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Color Line
Mit der Fähre von Kiel nach Oslo

Color Line

13 Min. Lesezeit

Es gibt kaum eine angenehmere Art, nach Norwegen zu reisen, als mit der Color Line ab Kiel. Man fährt nachmittags los, steht an Deck, sieht die Kieler Förde hinter sich verschwinden, und am nächsten Morgen gleitet das Schiff durch den Oslofjord. Dazwischen liegt eine Nacht, die sich mehr nach Kurzurlaub anfühlt als nach bloßer Überfahrt. Ich habe diese Route schon mehrfach gemacht, und jedes Mal finde ich es wieder erstaunlich, wie viel die Schiffe zu bieten haben.

Color Line ist Norwegens größte Fährgesellschaft und betreibt vier Routen zwischen Norwegen, Deutschland, Dänemark und Schweden. Die bekannteste davon ist die Verbindung Kiel-Oslo, mit den beiden größten Kreuzfahrtfähren der Welt. In diesem Artikel beschreibe ich alles, was man vor der Buchung wissen sollte: die Schiffe, die Kabinen, das Bordprogramm und natürlich die Preise.

Die Reederei im Überblick

Color Line wurde 1990 gegründet, als mehrere kleinere norwegische Reedereien fusionierten. Der Hauptsitz liegt in Oslo, und das Unternehmen beschäftigt rund 2.500 Mitarbeiter. Die Geschichte der Fährverbindungen zwischen Deutschland und Norwegen reicht allerdings viel weiter zurück. Bereits in den 1960er Jahren fuhren Fähren von Kiel über den Skagerrak nach Oslo.

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Heute betreibt Color Line vier Routen: Kiel-Oslo, Hirtshals-Kristiansand, Hirtshals-Larvik und Strömstad-Sandefjord. Die Flotte umfasst sechs Schiffe, von den riesigen Kreuzfahrtfähren auf der Kiel-Route bis zu den kompakteren Schnellfähren auf den dänischen Kurzstrecken. Pro Jahr transportiert das Unternehmen rund 4 Millionen Passagiere.

Color Line Fähre im Norwegenkai Kiel bei der Abfahrt
Die Color Line Fähren legen am Norwegenkai in Kiel ab

Color Line hat sich über die Jahre vom reinen Fährunternehmen zum Anbieter von Kurz-Kreuzfahrten gewandelt. Viele Passagiere auf der Kiel-Oslo-Route reisen gar nicht weiter nach Norwegen. Sie buchen eine Hin- und Rückfahrt, verbringen zwei Nächte an Bord und nutzen die Zeit zum Entspannen, Einkaufen im Duty-Free-Shop und Genießen des Bordprogramms. Diese Minikreuzfahrten machen mittlerweile einen erheblichen Teil des Geschäfts aus.

Kiel-Oslo: Die Hauptroute

Die Route Kiel-Oslo ist 540 Seemeilen lang und dauert etwa 20 Stunden. Die Abfahrt in Kiel ist täglich um 14:00 Uhr, die Ankunft in Oslo am nächsten Morgen gegen 10:00 Uhr. In der Gegenrichtung legt das Schiff um 14:00 Uhr in Oslo ab und kommt um 10:00 Uhr in Kiel an.

Der Kieler Hafen liegt am Norwegenkai, gut erreichbar über die A7 und die B76. Parkplätze direkt am Terminal kosten etwa 8 Euro pro Tag, wer länger parkt, findet günstigere Alternativen in der Umgebung. Das Check-in öffnet zwei Stunden vor Abfahrt. Autofahrer fahren direkt aufs Schiff, Fußpassagiere gehen über eine Gangway an Bord.

In Oslo legt die Fähre am Hjortneskaia-Terminal an, das westlich des Stadtzentrums liegt. Von dort sind es etwa 15 Minuten mit dem Auto in die Innenstadt. Wer Oslo erkunden will, bevor es weitergeht, kann das Auto am Terminal stehen lassen und den Bus ins Zentrum nehmen. Für Reisende, die direkt weiter nach Norden wollen, liegt die E6 in unmittelbarer Nähe.

Die Fahrt durch den Oslofjord am Morgen ist für viele der schönste Teil der Reise. Etwa zwei Stunden vor Ankunft fährt das Schiff in den Fjord ein. Links und rechts stehen rote Holzhäuser zwischen Felsen und Kiefern, Segelboote kreuzen, und im Hintergrund taucht langsam die Skyline von Oslo auf. Wer das erleben will, sollte den Wecker auf 8 Uhr stellen. Die meisten Passagiere stehen dann schon an Deck.

Die Schiffe: Color Fantasy und Color Magic

Auf der Route Kiel-Oslo setzen zwei Schwesterschiffe ein: die Color Fantasy (Baujahr 2004) und die Color Magic (Baujahr 2007). Beide sind fast identisch, 224 Meter lang, 35 Meter breit und mit einer Kapazität von über 2.700 Passagieren und 750 Autos. Es sind die größten Kreuzfahrtfähren, die je für eine regelmäßige Linie gebaut wurden.

Color Magic auf der Nordsee zwischen Kiel und Oslo
Die Color Magic: 224 Meter lang und Platz für 2.700 Passagiere

Von außen sieht man den typischen blauen Rumpf mit dem roten Color-Line-Logo am Schornstein. Innen überraschen die Schiffe mit einer verglasten Promenade über zwei Decks, die an eine Einkaufsstraße erinnert. Hier reihen sich Shops, Cafés, Bars und ein Spielsalon aneinander. Das Kern ist der große Duty-Free-Shop, der eine erstaunliche Auswahl an Spirituosen, Parfüm, Süßigkeiten und norwegischen Spezialitäten bietet.

Die Schiffe haben 13 Passagierdecks, eine Aqualand-Badelandschaft mit Rutschen und Kinderbecken, ein Fitnesscenter, einen Walking-Track an Deck und sogar ein kleines Kino. An warmen Sommerabenden verlagert sich das Leben auf die Außendecks, wo Liegestühle zum Sonnenbaden einladen und man die offene See genießen kann.

Ein technisches Detail, das für Passagiere relevant ist: Beide Schiffe haben Stabilisatoren, die den Wellengang deutlich reduzieren. Das Schaukeln ist in der Regel kaum spürbar, außer bei starkem Seegang auf dem offenen Skagerrak. Wer empfindlich ist, sollte eine Kabine mittschiffs auf einem niedrigen Deck buchen, dort ist die Bewegung am geringsten.

Kabinen und Unterbringung

Die Schiffe bieten verschiedene Kabinenkategorien, von der einfachen Innenkabine bis zur geräumigen Suite. Insgesamt gibt es rund 1.000 Kabinen pro Schiff. Alle Kabinen haben ein eigenes Bad mit Dusche, Klimaanlage und eine kleine Sitzecke.

Innenkabinen sind die günstigste Option. Sie haben kein Fenster, sind aber mit 10 bis 12 Quadratmetern ausreichend groß für eine Nacht. Das Bett ist bequem, das Bad kompakt, aber sauber. Für die meisten Reisenden reicht eine Innenkabine völlig aus. Man verbringt ohnehin den größten Teil des Abends in den öffentlichen Bereichen.

Außenkabinen haben ein Bullauge oder ein großes Fenster mit Meerblick. Der Aufpreis gegenüber einer Innenkabine beträgt je nach Saison 30 bis 80 Euro. Für mich lohnt sich das immer, denn morgens im Oslofjord aufzuwachen und direkt aus dem Bett aufs Wasser zu schauen, ist ein wunderbarer Start in den Tag.

Außenkabine auf der Color Line Fähre mit Meerblick
Außenkabinen bieten Meerblick und morgens den Blick auf den Oslofjord

Komfort- und Premiumkabinen bieten mehr Platz (bis 20 Quadratmeter), bessere Ausstattung und teilweise einen kleinen Balkon. Die Premium-Kabinen auf den oberen Decks sind vergleichbar mit einem guten Hotelzimmer. Hier gibt es Bademäntel, einen Obstkorb und manchmal kostenlosen Zugang zum Spa-Bereich.

Suiten sind die Königsklasse. Auf jedem Schiff gibt es eine Handvoll Suiten mit separatem Wohn- und Schlafbereich, großem Balkon und Whirlpool. Eine Suite kostet in der Hochsaison 600 Euro und mehr pro Nacht. Das ist viel Geld für eine Fährüberfahrt, aber wer sich etwas Besonderes gönnen will, bekommt hier ein echtes Kreuzfahrt-Erlebnis.

Für Familien gibt es Familienkabinen mit Platz für bis zu vier Personen. Kinder unter 4 Jahren reisen bei Color Line kostenlos, ältere Kinder zahlen einen reduzierten Preis. In den Familienkabinen stehen Etagenbetten zur Verfügung.

Bordprogramm und Gastronomie

Das Bordprogramm auf der Kiel-Oslo-Route ist für eine Fähre bemerkenswert umfangreich. Abends gibt es Livemusik in mehreren Bars, manchmal Comedy-Shows oder Tanzabende. Im Sommer finden auf dem Außendeck gelegentlich Grillpartys statt. Für Kinder gibt es tagsüber ein Animationsprogramm, und die Aqualand-Badelandschaft ist ohnehin den ganzen Tag geöffnet.

Bei der Gastronomie hat man die Wahl zwischen mehreren Optionen. Das große Buffet-Restaurant bietet skandinavische Spezialitäten, Fisch, Fleisch, Salate und Desserts. Das Abendbuffet kostet rund 55 Euro pro Person, das Frühstücksbuffet etwa 22 Euro. Die Qualität ist ordentlich, nicht exzellent, aber deutlich besser als das, was man auf vielen Kreuzfahrtschiffen bekommt.

Wer es gehobener mag, geht ins À-la-carte-Restaurant. Hier gibt es ein Drei-Gänge-Menü für 60 bis 80 Euro, mit Gerichten wie gegrilltem Lachs, Lammrücken oder Rinderfilet. Die Portionen sind großzügig, der Service aufmerksam. Dazu kommen ein Bistro für Burger und Pizzen, ein Café für Kaffee und Kuchen und eine Sushibar.

Reichhaltiges Abendbuffet im Restaurant der Color Line Fähre
Das Abendbuffet bietet skandinavische Spezialitäten

Der Duty-Free-Shop ist für viele Passagiere mindestens so wichtig wie das Restaurant. Die Preise liegen deutlich unter den norwegischen Ladenpreisen, besonders bei Alkohol und Tabak. Norwegische Spezialitäten wie Brunost (Braunkäse), Aquavit und Schokolade von Freia gibt es hier günstiger als an Land. Der Shop öffnet nach dem Ablegen und schließt am nächsten Morgen eine Stunde vor Ankunft.

Mein Tipp für den Abend: Nach dem Essen an die Bar im oberen Deck setzen und bei einem Glas Wein den Sonnenuntergang über der Ostsee anschauen. Im Sommer geht die Sonne erst nach 22 Uhr unter, und das Licht ist dann golden und weich. Das sind die Momente, in denen eine Fährfahrt zur Kreuzfahrt wird.

Weitere Routen von Color Line

Neben der Hauptroute Kiel-Oslo betreibt Color Line drei weitere Verbindungen, die für Norwegen-Reisende interessant sind.

Hirtshals-Kristiansand: Diese Route verbindet Nordjütland mit Südnorwegen in nur 3 Stunden und 15 Minuten. Die Superspeed-Fähren sind moderne Katamarane, die bis zu 40 Knoten schnell sind. Es gibt Restaurants, einen Duty-Free-Shop und bequeme Sitzbereiche, aber keine Kabinen (die braucht man bei der kurzen Fahrzeit auch nicht). Ideal für alle, die nach Südnorwegen oder zur Westküste wollen.

Hirtshals-Larvik: Die alternative Kurzstrecke fährt in 3,5 Stunden nach Larvik am Oslofjord. Von dort sind es nur 130 Kilometer nach Oslo, deutlich weniger als von Kristiansand. Die Superspeed 1 bedient diese Route und bietet das gleiche Bordangebot wie die Kristiansand-Fähre.

Strömstad-Sandefjord: Die kürzeste Route im Netz verbindet die schwedische Westküste in 2,5 Stunden mit der norwegischen Seite des Oslofjords. Praktisch für Reisende, die über Schweden anreisen oder einen Abstecher nach Westschweden machen wollen.

Preise und Spartipps

Die Preise bei Color Line hängen von Saison, Wochentag und Kabinentyp ab. Als grobe Orientierung für die Route Kiel-Oslo mit zwei Personen und PKW:

Nebensaison (Oktober bis April, außer Weihnachten): Innenkabine ab 149 Euro, Außenkabine ab 199 Euro pro Fahrt. Das sind echte Schnäppchen für eine Nacht an Bord inklusive Auto. Die Schiffe sind in dieser Zeit deutlich leerer, man hat mehr Platz und Ruhe.

Zwischensaison (Mai, Juni, September): Innenkabine ab 229 Euro, Außenkabine ab 299 Euro. Die Preise steigen merklich, aber es ist noch machbar. Viele Familien reisen in den Pfingstferien, da kann es enger werden.

Hochsaison (Juli, August): Innenkabine ab 349 Euro, Außenkabine ab 449 Euro. An Wochenenden und in den Sommerferien können die Preise auf 500 Euro und mehr klettern. Wer in dieser Zeit reisen muss, sollte mindestens drei Monate im Voraus buchen.

Meine besten Spartipps: Den Color Line Newsletter abonnieren, dort gibt es regelmäßig Sonderaktionen. Unter der Woche fahren (Dienstag bis Donnerstag ist am günstigsten). Die Minikreuzfahrt-Pakete (Hin- und Rückfahrt) prüfen, die sind pro Fahrt oft günstiger als zwei Einzelbuchungen. Verpflegung selbst mitbringen, zumindest Snacks und Getränke, das spart an Bord schnell 50 bis 100 Euro.

Häufige Fragen zu Color Line

Wie früh muss ich am Hafen in Kiel sein?

Color Line empfiehlt, spätestens 90 Minuten vor Abfahrt am Norwegenkai zu sein, also um 12:30 Uhr. In der Hochsaison lieber etwas früher, da die Schlangen am Check-in länger sein können. Das Boarding beginnt zwei Stunden vor Abfahrt. Fußpassagiere können etwas später kommen als Autofahrer, da sie nicht aufs Autodeck warten müssen.

Kann ich mein Haustier mitnehmen?

Ja und Hunde dürfen mit an Bord. Color Line bietet spezielle Tierkabinen an, in denen das Haustier in der Kabine bleiben darf. Alternativ gibt es Hundekäfige auf dem Autodeck. Ein EU-Heimtierausweis mit gültiger Tollwutimpfung ist Pflicht. Die Tierkabinen sind begrenzt und in der Hochsaison schnell ausgebucht.

Gibt es WLAN an Bord?

Ja, Color Line bietet WLAN an Bord an. Die Basisversion ist kostenlos, reicht aber nur für E-Mails und Nachrichten. Für Streaming oder größere Downloads braucht man das Premium-WLAN-Paket, das etwa 10 Euro kostet. Auf offener See schwankt die Verbindung, in Küstennähe funktioniert es besser.

Was passiert bei schwerem Seegang?

Die Schiffe fahren bei fast jedem Wetter. Absagen gibt es extrem selten, nur bei schwerem Sturm. Die Stabilisatoren gleichen den Wellengang gut aus. Bei starkem Seegang auf dem Skagerrak spürt man ein deutliches Schaukeln, vor allem auf den oberen Decks. Wer empfindlich ist, sollte Reisetabletten dabeihaben und eine Kabine mittschiffs auf einem niedrigen Deck buchen.

Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026