Mariehamn
Mitten in der Ostsee, zwischen Finnland und Schweden, liegt Mariehamn, die Hauptstadt der Åland-Inseln. Die Stadt hat rund 11.500 Einwohner und ist damit eine der kleinsten Hauptstädte Europas. Hier spricht man Schwedisch, segelt man mehr als anderswo in Finnland, und die Verbindung zum Meer ist so tief, dass die gesamte Stadtgeschichte von Schiffen, Seefahrern und Werften handelt. Im Hafen liegt die Viermastbark Pommern, das letzte Frachtsegelschiff der Welt, das noch im Originalzustand erhalten ist.
Mariehamn wurde 1861 gegründet und ist damit eine junge Stadt nach europäischen Maßstäben. Ihren Namen verdankt sie der russischen Zarin Maria Alexandrowna, denn Åland gehörte damals zum Russischen Reich. Die breite Hauptstraße, die Torggatan, wurde nach dem Vorbild russischer Boulevards angelegt und verbindet den westlichen mit dem östlichen Hafen. Lindenalleen säumen die Straße, und im Sommer blühen Stockrosen in den Vorgärten der Holzhäuser.
Mariehamn im Überblick
Die Åland-Inseln sind eine autonome Region Finnlands mit eigener Gesetzgebung, eigener Flagge und eigenen Briefmarken. Die Amtssprache ist Schwedisch, und die Kultur ist eine Mischung aus finnischen und schwedischen Einflüssen, mit einer starken eigenen Identität. Åland ist entmilitarisiert seit dem Friedensvertrag von 1921, und es gibt keine Kaserne und kein Militär auf den Inseln.
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Mariehamn liegt auf einer schmalen Halbinsel im Süden der Hauptinsel Fasta Åland. Die Stadt hat zwei Häfen: den Westerhamn im Westen, wo die großen Fähren von Viking Line und Tallink Silja anlegen, und den Österhamn im Osten, den Gasthafen für Segelboote und Jachten. Die Entfernung zwischen beiden Häfen beträgt weniger als einen Kilometer. Man kann die Stadt problemlos zu Fuß durchqueren, und die meisten Sehenswürdigkeiten liegen innerhalb von zehn Gehminuten.
Das Klima auf Åland ist milder als auf dem finnischen Festland. Der Golfstrom und die umgebende Ostsee sorgen für gemäßigte Temperaturen. Im Sommer liegen die Durchschnittswerte bei 17 bis 20 Grad, im Winter selten unter minus 5 Grad. Der Frühling kommt zwei bis drei Wochen früher als in Helsinki, und im Mai blühen die Apfelbäume, die für Åland typisch sind.
Das Museumsschiff Pommern
Die Pommern ist eine Viermastbark, die 1903 in Glasgow gebaut wurde und bis 1939 als Frachtsegelschiff auf den Weltmeeren unterwegs war. Sie transportierte Weizen von Australien nach Europa und segelte dabei rund um Kap Hoorn, die gefürchtete Südspitze Südamerikas. Die Pommern gehörte zur Reederei von Gustaf Erikson, dem letzten großen Segelschiffreeder der Welt, der von Mariehamn aus eine Flotte von Frachtsegelschiffen betrieb.
Seit 1953 liegt die Pommern als Museumsschiff im Westerhamn von Mariehamn. Sie ist im Originalzustand erhalten und kann besichtigt werden. An Bord führt ein Rundgang durch die Mannschaftsquartiere, die Offiziersmesse, den Laderaum und das Ruderhaus. Man bekommt einen Eindruck davon, wie hart das Leben auf einem Frachtsegler war: enge Kojen, kalte Quartiere und monatelange Fahrten über offenes Meer.
Unter Deck gibt es seit 2019 eine moderne Ausstellung, die die Geschichte der Pommern und der Seefahrt auf Åland dokumentiert. Filmaufnahmen, Originalfotos und Tonaufnahmen ehemaliger Besatzungsmitglieder lassen die Vergangenheit lebendig werden. Der Eintritt zur Pommern kostet 12 Euro für Erwachsene und 5 Euro für Kinder. Im Sommer (Juni bis August) ist das Schiff täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet.
Östlicher und westlicher Hafen
Der Westerhamn ist der Fährhafen, in dem die großen Ostseefähren anlegen. Viking Line und Tallink Silja verkehren täglich zwischen Mariehamn, Turku und Stockholm. Die Fähren sind riesig, bis zu 60.000 Tonnen schwer, und wenn sie in den kleinen Hafen einlaufen, scheinen sie die Stadt zu überragen. Im Fährterminal gibt es einen Tax-Free-Shop, denn Åland hat einen Sonderstatus, der zollfreien Verkauf ermöglicht. Viele Passagiere steigen nur zum Einkaufen kurz von Bord.
Der Österhamn am anderen Ende der Stadt ist der Gasthafen für Segelboote und Jachten. Im Sommer liegen hier Hunderte Boote aus Finnland, Schweden und dem Baltikum. Am Kai gibt es Servicestationen, Duschen und ein Restaurant. Die Atmosphäre ist entspannt und maritim. Am Abend sitzen die Segler auf ihren Booten und tauschen Geschichten aus. Der Gasthafen bietet Liegeplätze ab 25 Euro pro Nacht, je nach Bootsgröße.
Zwischen den beiden Häfen erstreckt sich die Esplanaden, eine Parkanlage, die zum Spazieren einlädt. Alte Linden spenden Schatten, Bänke stehen am Wegesrand, und im Sommer spielen manchmal Musiker unter den Bäumen. Am Österhamn liegt auch die Sjökvarteret (das Seefahrtsviertel), wo alte Bootswerkstätten, eine historische Schmiede und eine Segelmacherei besichtigt werden können. Handwerker arbeiten hier nach traditionellen Methoden und reparieren alte Holzboote.
Seefahrtsmuseum und Kultur
Das Ålands Sjöfartsmuseum (Seefahrtsmuseum) liegt am Westerhamn, direkt neben der Pommern. Es erzählt die Geschichte der åländischen Seefahrt von den Wikingern bis zur modernen Fährschifffahrt. Die Ausstellung zeigt Schiffsmodelle, Navigationsgeräte, Logbücher und persönliche Gegenstände von Seeleuten. Ein Simulator lässt Besucher ein Schiff durch einen Sturm steuern. Der Eintritt kostet 10 Euro.
Das Ålands Museum im Stadtzentrum dokumentiert die Geschichte und Kultur der Inseln von der Steinzeit bis heute. Die archäologische Abteilung zeigt Funde von Wikingersiedlungen, die auf Åland ausgegraben wurden. Die historische Abteilung thematisiert die wechselvolle politische Geschichte der Inseln, die zwischen Schweden, Russland und Finnland hin- und hergerissen wurden. Der Eintritt ist frei.
Im Ålands Konstmuseum (Kunstmuseum), das im selben Gebäude wie das Ålands Museum untergebracht ist, hängen Werke åländischer und skandinavischer Künstler. Die Sammlung umfasst Gemälde vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart, mit einem Schwerpunkt auf Meeresmalerei und Landschaftsdarstellungen. Wechselausstellungen zeigen zeitgenössische Kunst. Der Eintritt ist ebenfalls frei.
Die Stadt zu Fuß
Mariehamn ist eine Stadt der kurzen Wege. Die Torggatan, die Hauptstraße, verbindet die beiden Häfen und ist gesäumt von Geschäften, Cafés und Restaurants. Die Holzhäuser entlang der Nebenstraßen stammen größtenteils aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Viele sind liebevoll restauriert und in kräftigen Farben gestrichen: Rot, Gelb, Blau und Grün. Die Vorgärten quellen im Sommer über vor Blumen.
Die Kirche St. Göran (1927) steht im Zentrum der Stadt und ist ein Bau im nordischen Neoklassizismus. Das Innere ist schlicht und hell. Die Kirchglocken läuten sonntags zum Gottesdienst, und im Sommer finden gelegentlich Orgelkonzerte statt. Vom Kirchturm aus hat man eine gute Aussicht über die Stadt und die umliegenden Inseln.
Ein angenehmer Spaziergang führt zum Lilla Holmen, einer kleinen Halbinsel südlich des Stadtzentrums. Hier gibt es einen Vogelpark mit einheimischen Wasservögeln, einen Badestrand und ein Café. Der Eintritt zum Vogelpark kostet 4 Euro. Das Wasser am Strand ist im Sommer warm genug zum Schwimmen, die Wassertemperatur liegt im Juli bei 18 bis 20 Grad.
Am nördlichen Stadtrand liegt der Badhusparken, ein Park am Meer, der seinen Namen von einem ehemaligen Badehaus hat, das hier stand. Heute ist der Park ein ruhiger Ort mit alten Bäumen, Blumenbeeten und Bänken mit Blick auf die Schären. Im Sommer blühen hier Rosen und Lavendel, und der Duft mischt sich mit der salzigen Meeresluft.
Radfahren auf Åland
Åland ist ein Paradies für Radfahrer. Die Inseln sind flach, die Straßen ruhig und die Entfernungen überschaubar. Von Mariehamn aus lassen sich die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Hauptinsel in Tagestouren erreichen. Fahrräder können in der Stadt bei mehreren Anbietern gemietet werden, ab 15 Euro pro Tag. E-Bikes kosten ab 30 Euro pro Tag.
Eine beliebte Rundtour führt von Mariehamn nach Kastelholm (20 Kilometer), wo die gleichnamige mittelalterliche Burg aus dem 14. Jahrhundert steht. Die Burg wurde von schwedischen Königen als Verwaltungssitz und Jagdschloss genutzt. Heute ist sie ein Museum und kann von Mai bis September besichtigt werden. Der Eintritt kostet 8 Euro. In der Nähe liegt das Freilichtmuseum Jan Karlsgården, das traditionelle åländische Gebäude zeigt.
Eine längere Tour (50 bis 60 Kilometer) führt in den Norden der Hauptinsel, vorbei an Dörfern, Feldern und durch Laubwälder. Die Straßen auf Åland haben wenig Verkehr, und die Landschaft wechselt zwischen Wald, offenen Feldern und Küstenabschnitten. Unterwegs laden kleine Dorfcafés und Hofläden zum Einkehren ein. Äpfel und Honig sind typische lokale Produkte.
Für Mehrtagestouren eignet sich die Schärenroute, die über mehrere Inseln und Fähren führt. Die Route kombiniert Radfahren mit kurzen Fährüberfahrten und ermöglicht es, die östlichen Schären zu erkunden. Die Fähren zwischen den Inseln sind für Radfahrer kostenlos. Eine solche Tour dauert drei bis fünf Tage, und auf den Inseln gibt es Pensionen, Campingplätze und Ferienhäuser.
Schärenwelt vor der Tür
Direkt vor Mariehamn beginnt die Schärenwelt, die Åland umgibt. Über 6.700 Inseln gehören zum Åland-Archipel, und viele davon sind vom Hafen aus in kurzer Zeit erreichbar. Bootstouren zur Lotseninsel Kobba Klintar starten im Sommer mehrmals täglich. Die Überfahrt dauert 20 Minuten. Auf der Insel gibt es ein Café, eine Sauna und ein kleines Museum. Der Hin- und Rückfahrtpreis liegt bei 15 Euro.
Kajaktouren in den Schären bieten mehrere Anbieter an. Eine halbtägige geführte Tour kostet ab 65 Euro pro Person inklusive Ausrüstung. Die Gewässer rund um Mariehamn sind geschützt und auch für Anfänger geeignet. Erfahrene Paddler können Kajaks mieten und die Inseln auf eigene Faust erkunden, ab 45 Euro pro Tag.
Im Sommer verkehren kleine Linienfähren zwischen Mariehamn und den umliegenden Inseln. Diese Fähren sind Alltagsverkehrsmittel für die Inselbewohner und bieten Touristen eine günstige Möglichkeit, die Schärenwelt kennenzulernen. Die Fahrten sind kostenlos für Fußgänger und Radfahrer. Die Fahrpläne stehen auf der Website der åländischen Regierung.
Essen und Trinken
Die Küche auf Åland ist von der Lage zwischen Meer und Land geprägt. Ålandspannkaka, der åländische Pfannkuchen, ist die bekannteste Spezialität. Er wird mit Grieß und Kardamom zubereitet und mit Pflaumenkompott und Schlagsahne serviert. In nahezu jedem Restaurant und Café in Mariehamn steht er auf der Karte, ein Stück kostet 5 bis 8 Euro.
Fisch und Meeresfrüchte spielen eine große Rolle. Frisch geräucherter Lachs und gebratener Hering gehören zu den Klassikern. Im Herbst kommen Krebse dazu. Die Kräftsäsongen (Krebssaison) beginnt im August und wird auf Åland mit Festen gefeiert. Rote Krebse, Dill und Bier gehören zusammen. Ein Krebsessen in einem Restaurant kostet ab 40 Euro pro Person.
Åland hat eine eigene kleine Brauerei, Stallhagen, die Biere nach historischen Rezepten braut. Eines ihrer Biere basiert auf einem Rezept, das in einem Schiffswrack aus dem 19. Jahrhundert auf dem Meeresboden gefunden wurde. Die Brauerei liegt einige Kilometer außerhalb von Mariehamn und bietet Führungen mit Verkostung an. Der Preis liegt bei 20 Euro pro Person.
Äpfel sind das wichtigste Agrarprodukt Ålands. Die Insel hat mehr Apfelbäume pro Einwohner als jede andere Region Skandinaviens. Im September findet das Äppelfest (Apfelfest) statt, bei dem lokale Produzenten ihre Erzeugnisse präsentieren: Apfelsaft, Apfelwein, Apfelkuchen und Apfellikör.
Anreise und praktische Tipps
Die häufigste Art, nach Mariehamn zu kommen, ist die Fähre. Von Turku aus dauert die Überfahrt rund sechs Stunden, von Stockholm etwa elf Stunden (Nachtfähre). Viking Line und Tallink Silja verkehren täglich. Ein Platz auf der Fähre kostet ab 20 Euro pro Person, eine Kabine ab 50 Euro. Autos können mitgenommen werden, ab 30 Euro zusätzlich.
Flüge von Helsinki nach Mariehamn dauern 40 Minuten und sind mit frühzeitiger Buchung ab 50 Euro zu haben. Der Flughafen liegt vier Kilometer vom Stadtzentrum entfernt.
In Mariehamn braucht man kein Auto. Die Stadt ist kompakt, und alles ist zu Fuß oder per Rad erreichbar. Für Ausflüge auf die Hauptinsel ist ein Fahrrad ideal. Wer die äußeren Inseln besuchen will, nutzt die kostenlosen Fähren. Hotels in Mariehamn kosten zwischen 90 und 170 Euro pro Nacht. Ferienwohnungen sind ab 70 Euro verfügbar. Der Campingplatz Gröna Udden liegt direkt am Meer, fünf Gehminuten vom Stadtzentrum, und hat Stellplätze ab 20 Euro und Mietshütten ab 50 Euro.
Währung: Auf Åland gilt der Euro. Kreditkarten werden überall akzeptiert. Sprache: Die Amtssprache ist Schwedisch. Finnisch wird verstanden, aber nicht immer gerne gesprochen. Englisch funktioniert problemlos.
Häufige Fragen
Gehört Åland zu Finnland oder zu Schweden?
Åland gehört politisch zu Finnland, ist aber eine autonome Region mit weitgehender Selbstverwaltung. Die Amtssprache ist Schwedisch. Die Inseln haben ein eigenes Parlament, eigene Briefmarken und eine eigene Flagge. Seit 1921 ist Åland entmilitarisiert.
Was ist die Pommern und kann man sie besichtigen?
Die Pommern ist eine Viermastbark von 1903, die als Frachtsegelschiff um Kap Hoorn segelte. Sie liegt als Museumsschiff im Westerhamn von Mariehamn und kann von Juni bis August täglich besichtigt werden. Der Eintritt kostet 12 Euro für Erwachsene.
Wie komme ich am besten nach Mariehamn?
Am häufigsten per Fähre von Turku (6 Stunden) oder Stockholm (11 Stunden, Nachtfähre). Viking Line und Tallink Silja fahren täglich. Flüge von Helsinki dauern 40 Minuten und kosten ab 50 Euro. Von Turku fährt auch eine Fähre über die Schäreninseln.
Kann man auf Åland gut Radfahren?
Ja, Åland ist ideal für Radtouren. Die Inseln sind flach, die Straßen ruhig, und die Entfernungen kurz. Fahrräder können in Mariehamn ab 15 Euro pro Tag gemietet werden. Die Fähren zwischen den Inseln sind für Radfahrer kostenlos.
Was ist die beste Reisezeit für Mariehamn?
Die beste Zeit ist von Juni bis August, wenn das Wetter warm ist und alle Sehenswürdigkeiten geöffnet haben. Im September lockt das Apfelfest. Mai bietet die Apfelblüte und weniger Touristen. Im Winter ist Mariehamn ruhig, und viele Einrichtungen haben verkürzte Öffnungszeiten.
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Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026