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Inselhopping in Skandinavien
Schären, Fähren und die besten Routen im Norden

Inselhopping in Skandinavien

14 Min. Lesezeit

Auf der Fähre von Nåttarö zurück nach Stockholm stand ich an der Reling und zählte die Inseln, an denen wir vorbeifuhren. Nach zwanzig hörte ich auf. Die Schären von Stockholm bestehen aus rund 30.000 Inseln, Schären und Felsen, und auf vielen davon lebt kein einziger Mensch. An diesem Sommerabend, mit dem Salzgeruch der Ostsee in der Nase und einer Zimtschnecke in der Hand, wurde mir klar: Inselhopping in Skandinavien ist eine eigene Art des Reisens.

Skandinavien hat mehr Inseln als der Rest Europas zusammen. Schweden allein besitzt über 220.000 Inseln, Norwegen rund 50.000 und Finnland etwa 180.000 (Seen und Küste zusammen). Ein dichtes Netz aus Fähren, Wassertaxis und öffentlichen Booten verbindet die bewohnten Inseln miteinander. Das Beste: Viele Fährverbindungen sind im öffentlichen Nahverkehr integriert und kosten wenig oder gar nichts.

Warum Inselhopping im Norden so gut funktioniert

Drei Dinge machen Skandinavien zum Inselhopping-Paradies. Erstens: Die Infrastruktur. Selbst kleine Inseln mit nur 50 Einwohnern haben regelmäßige Fährverbindungen. In den schwedischen Schären fahren die Waxholmsbolag-Fähren im Sommerfahrplan alle ein bis zwei Stunden zu den wichtigsten Inseln. In Finnland übernimmt die Finferries-Flotte den Verkehr im Turku-Archipel. Und in Norwegen sind die Hurtigruten-Nebenlinien und die lokalen Schnellboote das Rückgrat des Küstenverkehrs.

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Zweitens: Das Jedermannsrecht. In Schweden, Norwegen und Finnland darfst du auf unbewohnten Inseln frei zelten, solange du mindestens 150 Meter Abstand zu bewohnten Häusern hältst. Das bedeutet: Du kannst mit dem Kajak oder der Fähre auf eine einsame Schäreninsel übersetzen, dein Zelt aufschlagen und den Abend am Wasser verbringen, ohne dass es jemanden stört.

Drittens: Die Vielfalt. Schwedische Schären sind flach, mit glatten Granitfelsen und niedrigem Bewuchs. Norwegische Küsteninseln sind zerklüftet und steil, mit Gras auf den Kuppen und tiefem Wasser ringsum. Finnische Schären liegen zwischen Wäldern und wirken wie eine Seenlandschaft mit Salzwasser. Dänische Inseln sind sanft und hügelig, mit Sandstränden und kleinen Häfen. Jede Region hat ihren eigenen Charakter.

Blick über Schäreninseln mit roten Holzhäusern und Segelbooten
Die schwedischen Schären mit ihren roten Holzhäusern sind der Inbegriff nordischen Insellebens (KI-generiert)

Stockholms Schären: 30.000 Inseln vor der Haustür

Die Stockholmer Schären erstrecken sich 80 Kilometer östlich der Stadt in die Ostsee. Die inneren Schären sind dicht bewaldet und haben viele Sommerhäuser. Je weiter man nach außen kommt, desto karger werden die Inseln, bis am äußeren Rand nur noch nackte Felsen aus dem Wasser ragen.

Für ein erstes Inselhopping empfehle ich die Route Vaxholm - Grinda - Sandhamn. Vaxholm erreichst du in 50 Minuten mit der Fähre ab Strandvägen in Stockholm. Die kleine Festungsstadt hat Cafés, ein Hotel und die Festung auf der vorgelagerten Insel. Von Vaxholm geht es weiter nach Grinda (45 Minuten), einer Insel mit Wanderwegen und einem Gasthof. Die letzte Etappe führt nach Sandhamn auf Sandön (90 Minuten ab Grinda), dem bekanntesten Ort der äußeren Schären. Sandhamn hat einen Seglerhafen, einen Sandstrand auf der Rückseite und das Sandhamn Seglarhotell, wo man auf der Terrasse sitzen und den Booten zuschauen kann.

Die Fähren der Waxholmsbolaget sind der beste Weg, die Stockholmer Schären zu erkunden. Eine Einzelfahrt kostet je nach Entfernung zwischen 60 und 140 SEK (5 bis 12 Euro). Wer mehrere Inseln besuchen will, kauft die Waxholmsbolaget-5-Tages-Karte für 495 SEK (44 Euro) und fährt unbegrenzt. Die Fähren haben Sitzplätze auf dem Oberdeck, einen Kiosk mit Kaffee und Kanelbullar und genug Platz für Fahrräder und Kajaks.

Weitere lohnende Inseln: Finnhamn (Wanderwege, kostenloser Zeltplatz, Café), Utö (älteste Insel der Schären, ehemaliges Bergwerk, Bäckerei), Möja (Fischerdorf, Räucherfisch direkt am Hafen) und Nåttarö (Naturschutzgebiet, Sandstrände, kaum Bebauung).

Turku-Archipel: Finnlands stille Inselwelt

Der Archipel vor Turku besteht aus rund 20.000 Inseln und gilt als der größte Schärengarten der Welt. Anders als in Stockholm ist es hier deutlich ruhiger. Viele Inseln haben nur wenige Dutzend Einwohner, und im Frühling und Herbst kann es vorkommen, dass man den ganzen Tag keinen anderen Touristen trifft.

Die beste Art, den Turku-Archipel zu erkunden, ist der Archipelago Trail (Saariston Rengastie). Diese Ringstraße verbindet mehrere Inseln über Brücken und kostenlose Fähren. Die Route ist etwa 250 Kilometer lang und kann mit dem Auto, dem Fahrrad oder einer Mischung aus beidem gefahren werden. Per Rad braucht man drei bis fünf Tage, je nach Tempo und Zwischenstopps.

Stationen auf dem Archipelago Trail: Nagu (Holzkirche aus dem 14. Jahrhundert, Gästhamn, Café), Korpo (mittelalterliche Steinkirche, Fischrestaurant), Houtskär (abgelegene Insel, Leuchtturm, kaum Tourismus) und Iniö (Vogelbeobachtung, stille Buchten). Die Fähren zwischen den Inseln fahren im Sommer stündlich und sind kostenlos für Fußgänger und Radfahrer. Autofahrer zahlen eine geringe Gebühr.

Kleine Fähre legt an einer Schäreninsel im Turku-Archipel an
Im Turku-Archipel verbinden kostenlose Fähren die Inseln miteinander (KI-generiert)

Norwegens Küsteninseln: Bergen und Lofoten hinaus

Norwegens Inselwelt unterscheidet sich grundlegend von den flachen Schären in Schweden und Finnland. Hier ragen die Inseln steil aus dem Meer, mit Bergen, die direkt am Wasser beginnen. Die Lofoten sind das bekannteste Beispiel: Eine Kette von Inseln nördlich des Polarkreises, verbunden durch Brücken und Tunnel, mit spitzen Gipfeln und türkisem Wasser.

Aber auch südlicher gibt es sehr gute Inselhopping-Möglichkeiten. Vor Bergen liegen die Inseln Askøy und Øygarden, die über Brücken und Fähren erreichbar sind. Weiter nördlich wartet der Solund-Archipel mit über 1.700 Inseln, von denen nur wenige bewohnt sind. Solund ist ein Paradies für Kajakfahrer und ein Geheimtipp, den selbst viele Norweger nicht kennen.

Auf den Lofoten funktioniert Inselhopping über die E10, die alle Hauptinseln verbindet. Von Svolvær im Osten bis Å im Westen sind es 170 Kilometer, die sich über Brücken und kurze Fähren verteilen. Ein Mietwagen ist die bequemste Option, aber auch der Lofoten-Bus (Linie 300) fährt die gesamte Strecke mehrmals täglich. Wer mit dem Kajak zwischen den Inseln paddelt, findet im Reinefjord und bei Henningsvær die besten Strecken.

Die Vesterålen nördlich der Lofoten sind weniger touristisch und genauso lohnend. Die Fähre von Melbu nach Fiskebøl verbindet beide Inselgruppen. Auf Andøya lohnt sich ein Stopp für Walbeobachtung, und die Insel Langøya hat lange Sandstrände, die im Sommer fast menschenleer sind.

Dänische Inseln: Von Bornholm bis Ærø

Dänemark besteht aus über 400 Inseln, von denen 72 bewohnt sind. Die Inseln liegen flach im Wasser, haben Sandstrände und Fachwerkhäuser entspannte Atmosphäre, die sich vom Festland unterscheidet. Inselhopping in Dänemark bedeutet: kurze Fährstrecken, gemütliche Häfen und viel Ruhe.

Ærø im Südfünischen Inselmeer gilt als die schönste dänische Insel. Die Hauptstadt Ærøskøbing hat kopfsteingepflasterte Gassen, bunte Häuser aus dem 18. Jahrhundert und ein maritimes Museum. Die Insel erreicht man per Fähre von Svendborg (75 Minuten) oder von Faaborg (60 Minuten). Auf Ærø gibt es keine Kette, kein Franchise und keinen Massentourismus, dafür aber drei Brauereien, eine Destillerie und einen der besten Inselbäcker Dänemarks.

Bornholm in der Ostsee ist größer und hat mehr Abwechslung. Die Nordküste bietet Felsklippen und Burgruinen, der Süden lange Sandstrände. Die Rundkirchen aus dem 12. Jahrhundert sind architektonisch einmalig. Die Fähre von Ystad (Schweden) nach Rønne braucht 80 Minuten, von Kopenhagen gibt es einen Nachtbus mit Fähranschluss.

Weitere dänische Inseln für ein Inselhopping: Samsø (bekannt für nachhaltige Energie, Kartoffelfestival im Juni), Fanø (Nordsee-Insel mit breitem Autostrand, erreichbar per Fähre von Esbjerg in zwölf Minuten) und Læsø (Tangdachhäuser, Salzproduktion, Fähre ab Frederikshavn).

Kleiner dänischer Inselhafen mit bunten Booten und Fachwerkhäusern
Dänische Inselhäfen strahlen eine Ruhe aus, die man auf dem Festland selten findet (KI-generiert)

Fähren und Boote: So kommst du von Insel zu Insel

Die Fährnetze in Skandinavien sind gut ausgebaut und oft günstiger, als man denkt. Hier die wichtigsten Anbieter und Preise:

Waxholmsbolaget (Schweden): Bedient die Stockholmer Schären mit über 300 Anlegestellen. Einzelfahrt ab 60 SEK, Mehrtagespass ab 495 SEK (5 Tage). Die Fähren fahren ganzjährig, im Sommer häufiger. App und Website zeigen Fahrpläne in Echtzeit.

Finferries (Finnland): Betreibt die Fähren im Turku-Archipel. Die meisten kurzen Verbindungen sind kostenlos für Fußgänger und Radfahrer. Autos zahlen je nach Strecke 5 bis 15 Euro. Die Fähren fahren im Sommer halbstündlich, im Winter seltener.

Fjord1 und Norled (Norwegen): Diese beiden Gesellschaften betreiben den Großteil der norwegischen Küstenfähren. Die Preise richten sich nach der Länge der Überfahrt. Eine kurze Fjordquerung kostet ab 50 NOK (4,50 Euro) pro Person, längere Strecken bis zu 300 NOK (27 Euro). Autofahrer zahlen zusätzlich eine Fahrzeuggebühr.

Molslinjen und Scandlines (Dänemark): Molslinjen verbindet Sjælland mit Jütland und mehrere kleinere Inseln. Scandlines fährt die internationalen Routen nach Deutschland und Schweden. Kleinere Inselfähren werden von kommunalen Unternehmen betrieben und sind oft im öffentlichen Nahverkehrstarif enthalten.

Eine Alternative zu den großen Fähren sind Wassertaxis und Charterschiffe. In den Stockholmer Schären und im norwegischen Solund-Archipel kann man Boote mieten, um abgelegene Inseln ohne regulären Fähranschluss zu erreichen. Die Preise liegen bei 500 bis 2.000 SEK/NOK (45 bis 180 Euro) je nach Strecke und Boot.

Praktische Tipps für dein Inselhopping

Beste Reisezeit: Juni bis August ist die Hauptsaison. Die Fähren fahren häufiger und Gasthöfe haben geöffnet, und das Wetter ist warm genug zum Schwimmen. Mai und September sind ruhiger und trotzdem gut machbar, aber einige Einrichtungen auf den kleineren Inseln haben dann geschlossen.

Übernachten: Auf den größeren Inseln gibt es Hotels und Pensionen. Auf kleineren Inseln sind die Optionen begrenzter: oft nur ein Gasthof oder ein einfacher Zeltplatz. In den schwedischen und finnischen Schären darfst du auf unbewohnten Inseln frei zelten (Jedermannsrecht). Wer das plant, sollte Trinkwasser mitbringen, da es auf vielen kleinen Inseln keine Süßwasserquelle gibt.

Fahrrad mitnehmen: Viele Inseln lassen sich am besten per Rad erkunden. Die meisten Fähren nehmen Fahrräder kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr mit. Auf den Åland-Inseln und Bornholm gibt es Fahrradverleih direkt am Hafen.

Seekrankheit: Die Fährfahrten in den Schären sind in der Regel sehr ruhig, da die Inseln vor Wellengang schützen. Auf offener See (Bornholm, Åland von Stockholm) kann es bei Wind schaukeln. Wer empfindlich ist, sollte Reisetabletten dabei haben und einen Platz am Bug oder in der Mitte des Schiffes wählen.

Kajak zwischen Schäreninseln bei Sonnenuntergang
Mit dem Kajak erreichst du auch die kleinsten Schäreninseln ohne Fähranleger (KI-generiert)

Häufige Fragen

Welche Schärenregion eignet sich am besten für Anfänger?

Die Stockholmer Schären sind der beste Einstieg. Die Fährverbindungen sind häufig und zuverlässig, es gibt auf den meisten Inseln Cafés und einfache Unterkünfte, und du kannst dein Inselhopping direkt ab der Stockholmer Innenstadt starten. Grinda und Sandhamn sind gute erste Stationen mit Infrastruktur und Wanderwegen.

Kann ich mit dem Auto Inselhopping machen?

Ja, vor allem in Dänemark und auf den Lofoten. In Dänemark sind viele Inseln über Brücken verbunden, und die Fähren nehmen Autos mit. Auf den Lofoten verbindet die E10 alle Hauptinseln. Im Turku-Archipel funktioniert der Archipelago Trail gut mit dem Auto, da die Fähren Fahrzeuge transportieren. In den Stockholmer Schären ist ein Auto dagegen unnötig, weil die meisten Inseln autofrei sind.

Was kostet ein Inselhopping-Wochenende in den Stockholmer Schären?

Mit dem Waxholmsbolaget-5-Tages-Pass (495 SEK, 44 Euro) und zwei Nächten in einem Gasthaus oder einer Pension (800 bis 1.200 SEK pro Nacht) kommst du auf etwa 250 bis 350 Euro für zwei Personen inklusive Fähren und Unterkunft. Wer zeltet und selbst kocht, kommt mit unter 100 Euro pro Person für das ganze Wochenende aus.

Gibt es geführte Inselhopping-Touren?

Ja, mehrere Anbieter bieten organisierte Touren an. In den Stockholmer Schären organisiert Strömma Kanalbolaget Tagestouren mit Guide. Im Turku-Archipel gibt es geführte Radtouren über mehrere Inseln. Auf den Lofoten bieten lokale Kajakanbieter mehrtägige Paddeltouren mit Übernachtung auf den Inseln an. Die Preise liegen zwischen 800 und 3.000 Euro pro Person je nach Dauer und Komfort.

Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026