Norwegens goldene Generation: Warum die Skandinavier bei der WM 2026 zu den heimlichen Topfavoriten zählen

28 Jahre lang war Norwegen beim großen Fußballfest nur Zuschauer. Jetzt sind die Wikinger zurück.

Als Norwegen im November 2025 mit einem 4:1 gegen Italien das WM-Ticket klarmachte, titelte die Osloer Boulevardzeitung VG: „Verbreiten Sie die Nachricht!“ Der Satz macht Sinn, wenn man weiß, wie lange das Land darauf gewartet hat. Seit 1998 war keine norwegische Mannschaft mehr bei einer WM. Erling Haaland, geboren im Jahr 2000, hatte bis zu seinem 25. Geburtstag nie erlebt, wie es ist, wenn dein eigenes Land ein großes Turnier spielt.

Jetzt also die Rückkehr. Und zwar eine, die sich gewaschen hat: acht Siege aus acht Qualifikationsspielen, Tordifferenz 37:5, Italien zweimal geschlagen.

Haaland – der Rekordjäger

Haaland hat diese Qualifikation nicht einfach nur gespielt, er hat sie in Stücke getreten. 16 Tore in acht Partien, gleichauf mit Robert Lewandowskis europäischem Rekord aus der Quali zur WM 2018. Die UEFA dokumentiert seine Bilanz als die herausragendste Einzelleistung der gesamten europäischen Qualifikation.

Das 11:1 gegen Moldau im September war der Gipfel. Fünf Tore allein von Haaland, dazu vier vom eingewechselten Thelo Aasgaard. Gegen Israel ein Hattrick. Gegen Estland zwei Tore. In jedem einzelnen Spiel der Qualifikation hat Haaland mindestens einmal getroffen. Landon Donovan, der das als TV-Experte kommentierte, sagte irgendwann nur noch, ein Eins-gegen-Eins gegen diesen Stürmer sei kein Duell, sondern ein Unfall, der darauf wartet zu passieren.

Ødegaard – der Regisseur hinter dem Tormonster

Haaland trifft, weil jemand ihn füttert. Dieser jemand heißt Martin Ødegaard, Kapitän beim FC Arsenal, sieben Vorlagen in der Qualifikation. Seine Rolle ist unspektakulärer als Haalands, aber ohne ihn funktioniert das norwegische Spiel nicht. Mit 15 hatte er sein Profidebüt, mit 16 wurde er von Real Madrid verpflichtet. Der Hype danach hat ihn zeitweise zerdrückt. Dass er heute mit 26 das norwegische Mittelfeld mit dieser Ruhe dirigiert, wirkt fast wie eine kleine Wiedergutmachung.

Ein Stürmer, der jede halbwegs gute Flanke verwertet, und ein Mittelfeldspieler, der diese Flanken genau spielt – das ist die simple, aber brutale Logik dieser Mannschaft.

Die zweite Reihe ist das Problem für alle Gegner

Wer nur auf Haaland und Ødegaard schaut, verpasst den eigentlichen Grund für Norwegens Stärke. Alexander Sørloth hat bei Atlético Madrid eine späte Blüte erlebt und trifft dort regelmäßig. Antonio Nusa spielt bei RB Leipzig Bundesliga. Oscar Bobb gilt bei Manchester City als das nächste große Versprechen. Jørgen Strand Larsen kam in der Quali-Phase ausgerechnet gegen Italien in der entscheidenden Szene zum Abschluss.

In anderen Nationalmannschaften wären diese Spieler Stammkräfte. Bei Norwegen sitzen sie auf der Bank oder kommen von rechts rein, wenn der Gegner nach 60 Minuten schon auf den Zähnen läuft.

Der Architekt: Ståle Solbakken

Der Mann, der das zusammenhält, hat in Deutschland eine weniger glorreiche Episode hinter sich. Ståle Solbakken war 2011/12 Trainer beim 1. FC Köln, das ging nicht gut aus. In Norwegen schon.

Wie die ARD-Sportschau in ihrer Analyse herausarbeitet, liegt Norwegens Kraft in der Kabine. Solbakken hat es geschafft, dass Spieler aus der norwegischen Eliteserie neben Weltstars wie Haaland nicht verstummen, sondern mitziehen. Seine eigene Formulierung gegenüber der Zeitung Verdens Gang: Man profitiere von der Kultur, die man aufgebaut habe, niemand könne die Gegenwehr durchlöchern. Aus dem Mund vieler Trainer wäre das PR-Sprech. Bei Solbakken deckt es sich mit dem, was man auf dem Platz sieht.

Die Todesgruppe in Nordamerika

Die Auslosung Anfang Dezember 2025 war alles andere als gnädig. Gruppe I bedeutet für Norwegen: Frankreich, Senegal, Irak. WM-Finalist 2022 gegen Afrika-Cup-Sieger gegen Haaland-Elf. Der Irak wird hier vermutlich nur Punktelieferant sein, Frankreich ist das Ziel für den ersten Platz. Aber Senegal?

Die Mannen um Sadio Mané liegen in der FIFA-Weltrangliste 17 Plätze vor Norwegen. Die Afrika-Qualifikation haben sie mit 22:3 Toren abgeschlossen. Zwischen Senegal und Norwegen entscheidet sich, wer hinter Frankreich als Zweiter weiterkommt – und wenn einer von beiden einen wirklich guten Tag erwischt, ist sogar Platz eins nicht unmöglich. Frankreich hat schon bei früheren Turnieren gezeigt, dass es anfällig sein kann, wenn Tuchel-Nachfolger Deschamps die Stimmung im Team nicht trifft.

Was deutsche Fußballfans erwartet

Norwegens Spiele werden an der US-Ostküste ausgetragen, das Quartier der Mannschaft liegt in Greensboro, North Carolina. Die ausführliche Turnierdokumentation listet alle Spielorte und Kaderdetails. Für deutsche Zuschauer besonders reizvoll: Wird Norwegen Zweiter in Gruppe I, träfe die Mannschaft im Achtelfinale auf den Zweiten der Gruppe E – und dort spielt die DFB-Elf. Ein Duell Wirtz gegen Ødegaard, Woltemade gegen Haaland. Das muss man gesehen haben, selbst wenn man Deutschland die Daumen drückt.

Wer das Turnier nicht nur vor dem Fernseher verfolgen, sondern mit eigenem Tipp begleiten möchte, findet bei lizenzierten deutschen Sportwetten Anbietern aktuelle Quoten zu allen Gruppenspielen und Außenseiterwetten auf Norwegens Turnierverlauf.

Fazit

Norwegen wird nicht Weltmeister 2026. Das wäre überzogen. Aber das Viertelfinale ist realistisch, und wenn die Auslosung in der K.o.-Runde glücklich läuft, sollte man Haaland und seine Kollegen nicht vor dem Halbfinale abschreiben. Für ein Land, das 28 Jahre auf diese Rückkehr gewartet hat, ist das schon jetzt mehr, als irgendjemand realistisch erwarten konnte.

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Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.