Island gehört zu den wenigen Reisezielen, die man am besten auf eigene Faust entdeckt – und zwar auf vier Rädern mit einem Bett im Rücken. Kaum ein anderes Land bietet auf so engem Raum eine solche Dichte an Naturschauspielen: Gletscher, Geysire, Wasserfälle, schwarze Sandstrände und dampfende heiße Quellen wechseln sich im Stundentakt ab. Wer mit dem Camper unterwegs ist, erlebt das alles mit maximaler Freiheit – und spart dabei deutlich gegenüber einer klassischen Hotel-Rundreise. Dieser Guide liefert alles, was man für den Island-Roadtrip 2026 wissen muss, inklusive der neuen Straßennutzungsgebühr, die seit Januar gilt.
Warum Island perfekt für einen Camper-Roadtrip ist
Island ist teuer – das sollte man wissen, bevor man bucht. Eine Nacht im einfachen Gästehaus kostet in der Hochsaison schnell 150–250 Euro, ein Hotelzimmer in Reykjavík oft deutlich mehr. Ein Abendessen im Restaurant liegt selten unter 40–50 Euro pro Person. Wer zwei Wochen unterwegs ist, merkt den Unterschied im Budget sofort, wenn die Unterkunft bereits auf vier Rädern mitfährt und die Küche immer dabei ist.
Doch der finanzielle Aspekt ist nur ein Teil der Geschichte. Der eigentliche Vorteil liegt in der Flexibilität. Islands Landschaft verändert sich oft innerhalb weniger Kilometer komplett – und die schönsten Momente ergeben sich ungeplant: ein Wasserfall abseits der Straße, eine heiße Quelle ohne andere Besucher, ein Stellplatz mit Blick auf einen Gletscher. Mit einem Camper kann man genau dort anhalten, wo es einen hinzieht, ohne an Hotelreservierungen oder Check-in-Zeiten gebunden zu sein.
Dazu kommt die besondere Atmosphäre. Abends den Kocher anwerfen, während draußen die Mitternachtssonne über dem Horizont steht – oder im September Nordlichter direkt durchs Heckfenster beobachten. Wer das einmal erlebt hat, will Island nicht mehr anders bereisen.
Die Ringstraße – Route, Highlights und Etappen
Die Ringstraße (Hringvegur, Rute 1) ist Islands Hauptverkehrsader und gleichzeitig eine der legendärsten Roadtrip-Strecken weltweit. Sie führt einmal rund um die Insel, misst etwa 1.322 Kilometer und ist größtenteils asphaltiert. Für die gesamte Runde sollte man mindestens 10 bis 14 Tage einplanen – wer sich nicht hetzen will und Abstecher mitnehmen möchte, nimmt sich drei Wochen.
Etappe 1: Reykjavík und der Golden Circle (Tag 1–2)
Die meisten Roadtrips starten am Flughafen Keflavík, wo auch die Camper-Vermieter ihre Stationen haben. Bevor man losfährt, lohnt sich ein Großeinkauf bei Bónus oder Krónan in Reykjavík – die Preise dort sind deutlich günstiger als an Tankstellenshops unterwegs. Der Golden Circle mit Þingvellir (wo die tektonischen Platten auseinanderdriften), dem Geysir Strokkur und dem gewaltigen Gullfoss-Wasserfall liegt nur wenige Stunden entfernt und ist ein perfekter Einstieg.
Campingplatz-Tipp: Der Platz in Þingvellir (Leirar) liegt direkt am Nationalpark und bietet eine tolle Atmosphäre, ist aber in der Hochsaison schnell voll. Alternative: Campingplatz Skjól bei Selfoss.
Etappe 2: Südküste bis Jökulsárlón (Tag 3–5)
Die Strecke entlang der Südküste gehört zu den eindrucksvollsten Abschnitten der gesamten Reise. Seljalandsfoss (man kann hinter den Wasserfall laufen), Skógafoss, das Kap Dyrhólaey mit seinen Papageientauchern (Juni bis Mitte August), der schwarze Strand von Vík und schließlich die Gletscherlagune Jökulsárlón mit dem Diamond Beach – hier reiht sich ein Highlight ans nächste. Wer Zeit hat, sollte die Wanderung zum Svartifoss im Skaftafell-Gebiet mitnehmen: etwa 45 Minuten, leicht machbar und beeindruckend durch die Basaltsäulen, die den Wasserfall einrahmen.
Campingplatz-Tipp: Der Platz in Skaftafell (Vatnajökull-Nationalpark) ist groß und gut ausgestattet, dient als Ausgangspunkt für mehrere Wanderungen und liegt strategisch günstig für Jökulsárlón am nächsten Morgen.
Etappe 3: Ostfjorde (Tag 6–7)
Der am wenigsten besuchte Abschnitt der Ringstraße – und genau deshalb einer der schönsten. Schmale Straßen, kleine Fischerdörfer, dramatische Fjordlandschaften und kaum andere Touristen. Wer Ruhe sucht, wird hier fündig. Die Strecke dauert länger als auf der Karte vermutet, da sich die Straße tief in jeden Fjord hineinschlängelt. Nicht hetzen, sondern genießen.
Insider-Tipp: Stokksnes, eine kleine Landzunge im Südosten, bietet einen der fotogensten Orte Islands – schwarze Dünen vor dem Berg Vestrahorn. Eintritt ca. 900 ISK (ca. 6 €), Übernachtung auf dem kleinen Campingplatz des Viking Café möglich.
Etappe 4: Mývatn und Akureyri (Tag 8–10)
Der Mývatn-See im Norden ist ein Zentrum vulkanischer Aktivität: Pseudokrater, bizarre Lavaformationen bei Dimmuborgir, Solfataren am Námaskarð-Pass und das Naturbad Mývatn Nature Baths (eine ruhigere und günstigere Alternative zur Blue Lagoon). In Akureyri, der „Hauptstadt des Nordens“ mit knapp 20.000 Einwohnern, kann man gut Vorräte auffüllen und einen Pausentag einlegen.
Campingplatz-Tipp: Der Platz direkt am Mývatn-See ist landschaftlich herausragend. Je nach Jahreszeit können die namensgebenden Mücken (mý = Mücke) allerdings lästig sein – ein Kopfnetz schadet nicht.
Etappe 5: Snæfellsnes und Rückkehr (Tag 11–14)
Die Halbinsel Snæfellsnes wird oft als „Island im Miniaturformat“ bezeichnet – Gletscher, Vulkane, Klippen, der ikonische Berg Kirkjufell und charmante Fischerdörfer auf engem Raum. Ein idealer Abschluss vor der Rückkehr nach Reykjavík. Wer auf dem Rückweg noch Zeit hat, sollte den Wasserfall Glymur mitnehmen – mit rund 198 Metern der zweithöchste Islands, erreichbar über eine Wanderung mit Flussdurchquerung (ca. 2–3 Stunden hin und zurück, festes Schuhwerk und trockene Wechselsocken empfohlen).
Saisonale Unterschiede
Im Sommer (Juni bis August) profitiert man von langen Tagen mit bis zu 24 Stunden Helligkeit, milden Temperaturen um 10–15 °C und offenen Straßen. Im Winter locken die Nordlichter, dafür sind viele Nebenstraßen und Pässe gesperrt, und die Fahrbedingungen sind deutlich anspruchsvoller – ein 4×4-Camper mit Winterreifen ist dann Pflicht. Für den ersten Island-Roadtrip empfiehlt sich klar die Sommersaison.
Das richtige Fahrzeug für Islands Straßen
Die Wahl des Fahrzeugs ist eine der wichtigsten Entscheidungen bei der Reiseplanung – und hängt stark von der geplanten Route und Reisezeit ab.
Kompakter Campervan (2WD): Der Allrounder für die Ringstraße im Sommer. Genug Platz zum Schlafen und Kochen, wendig auf schmalen Straßen und Campingplätzen. Ideal für Paare oder Alleinreisende. Mietpreise in der Hochsaison ab ca. 120–180 € pro Tag je nach Modell und Anbieter.
4×4-Camper: Die Kombination aus Geländetauglichkeit und Wohnkomfort. Damit lassen sich auch Hochlandpisten und F-Straßen befahren, ohne auf den Schlafplatz im Fahrzeug verzichten zu müssen. In der Nebensaison oder bei ambitionierteren Routen die beste Wahl. Mietpreise ab ca. 200–300 € pro Tag mit Basisversicherung.
Großes Wohnmobil: Mehr Platz, feste Betten, oft eigenes Bad. Die komfortabelste Variante für Familien oder längere Reisen, allerdings auf engen Straßen und in den Ostfjorden weniger praktisch.
Wer verschiedene Fahrzeugtypen und Anbieter vergleichen möchte, findet auf Plattformen wie Campermietenisland.de eine Übersicht – vom kompakten Van für die Ringstraße bis zum vollausgestatteten Allrad-Wohnmobil für die Hochlandpisten. So lässt sich das passende Fahrzeug für die eigene Route und Reisezeit gezielt auswählen.
Unabhängig vom Fahrzeugtyp sollte man auf eine gute Standheizung achten. Selbst im Sommer können die Nächte in Island auf 3–5 °C fallen. Und ein Tipp, den man erst lernt, wenn man ihn braucht: Die Heizung direkt nach dem Abstellen des Motors einschalten, nicht erst wenn es im Van schon kalt ist.
Camping in Island – Regeln, Plätze und was man wissen muss
Seit 2015 ist Wildcampen in Island grundsätzlich verboten. Wer mit dem Camper unterwegs ist, muss auf offiziellen Campingplätzen übernachten – eine Ausnahme gilt nur für Wanderer mit Zelt auf unbewirtschaftetem Land, sofern der Grundbesitzer zustimmt. Für Wohnmobile und Campervans gilt diese Ausnahme ausdrücklich nicht. Die Bußgelder werden kontrolliert, auch aus der Luft – wer wildcampt, riskiert empfindliche Strafen.
Die gute Nachricht: Island verfügt über mehr als 200 Campingplätze, die meisten entlang der Ringstraße. Von Juni bis September sind fast alle geöffnet und bieten Sanitäranlagen, teils auch Strom, Waschmaschinen und Kochmöglichkeiten. Die Qualität variiert erheblich – von einfachen Wiesen mit zwei Toiletten für hundert Camper bis hin zu gut ausgestatteten Plätzen mit warmem Wasser und WLAN.
Kosten: Ein Stellplatz kostet 2026 zwischen 1.500 und 3.000 ISK (ca. 10–20 €) pro Nacht und Person. Duschen kosten auf manchen Plätzen extra (300–500 ISK). Der Campingplatz in Reykjavík ist fast immer ausgebucht – wer dort übernachten will, sollte unbedingt vorbuchen.
Campingcard Island: Für einen Festpreis (2025: ca. 159 €) deckt die Karte 28 Übernachtungen auf rund 40 teilnehmenden Plätzen ab. Bei einer Reisedauer von zwei Wochen rechnet sie sich in der Regel, besonders für Paare und Familien.
Zur Stellplatzsuche unterwegs sind die App park4night und das isländische Verzeichnis tjalda.is hilfreich, auch wenn letzteres nicht immer aktuell ist. Viele Camper-Vermieter geben ein Tablet mit, auf dem Campingplätze, Sehenswürdigkeiten und Tankstellen vorinstalliert sind.
Praktische Tipps für den Island-Roadtrip 2026
Neue Straßennutzungsgebühr seit Januar 2026
Seit dem 1. Januar 2026 erhebt Island eine kilometerbasierte Straßennutzungsgebühr (Kilometersteuer) für alle Fahrzeuge – auch für Mietcamper. Die Gebühr liegt bei ca. 0,06 € pro gefahrenem Kilometer und ersetzt teilweise die bisherige Kraftstoffsteuer, die gleichzeitig gesenkt wurde. Im Gegenzug ist Tanken seit Anfang 2026 günstiger geworden. Für eine komplette Ringstraßen-Runde (ca. 1.300–1.700 km je nach Abstechern) bedeutet das Zusatzkosten von rund 80–100 €. Die Abrechnung erfolgt automatisch nach Rückgabe des Fahrzeugs über die bei Abholung hinterlegte Kreditkarte. Wichtig: Diese Gebühr ist bei vielen Vermietern noch nicht im Mietpreis enthalten – bei der Buchung unbedingt nachfragen.
Tanken
Das Tankstellennetz entlang der Ringstraße ist gut ausgebaut. Die beiden großen Ketten N1 und Olís betreiben Stationen in regelmäßigen Abständen. Trotzdem gilt die Grundregel: Nie mit weniger als einem halben Tank weiterfahren – besonders in den Ostfjorden und im Norden können die Abstände 150 km und mehr betragen. Die meisten Zapfsäulen funktionieren mit Kreditkarte und PIN (Visa/Mastercard), Bargeld wird selten benötigt. Seit der Senkung der Kraftstoffsteuer Anfang 2026 liegen die Diesel- und Benzinpreise bei etwa 350–380 ISK pro Liter (ca. 2,40–2,60 €).
F-Straßen und Hochland
Die mit „F“ gekennzeichneten Hochlandstraßen sind in der Regel nur von Ende Juni bis September geöffnet und ausschließlich für Allradfahrzeuge zugelassen. Flussdurchquerungen gehören auf vielen F-Straßen dazu und erfordern Erfahrung – im Zweifel lieber umkehren, denn Schäden durch Flussdurchquerungen sind bei den meisten Versicherungen nicht abgedeckt. Fahren abseits markierter Wege ist in ganz Island streng verboten: Die empfindliche Moosvegetation braucht Jahrzehnte, um sich zu erholen, und die Bußgelder sind entsprechend hoch. Die Polizei kontrolliert auch aus der Luft. Aktuelle Straßenzustände meldet die Website road.is – jeden Morgen vor der Weiterfahrt prüfen.
Versicherungen
Die Standardversicherung isländischer Vermieter (CDW) deckt oft nur das Nötigste mit einem hohen Selbstbehalt (250.000–450.000 ISK, also ca. 1.700–3.100 €). Empfehlenswert ist eine SCDW (Super Collision Damage Waiver), die den Selbstbehalt auf null oder nahe null reduziert. Zusätzlich gibt es spezielle Versicherungen gegen Sand- und Ascheschäden (SAAP) sowie Steinschlag – beides keine Seltenheit auf Islands Schotterpisten. Die genauen Konditionen variieren stark zwischen den Anbietern und sollten vor der Buchung sorgfältig verglichen werden. Generell gilt: Lieber ein paar Euro mehr pro Tag für eine umfassende Versicherung als im Schadensfall auf Tausenden sitzen zu bleiben.
Wetter und Fahrbedingungen
Das isländische Wetter ist sprichwörtlich unberechenbar – selbst im Sommer können innerhalb weniger Stunden Sonne, Regen, Nebel und starker Wind aufeinanderfolgen. Besonders der Wind ist nicht zu unterschätzen: Bei Böen über 20 m/s wird das Fahren mit einem Campervan anspruchsvoll. Eine Lektion, die jeder Island-Camper-Neuling schnell lernt: Fahrzeugtüren immer festhalten beim Öffnen, sonst reißt der Wind sie auf und beschädigt die Scharniere – ein häufiger Schadensfall, der nicht immer versichert ist.
Für die tägliche Planung sind die App Veður (Isländischer Wetterdienst), die Website vedur.is und windy.com zuverlässige Quellen. Wer sieht, dass starker Wind angekündigt ist, plant den Tag lieber mit kurzen Etappen oder nutzt ihn für eine Wanderung in geschütztem Gelände.
Packliste-Essentials für Camper
Ein paar Dinge, die oft vergessen werden, aber den Unterschied machen: ein Kopfnetz gegen Mücken (besonders am Mývatn), Badebekleidung für spontane Hot-Pot-Stopps, einen Thermosbecher (viele Vermieter kooperieren mit Tankstellen für kostenlosen Kaffee), wasserdichte Wanderschuhe und eine Powerbank – denn die Steckdosen im Camper sind begrenzt und abends will man eigentlich keine Tankstelle anfahren, nur um das Handy zu laden.
Kostenüberblick: Was kostet ein 14-tägiger Camper-Roadtrip 2026?
Eine realistische Kalkulation für zwei Personen, 14 Tage Ringstraße im Sommer mit einem kompakten Campervan:
- Camper-Miete (inkl. Basisversicherung): ca. 1.700–2.500 €
- SCDW-Upgrade: ca. 150–250 €
- Kraftstoff (ca. 2.000 km): ca. 350–450 €
- Neue Kilometersteuer (ca. 2.000 km × 0,06 €): ca. 120 €
- Campingplätze (13 Nächte): ca. 250–400 €
- Lebensmittel (Selbstversorgung): ca. 500–700 €
- Aktivitäten/Eintritt: ca. 100–200 €
Gesamtkosten: ca. 3.200–4.600 € für zwei Personen, also 1.600–2.300 € pro Person für 14 Tage. Zum Vergleich: Die gleiche Tour mit Mietwagen, Gästehaus und Restaurantbesuchen liegt schnell bei 4.000–6.000 € pro Person – mehr als das Doppelte.
Wer sich gut vorbereitet, die Regeln respektiert und dem Wetter mit Gelassenheit begegnet, erlebt mit dem Camper in Island einen Roadtrip, der seinesgleichen sucht – eine Reise durch eine Landschaft, die so auf keinem anderen Fleck der Erde existiert.