Wildlife & Tierwelt in Skandinavien
Inhaltsverzeichnis
- 1 Skandinaviens Tierwelt: ein Überblick
- 2 Elche: wo und wann man sie sieht
- 3 Rentiere: von Lappland bis Island
- 4 Wale und Meerestiere beobachten
- 5 Braunbären: Beobachtung in Finnland und Schweden
- 6 Seeadler und Seevögel
- 7 Weitere Tiere und beste Reisezeit
- 8 Häufige Fragen zur Tierwelt in Skandinavien
Skandinavien gehört zu den letzten Regionen Europas, in denen große Wildtiere noch in nennenswerten Populationen leben. In Schweden streifen rund 300.000 Elche durch die Wälder. Finnland hat etwa 2.000 Braunbären und ist einer der besten Orte weltweit für Bärenbeobachtung. Vor der Küste Norwegens ziehen Buckelwale und Orcas entlang, und auf Islands Klippen nisten Millionen von Papageientauchern.
Was die Tierbeobachtung im Norden besonders macht: die geringe Bevölkerungsdichte. Schweden hat 25 Einwohner pro Quadratkilometer, Norwegen 15 und Finnland 18. Zum Vergleich: Deutschland kommt auf 237. Das bedeutet weite, ungestörte Lebensräume und gute Chancen, Tiere in natürlicher Umgebung zu sehen, ohne dass hunderte andere Beobachter daneben stehen.
Skandinaviens Tierwelt: ein Überblick
Die skandinavische Tierwelt wird von den borealen Nadelwäldern im Süden und der arktischen Tundra im Norden geprägt. In den Wäldern leben Elche, Braunbären, Wölfe, Luchse und Vielfraße. Die offene Tundra und die Fjälls sind das Revier der Rentiere und Polarfüchse. In den Küstengewässern tummeln sich Robben, Wale und unzählige Seevögelarten.
Schweden hat die größte Vielfalt an großen Landtieren: rund 300.000 Elche, 2.800 Braunbären, 1.400 Luchse, 400 Wölfe und 650 Vielfraße. Norwegens Stärke liegt in der marinen Tierwelt mit Walen, Seeadlern und Papageientauchern. Finnland ist für Bärenbeobachtung und das Saimaa-Ringelrobben-Schutzgebiet bekannt. Island hat keine landlebenden Säugetiere außer dem Polarfuchs und eingeführten Rentieren, dafür eine der dichtesten Seevogelpopulationen der Welt.
Dänemark hat wegen seiner intensiven Landwirtschaft weniger Großwild, dafür aber Seehundkolonien im Wattenmeer und auf den Sandbänken vor der Westküste. Im Lille Vildmose in Nordjütland wurden 2003 Elche wiederangesiedelt.
Elche: wo und wann man sie sieht
Der Elch ist das Wappentier Skandinaviens und gleichzeitig das Tier, nach dem die meisten Besucher Ausschau halten. In Schweden leben geschätzt 300.000 bis 400.000 Elche, in Norwegen rund 120.000 und in Finnland etwa 100.000. Die Tiere sind Einzelgänger und bevorzugen lichte Wälder mit Birken und Weiden. Ein ausgewachsener Elchbulle wiegt zwischen 400 und 700 Kilogramm und hat eine Schulterhöhe von bis zu 2,30 Metern.
Die besten Regionen für Elchbeobachtung in Schweden sind Småland (rund um Vimmerby), Bergslagen in Mittelschweden und die Provinz Hälsingland. Organisierte Elch-Safaris gibt es in allen drei Gebieten, die Erfolgsquote liegt bei über 90 Prozent. Die Safaris starten meist in der Abenddämmerung, wenn die Elche zum Fressen herauskommen. In Norwegen ist das Namdalen-Tal in Trøndelag bekannt für hohe Elchdichten.
Die beste Zeit für Elchbeobachtung ist Mai bis September. Im Mai und Juni haben die Kühe Kälber. Im September und Oktober ist Brunftzeit, und die Bullen sind aktiver. Bei Begegnungen mindestens 30 Meter Abstand halten, besonders bei Kühen mit Kälbern.
Rentiere: von Lappland bis Island
In Lappland gehören Rentiere zum Straßenbild. In Finnlands nördlichster Provinz leben etwa 200.000 halbdomestizierte Rentiere, die von samischen und finnischen Rentierhirten betreut werden. In Schweden gibt es rund 250.000 Rentiere, die überwiegend von der samischen Bevölkerung gehalten werden. Norwegens Finnmark hat die größte Rentierpopulation des Landes mit über 100.000 Tieren.
Wilde Rentiere gibt es auf der Hardangervidda in Norwegen (rund 7.000 Tiere) und auf Island, wo in den 1780er Jahren norwegische Rentiere eingeführt wurden. Die isländischen Rentiere leben wild im Osten des Landes, vor allem rund um Egilsstaðir. Die Population umfasst etwa 7.000 Tiere.
Für ein kulturell eingebettetes Erlebnis bieten samische Rentierhirten geführte Besuche an, bei denen man die Tiere füttern und mehr über die samische Rentierkultur erfahren kann. Anbieter gibt es in Jokkmokk und Kautokeino. Im September und Oktober findet der traditionelle Zusammentrieb statt.
Wale und Meerestiere beobachten
Norwegen ist das beste Land in Skandinavien für Walbeobachtung. Die zwei wichtigsten Gebiete sind die Vesterålen (vor allem Andøya) im Sommer und der Kvalsund bei Tromsø im Winter. Von Andenes auf Andøya starten ganzjährig Walbeobachtungstouren, wobei die Sichtungsrate für Pottwale bei über 95 Prozent liegt. Die Meerestiefe fällt direkt vor der Küste auf 1.000 Meter ab, was die Nahrungsbedingungen für die Wale ausgezeichnet macht.
Im Winter, von November bis Januar, ziehen Orcas und Buckelwale den Heringsschwärmen in die Fjorde bei Tromsø und Skjervøy nach. Anbieter bieten Bootstouren und Schnorchel-Erlebnisse mit Orcas an, allerdings reguliert die norwegische Regierung diese Aktivitäten zunehmend.
Island ist ebenfalls sehr gut für Walbeobachtung. Von Húsavík im Norden starten Touren zu Buckelwalen und gelegentlich Blauwalen. Die Sichtungsrate liegt im Sommer bei über 98 Prozent. Die Kosten liegen zwischen 80 und 120 Euro pro Person für eine dreistündige Tour. An der Küste Norwegens und Schwedens leben außerdem Kegelrobben und Seehunde. Die Saimaa-Ringelrobbe in Finnland ist eine der seltensten Robbenarten der Welt mit nur rund 430 Tieren.
Braunbären: Beobachtung in Finnland und Schweden
Finnland ist der beste Ort in Europa für Braunbärenbeobachtung. In der Region Kainuu an der russischen Grenze betreiben mehrere Anbieter Beobachtungshütten, in denen Gäste über Nacht bleiben und auf Bären warten. Die Erfolgsquote liegt im Juni und Juli bei über 95 Prozent. Die Anbieter Articmedia und Wild Brown Bear bei Kuhmo sind die bekanntesten. Die Hütten sind mit großen Fenstern und Fotoöffnungen ausgestattet. Eine Nacht kostet 200 bis 350 Euro pro Person, inklusive Abendessen und Frühstück.
In Schweden leben rund 2.800 Braunbären, vor allem in den Provinzen Dalarna und Gävleborg. Die Tiere sind scheuer als in Finnland und werden seltener gesichtet. Organisierte Bärenbeobachtung gibt es bei Orsa Grönklitt in Dalarna, wo neben dem Bärenpark auch geführte Touren in die umliegenden Wälder angeboten werden. Die Wahrscheinlichkeit, einen wilden Bären zu sehen, ist in Schweden allerdings deutlich geringer als in Finnland.
Seeadler und Seevögel
Der Seeadler ist Europas größter Greifvogel mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,40 Metern. Norwegens Küste beherbergt die größte Seeadlerpopulation Europas, mit Schwerpunkt auf den Lofoten und in der Region Helgeland. Seeadler-Safaris starten ab Svolvær auf den Lofoten und kosten 90 bis 130 Euro. Die Boote fahren in die Trollfjorde, wo die Adler auf Fisch lauern. Die Sichtungsquote liegt bei nahezu 100 Prozent.
Papageientaucher nisten auf Islands Westmänner-Inseln (die weltweit größte Kolonie), auf Runde in Norwegen und auf den Färöer-Inseln. Die Brutzeit dauert von Mitte Mai bis Anfang August. Auf den Westmänner-Inseln kann man die Vögel von den Klippen aus beobachten, ohne Eintritt zu zahlen. In Norwegen gibt es auf Runde markierte Wanderwege zu den Kolonien.
Kraniche sind in Schweden ein Frühlingsbote. Am Hornborgasjön in Västergötland versammeln sich jeden April bis zu 20.000 Kraniche auf dem Weg in ihre Brutgebiete. Das Schauspiel dauert etwa drei Wochen und lässt sich von mehreren Beobachtungsplattformen aus verfolgen. Der Eintritt ist frei.
Weitere Tiere und beste Reisezeit
Moschusochsen sind in Norwegen im Dovrefjell-Nationalpark beheimatet. Die Tiere wurden 1947 aus Grönland eingeführt und die Population umfasst heute rund 300 Tiere. Geführte Safaris starten von Kongsvold und dauern 4 bis 6 Stunden. Die Erfolgsquote liegt bei über 90 Prozent. Mindestabstand zu den Tieren: 200 Meter.
Polarfüchse sind auf Island die einzigen einheimischen Landsäugetiere. Im Hornstrandir-Naturreservat in den Westfjorden sind sie an Menschen gewöhnt und kommen auf wenige Meter heran. In Skandinavien sind Polarfüchse vom Aussterben bedroht. Schätzungen gehen von weniger als 200 Tieren in Schweden und Norwegen aus.
Die beste Jahreszeit für Wildlife-Beobachtung hängt vom Tier ab. Für Elche und Bären: Juni bis September. Für Wale in Norwegen (Orcas): November bis Januar. Für Pottwale: ganzjährig, am besten Mai bis September. Für Papageientaucher: Mitte Mai bis Anfang August. Für Rentiere: ganzjährig, Zusammentrieb im September. Für Moschusochsen: Juni bis September.
Eine gute Grundausrüstung für die Tierbeobachtung umfasst ein Fernglas (mindestens 8x42), wetterfeste Kleidung, festes Schuhwerk und Geduld. Für Fotografie ist ein Teleobjektiv mit mindestens 200 mm Brennweite empfehlenswert. Bei allen Tierbeobachtungen gilt: Abstand halten, keinen Lärm machen und niemals Wildtiere füttern.
Häufige Fragen zur Tierwelt in Skandinavien
Ist es gefährlich, in Skandinavien Wildtieren zu begegnen?
Braunbären in Skandinavien meiden Menschen und Angriffe sind extrem selten. Elchkühe mit Kälbern können aggressiv werden, wenn man zu nah kommt. Moschusochsen im Dovrefjell greifen an, wenn man den Mindestabstand von 200 Metern unterschreitet. Generell gilt: Abstand halten und ruhig verhalten. Wölfe stellen keine Gefahr für Menschen dar.
Braucht man geführte Touren für die Tierbeobachtung?
Für Wale braucht man ein Boot mit erfahrenem Kapitän. Für Bären in Finnland sind die Beobachtungshütten nur mit Buchung zugänglich. Für Elche und Rentiere kommt man auch ohne Guide aus, wenn man die richtigen Orte und Zeiten kennt. Geführte Touren erhöhen aber die Erfolgsquote deutlich.
Kann man in Skandinavien Wölfe sehen?
Schweden hat rund 400 Wölfe, vor allem in den Provinzen Dalarna und Värmland. Wölfe sind extrem scheu und werden in freier Natur fast nie gesichtet. Einige Anbieter in Schweden bieten "Wolf Tracking" an, bei dem man Spuren und Losungen sucht, aber die Chance, einen Wolf tatsächlich zu sehen, liegt unter 5 Prozent.
Was kostet eine Wildlife-Safari in Skandinavien?
Elch-Safari in Schweden: 40 bis 80 Euro pro Person (Abendtour, 3 bis 4 Stunden). Bärenbeobachtung in Finnland: 200 bis 350 Euro (Übernachtung in der Hütte inklusive Verpflegung). Walbeobachtung ab Andenes oder Húsavík: 80 bis 120 Euro. Moschusochsen-Safari in Dovrefjell: 50 bis 70 Euro. Seeadler-Safari auf den Lofoten: 90 bis 130 Euro.
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.