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Whale Watching in Skandinavien
Buckelwale, Orcas und Pottwale in Norwegen und Island beobachten

Whale Watching in Skandinavien

12 Min. Lesezeit

Das erste Mal, wenn ein Buckelwal 20 Meter neben dem Boot auftaucht, seinen Rücken aus dem Wasser schiebt und dann die Fluke hebt, bleibt dir der Atem weg. Das zweite Mal auch. Skandinavien gehört zu den besten Regionen der Welt für Walbeobachtung, weil die Tiere hier nicht vereinzelt auftauchen, sondern in Gruppen. Vor der Küste Nordnorwegens jagen Orcas Heringsschwärme in den Fjorden. Vor Húsavík in Island tauchen Buckelwale so zuverlässig auf, dass die Sichtungsrate bei über 95 Prozent liegt.

Ich war zweimal zum Whale Watching in Island und einmal in Norwegen. Beide Erlebnisse waren vollkommen unterschiedlich. In Island sah ich Buckelwale, die sich langsam durch die Bucht bewegten, ab und zu bliesen und nach 10 Minuten wieder abtauchten. In Norwegen erlebte ich eine Gruppe Orcas, die einen Heringsschwarm in einem Fjord zusammentrieben, und das war so laut und wild, dass mir erst hinterher klar wurde, was ich da gesehen hatte.

Wale in Skandinavien

Die Gewässer um Skandinavien beherbergen über 20 Walarten. Die meisten davon leben das ganze Jahr über in der Norwegischen See, im Nordatlantik oder wandern saisonal durch die Region. Die Gründe dafür sind einfach: nährstoffreiches Wasser, riesige Fischschwärme und wenig Schiffsverkehr in den nördlichen Gebieten.

Die häufigsten Arten für Walbeobachter sind Buckelwale, Orcas (Schwertwale), Zwergwale und Pottwale. Seltener, aber möglich sind Blauwale, Finnwale und Grindwale. Die Sichtungswahrscheinlichkeit hängt stark von Ort und Jahreszeit ab. In Húsavík (Island) liegt sie im Sommer bei über 95 Prozent für Buckelwale. In Tromsø (Norwegen) werden im Winter auf etwa 90 Prozent der Touren Orcas gesichtet.

Buckelwal taucht neben einem Walbeobachtungsboot in skandinavischen Gewässern auf
Buckelwal beim Auftauchen: Die Fluke (Schwanzflosse) ist bei jedem Tier anders gezeichnet. (KI-generiert)

Ein wichtiger Unterschied zu Whale Watching in wärmeren Regionen: In Skandinavien ist es kalt. Selbst im Sommer liegen die Temperaturen auf dem Wasser bei 5 bis 12 Grad. Im Winter in Nordnorwegen bei minus 5 bis plus 3 Grad. Warme Kleidung, wind- und wasserdichte Außenschicht und Mütze sind Pflicht, egal in welchem Monat. Die Touren dauern zwei bis vier Stunden, und in dieser Zeit stehst du draußen an Deck. Seekrankheit ist auf Touren in Fjorden selten, auf offener See (z. B. vor Andøya) kann die Dünung allerdings heftig sein.

Island: Húsavík und das Walparadies

Island ist das bekannteste Ziel für Walbeobachtung in Skandinavien. Die Insel liegt am Rand des Nordatlantiks, wo warme und kalte Meeresströmungen aufeinandertreffen. Das erzeugt nährstoffreiches Wasser, das Plankton und Fische anzieht, die wiederum die Wale anlocken.

Húsavík im Norden ist der beste Ort für Whale Watching in Island. Die kleine Stadt an der Skjálfandi-Bucht nennt sich selbst "Walhauptstadt Europas" und der Anspruch ist berechtigt. Zwischen April und Oktober werden hier auf über 95 Prozent der Touren Wale gesichtet, meist Buckelwale und Zwergwale. Im Juni und Juli kommen Blauwale in die Bucht, die größten Tiere der Erde. Die Touren starten im Hafen und dauern drei bis dreieinhalb Stunden. Preise: ab 11.000 ISK (73 Euro) für Erwachsene, Kinder oft zum halben Preis.

In Reykjavík starten Walbeobachtungstouren direkt vom alten Hafen. Die Faxaflói-Bucht beherbergt Zwergwale, Buckelwale und Weißschnauzendelfine. Die Sichtungsrate liegt bei etwa 80 Prozent im Sommer. Die Touren dauern zweieinhalb bis drei Stunden und kosten ab 12.000 ISK (80 Euro). Der Vorteil von Reykjavík: Du brauchst keine zusätzliche Anreise, weil die Boote mitten in der Stadt ablegen.

Walbeobachtungsboot in der Bucht von Húsavík mit Bergkulisse im Hintergrund
Húsavík: Die Skjálfandi-Bucht hat eine Sichtungsrate von über 95 Prozent im Sommer. (KI-generiert)

Weitere gute Orte in Island: Akureyri (Eyjafjörður, Buckelwale von April bis November), Dalvík (nördlich von Akureyri, kleinere Boote, intimere Erfahrung) und Ólafsvík auf der Halbinsel Snæfellsnes (Orcas im Winter, Pottwale im Sommer). Das Húsavík Whale Museum (Hvalasafnið) lohnt einen Besuch vor der Tour. Es zeigt komplette Walskelette und erklärt die Biologie der Arten, die du auf dem Wasser sehen wirst.

Norwegen: Orcas, Pottwale und Buckelwale

Norwegen bietet eine Walbeobachtung, die es sonst nirgends in Europa gibt: Orcas in den Fjorden. Jeden Winter (November bis Januar) folgen Hunderte Orcas den Heringsschwärmen in die Fjorde um Tromsø und die Vesterålen. Die Tiere jagen in koordinierten Gruppen und treiben den Hering an die Oberfläche, wo auch Buckelwale und Finnwale davon profitieren.

Die Orca-Saison in Tromsø läuft von November bis Januar. Die Touren starten morgens (es ist Polarnacht, also gibt es nur wenige Stunden Dämmerungslicht) und dauern sechs bis acht Stunden, weil die Boote zu den Fjorden fahren müssen, in denen sich der Hering gerade aufhält. Die Preise liegen bei 1.500 bis 2.500 NOK (130 bis 215 Euro) pro Person. Die Sichtungsrate liegt bei etwa 90 Prozent, aber die Heringsbestände wandern, und es gibt Jahre, in denen die Wale in andere Fjorde ziehen. 2023 und 2024 waren die Fjorde um Skjervøy (nördlich von Tromsø) die besten Spots.

Auf Andøya in den Vesterålen kannst du das ganze Jahr Pottwale beobachten. Die Tiefseerinne Bleikdjupet liegt nur 14 Kilometer vor der Küste und ist bis zu 1.000 Meter tief, was die Pottwale anzieht. Die Sichtungsrate für Pottwale liegt bei über 90 Prozent. Die Touren starten in Andenes und dauern drei bis vier Stunden. Preis: ab 1.100 NOK (95 Euro) für Erwachsene. Im Sommer kommen Buckelwale und Finnwale hinzu.

An der Küste zwischen Bergen und Ålesund werden im Sommer gelegentlich Zwergwale und Grindwale gesichtet, organisierte Touren gibt es dort aber kaum. Wer mit dem Hurtigruten-Postschiff unterwegs ist, hat auf der Strecke zwischen Tromsø und Hammerfest gute Chancen, vom Deck aus Wale zu sehen, besonders im Winter.

Dänemark und Finnland

Dänemark, Schweden und Finnland sind keine klassischen Whale-Watching-Ziele, aber Walsichtungen sind möglich. In der Nordsee vor Dänemark (besonders vor der Westküste Jütlands) werden gelegentlich Schweinswale gesichtet. Das sind die kleinsten Wale Europas (1,5 bis 1,8 Meter) und sehr scheu. Organisierte Touren gibt es nicht, aber Fischer in Hirtshals und Hanstholm berichten regelmäßig von Sichtungen.

In der Ostsee vor Schweden und Finnland leben kleine Populationen von Schweinswalen. Die Bestände sind allerdings so niedrig (weniger als 500 Tiere in der zentralen Ostsee), dass gezielte Beobachtung nicht realistisch ist. An der schwedischen Westküste (Bohuslän) tauchen im Sommer gelegentlich Zwergwale auf, aber die Sichtungen sind zufällig und nicht vorhersehbar.

Wer Wale in Skandinavien zuverlässig sehen will, kommt um Norwegen und Island nicht herum. Die Anreise lohnt sich: Ein Flug nach Húsavík (über Akureyri) oder nach Tromsø dauert von Deutschland aus einen halben Tag, und die Wahrscheinlichkeit einer Sichtung ist in beiden Orten so hoch, dass eine leere Rückfahrt die absolute Ausnahme ist.

Die wichtigsten Walarten

Buckelwal (Megaptera novaeangliae): 12 bis 16 Meter lang, bis 30 Tonnen schwer. Erkennbar an den langen weißen Brustflossen und der typischen Fluke beim Abtauchen. Buckelwale sind neugierig und kommen oft nah an Boote heran. Sie springen gelegentlich komplett aus dem Wasser (Breaching). Am häufigsten in Island (Húsavík, April bis Oktober) und Nordnorwegen (Oktober bis Januar).

Orcas schwimmen in einer Gruppe durch einen norwegischen Fjord
Orcas im norwegischen Fjord: Die Tiere jagen Hering in koordinierten Gruppen. (KI-generiert)

Orca (Orcinus orca): 6 bis 9 Meter lang, bis 6 Tonnen schwer. Die schwarz-weißen Schwertwale sind die schnellsten unter den Walen (bis 55 km/h). In Norwegen jagen sie Hering in den Fjorden, in Island werden sie vor der Westküste und um Snæfellsnes gesichtet. Die beste Saison in Norwegen ist November bis Januar.

Pottwal (Physeter macrocephalus): 15 bis 20 Meter lang, bis 57 Tonnen schwer. Der größte Zahnwal der Welt taucht bis 2.000 Meter tief und kann 90 Minuten unter Wasser bleiben. In Norwegen ganzjährig vor Andøya zu sehen. Erkennbar am kastenförmigen Kopf und dem schrägen Blas nach links vorn.

Zwergwal (Balaenoptera acutorostrata): 7 bis 10 Meter lang, bis 10 Tonnen schwer. Der kleinste Bartenwal ist schnell und zeigt selten die Fluke. Häufig in Island und der norwegischen Küste, meist einzeln oder in kleinen Gruppen unterwegs. Die beste Zeit ist Mai bis September.

Beste Saison und Sichtungschancen

Die beste Zeit hängt von der gewünschten Walart ab. Für Buckelwale in Island: Juni bis September. Für Orcas in Norwegen: November bis Januar. Für Pottwale bei Andøya: ganzjährig, aber am besten Mai bis September. Für Blauwale in Island: Juni und Juli (selten, aber möglich in Húsavík und im Eyjafjörður).

Die Sichtungsraten im Überblick: Húsavík (Island) im Sommer: über 95 Prozent für Buckelwale. Reykjavík im Sommer: etwa 80 Prozent. Tromsø (Norwegen) im Winter: etwa 90 Prozent für Orcas. Andøya ganzjährig: über 90 Prozent für Pottwale. Die meisten Anbieter bieten eine kostenlose Zweittour an, falls auf der ersten Tour keine Wale gesichtet werden.

Wer die besten Chancen auf viele verschiedene Arten haben will, sollte im Juni oder Juli nach Húsavík fahren. In diesem Zeitfenster sind Buckelwale und mit etwas Glück Blauwale in der Bucht. Die Touren haben dann auch die längsten Tage (Mitternachtssonne), sodass die Sichtverhältnisse optimal sind.

Praktische Tipps für Walbeobachtung

Kleidung: Mehrere Schichten, wind- und wasserdichte Außenjacke, warme Mütze und Handschuhe Schuhe. Auf dem Wasser ist es immer kälter als an Land, auch im Sommer. Viele Anbieter in Island verleihen warme Overalls, in Norwegen ist das weniger üblich. Sonnenbrille mit Polarisationsfilter hilft, die Wale im Gegenlicht zu erkennen.

Seekrankheit: In Fjorden und geschützten Buchten (Húsavík, Tromsø) ist die See meist ruhig. Auf offener See (Andøya, Reykjavík bei Westwind) kann die Dünung stark sein. Reisetabletten (Vomex oder vergleichbar) eine Stunde vor der Tour nehmen. An Deck bleiben und den Horizont fixieren hilft. Ein leerer Magen verschlimmert die Seekrankheit, ein voller auch. Leichtes Frühstück ist am besten.

Fotografieren: Ein Teleobjektiv (70 bis 200 Millimeter) reicht aus, weil die Wale oft nah an die Boote kommen. Wichtiger als Brennweite ist eine kurze Verschlusszeit (1/1000 Sekunde oder schneller), weil das Boot schwankt. Smartphones schaffen brauchbare Fotos nur bei großen Walen in unmittelbarer Nähe. Wasserdichte Hülle für die Kamera mitnehmen, Spritzwasser ist auf dem Boot normal.

Buchung: In der Hochsaison (Juli/August in Island, Dezember in Tromsø) mindestens zwei Wochen vorher buchen. Die Touren sind oft ausverkauft. In der Nebensaison reicht eine Buchung am Vortag. Immer einen Ersatztag einplanen, falls die Tour wegen Sturm ausfällt. Die meisten Anbieter bieten dann einen kostenlosen Alternativtermin oder volle Erstattung an.

Häufig gestellte Fragen

Wo ist die Wahrscheinlichkeit am höchsten, Wale zu sehen?

Húsavík in Island hat mit über 95 Prozent die höchste Sichtungsrate in Skandinavien (Sommer, Buckelwale). Andøya in Norwegen folgt mit über 90 Prozent für Pottwale (ganzjährig). Tromsø liegt bei etwa 90 Prozent für Orcas im Winter (November bis Januar). In Reykjavík sind es etwa 80 Prozent im Sommer. Die günstigste Wahl ist Reykjavík, die verlässlichste Húsavík.

Ist Whale Watching auch mit Kindern geeignet?

Ja, die meisten Anbieter nehmen Kinder ab 5 oder 6 Jahren mit. In Húsavík fahren auch Holzsegelboote (Schooner), die stabiler im Wasser liegen und weniger schaukeln als Schnellboote. Kinder bekommen bei vielen Anbietern Ermäßigung (50 Prozent oder kostenlos unter einem bestimmten Alter). Gegen Seekrankheit bei Kindern hilft Ingwer oder ein Akupressur-Armband. Die Touren in Fjorden (Tromsø, Akureyri) sind ruhiger als auf offener See.

Was kostet eine Whale-Watching-Tour in Skandinavien?

In Island liegen die Preise bei 11.000 bis 16.000 ISK (73 bis 106 Euro) pro Person für eine dreistündige Tour. In Norwegen bei Andøya ab 1.100 NOK (95 Euro), in Tromsø ab 1.500 NOK (130 Euro) für die längeren Orca-Touren. Spezielle RIB-Boot-Touren (Schlauchboote und näher an den Walen) kosten 30 bis 50 Prozent mehr. Die meisten Anbieter bieten eine kostenlose Zweittour an, falls keine Wale gesichtet werden.

Kann man in Skandinavien mit Walen schwimmen?

In Norwegen bieten einige Anbieter Schnorchel-Touren mit Orcas an (Tromsø, November bis Januar). Du springst mit Neoprenanzug und Schnorchel ins Wasser, wenn die Wale in der Nähe sind. Die Wassertemperatur liegt bei 4 bis 6 Grad, ein dicker Neoprenanzug (7 Millimeter) ist Pflicht. Die Touren kosten ab 3.000 NOK (260 Euro) und sind nur für geübte Schwimmer geeignet. In Island ist das Schwimmen mit Walen nicht üblich und wird von den Anbietern nicht angeboten.

Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026