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CopenPay wird dauerhaft: Kopenhagen bezahlt dich fürs Radfahren

CopenPay wird dauerhaft: Kopenhagen bezahlt dich fürs Radfahren

6 Min. Lesezeit

Die meisten Städte, die unter zu vielen Touristen leiden, greifen zur Gebühr. Venedig verlangt Eintritt, Barcelona begrenzt Ferienwohnungen, Amsterdam wirbt aktiv Besuchergruppen ab. Kopenhagen hat es umgekehrt versucht und Leute dafür belohnt, sich anständig zu verhalten. Seit dem 22. Juni 2026 ist aus dem Versuch ein Dauerangebot geworden.

CopenPay heißt das Programm, und es funktioniert ohne App-Abo und ohne Punktekonto. Wer mit dem Zug anreist, Müll sammelt oder das Rad statt des Taxis nimmt, bekommt dafür Gegenleistungen: freie Eintritte, kostenlose Leihräder, Essen. Klingt nach einer PR-Idee, ist inzwischen aber ein Programm mit über 100 Partnern.

Was CopenPay eigentlich ist

Die Grundidee ist simpel: Statt klimafreundliches Verhalten zu predigen, wird es bezahlt. Nicht in Geld, sondern in Erlebnissen. Man weist an der jeweiligen Station nach, dass man etwas getan hat, und bekommt dafür etwas zurück. Der Nachweis ist bewusst niedrigschwellig gehalten, oft reicht das Zugticket oder der eingesammelte Müll in der Hand.

Wonderful Copenhagen, die Tourismusorganisation der Stadt, zählt seit dem Start 2024 über 30.000 Teilnehmende. Mehr als 100 lokale Partner machen mit, darunter Museen, Hotels, Restaurants und Attraktionen. Für eine Stadt in der Größe von Kopenhagen ist das eine ernstzunehmende Beteiligung.

Vom Sommerversuch zum Dauerbetrieb

Angefangen hat CopenPay im Sommer 2024 als Pilot über wenige Wochen. 2025 wurde die Aktion verlängert, seit Juni 2026 läuft sie ganzjährig. Das ist die eigentliche Nachricht, denn damit ist das Programm keine Sommerkampagne mehr, sondern Teil des normalen Betriebs.

Für Reisende ändert das die Planung. Bisher lohnte es sich, die Reise in das Aktionsfenster zu legen. Jetzt gilt das Angebot auch im November, wenn Kopenhagen ohnehin günstiger und leerer ist. Wer die Stadt im Winter besucht, findet in unserem Porträt zu Kopenhagen die Grundlagen.

Was man konkret bekommt

Die Angebote wechseln, das Prinzip bleibt. Diese Beispiele geben einen Eindruck von der Größenordnung:

  • Anreise mit dem Zug statt mit dem Flugzeug: kostenloses Leihrad für einen Tag, teils Rabatte auf Übernachtungen.
  • Müll aus dem Hafenbecken fischen: freier Eintritt in Museen oder eine Kajaktour ohne Gebühr.
  • Mit dem Rad zu einer Attraktion kommen: vergünstigter oder freier Eintritt, an manchen Stationen ein Getränk dazu.
  • Ehrenamtliche Stunde in einem Stadtgarten: Essen aus lokaler Produktion.

Rechnerisch kommt man damit nicht auf eine bezahlte Städtereise. Es sind Aufmerksamkeiten im Wert von zehn bis dreißig Euro, verteilt über mehrere Tage. Wer die Angebote gezielt mitnimmt, spart bei einem viertägigen Aufenthalt vielleicht den Gegenwert eines Museumstickets und eines Abendessens.

Der Haken an der Sache

Ganz frei von Marketing ist das Ganze nicht. Kopenhagen bekommt für ein überschaubares Budget internationale Berichterstattung, und ein Teil der Belohnungen sind Dinge, die die Partner ohnehin gern verschenken, weil sie Laufkundschaft bringen. Die Kritik daran ist nicht unberechtigt.

Trotzdem bleibt ein Unterschied zu den üblichen Nachhaltigkeitsversprechen: Hier passiert tatsächlich etwas Messbares. Wer mit dem Zug kommt, sitzt nicht im Flugzeug, und der Müll aus dem Hafenbecken liegt danach nicht mehr drin. Das ist bescheiden, aber es ist mehr als ein Siegel auf einer Website.

Warum das Modell gerade überall auftaucht

Im Februar 2026 hat Wonderful Copenhagen das Konzept unter dem Namen DestinationPay kostenlos zur Nachnutzung freigegeben. Andere Städte können das Modell übernehmen, ohne Lizenzgebühren zu zahlen. Über 350 Destinationen haben sich seither damit befasst.

Vorbereitet werden eigene Varianten unter anderem in Italien, Frankreich, Japan, Kanada und den USA. In Deutschland sind Berlin und Bremen bereits gestartet. Ob das überall funktioniert, ist offen: Kopenhagen hat den Vorteil, dass die Stadt ohnehin auf das Rad ausgerichtet ist und die Wege kurz sind. In einer flächigen Stadt ohne Radinfrastruktur läuft dieselbe Idee ins Leere.

Fazit

CopenPay ist kein Grund, nach Kopenhagen zu fahren, aber ein guter Grund, die Reise etwas anders zu planen. Zug statt Flug, Rad statt Taxi, und dann die Stationen mitnehmen, die auf dem Weg liegen. Die aktuellen Angebote stehen bei Wonderful Copenhagen und wechseln saisonal, ein Blick vor der Abreise lohnt.

Interessanter als der Rabatt ist ohnehin, dass eine Stadt beim Thema Überfüllung einmal nicht mit Verboten arbeitet. Ob das auf Dauer trägt, wird man in ein paar Jahren sehen. Dass 350 andere Destinationen zugesehen haben, spricht erst einmal dafür.

Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.