Icehotel Jukkasjärvi
Im Icehotel zu schlafen ist eine dieser Erfahrungen, die sich in der Theorie gut anhören und in der Praxis anders anfühlen als erwartet. Man liegt in einem Schlafsack auf einem Bett aus Eis, die Raumtemperatur beträgt minus 5 Grad, und an den Wänden hängen Skulpturen, die im Dämmerlicht schimmern. Kalt? Ja, anfangs. Unbequem? Weniger als gedacht. Schlaflos? Nur, weil man die ganze Zeit grinst.
Das Icehotel in Jukkasjärvi, 17 Kilometer östlich von Kiruna in Schwedisch-Lappland, ist das älteste und berühmteste Eishotel der Welt. Seit 1990 wird es jeden Winter neu gebaut, aus Eis und Schnee, der im Torne-Fluss geerntet wird. Jedes Jahr sieht es anders aus, weil jedes Jahr andere Künstler die Räume gestalten. Im Frühling schmilzt es und fließt als Wasser zurück in den Fluss. Im nächsten Winter wird alles von vorne aufgebaut.
Die Geschichte des Icehotels
Die Idee entstand 1989, als der schwedische Abenteurer Yngve Bergqvist japanische Eiskünstler nach Jukkasjärvi einlud. Sie bauten eine Ausstellung aus Eis in einem zylindrischen Gebäude. Als einige Besucher fragten, ob sie in der Eishalle übernachten dürften, war die Idee geboren. Im Winter 1990/91 öffnete das erste Icehotel mit 60 Quadratmetern. Heute umfasst es rund 2.500 Quadratmeter und empfängt jährlich über 50.000 Besucher.
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Jukkasjärvi selbst ist ein winziger Ort mit rund 600 Einwohnern. Der Name stammt aus der samischen Sprache und bedeutet "Treffpunkt am Wasser". Die Samen leben hier seit Jahrhunderten und nutzen den Torne-Fluss als Lebensader. Heute profitiert der ganze Ort vom Tourismus, den das Icehotel gebracht hat. Es gibt ein samisches Kulturzentrum, eine kleine Kirche aus dem 17. Jahrhundert und das beste Rentierragout der Gegend im Restaurant des Icehotels.
Seit 2016 gibt es neben dem saisonalen Icehotel auch das Icehotel 365, eine ganzjährig geöffnete Version mit Solarkühlung. Das ermöglicht Eishotel-Erlebnisse auch im Sommer, wenn draußen 20 Grad herrschen und drinnen die Eisskulpturen funkeln. Die Technik ist aufwendig: Eine Solaranlage betreibt die Kühlung, die das Eis das ganze Jahr über bei minus 5 Grad hält.
Die verschiedenen Zimmertypen
Das Icehotel bietet verschiedene Zimmertypen, von einfach bis extravagant. Allen gemeinsam: Die Temperatur liegt bei minus 5 bis minus 8 Grad. Man schläft in einem Expeditionsschlafsack auf einem Eisbett, das mit Rentierfellen bedeckt ist.
Ice Room: Das Standardzimmer. Die Wände bestehen aus gepresstem Schnee, das Bett aus einem Eisblock. Die Räume haben eine schlichte Schönheit, ohne aufwendige Skulpturen. Platz für zwei Personen. Preis: ab 3.200 SEK (ca. 280 Euro) pro Nacht für zwei Personen.
Art Suite: Die Hauptattraktion. Jede Art Suite wird von einem anderen Künstler gestaltet. In der Vergangenheit gab es Räume, die wie Unterwasserwelten aussahen, wie das Innere einer Uhr, oder wie ein Dschungel aus Eis. Die Künstler bewerben sich jedes Jahr mit Entwürfen, und eine Jury wählt rund 15 Projekte aus. Preis: ab 5.800 SEK (ca. 500 Euro) pro Nacht.
Deluxe Suite: Größere Art Suites mit eigenem Bad (warm, in einem angrenzenden beheizten Gebäude). Preis: ab 8.500 SEK (ca. 740 Euro) pro Nacht.
Warm Rooms: Für alle, die die Eisbar und die Atmosphäre erleben wollen, aber nicht im Eis schlafen möchten. Die warmen Zimmer befinden sich in Holzgebäuden auf dem Gelände. Sie sind gemütlich eingerichtet, haben Heizung und eigenes Bad. Preis: ab 2.500 SEK (ca. 215 Euro) pro Nacht.
Icehotel 365 Suites: Die ganzjährig verfügbaren Eiszimmer. Aufwendig gestaltet, ähnlich den Art Suites. Geöffnet von Januar bis Dezember. Preis: ab 6.400 SEK (ca. 555 Euro) pro Nacht.
Preise und Buchung
Im Preis aller Eiszimmer enthalten sind: Expeditionsschlafsack, Bettunterlage aus Rentierfell, Einweisung in die Übernachtung, morgendliches Aufwecken mit heißem Preiselbeersaft, Frühstück im Restaurant und Zugang zur Sauna am Morgen. Das Aufwecken mit heißem Saft ist notwendig, weil es keinen Wecker im Eiszimmer gibt und man die Gäste nicht zu lange in der Kälte lassen will.
Die Hauptsaison des saisonalen Icehotels läuft von Mitte Dezember bis Mitte April. Die Buchung öffnet im Juni des Vorjahres. Art Suites und Deluxe Suites sind oft Monate im Voraus ausgebucht. Wer flexibel ist beim Datum, hat die besten Chancen auf einen Platz.
Viele Gäste buchen ein bis zwei Nächte im Icehotel und kombinieren das mit Nächten in den warmen Zimmern oder in einem Hotel in Kiruna. Eine Nacht im Eis reicht, um das Erlebnis voll mitzunehmen. Zwei Nächte sind für diejenigen sinnvoll, die beim ersten Mal vor Aufregung nicht schlafen konnten und es nochmal versuchen wollen.
Die Buchung läuft über die Website icehotel.com. Dort kann man auch Pakete buchen, die Übernachtung mit Aktivitäten kombinieren. Ein beliebtes Paket: Eine Nacht Art Suite, eine Nacht Warm Room, Hundeschlittenfahrt und Nordlichtsuche, ab 12.000 SEK (ca. 1.040 Euro) pro Person.
Was erwartet einen in der Eisbar
Die Icebar ist auch ohne Übernachtung zugänglich. Tagesbesucher können das Icehotel besichtigen und einen Drink in der Bar nehmen. Der Eintritt zur Besichtigung kostet 350 SEK (ca. 30 Euro) inklusive eines Getränks in einem Eisglas. Das Glas ist aus Eis. Der Drink auch nicht wärmer als 0 Grad. Man trinkt Wodka, Gin Tonic oder einen alkoholfreien Cocktail aus einem Gefäß, das langsam an den Lippen schmilzt.
Die Bar selbst ist ein Kunstwerk. Die Theke besteht aus einem massiven Eisblock, die Hocker aus Eis, die Wände zeigen Reliefs und Skulpturen. Die Beleuchtung kommt von LED-Leuchten, die das Eis in Blau, Violett und Weiß erstrahlen lassen. Man kann hier nicht stundenlang sitzen, weil es kalt wird. Aber 30 bis 45 Minuten reichen, um das Erlebnis aufzunehmen.
Im Sommer gibt es die Icebar by Icehotel 365, die ganzjährig geöffnet ist. Draußen blühen die Wildblumen, drinnen herrschen minus 5 Grad. Der Kontrast macht den besonderen Reiz der Sommerbesuche aus.
Aktivitäten rund ums Icehotel
Das Icehotel bietet ein umfangreiches Aktivitätenprogramm. Im Winter stehen Hundeschlittenfahrten ganz oben auf der Liste. Eine dreistündige Tour kostet ab 2.200 SEK (ca. 190 Euro) pro Person. Die Touren führen durch die Wälder rund um Jukkasjärvi, vorbei an zugefrorenen Seen und durch die Stille des lappländischen Winters.
Nordlichtsuche per Schneemobil oder Minibus ist zwischen September und März möglich. Eine geführte Tour dauert drei bis vier Stunden und kostet ab 1.800 SEK (ca. 155 Euro). Der Guide fährt an Orte mit klarem Himmel, abseits der Lichtverschmutzung. Die Gegend um Jukkasjärvi hat gute Chancen auf Polarlichter, weil sie nördlich des Polarkreises liegt und das Klima relativ trocken ist.
Weitere Aktivitäten: Rentierschlittenfahrten mit samischen Guides (ab 1.600 SEK), Eisfischen auf dem Torne-Fluss (ab 1.200 SEK), Eisskulptur-Workshops (ab 1.500 SEK, man lernt, mit Meißel und Kettensäge aus einem Eisblock eine Skulptur zu formen) und Schneeschuhwanderungen durch den Wald (ab 900 SEK).
Im Sommer bietet das Icehotel Kanufahrten auf dem Torne-Fluss, Wildnistouren und Angelausflüge. Die Mitternachtssonne scheint von Juni bis Mitte Juli und taucht die Landschaft in ein unwirkliches goldenes Licht.
Anreise nach Jukkasjärvi
Jukkasjärvi liegt 17 Kilometer östlich von Kiruna. Der Flughafen Kiruna wird von SAS und Norwegian ab Stockholm angeflogen (1,5 Stunden Flugzeit, ab 600 SEK). In der Wintersaison gibt es auch Direktflüge von London, Helsinki und gelegentlich von deutschen Flughäfen.
Vom Flughafen Kiruna bietet das Icehotel einen Shuttle-Bus an (Fahrzeit 30 Minuten, 350 SEK pro Person einfach). Alternativ ein Taxi (ca. 500 SEK) oder ein Mietwagen (ab 500 SEK/Tag). Wer mit dem Zug von Stockholm anreist, nimmt den Nachtzug der SJ (Abfahrt Stockholm Central 18 Uhr, Ankunft Kiruna morgens, ab 700 SEK im Sitzwagen, ab 1.200 SEK im Liegewagen).
Wer mit dem Auto von Deutschland kommt, fährt über Dänemark, Schweden und die E10 nach Kiruna. Von Hamburg sind es rund 2.200 Kilometer (zwei Übernachtungen unterwegs einplanen). Die Straßen in Schwedisch-Lappland sind im Winter geräumt, aber Winterreifen mit Spikes sind Pflicht.
Praktische Tipps für die Nacht im Eis
Kleidung für die Nacht: Man schläft in Thermounterwäsche und einer Mütze. Nicht in dicker Kleidung, denn der Schlafsack wärmt durch die eigene Körperwärme. Zu viel Kleidung verhindert, dass der Schlafsack richtig funktioniert. Das Icehotel gibt bei der Einweisung genaue Anweisungen.
Toilette nachts: In den Eiszimmern gibt es keine Toilette. Die nächsten WCs befinden sich im angrenzenden beheizten Gebäude, etwa 20 bis 50 Meter entfernt. Das bedeutet: Schlafsack öffnen, Schuhe anziehen, durch minus 20 Grad laufen. Es gehört zum Erlebnis.
Elektronik: Handys und Kameras verlieren bei Kälte schnell Akku. Das Handy mit in den Schlafsack nehmen, damit der Akku warm bleibt. Fotos vorher machen, nicht nachts im Dunkeln. Die Kamera am besten in der Jackentasche am Körper tragen.
Persönliche Sachen: Rucksack und Koffer bleiben in einem beheizten Gepäckraum. Ins Eiszimmer nimmt man nur den Schlafsack, eine Taschenlampe und persönliche Kleinigkeiten mit. Am Morgen wird man gegen 7:30 Uhr geweckt, bekommt heißen Preiselbeersaft und geht direkt in die Sauna. Das Aufwärmen nach der Eisnacht in der Sauna gehört zu den großen Momenten des Aufenthalts.
Essen: Das Restaurant des Icehotels serviert hochwertige nordische Küche. Das Abendmenü kostet ab 895 SEK (ca. 78 Euro) und besteht aus drei bis fünf Gängen mit lokalen Zutaten: Rentier, Saibling, Moltebeeren, Elchfleisch. Das Frühstück ist im Zimmerpreis enthalten und reichhaltig: Brot, Lachs, Eier, Haferbrei und starker Kaffee.
Häufige Fragen
Ist es im Icehotel wirklich so kalt, wie man denkt?
Die Raumtemperatur liegt bei minus 5 bis minus 8 Grad. Das ist kalt, aber der Expeditionsschlafsack ist auf minus 30 Grad ausgelegt. Im Schlafsack wird es nach wenigen Minuten angenehm warm. Das Einschlafen ist eher eine mentale Herausforderung als eine körperliche. Die meisten Gäste schlafen besser als erwartet und berichten, dass die kalte, trockene Luft sogar gut für den Schlaf ist.
Kann man das Icehotel auch besuchen, ohne dort zu übernachten?
Ja, Tagesbesucher sind willkommen. Die geführte Besichtigung kostet 350 SEK pro Person und beinhaltet einen Drink in der Icebar. Man sieht alle Art Suites und das ganzjährige Icehotel 365. Ohne Übernachtung verpasst man das Einschlaferlebnis, aber die Kunst und die Atmosphäre bekommt man auch bei einem Tagesbesuch mit.
Wann ist die beste Zeit für einen Besuch?
Januar und Februar bieten die besten Chancen auf Nordlichter und stabiles Winterwetter. Dezember hat Weihnachtsstimmung, aber die Polarnacht sorgt für nur wenige Stunden Dämmerlicht. März bringt mehr Tageslicht und mildere Temperaturen. Das saisonale Icehotel ist von Mitte Dezember bis Mitte April geöffnet. Das ganzjährige Icehotel 365 kann man auch im Sommer besuchen.
Ist das Icehotel auch für Kinder geeignet?
Übernachtungen im Eiszimmer werden ab 12 Jahren empfohlen. Jüngere Kinder können in den warmen Zimmern schlafen und tagsüber das Icehotel besichtigen. Die Aktivitäten wie Hundeschlitten und Rentierschlitten sind für Kinder ab etwa vier Jahren geeignet. Viele Familien buchen eine Kombination aus warmem Zimmer und Tagesbesuch im Eis.
Weiterführende Informationen
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.