Futuristisches Leben in Finnland – die Smart City Kalasatama 

Finnland ist bereits viermal zum glücklichsten Land der Welt gekürt worden. In den Bereichen Bildung, Technologie und sozialer Absicherung ist es den meisten Ländern voraus. Auch die finnischen Smart Cities passen in dieses Konzept. Das sind moderne Städte, die vollständig auf Effizienz, Nachhaltigkeit und soziale Inklusion abzielen. 

Was bedeutet eigentlich Smart City? 

In Finnland hat die neue Ära der Smart Cities bereits begonnen – und sie sehen gar nicht so aus wie die glatten futuristischen Versionen von Städten aus Science-Fiction Filmen. 

Die skandinavischen Länder gelten in Europa als Vorreiter intelligenter und nachhaltiger Städte. Der Begriff „Smart City“ erinnert an Utopien – elegante Wolkenkratzer, höfliche Roboter, Hologramm-Werbung und selbstfahrende Hover-Autos. Zumindest auf den ersten Blick sind die realen modernen Städte von dieser Vorstellung allerdings weit entfernt. 

In Finnland werden bei der Entwicklung von Smart Cities die Rolle der Bürger und ihre Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt. Und klar, einige Projekte sind definitiv voll von Technik und künstlicher Intelligenz. Hauptsächlich wird sich aber gefragt, wie das tägliche Leben mithilfe innovativer Dienstleistungen und Technologien verbessert werden kann. 

Beispielhafte Projekte sind die Erleichterung der Fortbewegung in der Stadt oder das Optimieren des Verkehrs und Energieverbrauchs

Kalasatama in Helsinki, Finnland
Quelle: Lev Karavanov / bigstockphoto.com

Kalasatama – vom Fischereihafen zur Smart City  

In dem Stadtteil Kalasatama in Helsinki ist die nordische Stadt der Zukunft schon Wirklichkeit. Kalasatama lässt sich übrigens grob zu „Fischhafen“ übersetzen. Die attraktive Lage direkt an einer Ostseebucht fungiert heute aber nicht mehr als Hafenanlage, sondern als Wohn- und Bürogebiet. 

Seit Herbst 2013 gilt der Stadtteil als Modellgebiet für intelligente Stadtentwicklung. Dabei werden die Bewohner, Unternehmer und die Stadt in die Planung mit einbezogen. Die Projekte dienen dazu, zur Entwicklung der Stadt beizutragen und die Erkenntnisse national und international in der Stadtplanung anzuwenden. 

Das hauptsächliche Ziel ist das Finden von Lösungen, die das tägliche Leben vereinfachen und Klimaziele unterstützen. Dabei wird experimentiert und entwickelt. Die Bewohner des Stadtteils testen aus, was einen reibungslosen Alltag unterstützt und was gegebenenfalls angepasst werden muss. 

Für eine geplante Nachbarschaftshilfe haben sich beispielsweise einige Bewohner angemeldet, da Finnen aber tendenziell ungern um Hilfe bitten, wurde das Angebot in der Realität kaum genutzt. 

Von selbstfahrenden Bussen bis zu automatischer Müllabsaugung 

Die Projekte in Kalasatama sind in alle Lebensbereiche integriert. Über eine App können die Bewohner die Technik in ihrer Wohnung regeln. Beispielsweise kann die Haus-Sauna schon auf dem Heimweg angestellt werden, damit sie beim Betreten der Wohnung sofort zur Nutzung bereit ist. 

Beim Verlassen des Hauses kann dann andererseits auch mit einem einfachen Knopfdruck der Strom in der Wohnung abgestellt werden, damit Energie gespart wird. Eine weitere sehr beliebte Anwendung ist das automatische unterirdische Absaugen des Mülls zu einer Sammelstelle.

Aber auch das äußere Stadtbild profitiert von der Entwicklung zu einer Smart City. So wird viel Wert auf eine grüne Infrastruktur gesetzt, also natürliche Flächen, die die biologische Vielfalt schützen, aber gleichzeitig auch andere Dienstleistungen gewährleisten. Dieses Konzept für die urbane Natur wird beispielsweise in einem Pilotprojekt für intelligente und umweltbewusste Tramhaltestellen demonstriert. Hier sollen grüne Infrastruktur und städtische Mobilität verbunden werden.

Andere Methoden sind die Regenwasserbewirtschaftung oder grüne Miniparks, bestehend aus Sitzbereichen und Pflanzenkästen. Und auch die ersten autonom fahrenden Busse gibt es bereits. Ganz Helsinki soll übrigens bis zum Jahr 2025 autofrei gemacht werden. 

Das Ziel: eine Stunde am Tag gewinnen

Das Hauptaugenmerk liegt in der Smart City Kalasatama auf intelligentem Wohnen, intelligenter Infrastruktur, grüner Infrastruktur und alltäglichem Wohlbefinden. Das Motto ist, den momentan 3.000 Bewohnern „eine Stunde mehr am Tag“ zu bieten. Bis zum Jahr 2035 sollen zusätzlicher Wohnraum für insgesamt 25.000 Bewohner und Arbeitsplätze für 10.000 Menschen geschaffen werden. 

2018 gewann das Modellgebiet bereits den ersten Preis als beste intelligente Nachbarschaft in der Kategorie „Gebäudeautomation“ und belegte den fünften Platz in der Kategorie „Smart City Stadtverwaltung“ des internationalen KNX Award Wettbewerbs. 

Aber Finnland fängt gerade erst an. Auch in Tampere, Vantaa und Espoo entstehen bereits Smart Cities und mit dem neuen Stadtteil Jätäsaari in Helsinki entsteht ein Bauprojekt eigens für Smart City-Entwicklungen

Fazit

Finnland macht erfolgreich vor, was in den meisten Ländern noch weit in der Zukunft liegt. In den finnischen Smart Cities geht es nicht nur um technologischen Fortschritt, sondern auch um Nachhaltigkeit und Lebensqualität.

Bei der Neugestaltung ihres Wohnviertels dürfen die Bewohner mitentscheiden und so wird in realen Bedingungen getestet, ob Veränderung überhaupt nötig ist. Die Menschen in Finnland sind wohl nicht ohne Grund dafür bekannt, so glücklich zu sein!

Die häufigsten Fragen von Reisenden

Warum brauchen wir Smart Cities?

Konzepte für urbane Räume wie das Modell der Smart City können das Stadtleben moderner, effizienter und klimaschonender machen. Gleichzeitig kann sich die Lebensqualität der Bewohner verbessern.

Sind Smart Cities eigentlich nachhaltig?

Smart Cities haben das Potenzial urbane Nachhaltigkeit zu fördern. Umweltfreundliche Praktiken, die in einer Smart City umgesetzt werden, können nämlich gleichzeitig auch andere Dienstleistungen gewähren. Ein Beispiel ist die Nutzung von Regenwasser für Toilettenspülungen.

Was sind Beispiele für eine urbane grüne Infrastruktur?

Beispiele sind Regentonnen, begrünte Gassen, Entsiegelungen in Höfen oder Grünflächen mit schattenspendenden Bäumen.