dazu wie die Fjorde selbst. Kein Stress am Flughafen, kein Kofferpacken nach Gewichtslimit, stattdessen das eigene Auto an Bord, eine ruhige Überfahrt über die Nordsee und am nächsten Morgen die norwegische Küste am Horizont. Ich nehme mittlerweile fast nur noch die Fähre, wenn ich nach Norwegen reise. Die Anreise wird zum ersten Urlaubstag.
Vier große Fährgesellschaften bedienen die Routen zwischen Deutschland, Dänemark, Schweden und Norwegen. Jede hat ihre Stärken, ihre Routen, ihre Eigenheiten. Die Preise schwanken je nach Saison erheblich, und wer schlau bucht, spart mitunter mehrere Hundert Euro. In diesem Artikel stelle ich alle Anbieter vor, vergleiche Routen und Preise und gebe Tipps aus meiner eigenen Erfahrung.
Die Fähre als Anreise nach Norwegen
Warum überhaupt Fähre? Wer mit dem eigenen Auto nach Norwegen will, hat drei Möglichkeiten: über die Öresundbrücke und durch Schweden fahren (lang, aber ohne Fähre), eine kurze Fähre über den Skagerrak nehmen (schnell, aber erst mal durch Dänemark) oder die Nachtfähre ab Kiel direkt nach Oslo nehmen (komfortabel, aber teurer). Jede Option hat ihre Berechtigung, je nach Startpunkt, Reiseziel in Norwegen und Budget.
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Die Fähre hat einen unschlagbaren Vorteil: Man kommt ausgeruht an. Wer abends in Kiel ablegt, schläft eine Nacht an Bord und steht morgens in Oslo. Keine 1.200 Kilometer Autofahrt durch Schweden, keine Übernachtung unterwegs, kein Zeitverlust. Die kurzen Fähren ab Dänemark schaffen das in zwei bis vier Stunden, ideal für alle, die nach Süd- oder Westnorwegen wollen.
Ein Punkt, der oft unterschätzt wird: Die Fähre spart Mautkosten. Wer durch Schweden fährt, zahlt für die Öresundbrücke (ca. 60 Euro), eventuell für die Storebælt-Brücke (ca. 38 Euro) und unterwegs Sprit für gut 1.000 Kilometer. Je nach Auto summiert sich das schnell auf 200 bis 300 Euro. Rechnet man Verschleiß und eine Übernachtung auf halber Strecke hinzu, ist die Fähre plötzlich gar nicht mehr so teuer.
Color Line: Die große Nachtfähre ab Kiel
Color Line ist die Fährgesellschaft, die den meisten deutschen Norwegen-Reisenden als Erstes einfällt. Die Route Kiel-Oslo ist ein Klassiker: 20 Stunden Fahrzeit, Abfahrt nachmittags, Ankunft am nächsten Morgen. Die beiden Schiffe Color Fantasy und Color Magic gehören zu den größten Kreuzfahrtfähren der Welt, mit über 2.700 Passagieren, Restaurants, Bars, Promenadendeck, Kinderbereichen und sogar einem Schwimmbad.
Die Überfahrt fühlt sich weniger nach Fährfahrt an als nach einer Mini-Kreuzfahrt. An Bord gibt es ein Buffet-Restaurant (ca. 55 Euro pro Person), mehrere À-la-carte-Restaurants, eine Aqualand-Badelandschaft und ein großes Duty-Free-Geschäft. Abends spielt eine Liveband in der Bar, und im Sommer kann man vom Außendeck den Sonnenuntergang über dem Skagerrak beobachten.
Die Preise für Kiel-Oslo schwanken stark. In der Nebensaison (Oktober bis April) gibt es Kabinen ab 149 Euro pro Person für die einfache Fahrt, inklusive PKW. In der Hochsaison (Juli/August) zahlt man für eine Außenkabine schnell 400 Euro und mehr. Die günstigsten Tarife bekommt man bei Buchung mehrere Monate im Voraus oder bei den regelmäßigen Sonderaktionen, die Color Line über den Newsletter verschickt.
Neben der Oslo-Route betreibt Color Line drei weitere Verbindungen zwischen Dänemark und Norwegen: Hirtshals-Larvik (3,5 Stunden), Hirtshals-Kristiansand (3 Stunden 15 Minuten) und Strömstad-Sandefjord (2,5 Stunden). Diese Kurzstrecken sind deutlich günstiger als die Oslo-Route, haben dafür aber kein nennenswertes Bordprogramm.
Fjord Line: Schnell über den Skagerrak
Fjord Line ist ein norwegisches Unternehmen, das die Route Hirtshals-Bergen bedient, die einzige Direktverbindung von Dänemark nach Westnorwegen. Die Überfahrt dauert etwa 16 Stunden, Abfahrt abends, Ankunft morgens. Wer nach Bergen, in die Fjorde oder an die Westküste will, spart mit dieser Route enorm viel Fahrzeit im Vergleich zur Anreise über Oslo.
Dazu betreibt Fjord Line die Schnellverbindungen Hirtshals-Stavanger (11 Stunden) und Hirtshals-Langesund (4,5 Stunden). Die Stavanger-Route ist besonders praktisch für Reisende, die nach Südnorwegen oder zum Preikestolen wollen. Langesund liegt südlich von Oslo und eignet sich als Ausgangspunkt für Reisen entlang der Südküste.
Die Schiffe von Fjord Line sind etwas kleiner als die von Color Line, aber modern und gut ausgestattet. Die MS Stavangerfjord und MS Bergensfjord verfügen über Kabinen, Restaurants, eine Bar und Außendecks. Das Bordprogramm ist weniger aufwendig als bei Color Line, dafür fühlt sich die Fahrt ruhiger und weniger nach Massentourismus an.
Preislich ist Fjord Line oft günstiger als Color Line. Die Route Hirtshals-Bergen kostet in der Nebensaison ab etwa 120 Euro für zwei Personen mit PKW und Kabine. In der Hochsaison liegen die Preise bei 250 bis 400 Euro. Die Kurzstrecke nach Langesund ist ab 80 Euro zu haben.
DFDS Seaways: Der Umweg über Kopenhagen
DFDS ist eine dänische Reederei, die keine Direktverbindung nach Norwegen anbietet, aber dennoch für Norwegen-Reisende relevant ist. Die Route Kopenhagen-Oslo war jahrelang eine beliebte Verbindung, wurde aber 2014 eingestellt. Heute betreibt DFDS vor allem die Strecke Amsterdam-Newcastle und verschiedene Routen in der Ostsee.
Für Norwegen-Reisende aus Norddeutschland kann die DFDS-Route Kopenhagen-Frederikshavn interessant sein, falls man über Dänemark nach Norwegen reist und einen Zwischenstopp in Kopenhagen einlegen möchte. Die Fähre fährt über Nacht, und man kann am nächsten Tag von Frederikshavn oder Hirtshals eine weitere Fähre nach Norwegen nehmen.
Wer aus England kommt, nutzt gelegentlich die Route Amsterdam-Newcastle und fährt dann mit dem Auto durch Schottland bis Aberdeen, um von dort mit der NorthLink-Fähre zu den Shetlandinseln und weiter nach Bergen zu fahren. Das ist eine Abenteuerroute, die nur wenige kennen, aber für Roadtrip-Fans absolut reizvoll.
Stena Line: Über Schweden nach Norwegen
Stena Line bietet keine direkte Fähre nach Norwegen, ist aber trotzdem eine der wichtigsten Reedereien für Norwegen-Reisende. Die Route Frederikshavn-Göteborg bringt Reisende in knapp 3,5 Stunden nach Schweden, von wo aus man über die E6 in etwa vier Stunden nach Oslo weiterfahren kann.
Die Route Kiel-Göteborg ist mit 14 Stunden Überfahrt eine echte Nachtfähre. Man legt abends in Kiel ab und kommt morgens in Göteborg an. Von dort sind es 300 Kilometer bis Oslo, eine angenehme Tagesfahrt durch die schwedische Landschaft. Diese Kombination aus Fähre und kurzer Autofahrt ist oft günstiger als die Direktfähre Kiel-Oslo, besonders in der Hochsaison.
Stena Line-Schiffe sind solide und komfortabel, ohne den Kreuzfahrt-Glamour von Color Line. Die Kabinen sind sauber, das Restaurant akzeptabel, das Bordprogramm überschaubar. Dafür stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis. Eine Überfahrt Kiel-Göteborg mit Außenkabine für zwei Personen und PKW liegt in der Nebensaison bei 130 bis 180 Euro.
Ein Vorteil der Stena-Line-Route: Man kann den Stopp in Göteborg nutzen und einen halben Tag in Schwedens zweitgrößter Stadt verbringen. Das Haga-Viertel, der Fischmarkt Feskekörka und der Vergnügungspark Liseberg lohnen sich. Danach fährt man entspannt weiter nach Norwegen.
Routen und Preisvergleich
Die richtige Route hängt davon ab, wo man in Norwegen hin will. Hier ein Überblick der wichtigsten Verbindungen mit typischen Preisen für zwei Personen mit PKW und Kabine in der Hauptsaison (Juli/August):
Kiel-Oslo (Color Line): 20 Stunden, ab 300 Euro. Ideal für Reisen nach Oslo, Ostnorwegen oder als Startpunkt für Rundreisen. Komfortabelste Variante mit dem besten Bordprogramm.
Hirtshals-Bergen (Fjord Line): 16 Stunden, ab 250 Euro. Die beste Wahl für Westnorwegen, die Fjorde und die Westküste. Spart 400 Kilometer Autofahrt gegenüber der Anreise über Oslo.
Hirtshals-Kristiansand (Color Line): 3 Stunden 15 Minuten, ab 100 Euro. Schnell und günstig, perfekt für Südnorwegen. Man braucht allerdings erst die Anfahrt nach Hirtshals (Nordjütland).
Hirtshals-Stavanger (Fjord Line): 11 Stunden, ab 180 Euro. Gute Option für den Preikestolen, Stavanger und die Südwestküste. Nachtfahrt, morgens in Stavanger.
Kiel-Göteborg + Autofahrt (Stena Line): 14 Stunden Fähre + 4 Stunden Auto, ab 180 Euro für die Fähre. Oft die günstigste Gesamtlösung für Oslo, dazu Möglichkeit für einen Göteborg-Stopp.
Buchungstipps für die Fähre nach Norwegen
Früh buchen lohnt sich bei allen Anbietern. Die günstigsten Tarife gibt es bei Buchung drei bis sechs Monate im Voraus. In der Hochsaison (Juli/August) sind beliebte Abfahrten Wochen vorher ausgebucht, vor allem an Wochenenden und rund um die Schulferien.
Flexibel sein spart Geld. Wer nicht auf einen bestimmten Reisetag festgelegt ist, kann oft 30 bis 50 Prozent sparen. Dienstag bis Donnerstag sind die günstigsten Tage, Freitag und Samstag die teuersten. Auch eine Abfahrt unter der Woche statt am Wochenende macht einen spürbaren Unterschied.
Newsletter abonnieren zahlt sich aus. Color Line, Fjord Line und Stena Line verschicken regelmäßig Sonderangebote per E-Mail. Manche Deals gibt es ausschließlich für Newsletter-Abonnenten. Ich habe so schon Überfahrten für die Hälfte des regulären Preises gebucht.
Noch ein Hinweis zur Verpflegung: Die Bordrestaurants sind teuer. Ein Abendessen-Buffet kostet bei Color Line 55 Euro pro Person, bei Fjord Line ähnlich. Wer sparen will, bringt eigenes Essen mit. Auf allen Fähren gibt es Aufenthaltsbereiche, in denen man mitgebrachte Speisen essen darf. Ein Picknick an Deck mit Blick auf die See hat ohnehin seinen eigenen Reiz.
Häufige Fragen zu Fähren nach Norwegen
Welche Fähre nach Norwegen ist die günstigste?
Die Kurzstrecken ab Hirtshals (Color Line nach Kristiansand oder Larvik) sind am günstigsten, ab etwa 80 Euro für zwei Personen mit PKW. Allerdings muss man erst nach Nordjütland kommen. Rechnet man die Gesamtkosten inklusive Anfahrt, ist die Stena Line Route Kiel-Göteborg plus Weiterfahrt nach Oslo oft die preiswerteste Gesamtlösung.
Muss ich eine Kabine buchen oder kann ich auch im Sessel schlafen?
Auf den Nachtfähren (Kiel-Oslo, Hirtshals-Bergen, Kiel-Göteborg) ist eine Kabine Pflicht, eine Sesselpassage gibt es dort nicht. Auf den Kurzstrecken ab Hirtshals (3-4 Stunden) braucht man keine Kabine, es gibt genug Sitzplätze in den Lounges.
Kann ich mein Wohnmobil auf die Fähre mitnehmen?
Ja, alle Fährgesellschaften transportieren Wohnmobile. Die Preise richten sich nach der Länge des Fahrzeugs. Ein Wohnmobil bis 6 Meter zahlt ähnlich wie ein PKW, ab 6 Metern wird es teurer. Bei Color Line (Kiel-Oslo) kostet ein Wohnmobil bis 8 Meter in der Hochsaison ab 500 Euro für die einfache Fahrt. Frühzeitig buchen ist hier besonders ratsam, da die Stellplätze für große Fahrzeuge begrenzt sind.
Wann ist die beste Zeit für eine Fährüberfahrt?
Die ruhigste See hat man im Sommer (Juni bis August), dann ist auch die Wahrscheinlichkeit für Seekrankheit am geringsten. Im Herbst und Winter kann es auf dem Skagerrak rau werden. Die günstigsten Preise gibt es in der Nebensaison (September bis Mai), mit Ausnahme der Weihnachtsferien. Für die beste Balance aus Preis und Wetter empfehle ich den September.
Weiterführende Informationen
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026