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Oulanka Nationalpark
Bärenpfad und Kitkajoki

Oulanka Nationalpark

14 Min. Lesezeit

Der Oulanka Nationalpark gehört zu den Orten in Finnland, die man nicht so schnell vergisst. Tiefe Schluchten, reißende Stromschnellen, Hängebrücken über schäumende Flüsse und Wälder, in denen Bären, Luchse und Vielfraße leben. Der Park liegt im Nordosten des Landes nahe Kuusamo und beherbergt den berühmtesten Wanderweg Finnlands: den Karhunkierros, den Bärenpfad.

Hängebrücke über den Kitkajoki Fluss im Oulanka Nationalpark
Die Hängebrücken über den Kitkajoki gehören zu den bekanntesten Fotomotiven des Parks (KI-generiert)

Mit einer Fläche von 270 Quadratkilometern ist Oulanka einer der größeren Nationalparks Finnlands. Das Gebiet wurde 1956 unter Schutz gestellt und gehört seit 2002 zum europäischen PAN Parks Netzwerk, das besonders gut erhaltene Wildnisgebiete auszeichnet. Der Park erstreckt sich entlang der Flüsse Oulankajoki und Kitkajoki, die beide tief in die Landschaft eingeschnitten sind und Schluchten geformt haben, die in dieser Form sonst nirgendwo in Finnland vorkommen.

Die Landschaft wirkt hier anders als in den weiten Ebenen Südfinnlands oder den sanften Hügeln Lapplands. Die Flüsse haben sich in den Dolomitfels gegraben, Kalkböden nähren eine Pflanzenwelt, die andernorts in Finnland fehlt, und die Nähe zum Polarkreis sorgt für ein Klima, das von extremen Gegensätzen geprägt ist: heiße Sommer mit Temperaturen über 30 Grad und bitterkalte Winter, in denen das Thermometer auf minus 40 Grad fallen kann.

Ein Park zwischen Taiga und Tundra

Oulanka liegt in einer Übergangszone. Im Süden dominiert die boreale Taiga mit ihren Fichten und Kiefern, im Norden beginnen bereits die baumlosen Fjälls, die an die Tundra erinnern. Diese Lage macht den Park zu einem Ort, an dem verschiedene Ökosysteme aufeinandertreffen. In den Flusstälern wachsen Orchideen und seltene Kalkmagerrasenpflanzen, auf den Höhen stehen knorrige Fjällbirken, die vom Wind gebeugt sind.

Die geologische Geschichte des Gebiets reicht zwei Milliarden Jahre zurück. Der Dolomit, der die Flusstäler prägt, entstand in einem tropischen Meer, als Finnland noch nahe dem Äquator lag. Im Laufe der Jahrmillionen wurde das Gestein gefaltet, gebrochen und von Gletschern überformt. Das Ergebnis sind die steilen Felswände und Schluchten, die dem Park seinen dramatischen Charakter geben. An einigen Stellen tritt das Grundwasser aus Kalkquellen aus und bildet kleine Bäche, deren Wasser so klar ist, dass man jeden Stein auf dem Grund erkennen kann.

Der Oulankajoki selbst ist ein Fluss von starker Kraft. Er entspringt in Russland, durchfließt den Nationalpark und mündet in den Kemijoki, den längsten Fluss Finnlands. Seine Stromschnellen, allen voran die Kiutaköngäs, sind legendär. An diesen Stellen zwängt sich der Fluss durch enge Felsrinnen und stürzt schäumend über Stufen hinab. Die Kiutaköngäs sind vom Besucherzentrum aus über einen kurzen, gut ausgebauten Weg erreichbar und bieten einen der eindrucksvollsten Anblicke des gesamten Parks.

Der Karhunkierros Bärenpfad

Wanderer auf dem Karhunkierros Bärenpfad im Oulanka Nationalpark
Der Bärenpfad führt auf 80 Kilometern durch die wildeste Landschaft Finnlands (KI-generiert)

Der Karhunkierros ist der bekannteste Fernwanderweg Finnlands. Er erstreckt sich über 80 Kilometer von Hautajärvi im Süden bis zum Besucherzentrum des Parks und führt durch Schluchten, über Hängebrücken, entlang von Flussufern und durch alte Wälder. Die meisten Wanderer brauchen vier bis sechs Tage für die gesamte Strecke, wobei die Etappen je nach Fitness und Tempo variieren. Der Weg ist durchgehend mit orangefarbenen Markierungen auf Bäumen und Felsen gekennzeichnet.

Die einzelnen Abschnitte unterscheiden sich deutlich voneinander. Der südliche Teil führt durch flaches Gelände mit Mooren und Birkenwäldern. Dann beginnt die Schlucht des Kitkajoki, wo der Weg steil hinab zum Fluss führt und man die ersten Hängebrücken überquert. Diese Brücken schwanken leicht unter den Schritten, und das Wasser schäumt weit unten. Das Gefühl, so nah über den reißenden Stromschnellen zu stehen, gehört zu den intensivsten Momenten der Wanderung.

Entlang des Weges gibt es elf Schutzhütten, sogenannte Laavus und Tupaküchen. Die Laavus sind offene, halbkreisförmige Holzunterstände mit einer Feuerstelle davor. Die Tupaküchen sind geschlossene Hütten mit Kocher, Geschirr und einer Schlafkoje. Beide stehen jedem Wanderer kostenlos zur Verfügung und werden von der Forstverwaltung instand gehalten. Brennholz liegt bereit, und in der Nähe jeder Hütte gibt es eine Feuerstelle und ein Plumpsklo. Die Regel lautet: Man hinterlässt die Hütte so, wie man sie vorgefunden hat, und hackt genügend Holz für den nächsten Besucher.

Der Bärenpfad ist kein Spaziergang. Einige Abschnitte sind steil und felsig, andere führen durch feuchtes Gelände, wo der Boden schlammig sein kann. Feste Wanderstiefel mit Knöchelschutz sind Pflicht. Ein leichter Rucksack mit Schlafsack, Essen, Wasserfilter und Regenschutz reicht für die Tour aus. Das Wasser aus den Bächen und Quellen im Park ist in der Regel trinkbar, sollte aber sicherheitshalber gefiltert werden.

Der Kleine Bärenpfad

Wer nicht die gesamten 80 Kilometer laufen möchte, kann den Pieni Karhunkierros wählen, den Kleinen Bärenpfad. Diese 12 Kilometer lange Rundwanderung startet und endet am Besucherzentrum und führt an den schönsten Stellen des nördlichen Parkteils vorbei. Man passiert die Kiutaköngäs Stromschnellen, überquert zwei Hängebrücken, wandert durch eine enge Schlucht und genießt Aussichtspunkte über das Flusstal.

Die Rundwanderung dauert etwa vier bis fünf Stunden und ist auch für weniger erfahrene Wanderer machbar, vorausgesetzt, man hat festes Schuhwerk und eine gewisse Grundkondition. Einige Passagen sind steil und erfordern Trittsicherheit, aber nirgends wird es wirklich gefährlich. An der Feuerstelle Taivalköngäs etwa auf halber Strecke kann man eine längere Pause einlegen und über dem Feuer Würstchen grillen.

Der Kleine Bärenpfad eignet sich auch als Tagestour für Reisende, die in der Region Kuusamo unterwegs sind. Von der Stadt sind es etwa 50 Kilometer bis zum Besucherzentrum, und die Straße ist ganzjährig befahrbar. In der Hauptsaison von Juni bis September gibt es zudem einen Shuttlebus, der zwischen Kuusamo und dem Park verkehrt.

Kitkajoki und seine Stromschnellen

Stromschnellen des Kitkajoki im Oulanka Nationalpark
Der Kitkajoki stürzt über Felsstufen und bildet einige der schönsten Stromschnellen Finnlands (KI-generiert)

Der Kitkajoki ist der wildeste Fluss des Nationalparks. Auf seinem Weg durch die Schlucht stürzt er über mehrere Stromschnellen hinab, die bei Kanuten und Kajakfahrern einen legendären Ruf genießen. Die Stromschnellen tragen Namen wie Niskakoski, Aallokkokoski und Myllykoski, und jede von ihnen hat ihren eigenen Charakter. Manche sind ruhigere Gefälle, andere sind tobende Wasserwalzen, die nur von erfahrenen Paddlern befahren werden sollten.

Geführte Raftingtouren auf dem Kitkajoki werden von mehreren Anbietern in Kuusamo angeboten. Die Touren dauern zwischen zwei und vier Stunden und führen durch mehrere Stromschnellen der Klasse II bis III. Vorkenntnisse sind nicht nötig, da erfahrene Guides das Boot steuern und die Teilnehmer vorher einweisen. Die Ausrüstung, bestehend aus Neoprenanzug, Helm und Schwimmweste, wird gestellt. Eine Raftingtour kostet zwischen 60 und 90 EUR pro Person und gehört zu den aufregendsten Naturerlebnissen in ganz Finnland.

Für Kajakfahrer, die auf eigene Faust unterwegs sein wollen, gibt es Verleihe in Kuusamo und Ruka. Eine Tagesmiete für ein Wildwasserkajak liegt bei etwa 50 EUR. Allerdings sollte man die Stromschnellen des Kitkajoki nur befahren, wenn man über entsprechende Erfahrung verfügt. Die Strömung ist stellenweise sehr stark, und Unterspülungen und Felsen machen den Fluss zu einer ernsthaften Herausforderung. Einsteiger sind mit den ruhigeren Abschnitten des Oulankajoki besser beraten.

Flora und Fauna

Die Tierwelt im Oulanka Nationalpark ist die eines borealen Waldgebiets an der Grenze zur Arktis. Braunbären durchstreifen die Wälder, bleiben aber in der Regel unsichtbar für Wanderer. Ihre Spuren dagegen sind allgegenwärtig: Kratzspuren an Bäumen, umgewälzte Steine und gelegentlich Fußabdrücke im Schlamm. Luchse, Vielfraße und Wölfe leben ebenfalls im Park, sind aber noch scheuer als die Bären. Elche und Rentiere dagegen sieht man häufiger, besonders in den Mooren und an den Flussufern, wo sie im Sommer frisches Grün finden.

Die Vogelwelt ist vielfältig. An den Flüssen brüten Wasseramseln und Gänsesäger, in den alten Wäldern klopfen Schwarzspechte und Dreizehenspechte, und auf den offenen Fjälls kann man mit Glück Goldregenpfeifer und Schneeammern beobachten. Der Fluss beherbergt auch eine stabile Population von Bachforellen und Äschen, was den Oulanka zu einem begehrten Ziel für Fliegenfischer macht. Eine Angelerlaubnis für den Nationalpark kostet 7 EUR pro Tag.

Botanisch ist Oulanka eine Besonderheit. Dank der Kalkböden wachsen hier Orchideen wie der Frauenschuh und das Brandknabenkraut, die man in Finnland sonst kaum findet. An den Flussufern blühen im Frühsommer Sumpfdotterblumen und Trollblumen in dichten Teppichen. Im Herbst färben sich die Blaubeersträucher rot, die Birken golden und die Espen orange, was dem Park eine Farbenpracht verleiht, die ihresgleichen sucht.

Schutzhütten und Übernachtung

Schutzhütte am Wanderweg im Oulanka Nationalpark
Die Schutzhütten entlang des Bärenpfads bieten einfache, aber komfortable Übernachtungsmöglichkeiten (KI-generiert)

Entlang des Bärenpfads und an anderen Stellen im Park gibt es insgesamt mehr als 20 Feuerstellen und Schutzhütten. Die offenen Laavus bieten Platz für zwei bis vier Personen und sind so ausgerichtet, dass die Wärme des Feuers in den Unterstand reflektiert wird. In kühlen Nächten, die im September schon knapp über den Gefrierpunkt fallen können, ist ein guter Schlafsack unerlässlich.

Die geschlossenen Wildnishütten, auf Finnisch autiotupa, sind etwas komfortabler. Sie haben Wände, ein Dach, einen Holzofen zum Heizen und Kochen sowie Schlafpritschen. Geschirr und Werkzeug sind vorhanden. Diese Hütten stehen jedem zur Verfügung und können nicht reserviert werden. In der Hochsaison im Juli und August kann es vorkommen, dass eine Hütte bereits belegt ist, weshalb man immer ein Zelt als Reserveoption dabeihaben sollte.

Außerhalb des Parks bieten das Skigebiet Ruka und die Stadt Kuusamo zahlreiche Unterkunftsmöglichkeiten. In Ruka gibt es Hotels, Ferienwohnungen und Hütten ab etwa 90 EUR pro Nacht. In Kuusamo findet man auch günstigere Pensionen und Hostels. Für die Anreise zum Park empfiehlt sich ein Mietwagen, der in Kuusamo ab etwa 50 EUR pro Tag verfügbar ist.

Der Park im Winter

Herbstliche Laubfärbung im Oulanka Nationalpark
Im Herbst verwandeln sich die Wälder des Oulanka in ein leuchtendes Farbenmeer (KI-generiert)

Der Winter verwandelt Oulanka in eine vollkommen andere Welt. Von November bis April liegt der Schnee oft einen Meter hoch, die Flüsse sind teilweise zugefroren, und die Temperaturen können auf minus 30 Grad und darunter sinken. Trotzdem ist der Park auch im Winter zugänglich und bietet Erlebnisse, die man im Sommer nicht haben kann.

Schneeschuhwanderungen entlang der Sommerwege sind möglich, erfordern aber Erfahrung und gute Vorbereitung. Der Schnee kann so tief sein, dass man ohne Schneeschuhe bis zur Hüfte einsinkt. Die Hängebrücken sind auch im Winter begehbar, können aber bei Vereisung rutschig sein. Das Besucherzentrum informiert über die aktuellen Bedingungen und leiht Schneeschuhe gegen eine geringe Gebühr aus.

Das benachbarte Skigebiet Ruka mit seinen 34 Abfahrtspisten und über 500 Kilometern Langlaufloipen ist ein beliebter Ausgangspunkt für Winterbesuche im Park. Viele Reisende kombinieren einen Skiurlaub in Ruka mit Tagesausflügen nach Oulanka. In der Region werden außerdem Husky Safaris, Schneemobiltouren und Nordlichtertouren angeboten, die den Winteraufenthalt abrunden. Einen Tagespass für das Skigebiet Ruka gibt es ab 49 EUR.

Anreise und praktische Hinweise

Kuusamo ist der Ausgangspunkt für den Besuch des Oulanka Nationalparks. Die Stadt hat einen eigenen Flughafen, der von Finnair ganzjährig von Helsinki aus angeflogen wird. Die Flugzeit beträgt etwa eine Stunde und zwanzig Minuten. Frühbucher finden Flüge ab 80 EUR für die einfache Strecke. Vom Flughafen zum Park sind es rund 50 Kilometer, die man am besten mit dem Mietwagen zurücklegt.

Mit dem Zug fährt man von Helsinki nach Oulu und steigt dort in den Bus nach Kuusamo um. Die Reise dauert insgesamt etwa acht Stunden. Wer den Nachtzug nimmt, spart Zeit und kommt am Morgen in Oulu an. Der Nachtzug von Helsinki nach Oulu kostet zwischen 35 und 90 EUR je nach Komfortstufe. Die Busfahrt von Oulu nach Kuusamo dauert dreieinhalb Stunden und kostet etwa 30 EUR.

Das Besucherzentrum des Nationalparks in Hautajärvi ist von Mai bis September täglich geöffnet, im Winter an den Wochenenden. Hier bekommt man Wanderkarten, Informationen zu den aktuellen Bedingungen und kann Brennholzmarken für die Schutzhütten erwerben. Der Eintritt in den Nationalpark ist kostenlos. Eine Wanderkarte kostet 12 EUR und ist jeden Cent wert, da die Handyempfang in weiten Teilen des Parks nicht gegeben ist.

Häufige Fragen zu Oulanka

Wie lang ist der Bärenpfad?

Der Karhunkierros erstreckt sich über 80 Kilometer von Hautajärvi bis zum nördlichen Besucherzentrum. Die meisten Wanderer brauchen vier bis sechs Tage. Der Kleine Bärenpfad ist eine 12 Kilometer lange Rundwanderung, die an einem Tag machbar ist.

Brauche ich eine Reservierung für die Schutzhütten?

Die offenen Laavus und die Wildnishütten stehen jedem ohne Reservierung zur Verfügung. In der Hochsaison im Juli und August kann es eng werden. Ein Zelt als Alternative mitzunehmen ist ratsam.

Gibt es Bären im Park?

Im Oulanka leben Braunbären, die aber Menschen meiden. Begegnungen sind selten. Lebensmittel sollten in den Hütten aufbewahrt werden, und man sollte beim Wandern Geräusche machen, um Bären nicht zu überraschen.

Wann ist die beste Wanderzeit?

Die Hauptsaison liegt zwischen Juni und September. Im Juni gibt es Mitternachtssonne, im Juli und August sind die Temperaturen am wärmsten, und im September verwandelt die Laubfärbung den Park in ein Farbspektakel. Die Mückenbelastung ist im Juni und Juli am höchsten.

Kann man im Kitkajoki raften?

Geführte Raftingtouren werden von mehreren Anbietern in Kuusamo angeboten. Die Touren kosten zwischen 60 und 90 EUR, dauern zwei bis vier Stunden und führen durch Stromschnellen der Klasse II bis III. Ausrüstung wird gestellt, Vorkenntnisse sind nicht nötig.

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Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026