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Skandinavische Weihnachtsrezepte
Kochen wie im Norden

Skandinavische Weihnachtsrezepte

13 Min. Lesezeit

Weihnachten in Skandinavien dreht sich um Essen. Mehr als in Deutschland, mehr als in den meisten europäischen Ländern. In Schweden wird das Julbord über Wochen geplant, in Dänemark wird um die perfekte Risalamande gestritten, und in Norwegen gibt es tatsächlich eine landesweite Debatte darüber, ob man an Heiligabend Ribbe (Schweinerippe) oder Pinnekjøtt (getrocknete Lammrippen) isst. Jede Familie hat ihre eigene Tradition, und Abweichungen vom Rezept der Großmutter werden nicht ohne Weiteres akzeptiert.

Die gute Nachricht: Viele der skandinavischen Weihnachtsrezepte lassen sich zu Hause nachkochen. Die Zutaten sind größtenteils in deutschen Supermärkten erhältlich, die Zubereitungen oft einfacher als erwartet. Was fehlt, ist die Stimmung: draußen minus 15 Grad, drinnen Kerzen und der Geruch von Glögg. Aber das Essen schmeckt auch bei plus 5 Grad und Nieselregen.

Weihnachten schmeckt im Norden anders

Die skandinavische Weihnachtsküche hat andere Schwerpunkte als die deutsche. Während in Deutschland Karpfen, Kartoffelsalat oder Gänsebraten auf den Tisch kommen, dominieren im Norden Schweinefleisch, Stockfisch, eingelegter Hering, Reisbrei und eine erstaunliche Vielfalt an Gebäck. Das Weihnachtsessen ist in Skandinavien keine einzelne Mahlzeit, sondern ein Buffet (in Schweden: Julbord), an dem man sich über Stunden bedient.

Schwedisches Julbord mit Hering, Lachs, Köttbullar und Schinken
Das schwedische Julbord: ein Weihnachtsbuffet mit dutzenden Komponenten (KI-generiert)

Ein gemeinsames Element aller skandinavischen Weihnachten: der Reisbrei in verschiedenen Formen. In Schweden heißt er Risgrynsgröt und wird am Heiligabendmorgen gegessen, in Dänemark wird aus dem Reisbrei die berühmte Risalamande als Dessert gemacht, und in Finnland ist Riisipuuro das traditionelle Weihnachtsfrühstück. In den Brei wird eine Mandel versteckt. Wer sie findet, bekommt ein Geschenk oder hat laut Tradition im nächsten Jahr Glück in der Liebe.

Gewürze spielen eine zentrale Rolle. Zimt und Kardamom tauchen in der skandinavischen Weihnachtsbäckerei immer wieder auf. Besonders Kardamom ist in Skandinavien viel präsenter als in der deutschen Küche. Ein schwedisches Weihnachtsgebäck ohne Kardamom wäre wie ein deutscher Stollen ohne Rosinen: technisch möglich, aber falsch.

Schweden: Julbord und Pepparkakor

Das Julbord ist die Krönung der schwedischen Weihnachtsküche. Es wird am 24. Dezember aufgebaut und besteht aus drei Gängen, die nacheinander gegessen werden. Erster Gang: kalte Fischgerichte. Sill (eingelegter Hering) in mindestens drei Varianten (Senf, Curry, Zwiebel), Gravlax, Räucherlachs, geräucherter Aal. Zweiter Gang: warme Gerichte. Julskinka (Weihnachtsschinken), Köttbullar, Prinskorv (kleine Würstchen), Janssons Frestelse (Kartoffelgratin mit Anchovis). Dritter Gang: Käse und Dessert.

Janssons Frestelse (Janssons Versuchung) ist das heimliche Highlight des Julbords. Man braucht: 1 Kilo Kartoffeln (in Streifen geschnitten), 2 große Zwiebeln (in Ringen), 2 Dosen Anchovis-Filets (schwedische Anchovis, gesüßt, nicht die italienische Variante), 400 Milliliter Sahne, 100 Gramm Butter, Semmelbrösel. Kartoffeln und Zwiebeln schichten, Anchovis dazwischen verteilen, Sahne darüber gießen und Semmelbrösel obenauf. Bei 200 Grad 45 Minuten backen, bis die Oberfläche golden ist.

Pepparkakor (Pfefferkuchen) sind dünne, knusprige Ingwer-Plätzchen. Für den Teig: 300 Gramm Mehl, 150 Gramm Zucker, 150 Gramm Butter, 100 Milliliter Sirup, 1 Ei, 2 Teelöffel Ingwerpulver, 1 Teelöffel Zimt, 1 Teelöffel Nelkenpulver, 1 Teelöffel Natron. Teig über Nacht kühlen, sehr dünn ausrollen (2 Millimeter), bei 200 Grad 5 bis 7 Minuten backen. In Schweden isst man Pepparkakor mit Blauschimmelkäse. Das klingt seltsam, funktioniert aber sehr gut.

Glögg ist die schwedische Variante des Glühweins, aber gewürzter und stärker. Rotwein wird mit Kardamom und Nelken erhitzt (nicht kochen!). Dazu kommen Rosinen und geschälte Mandeln direkt in die Tasse. Viele Schweden mischen noch einen Schuss Aquavit oder Vodka dazu. Alkoholfreier Glögg auf Saftbasis ist in Schweden ebenso verbreitet wie die alkoholische Version.

Dänemark: Risalamande und Æbleskiver

Das dänische Weihnachtsessen am 24. Dezember folgt einem festen Ablauf. Hauptgang ist Flæskesteg: Schweinebraten mit knuspriger Schwarte. Das Geheimnis der Schwarte: Die Haut wird alle 2 Zentimeter eingeritzt, reichlich mit Salz eingerieben und bei hoher Temperatur (220 Grad) gegart, bis die Schwarte aufpoppt und knuspert. Dazu gibt es braune Soße und Rotkohl Kartoffeln (Brunede Kartofler). Die karamellisierten Kartoffeln werden in einer Pfanne mit geschmolzenem Zucker und Butter geschwenkt, bis sie goldbraun glänzen.

Dänische Risalamande mit Kirschsoße in einer weißen Schüssel
Risalamande: das dänische Weihnachtsdessert mit der versteckten Mandel (KI-generiert)

Risalamande ist das berühmteste dänische Weihnachtsdessert. Man braucht: 200 Gramm Rundkornreis, 1 Liter Milch, 1 Vanilleschote, 500 Milliliter Schlagsahne, 100 Gramm gehackte Mandeln, eine ganze geschälte Mandel, 4 Esslöffel Zucker. Den Reis in Milch mit der Vanilleschote weich kochen (ca. 40 Minuten). Abkühlen lassen. Sahne steif schlagen und Zucker unterheben, eine ganze Mandel verstecken. Kalt servieren mit warmer Kirschsoße. Wer die ganze Mandel findet, bekommt das Mandelgeschenk, traditionell ein Marzipanschwein.

Æbleskiver sind runde Krapfen, die in einer speziellen gusseisernen Pfanne mit halbkugelförmigen Vertiefungen gebacken werden. Teig aus Mehl und Buttermilch wird in die Vertiefungen gefüllt und mit zwei Stricknadeln gedreht, bis die Kugeln gleichmäßig gebräunt sind. Man isst sie mit Puderzucker und Erdbeermarmelade. In Dänemark gehören Æbleskiver zur Adventszeit wie Stollen in Deutschland. Die Pfanne (Æbleskivepande) gibt es in Skandinavien-Läden oder online für 20 bis 40 Euro.

Norwegen: Ribbe und Krumkaker

In Norwegen gibt es eine Ost-West-Spaltung beim Weihnachtsessen. Der Westen und Süden isst Ribbe (Schweinerippe mit Schwarte), der Norden und Westen Pinnekjøtt (getrocknete und gesalzene Lammrippen). Pinnekjøtt wird über Birkenzweigen gedämpft, bis das Fleisch vom Knochen fällt. Dazu gibt es Kartoffelpüree und Steckrübe. Ein drittes Weihnachtsessen, das etwa 20 Prozent der Norweger bevorzugen: Lutefisk (laugenbehandelter Stockfisch), serviert mit Speck und Erbsenpüree.

Krumkaker sind dünne, knusprige Waffeln, die auf einem speziellen Krumkaker-Eisen gebacken und sofort nach dem Backen zu einer Tüte gerollt werden. Der Teig besteht aus 3 Eiern, 150 Gramm Zucker, 150 Gramm geschmolzener Butter, 150 Gramm Mehl, 100 Milliliter Sahne und Kardamom. Man braucht ein Krumkaker-Eisen, das man auf eine Herdplatte stellt oder elektrisch betreibt. Die Waffeln werden mit Schlagsahne und Beerenmarmelade gefüllt.

Zum norwegischen Weihnachtsgebäck gehören außerdem Syv slag (sieben Sorten). Die Tradition verlangt, dass zu Weihnachten sieben verschiedene Kekssorten gebacken werden. Typische Sorten: Krumkaker, Sandkaker (Sandgebäck), Berlinerkranser (Butterkringel mit Hagelzucker), Fattigmann (frittiertes Mürbteiggebäck), Goro (Waffelgebäck), Sirupssnipper (Sirupsplätzchen) und Pepperkaker (Pfefferkuchen). In vielen norwegischen Familien beginnt das Backen Anfang Dezember und erstreckt sich über mehrere Wochenenden.

Finnland: Joulutorttu und Glögi

Das finnische Weihnachtsessen heißt Joulupöytä und ähnelt dem schwedischen Julbord. Im Mittelpunkt steht der Weihnachtsschinken (Joulukinkku), der über Stunden im Ofen langsam gegart wird. Dazu kommen drei verschiedene Laatikkos (Aufläufe): Lanttulaatikko (Steckrübenauflauf), Porkkanalaatikko (Karottenauflauf) und Perunalaatikko (Kartoffelauflauf). Die Aufläufe werden mit Sahne und Gewürzen zubereitet und im Ofen goldbraun gebacken. In jedem finnischen Supermarkt gibt es im Dezember fertige Laatikko-Mischungen, aber selbstgemacht schmeckt es deutlich besser.

Joulutorttu sind sternförmige Blätterteig-Plätzchen mit Pflaumenmus in der Mitte. Fertigen Blätterteig in Quadrate schneiden (ca. 10 x 10 cm), von jeder Ecke zur Mitte hin einschneiden, einen Teelöffel Pflaumenmus in die Mitte setzen, jede zweite Ecke zur Mitte falten und andrücken. Bei 220 Grad 10 bis 12 Minuten backen, dann mit Puderzucker bestäuben. Joulutorttu sind das einfachste aller skandinavischen Weihnachtsrezepte und gelingen jedem.

Finnische Joulutorttu: sternförmige Blätterteig-Plätzchen mit Pflaumenmus
Joulutorttu: das finnische Weihnachtsgebäck in Sternform mit Pflaumenmus (KI-generiert)

Finnischer Glögi unterscheidet sich von schwedischem Glögg durch die Zugabe von Blaubeersaft und frischem Ingwer. Man erhitzt Rotwein mit Blaubeersaft und Kardamomkapseln. In die Tasse kommen Rosinen und Mandeln. Alkoholfreier Glögi auf Basis von Johannisbeersaft und Blaubeersaft ist in Finnland mindestens genauso beliebt wie die alkoholische Version.

Island: Hangikjöt und Laufabrauð

Das isländische Weihnachtsessen kreist um Hangikjöt: geräuchertes Lammfleisch, das über Birkenholz oder Schafsdung geräuchert wird. Das Fleisch wird in Wasser gekocht, bis es zart ist, dann in dünne Scheiben geschnitten und kalt oder warm mit Kartoffeln, grünen Erbsen und Béchamelsauce serviert. Der Rauchgeschmack ist intensiv, aber nicht überwältigend. Hangikjöt gibt es in Island in jedem Supermarkt, außerhalb des Landes ist es praktisch unmöglich zu bekommen.

Laufabrauð (Laubbrot) ist die kunstvollste skandinavische Weihnachtstradition. Es handelt sich um hauchdünne, runde Fladenbrote, die vor dem Frittieren mit geometrischen Mustern verziert werden. Die Muster werden mit einem speziellen Rädchen oder einem Messer eingeritzt. In isländischen Familien ist das Laufabrauð-Machen ein Gemeinschaftsereignis: Die ganze Familie sitzt um den Tisch und ritzt Muster in die Teigfladen, während im Hintergrund isländische Weihnachtslieder laufen. Das Brot wird in heißem Fett frittiert und ist danach knusprig und leicht süßlich.

Zum isländischen Weihnachtsmenü gehören außerdem Rjúpa (Alpenschneehuhn) und Hamborgarhryggur (gepökelter Schweinerücken). Die 13 isländischen Jólasveinar (Weihnachtsgesellen) bringen Kindern in den 13 Nächten vor Weihnachten kleine Geschenke in die Schuhe. Jeder der 13 hat seinen eigenen Charakter und seine eigene Lieblingsspeise.

Weihnachtsbäckerei: die besten Plätzchen zum Nachbacken

Die schwedische Lussekatt (Safranbrötchen) wird traditionell am 13. Dezember zum Lucia-Fest gebacken. Für 20 Stück: 500 Gramm Mehl, 75 Gramm Butter, 250 Milliliter Milch, 1 Gramm Safran, 75 Gramm Zucker, 1 Ei, 25 Gramm frische Hefe, Rosinen. Safran in der warmen Milch auflösen, Hefe darin zerbröckeln, restliche Zutaten dazugeben, 10 Minuten kneten. 1 Stunde gehen lassen. S-förmig rollen, Rosinen in die Spiralen drücken, nochmal 30 Minuten gehen lassen. Bei 200 Grad 10 bis 12 Minuten backen.

Dänische Vaniljekranse sind butterige Ringplätzchen, die durch einen Fleischwolf oder eine Spritztülle geformt werden. 250 Gramm Butter, 125 Gramm Zucker, 1 Vanilleschote (Mark), 1 Eigelb, 375 Gramm Mehl, 50 Gramm gemahlene Mandeln. Alles zu einem geschmeidigen Teig verarbeiten, durch den Fleischwolf mit Stern-Aufsatz drehen und zu Ringen formen. Bei 180 Grad 10 bis 12 Minuten backen, bis sie leicht golden sind. Vaniljekranse dürfen nicht zu braun werden, sie sollen hell und mürbe bleiben.

Alle skandinavischen Weihnachtsplätzchen haben gemeinsam, dass sie gut haltbar sind. Die meisten halten sich in einer Blechdose drei bis vier Wochen. In Skandinavien beginnt die Weihnachtsbäckerei Anfang Dezember, und die Plätzchen werden bis zum Dreikönigstag am 6. Januar gegessen. Wer alle Rezepte nachbacken will, sollte sich auf ein langes Backwochenende einstellen.

Häufige Fragen zu skandinavischen Weihnachtsrezepten

Wo bekomme ich die Zutaten für skandinavische Weihnachtsrezepte in Deutschland?

Die meisten Grundzutaten gibt es im normalen Supermarkt: Mehl, Butter, Zucker, Gewürze, Sahne, Rundkornreis. Spezialzutaten wie schwedische Anchovis (für Janssons Frestelse), Safran in guter Qualität und Kardamom bekommt man im Feinkosthandel oder online. IKEA verkauft in der Adventszeit Glögg und Pepparkakor Lebensmittel. Online-Shops wie "Scandinavian Park" und "nordicmarket.de" haben ein breites Sortiment an nordischen Zutaten.

Kann man ein Julbord zu Hause organisieren?

Ja, aber man sollte klein anfangen. Ein Mini-Julbord für den Anfang: Gravlax (48 Stunden vorher ansetzen), eingelegter Hering aus dem Glas, Janssons Frestelse, Köttbullar, dänischer Rotkohl und Pepparkakor als Dessert. Dazu Glögg. Das alles ist in einem Tag vorzubereiten. Für das volle Julbord mit 15 bis 20 Komponenten braucht man zwei bis drei Tage Vorbereitung und am besten Hilfe in der Küche.

Was ist der Unterschied zwischen Glögg und Glögi?

Die drei Varianten sind im Kern dasselbe Getränk: gewürzter Rotwein. Schwedischer Glögg ist stark gewürzt mit Kardamom und wird mit Rosinen und Mandeln serviert. Norwegischer Gløgg ist ähnlich, aber oft etwas süßer. Finnischer Glögi enthält häufig Blaubeersaft und frischen Ingwer und schmeckt dadurch fruchtiger. In Island trinkt man eher Jólaöl, ein alkoholfreies Weihnachts-Malzbier, das mit Orangenlimonade gemischt wird.

Welches skandinavische Weihnachtsrezept ist am einfachsten nachzumachen?

Finnische Joulutorttu. Man braucht nur fertigen Blätterteig und ein Glas Pflaumenmus. Blätterteig in Quadrate schneiden, einschneiden, falten, Pflaumenmus rein, ab in den Ofen. In 30 Minuten hat man ein skandinavisches Weihnachtsgebäck, das optisch beeindruckt und gut schmeckt. Dänische Risalamande ist der nächste Schritt: Milchreis kochen, abkühlen lassen und Mandeln unterheben. Auch das gelingt ohne Kocherfahrung.

Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026