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Hossa Nationalpark
Felsmalereien und klare Seen in Kainuu

Hossa Nationalpark

14 Min. Lesezeit

In der Region Kainuu, im Osten Finnlands nahe der russischen Grenze, liegt ein Nationalpark, den viele Reisende noch nicht auf dem Schirm haben. Hossa wurde erst 2017 gegründet und ist damit Finnlands jüngster Nationalpark. Die Gründung fiel bewusst auf das hundertjährige Jubiläum der finnischen Unabhängigkeit, ein Geburtstagsgeschenk der Regierung an die Natur und die Bevölkerung. Was Hossa auszeichnet, sind seine kristallklaren Seen, die uralten Felsmalereien am Värikallio und eine Stille, die selbst für finnische Verhältnisse außergewöhnlich ist.

Prähistorische Felsmalereien am Värikallio im Hossa Nationalpark
Die Felsmalereien am Värikallio sind über 4 000 Jahre alt und zeigen Menschen, Tiere und Boote (KI-generiert)

Der Park umfasst 110 Quadratkilometer und erstreckt sich über eine Landschaft aus Kiefernwäldern, Eskermoränen und mehr als 130 Seen und Teichen. Die Gegend war schon lange vor der Parkgründung als Erholungsgebiet bekannt, doch erst der Status als Nationalpark brachte die nötige Infrastruktur und den Schutz, den dieses Gebiet verdient. Heute kommen jährlich rund 100 000 Besucher, die meisten im Sommer, wenn die Seen zum Baden und Paddeln einladen.

Kainuu ist eine der am dünnsten besiedelten Regionen Finnlands. Die nächste größere Stadt, Kuusamo, liegt etwa 60 Kilometer nördlich. In der unmittelbaren Umgebung des Parks leben nur wenige Hundert Menschen. Diese Abgeschiedenheit macht Hossa zu einem Ort, an dem man die finnische Natur in ihrer ursprünglichen Form erleben kann, ohne die Menschenmassen, die manche der bekannteren Parks in der Hochsaison prägen.

Ein Park zum Jubiläum

Die Gründung des Hossa Nationalparks am 17. Juni 2017, dem hundertsten Jahrestag der finnischen Unabhängigkeit, war ein symbolischer Akt. Finnland feierte sein Jubiläum mit zahlreichen Projekten, und die Einrichtung eines neuen Nationalparks gehörte zu den sichtbarsten. Der damalige Präsident Sauli Niinistö besuchte den Park am Eröffnungstag und sprach davon, dass die Natur Finnlands größter Schatz sei.

Vor der Parkgründung war das Gebiet bereits seit den 1970er Jahren ein staatliches Erholungsgebiet. Die Wanderwege, Kanurouten und Schutzhütten existierten schon, doch der Nationalparkstatus brachte strengeren Schutz und bessere Finanzierung. Neue Beschilderungen wurden angebracht, das Besucherzentrum wurde ausgebaut, und die Felsmalereien am Värikallio bekamen eine angemessene Präsentation. Für die lokale Bevölkerung bedeutete die Gründung auch wirtschaftliche Impulse, denn mit dem Parkstatus kamen mehr Besucher und mehr Nachfrage nach Unterkünften und Führungen.

Heute zählt Hossa zu den Geheimtipps unter den finnischen Nationalparks. Er ist weniger bekannt als die lappländischen Parks oder Oulanka, bietet aber eine Vielfalt an Erlebnissen, die ihresgleichen sucht. Wer die Kombination aus Kulturgeschichte, Wassersport und unberührter Natur schätzt, findet in Hossa alles, was er braucht.

Die Felsmalereien von Värikallio

Das kulturelle Herzstück des Hossa Nationalparks sind die Felsmalereien am Värikallio, einer steil aufragenden Felswand am Ufer des Somerjärvi Sees. Die Malereien sind über 4 000 Jahre alt und stammen aus der Steinzeit, als Jäger und Sammler durch diese Gegend zogen. Mit rotem Ocker, gewonnen aus Eisenerz, malten sie Figuren auf den Fels: Menschen, Elche, Boote und geometrische Muster. Deren genaue Bedeutung ist bis heute rätselhaft.

Der Värikallio ist die größte zusammenhängende Felsmalerei-Fundstelle Finnlands. Über 60 einzelne Figuren wurden identifiziert, manche nur wenige Zentimeter groß, andere bis zu einem halben Meter. Die Malereien befinden sich an einer Stelle, die vom Wasser aus gut sichtbar ist, und Archäologen vermuten, dass der Ort für rituelle Zwecke genutzt wurde. Vielleicht war es ein Heiligtum, an dem Jäger um erfolgreiche Jagd baten, oder ein Treffpunkt verschiedener Gruppen, die hier Handel trieben.

Man erreicht den Värikallio über einen Wanderweg oder mit dem Kanu über den Somerjärvi See. Die Felsmalereien liegen direkt am Wasser und sind von einer Aussichtsplattform aus zu betrachten. Eine Informationstafel erklärt die einzelnen Figuren und ihren möglichen Kontext. Der Ort hat eine eigene Atmosphäre: Die stille Wasserfläche, die aufragende Felswand und das Wissen, dass Menschen hier vor Jahrtausenden standen und ihre Spuren hinterließen, schaffen einen Moment, der sich einprägt.

Seen und Wasserläufe

Kristallklarer See im Hossa Nationalpark mit Sandgrund und Kiefernwald
Viele Seen in Hossa haben einen sandigen Grund und so klares Wasser, dass man mehrere Meter tief sehen kann (KI-generiert)

Wasser ist das prägende Element des Hossa Nationalparks. Über 130 Seen und Teiche liegen auf dem Parkgebiet, verbunden durch Bäche und Flüsse, die sich durch die Kiefernwälder schlängeln. Viele dieser Seen haben einen sandigen Grund und so klares Wasser, dass man bis auf den Boden sehen kann. Der Julma-Ölkky, eine schmale, von steilen Felswänden eingerahmte Schlucht, die sich mit Wasser gefüllt hat, ist der eindrucksvollste unter ihnen.

Der Julma-Ölkky ist etwa zwei Kilometer lang und stellenweise nur 50 Meter breit. Seine Felswände ragen bis zu 50 Meter über die Wasseroberfläche auf, was dem Gewässer eine fast fjordähnliche Atmosphäre verleiht. Man kann den Julma-Ölkky auf einem Wanderweg umrunden oder mit dem Kanu durchpaddeln. Beide Varianten bieten ganz eigene Perspektiven auf die steilen Felswände und das dunkle, tiefe Wasser.

Der Iso-Valkeainen See im Herzen des Parks ist einer der klarsten Seen der Region. Sein Wasser hat eine natürliche Sichttiefe von bis zu acht Metern, was ihn zu einem beliebten Badeplatz macht. Im Sommer erreicht die Wassertemperatur 18 bis 20 Grad. Am Ufer gibt es einen Sandstrand und eine Feuerstelle, an der man nach dem Schwimmen Würstchen grillen kann. Die Kombination aus klarem Wasser, Sandstrand und Kiefernduft macht das Baden hier zu einem Erlebnis, das man nicht mit einem städtischen Freibad vergleichen kann.

Kanu und Kajak

Kanufahrer auf einem stillen See im Hossa Nationalpark bei Abendlicht
Per Kanu erreicht man die abgelegensten Seen und die Felsmalereien am Värikallio (KI-generiert)

Die Seen und Wasserläufe des Hossa Nationalparks bilden ein natürliches Netz aus Kanurouten, das zu den vielseitigsten in ganz Finnland gehört. Es gibt markierte Routen von einem Tag bis zu einer Woche Dauer, die durch verschiedene Seen und über kurze Portagen führen. An den Ufern stehen Schutzhütten und Feuerstellen, die als Rastplätze und Übernachtungsmöglichkeiten dienen.

Die beliebteste Kanuroute führt über den Somerjärvi und den Öllöri See zum Värikallio, wo man die Felsmalereien vom Wasser aus betrachten kann. Die Strecke ist 15 Kilometer lang und lässt sich an einem Tag paddeln. Unterwegs passiert man schmale Durchfahrten zwischen Schilfbänken, gleitet über spiegelglatte Seen und paddelt an Felsufern entlang, an denen Birken und Kiefern ihre Wurzeln ins Wasser strecken. Die Route ist auch für Anfänger geeignet, da es keine Stromschnellen gibt.

Für erfahrene Paddler bieten sich mehrtägige Routen an, die bis zu 60 Kilometer umfassen und durch die abgelegensten Teile des Parks führen. Auf diesen Touren übernachtet man in Zelten oder Schutzhütten und erlebt eine Stille, die nur vom Schlag des Paddels und dem Ruf der Prachttaucher durchbrochen wird. Kanus kann man am Besucherzentrum oder bei lokalen Anbietern mieten. Ein Tagesmietpreis liegt bei 35 bis 50 EUR für ein Zweier-Kanu.

Wanderwege und Natur

Kiefernwald mit Flechtengrund im Hossa Nationalpark
Die lichten Kiefernwälder in Hossa wachsen auf Eskermoränen mit Flechten und Moosgrund (KI-generiert)

Das Wanderwegenetz in Hossa umfasst rund 90 Kilometer markierte Pfade. Die Wege führen durch lichte Kiefernwälder, über sandige Eskermoränen und an Seen entlang. Die Esker, lang gestreckte Hügelrücken aus Sand und Kies, die von den Schmelzwassern der Eiszeit aufgeschüttet wurden, geben der Landschaft eine wellige Form und bieten von ihren Kämmen aus weite Blicke über die umliegenden Seen.

Der Julma-Ölkky Rundweg ist die bekannteste Wanderung im Park. Die 10 Kilometer lange Strecke führt um die Schlucht herum, über Felsrücken und durch Wald, und bietet immer wieder Ausblicke auf das tiefe Wasser unter den Klippen. An einer Stelle führt eine Hängebrücke über eine enge Passage, was für einen Nervenkitzel sorgt. Die Wanderung dauert drei bis vier Stunden und ist technisch nicht schwierig, erfordert aber trittsicheres Schuhwerk auf den felsigen Abschnitten.

Die Tierwelt in Hossa umfasst Elche, Rentiere, Biber und zahlreiche Vogelarten. Fischadler jagen über den Seen, und in den Wäldern leben Spechte, Auerhühner und verschiedene Eulenarten. Im Frühsommer kann man Birkhähne bei der Balz beobachten, ein Schauspiel, das Vogelkundler aus ganz Europa anlockt. Die Sichtung von Großraubtieren ist unwahrscheinlich, obwohl Bären, Wölfe und Vielfraße gelegentlich durch das Gebiet streifen.

Im Spätsommer reifen Blaubeeren, Preiselbeeren und Pilze in den Wäldern. Das finnische Jedermannsrecht erlaubt das freie Sammeln, und wer im August oder September wandert, kann seinen Proviant mit frisch gepflückten Beeren und Steinpilzen ergänzen. Die Kiefernwälder auf den sandigen Eskern sind besonders ergiebig für Pilzsammler.

Angeln in Hossa

Hossa ist ein ausgezeichnetes Angelrevier. In den klaren Seen leben Barsche, Hechte, Zander und verschiedene Weißfischarten. Der Iso-Valkeainen ist für seinen Hecht bekannt, und im Somerjärvi lassen sich gute Barsche fangen. Für das Angeln mit der Handangel ist keine Lizenz erforderlich, denn das finnische Jedermannsrecht erlaubt das einfache Angeln mit einer Angel und einem Haken in allen Gewässern.

Wer mit Spinnrute oder Wobbler angeln möchte, braucht eine Fiskesteuer (kalastonhoitomaksu), die 47 EUR pro Jahr oder 7 EUR pro Tag kostet. Die Lizenz ist online unter eräluvat.fi erhältlich. Zusätzlich braucht man für einige Gewässer im Park eine Gebietslizenz, die ebenfalls online oder am Besucherzentrum gekauft werden kann. Eine Tageslizenz für Spinnfischen kostet 8 bis 12 EUR.

Die beste Angelzeit ist von Mai bis September. Im Frühsommer, wenn das Wasser sich erwärmt, werden die Hechte besonders aktiv. Im Herbst sind die Barsche in Beißlaune, und man kann vom Ufer oder vom Boot aus ausgezeichnete Fänge machen. Das Angeln vom Kanu aus, während man über die stillen Seen paddelt, verbindet zwei der schönsten Aktivitäten, die Hossa zu bieten hat.

Winter in Hossa

Verschneite Landschaft im Hossa Nationalpark mit zugefrorenem See
Im Winter wird Hossa zu einer stillen Schneelandschaft mit zugefrorenen Seen und gespurten Loipen (KI-generiert)

Von November bis April liegt Hossa unter einer dicken Schneedecke. Die Seen frieren zu, die Wälder versinken im Weiß, und die Temperaturen fallen bis auf minus 30 Grad. Für Langläufer wird ein Loipennetz von rund 60 Kilometern gespurt, das durch die verschneiten Kiefernwälder führt und immer wieder Ausblicke auf die zugefrorenen Seen bietet. Die Loipen sind kostenlos und werden regelmäßig gepflegt.

Schneeschuhwanderungen auf den Eskerrücken bieten eine andere Perspektive auf die Winterlandschaft. Von den Hügelkämmen aus sieht man über die weiße Fläche der Seen und die schneebeladenen Baumkronen. Die Stille ist im Winter noch intensiver als im Sommer, und an klaren Nächten flimmern Nordlichter über den Himmel. Hossa liegt weit genug im Norden, um regelmäßig Aurora-Aktivität zu erleben, und die geringe Lichtverschmutzung macht die Beobachtung besonders eindrucksvoll.

Eisangeln gehört zu den traditionellen Winterbeschäftigungen in Hossa. Man bohrt ein Loch ins Eis, setzt sich auf einen Hocker und wartet geduldig auf den Biss. Die Ausrüstung ist einfach: ein Eisbohrer, eine kurze Angel und ein warmer Sitzplatz. Barsche und Zander beißen auch unter dem Eis, und der Fang wandert oft direkt über ein Lagerfeuer am Seeufer in die Pfanne.

Anreise und Übernachtung

Hossa liegt zwischen den Orten Suomussalmi und Kuusamo im östlichen Finnland. Der nächste Flughafen ist Kuusamo, etwa 60 Kilometer nördlich. Von Helsinki fliegt Finnair nach Kuusamo in knapp zwei Stunden. Am Flughafen stehen Mietwagen bereit, und die Fahrt nach Hossa dauert etwa eine Stunde. Busverbindungen existieren, sind aber selten und erfordern Planung.

Im Park gibt es kostenlose Schutzhütten und Feuerstellen, die nach dem üblichen Prinzip funktionieren: Platz teilen, Brennholz nachhacken, saüber hinterlassen. Für mehr Komfort bieten mehrere Anbieter in der Umgebung Ferienhäuser und Blockhütten an. Eine Hütte für vier Personen mit Sauna kostet ab 80 EUR pro Nacht im Sommer und ab 100 EUR im Winter.

Das Besucherzentrum am Eingang des Parks informiert über Wanderrouten, Kanustrecken, Angelmöglichkeiten und aktuelle Bedingungen. Hier kann man auch Karten kaufen, Kanus mieten und sich zu geführten Touren anmelden. Der Eintritt in den Nationalpark ist kostenlos. Wer mit dem Auto kommt, findet an den Haupteingängen Parkplätze, die 5 EUR pro Tag kosten.

Häufige Fragen zum Hossa Nationalpark

Was macht Hossa besonders im Vergleich zu anderen Nationalparks?

Hossa vereint prähistorische Felsmalereien, außergewöhnlich klare Seen und ein ausgebautes Kanuroutennetz auf engem Raum. Die Kombination aus Kultur und Natur ist in Finnland anders als alles andere.

Wie alt sind die Felsmalereien am Värikallio?

Die Malereien sind über 4 000 Jahre alt und stammen aus der Steinzeit. Sie zeigen Menschen, Elche, Boote und geometrische Muster und sind die größte Felsmalerei-Fundstelle Finnlands.

Kann man in Hossa Kanus mieten?

Am Besucherzentrum und bei lokalen Anbietern kann man Kanus und Kajaks mieten. Ein Tagesmietpreis liegt bei 35 bis 50 EUR für ein Zweier-Kanu. Es gibt markierte Routen von einem Tag bis zu einer Woche.

Braucht man eine Angelerlaubnis in Hossa?

Das einfache Angeln mit Handangel ist kostenlos erlaubt. Für Spinnfischen braucht man die staatliche Fiskesteuer (7 EUR pro Tag) und gegebenenfalls eine Gebietslizenz (8 bis 12 EUR pro Tag).

Wie komme ich nach Hossa?

Der nächste Flughafen ist Kuusamo, etwa 60 Kilometer entfernt. Von dort braucht man mit dem Mietwagen eine Stunde. Busverbindungen existieren, sind aber selten. Mit dem Auto aus Helsinki dauert die Fahrt etwa sieben Stunden.

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Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026