Inlandsbanan
Die Inlandsbanan ist eine Eisenbahnstrecke, die sich über 1300 Kilometer durch das schwedische Inland zieht. Von Kristinehamn am Vänern bis hinauf nach Gällivare in Lappland. Keine Schnellfahrstrecke, kein ICE-Gefühl. Eher das Gegenteil.
Der Zug fährt langsam. Manchmal 40 km/h, oft weniger. Er hält an Stationen, die aus einem einzelnen Holzhäuschen bestehen, mitten im Wald. Er hält auch, wenn ein Elch auf den Gleisen steht. Oder eine Rentierherde. Das ist kein Witz. Das passiert regelmäßig, und der Lokführer wartet geduldig, bis die Tiere den Weg freimachen.
Für mich ist die Inlandsbanan die ehrlichste Art, Schweden zu sehen. Kein Autobahn-Rauschen, keine Abkürzungen. Stundenlang Wald, Seen, Flüsse, ab und zu ein Dorf. Man merkt, wie groß und wie leer dieses Land ist.
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Was ist die Inlandsbanan?
Die Inlandsbanan ist eine Eisenbahnlinie, die Schwedens Inland von Süd nach Nord durchquert. Die gesamte Strecke reicht von Kristinehamn in Värmland bis Gällivare in Norrbotten. 1300 Kilometer, eingleisig, nicht elektrifiziert auf den meisten Abschnitten. Dieselloks ziehen die Wagen durch Gebiete, in denen sonst nur Forststraßen hinführen.
Im regulären Personenverkehr wird heute nur noch der Abschnitt zwischen Mora und Gällivare bedient. Das sind rund 1000 Kilometer. Der südliche Teil von Kristinehamn bis Mora wird von anderen Zügen abgedeckt, unter anderem von SJ-Regionalbahnen.
Die Inlandsbanan ist kein Touristenzug im engeren Sinne. Es gibt keine Panoramawagen wie beim Glacier Express in der Schweiz. Die Wagen sind schlicht, die Sitze bequem genug für lange Strecken, aber nicht luxuriös. Dafür kostet die Fahrt einen Bruchteil. Und das Panorama kommt durch ganz normale Fenster.
Die Route: Von Kristinehamn nach Gällivare
Die komplette Strecke lässt sich grob in drei Abschnitte teilen.
Der südliche Abschnitt führt von Kristinehamn am Vänern-See über Filipstad und Hagfors bis nach Mora in Dalarna. Hier fährt man durch die Bergbaulandschaft Värmlands, vorbei an alten Eisenhütten und durch dichte Wälder. Mora liegt am Siljan-See und ist Endpunkt des Vasaloppet. Dieser Abschnitt wird von regulären Regionalbahnen bedient.
Der mittlere Abschnitt von Mora bis Östersund führt durch Hälsingland und Jämtland. Hier beginnt die eigentliche Inlandsbanan-Strecke im touristischen Sinn. Der Zug passiert Orsa, Sveg und Ånge, bevor er nach Östersund am Storsjön kommt. Von Mora bis Östersund braucht der Zug etwa sieben Stunden.
Der nördliche Abschnitt von Östersund bis Gällivare ist der wildeste. Hier wird das Land leerer, die Wälder dichter, die Dörfer kleiner. Die Strecke führt über Dorotea, Vilhelmina und Storuman nach Sorsele und Arvidsjaur. Ab Jokkmokk ist man in Lappland. Die letzten Kilometer bis Gällivare führen durch subarktische Landschaft. Von Östersund bis Gällivare sind es rund 14 Stunden Fahrzeit.
Insgesamt braucht man für die ganze Strecke Mora-Gällivare etwa zwei Tage reine Fahrtzeit. Die meisten Reisenden teilen die Fahrt in Etappen auf und übernachten an zwei oder drei Orten unterwegs.
Geschichte der Strecke
Die Idee zur Inlandsbanan entstand Ende des 19. Jahrhunderts. Schweden wollte sein dünn besiedeltes Inland erschließen, Holz und Erz abtransportieren, Menschen in abgelegene Gebiete bringen. Die Küstenbahnen existierten bereits. Das Inland hatte nichts.
Der Bau begann 1907 und dauerte bis 1937. Dreißig Jahre für 1300 Kilometer, durch Sumpf, Fels und endlosen Wald. Tausende Arbeiter, darunter viele Rallarnas genannte Bahnarbeiter, schufteten unter harten Bedingungen. Im Winter minus 30 Grad, im Sommer Mückenwolken. 1937 war die Strecke endlich durchgehend befahrbar, von Kristinehamn bis Gällivare.
Die Blütezeit währte kurz. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm das Auto. Immer weniger Menschen fuhren Zug. Die Güterverkehrszahlen sanken. In den 1990er-Jahren drohte die Stilllegung. Die Kommunen entlang der Strecke gründeten daraufhin die Inlandsbanan AB und übernahmen den Betrieb selbst. Seitdem läuft die Bahn als eine Art Genossenschaft, getragen von den Gemeinden, die sie durchquert.
Ohne diese Initiative wäre die Strecke heute vermutlich abgebaut. Stattdessen fahren jeden Sommer Züge, und die Passagierzahlen steigen. Langsam, aber stetig.
Fahrplan und Saison
Die Inlandsbanan fährt nur im Sommer. Die Hauptsaison läuft von Mitte Juni bis Mitte August. In manchen Jahren gibt es verlängerte Fahrpläne bis Anfang September, aber darauf sollte man sich nicht verlassen.
Täglich fährt in der Saison ein Zug von Mora nach Östersund und einer von Östersund nach Gällivare. In die Gegenrichtung ebenso. Das heißt: ein Zug pro Tag und Richtung auf jedem Abschnitt. Wer den verpasst, wartet bis morgen.
Der Fahrplan ist so getaktet, dass man morgens losfährt und abends am Ziel ankommt. Der Zug Mora-Östersund startet gegen 7 Uhr und erreicht Östersund am frühen Nachmittag. Der Zug Östersund-Gällivare fährt ebenfalls morgens und kommt am späten Abend an. Lange Tage, aber die Mittsommersonne scheint bis Mitternacht.
Im Winter fährt die Inlandsbanan nicht regulär. Es gibt gelegentlich Sonderfahrten und Charterzüge, aber kein Linienangebot. Wer im Winter durch Norrland reisen will, nimmt den SJ-Nachtzug entlang der Küste oder fliegt.
Buchung und Fahrplan
Den aktuellen Fahrplan und Buchungsmöglichkeiten gibt es auf inlandsbanan.se. Die Buchung funktioniert online oder am Bahnhof. In der Hochsaison (Juli) sollte man einige Tage im Voraus buchen, sonst wird es eng. Im Juni und August ist es entspannter.
Die Inlandsbanan Card
Für Reisende, die die Strecke flexibel erkunden wollen, gibt es die Inlandsbanan Card. Damit kann man 14 Tage lang unbegrenzt auf der gesamten Strecke zwischen Mora und Gällivare fahren. Aufsteigen, absteigen, weiterfahren, wann man will. Solange der Zug fährt.
Die Karte kostet um die 2.200 SEK (Stand 2025). Das sind etwa 190 Euro. Verglichen mit Einzeltickets lohnt sich die Karte ab drei oder vier Fahrten. Wer die Strecke in Etappen macht und an mehreren Orten Halt macht, spart deutlich.
Ich halte die Karte für die beste Option. Ohne sie ist man an feste Abschnitte gebunden. Mit der Karte kann man spontan entscheiden: Gefällt mir Vilhelmina? Dann bleibe ich zwei Tage statt einem. Ist das Wetter in Jokkmokk schlecht? Dann fahre ich gleich weiter. Diese Freiheit macht die Reise aus.
Die Karte gilt nur für die Inlandsbanan-Züge, nicht für SJ oder andere Betreiber. Für den Anschluss nach Stockholm oder an die Küste braucht man separate Tickets.
Die wichtigsten Haltestellen
Mora
Mora liegt am Siljan-See in Dalarna und ist der südliche Ausgangspunkt der touristischen Inlandsbanan. Die Stadt ist bekannt als Zielort des Vasaloppet und hat ein Zorn-Museum (nach dem Maler Anders Zorn) und das Vasaloppsmuseet. Mora hat Anschluss an SJ-Züge nach Stockholm. Von hier startet die Reise nordwärts.
Sveg
Sveg ist eine Kleinstadt in Härjedalen mit etwa 2.600 Einwohnern. Der Ort wirbt mit dem größten Holzbären der Welt, einer sieben Meter hohen Skulptur. Klingt albern, ist es auch. Aber er steht da, und man kann ihn sich ansehen. Sveg hat ein paar Cafés, ein Heimatmuseum und viel Ruhe. Guter Stopp für eine Nacht, besonders wenn man den Ljusnan-Fluss erkunden will.
Dorotea und Vilhelmina
Zwei Kleinstädte in Ångermanland, die nebeneinanderliegen und oft in einem Atemzug genannt werden. Dorotea hat ein Bärenmuseum, Vilhelmina ein gut erhaltenes Kirchdorf (Kyrkstad) mit roten Holzhäuschen aus dem 18. Jahrhundert. In Vilhelmina lohnt sich ein Halt. Die Kyrkstad ist sehenswert, und von hier aus kann man Tagesausflüge in die Wildmark machen.
Storuman
Storuman liegt am Storsele-See und ist Knotenpunkt zwischen Inlandsbanan und der Straße E12, die nach Mo i Rana in Norwegen führt. Die Stadt selbst ist klein. Aber die Lage am See macht sie zu einem guten Ausgangspunkt für Wanderungen und Angeltouren. Der Bahnhof liegt direkt am Wasser.
Jokkmokk
Jokkmokk ist das samische Zentrum Schwedens. Hier findet seit über 400 Jahren der Jokkmokk-Wintermarkt statt, Anfang Februar. Im Sommer ist der Ort ruhiger, aber das samische Museum Ájtte lohnt den Besuch. Es zeigt die Geschichte und Kultur der Samen, ohne Kitsch und ohne Verklärung. Von Jokkmokk aus kann man zum Muddus-Nationalpark wandern.
Gällivare
Endstation. Gällivare liegt oberhalb des Polarkreises und ist eine Bergbaustadt. LKAB fördert hier Eisenerz. Die Stadt hat etwa 8.000 Einwohner und wirkt auf den ersten Blick nüchtern. Aber sie ist ein guter Ausgangspunkt: Von hier kommt man nach Kiruna, zum Kungsleden, nach Abisko und zum Icehotel in Jukkasjärvi. In Gällivare schließt die Inlandsbanan an die Erzbahn (Malmbanan) an, die nach Narvik in Norwegen führt.
Elche auf den Gleisen
Die Inlandsbanan wirbt damit, und es stimmt: Elche tauchen auf. Regelmäßig. Die Gleise verlaufen durch dünn besiedeltes Gebiet, und Elche nutzen die freigeschnittenen Schneisen als Wanderwege. Im Sommer stehen sie am Gleisbett und fressen Birkenblätter. Im Winter suchen sie die schneefreie Trasse.
Der Lokführer bremst dann, hupt kurz und wartet. Manchmal dauert es eine Minute. Manchmal fünf. Einmal, erzählte mir ein Mitreisender, habe ein Elch sich vor die Lok gelegt und eine Viertelstunde geschlafen. Der Fahrplan ist ohnehin großzügig kalkuliert, und solche Stopps gehören dazu.
Wer Elche sehen will, sollte den Abschnitt zwischen Sveg und Dorotea im Blick haben. Hier ist die Elchdichte am höchsten. Aber eine Garantie gibt es nicht. Ich habe auf einer Fahrt drei Elche gesehen, auf einer anderen keinen einzigen. Die Natur hält sich nicht an Prospekte.
Unterkünfte entlang der Strecke
An den größeren Haltestellen gibt es Pensionen, kleine Hotels und Ferienhäuser. In Mora, Östersund und Gällivare ist die Auswahl am größten. In Orten wie Sveg, Vilhelmina oder Storuman ist sie kleiner, aber ausreichend.
Mein Tipp: Vor der Reise an jedem geplanten Übernachtungsort eine Unterkunft reservieren. In der Hochsaison im Juli kann es in den kleineren Orten schnell voll werden. Vandrarhem (Jugendherbergen) gibt es in fast allen Orten entlang der Strecke. Die sind günstig, saüber und oft gut gelegen. Ein Einzelzimmer im Vandrarhem kostet zwischen 400 und 700 SEK pro Nacht.
Wer es rustikaler mag, findet entlang der Strecke auch Stugas (Ferienhäuser) und Campingplätze. Zelten ist dank Allemansrätten ohnehin überall erlaubt, solange man Abstand zu Wohnhäusern hält. Aber ohne Auto wird es mit dem Campingplatz schwierig, weil viele abseits der Bahnhöfe liegen.
Eine praktische Variante: Inlandsbanan bietet manchmal Paketreisen an, bei denen Zugfahrt und Übernachtungen kombiniert sind. Man bucht die gesamte Reise als Paket und muss sich um nichts kümmern. Die Pakete gibt es auf inlandsbanan.se.
Anschlüsse an andere Züge
Die Inlandsbanan kreuzt mehrere West-Ost-Verbindungen. In Östersund hat man Anschluss an SJ-Züge nach Stockholm und Sundsvall. In Gällivare schließt die Malmbanan (Erzbahn) an, die nach Luleå und Narvik führt. Wer eine Rundreise plant, kann die Inlandsbanan mit der Küstenstrecke (Botniabanan/Norrlandskusten) kombinieren: hochfahren durch das Inland, an der Küste zurück.
Tipps für die Reise
- Proviant mitnehmen. Es gibt an Bord keinen Speisewagen, nur gelegentlich Kaffee und Snacks. An manchen Haltestellen kann man kurz aussteigen und etwas kaufen, aber verlassen sollte man sich darauf nicht
- Ein Buch einpacken. Oder auch nicht. Die Landschaft reicht für Stunden. Aber irgendwann wird auch Wald monoton, und dann ist ein Buch gut
- Fernglas mitnehmen. Für Elche, Raubvögel und die weiten Blicke über Seen und Täler
- Mückenschutz. Wer an Zwischenstopps rausgeht, braucht im Juli Mückenspray. Nordschweden im Sommer heißt Mücken. Viele Mücken
- Kamera am Fensterplatz laden. Die besten Motive kommen ohne Vorwarnung
Häufige Fragen
Wann fährt die Inlandsbanan?
Nur im Sommer, typischerweise von Mitte Juni bis Mitte August. In manchen Jahren etwas länger. Den genauen Fahrplan veröffentlicht Inlandsbanan AB im Frühjahr auf ihrer Website.
Wie lange dauert die gesamte Strecke?
Von Mora nach Gällivare braucht man etwa 21 Stunden reine Fahrzeit, aufgeteilt auf zwei Tage. Die meisten Reisenden machen drei bis fünf Zwischenstopps und brauchen eine Woche für die Gesamtstrecke.
Muss ich vorher buchen?
Im Juli sollte man einige Tage vorher buchen. Im Juni und August geht es oft spontan. Die Inlandsbanan Card muss vorher gekauft werden, entweder online oder am Bahnhof in Mora oder Östersund.
Lohnt sich die Inlandsbanan Card?
Ja, wenn man an mindestens drei Orten Halt machen will. Die Karte kostet etwa 2.200 SEK und gilt 14 Tage. Ein Einzelticket Mora-Gällivare kostet bereits über 1.000 SEK. Bei zwei oder drei Zwischenstopps hat sich die Karte bezahlt gemacht.
Gibt es WLAN im Zug?
Teilweise. Die Verbindung ist aber unzuverlässig, weil der Zug durch Gebiete ohne Mobilfunkabdeckung fährt. Wer offline-fähige Unterhaltung einpackt, ist besser dran.
Kann ich mein Fahrrad mitnehmen?
Ja, gegen Aufpreis. Die Mitnahme muss vorher angemeldet werden, weil der Platz begrenzt ist. Fahrräder werden im Gepäckwagen transportiert.
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026