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Rauma
UNESCO-Altstadt und Spitzenklöppeln an der Westküste

Rauma

13 Min. Lesezeit

An der Westküste Finnlands liegt eine Stadt, die gleich zwei UNESCO-Welterbestaetten beherbergt. Rauma ist bekannt für die größte zusammenhaengende Holzstadt Skandinaviens und für die bronzezeitliche Grabstaette Sammallahdenmäki. Doch das ist laengst nicht alles: Die Tradition des Spitzenklöppelns hat dem Ort eine künstlerische Seele gegeben, die in den schmalen Gassen und bunten Hausfassaden allgegenwaertig ist.

Rund 39.000 Menschen leben in Rauma. Die Stadt liegt etwa 240 Kilometer nordwestlich von Helsinki am Bottnischen Meerbusen und ist ein Ort, den viele Finnland-Reisende erst bei ihrem zweiten oder dritten Besuch entdecken. Wer sich aber auf den Weg macht, wird mit einer der charmantesten Kleinstaedte des Landes belohnt, in der Geschichte und Gegenwart auf natürliche Weise miteinander verschmelzen.

Bunte Holzhaeuser in der Altstadt von Rauma
Die bunten Holzhaeuser der Altstadt Vanha Rauma (KI-generiert)

Rauma im Überblick

Rauma gehört zu den ältesten Städten Finnlands. Die Gruendung geht auf ein Franziskanerkloster zurück, das im 15. Jahrhundert errichtet wurde. Um das Kloster herum wuchs eine Siedlung, die sich rasch zu einem bedeutenden Handelsplatz an der Ostsee entwickelte. Holz, Teer und Fisch wurden von hier aus verschifft, und die Seefahrt praegte den Charakter der Stadt über Jahrhunderte.

Was Rauma von anderen finnischen Städten unterscheidet, ist die bemerkenswerte Kontinuitaet. Waehrend viele finnische Städte im Laufe der Jahrhunderte durch Braende zerstört und modern wieder aufgebaut wurden, hat Rauma seinen historischen Kern bewahrt. Die Altstadt überdauerte, weil die Bewohner nach jedem Brand die Haeuser im gleichen Stil wiederherstellten. Seit 1991 gehört Vanha Rauma zum UNESCO-Welterbe.

Die Einheimischen sprechen einen eigenen Dialekt, den sogenannten Rauman giäl. Dieser Dialekt weicht so stark vom Standardfinnisch ab, dass selbst Finnen aus anderen Landesteilen Schwierigkeiten haben, ihn zu verstehen. Er enthält Lehnwoerter aus dem Schwedischen, Estnischen und Deutschen, die auf die jahrhundertelangen Handelsbeziehungen der Stadt zurückgehen.

Die Altstadt Vanha Rauma

Vanha Rauma, die Altstadt, umfasst rund 600 Holzgebaeude auf einer Fläche von etwa 29 Hektar. Es ist die größte zusammenhaengende Holzstadt in ganz Skandinavien und eine der besterhaltenen in Nordeuropa. Die Haeuser stammen aus dem 17. bis 19. Jahrhundert und sind in kraeftigen Farben gestrichen: Ockergelb, Rostrot, Hellblau, Mintgruen. Jedes Haus hat seine eigene Persoenlichkeit.

Was Vanha Rauma von einem Freilichtmuseum unterscheidet, ist die Tatsache, dass die Altstadt lebendig ist. In den historischen Gebaeuden befinden sich Wohnungen, Geschaefte, Cafes, Werkstaetten und kleine Museen. Rund 800 Menschen leben noch immer in der Altstadt, und das taegliche Treiben in den Gassen gibt dem Viertel eine Authentizitaet, die in vielen anderen historischen Staetten fehlt.

Historische Holzhaeuser in der UNESCO-Altstadt Vanha Rauma
Historische Holzhaeuser praegen das Bild von Vanha Rauma (KI-generiert)

Der zentrale Platz der Altstadt ist der Kauppatori, der Marktplatz. Hier findet im Sommer ein Wochenmarkt statt, auf dem lokale Erzeugnisse, Handwerk und Spitzenarbeiten angeboten werden. Am Marktplatz steht auch das alte Rathaus, das heute als Ausstellungsraum dient. Rundum reihen sich Cafes mit Aussenplaetzen aneinander, und im Juli, während der Spitzenwoche, verwandelt sich der Platz in eine Festbuehne.

Ein Spaziergang durch die Altstadt fuehrt durch Gassen, die so schmal sind, dass zwei Personen kaum aneinander vorbeikommen. An manchen Ecken öffnen sich überraschend kleine Hoefe, die mit Blumen und Kraeutern bepflanzt sind. Die Haeuser sind mit handgeschnitzten Tuerverzierungen und schmiedeeisernen Beschlaegen versehen. Wer genau hinschaut, entdeckt an vielen Fassaden kleine Tafeln, die das Baujahr und den früheren Besitzer angeben.

Das Marela-Haus ist eines der herausragenden Gebaeude der Altstadt. Es wurde im 18. Jahrhundert erbaut und gehörte einem wohlhabenden Reeder. Heute dient es als Museum und zeigt, wie die Oberschicht Raumas damals lebte. Die Einrichtung ist weitgehend original erhalten, von den gemalten Decken bis zu den importierten Ofenkacheln. Der Eintritt betraegt 6 Euro für Erwachsene.

Spitzenkloeppeln und die Pitsiviikko

Die Tradition des Spitzenklöppelns kam im 17. Jahrhundert nach Rauma, vermutlich durch Kontakte mit belgischen und niederlaendischen Handelsleuten. In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich eine eigenstaendige Klöppeltradition, die so eng mit der Stadt verbunden ist, dass Rauma heute als Hauptstadt des finnischen Spitzenklöppelns gilt.

Spitzenkloeppeln in Rauma: Eine jahrhundertealte Tradition
Spitzenklöppeln gehört zum kulturellen Erbe Raumas (KI-generiert)

Die Pitsiviikko (Spitzenwoche) im Juli ist das größte jaehrliche Fest der Stadt und lockt Tausende von Besuchern an. Eine Woche lang stehen Spitzenklöppeln, Handwerk, Musik und Kultur im Mittelpunkt. Kloepplerinnen und Kloeppler aus dem In- und Ausland praesentieren ihre Arbeiten, und auf dem Marktplatz können Besucher selbst erste Versuche an den Kloeppelkissen unternehmen.

Waehrend der Pitsiviikko verwandelt sich die gesamte Altstadt in ein Festgelaende. Straenmusiker spielen in den Gassen, Handwerker zeigen ihre Kuenste, und die Bewohner öffnen ihre Hoefe und Gaerten für Besucher. Der Hoehepunkt ist die Wahl der Spitzenkönigin, ein Titel, der seit den 1970er Jahren vergeben wird und in Rauma große Aufmerksamkeit geniesst.

Auch außerhalb der Spitzenwoche ist die Klöppeltradition in Rauma praeesent. Im Pitsitalo (Spitzenhaus) in der Altstadt werden ganzjaehrig Spitzenarbeiten ausgestellt und verkauft. Es gibt Kurse für Anfänger, die einen Tag oder ein Wochenende dauern und zwischen 40 und 80 Euro kosten. In den Handwerkslaeden der Altstadt findet man zudem handgeklöppelte Deckchen, Spitzenschmuck und andere Arbeiten als Souvenirs.

Bronzezeitgraeber Sammallahdenmäki

Etwa 20 Kilometer nördlich von Rauma liegt die zweite UNESCO-Welterbestaette der Region: die bronzezeitliche Grabstaette Sammallahdenmäki. Auf einem bewaldeten Huegel finden sich 33 Steingrabhuegel, die zwischen 1500 und 500 vor Christus errichtet wurden. Es handelt sich um die bedeutendste bronzezeitliche Fundstaette Finnlands.

Die Grabhuegel sind stark schlicht. Manche bestehen aus großen, aufeinander geschichteten Steinplatten, andere aus kreisfoermig angeordneten Felsbroecken. Der größte Huegel hat einen Durchmesser von rund 16 Metern. Ein markierter Wanderweg fuehrt in einer Schleife an allen wichtigen Graebern vorbei. Informationstafeln erklaeren die Bedeutung der einzelnen Fundstaetten.

Der Besuch von Sammallahdenmäki ist kostenlos und das Gelaende ganzjaehrig zugaenglich. Die Wanderung dauert etwa eine Stunde und fuehrt durch schönen Kiefernwald. Im Sommer bieten die Informationstafeln ausfuehrliche Erlaeuterungen. Ein kleiner Parkplatz befindet sich am Eingang des Gelaendes. Die Fundstaette ist am besten mit dem eigenen Auto oder Mietwagen zu erreichen, da es keine oeffentliche Verkehrsanbindung gibt.

Sehenswürdigkeiten in Rauma

Neben der Altstadt und der Grabstaette hat Rauma weitere Sehenswürdigkeiten zu bieten, die einen Besuch lohnenswert machen.

Die Heilige-Kreuz-Kirche (Pyhän Ristin kirkko) geht auf das Franziskanerkloster zurück, das im 15. Jahrhundert gegründet wurde. Die Kirche selbst stammt aus den 1510er Jahren und ist damit eine der ältesten erhaltenen Steinkirchen Finnlands. Das schlichte Innere birgt mittelalterliche Wandmalereien, die bei einer Restaurierung im 20. Jahrhundert freigelegt wurden. Die Kirche steht am Rand der Altstadt und ist frei zugaenglich.

Das Rauma Museum (Rauman museo) befindet sich im Alten Rathaus am Marktplatz und zeigt die Stadtgeschichte von der Gruendung bis zur Gegenwart. Die Ausstellung umfasst maritime Exponate, Handelswaren aus verschiedenen Epochen und eine umfangreiche Sammlung von Spitzenarbeiten. Der Eintritt betraegt 5 Euro.

Marktplatz von Rauma mit historischen Gebaeuden
Der Marktplatz von Rauma bildet das Herz der Altstadt (KI-generiert)

Das Lönnströmin taidemuseo (Lönnström Kunstmuseum) beherbergt eine beachtliche Sammlung finnischer Kunst vom 19. Jahrhundert bis zur Moderne. Das Museum ist in einem stattlichen Holzhaus am Rande der Altstadt untergebracht und zeigt wechselnde Ausstellungen. Der Eintritt kostet 8 Euro für Erwachsene.

Die Kirkkokatu, die Hauptstrasse der Altstadt, ist gesaeumt von liebevoll restaurierten Holzhaeusern, in denen kleine Boutiquen, Antiquitaetenlaeden und Handwerksbetriebe untergebracht sind. Besonders schön ist ein Bummel am späten Nachmittag, wenn die tief stehende Sonne die Fassaden in warmes Licht taucht.

Hafen und Schaeren

Rauma war immer eine Seefahrerstadt, und der Hafen spielt bis heute eine wichtige Rolle. Der moderne Industriehafen liegt suedlich der Stadt und gehört zu den größten Haefen Finnlands für den Papier- und Zellstoffexport. Für Besucher interessanter ist allerdings der alte Hafen und die vorgelagerte Schaerenlandschaft.

Der alte Hafen von Rauma mit Fischerbooten
Der alte Hafen von Rauma mit seiner gemuetlichen Atmosphaere (KI-generiert)

Die Schaeren vor Rauma bestehen aus Hunderten kleiner Inseln und Felsen, die sich entlang der Küste erstrecken. Im Sommer verkehren Ausflugsboote, die Besucher auf die größeren Inseln bringen. Auf einigen Inseln gibt es einfache Ferienhaeuser, die tage- oder wochenweise gemietet werden können. Das Baden in der Ostsee ist im Juli und August möglich, wenn das Wasser Temperaturen von 16 bis 20 Grad erreicht.

Der Poroholma-Freizeitpark liegt auf einer kleinen Halbinsel suedlich der Altstadt und bietet einen Sandstrand, einen Campingplatz und ein Freibad. Im Sommer ist Poroholma ein beliebter Treffpunkt für Familien. Von hier aus starten auch einige der Schaerenschifffahrten. Ein Tagesbesuch am Strand ist kostenlos.

Essen und Trinken in Rauma

Die Gastronomie in Rauma setzt auf regionale Zutaten und Gerichte, die von der Naehe zum Meer gepraegt sind. Frischer Fisch ist in vielen Restaurants die Spezialitaet. Besonders empfehlenswert ist der Silakka (Ostsee-Hering), der gebraten, eingelegt oder als Suppe serviert wird.

In der Altstadt gibt es mehrere gemuetliche Cafes und Restaurants, die in historischen Holzhaeusern untergebracht sind. Das Wanha Rauma Kellari im Kellergewoelbe eines Altstadthauses serviert traditionelle finnische Kueche. Ein Hauptgericht kostet zwischen 16 und 28 Euro. Am Marktplatz reihen sich Cafes aneinander, die im Sommer Aussenplaetze auf dem Kopfsteinpflaster aufstellen.

Am Hafen bekommt man frisch geraeuchterten Fisch direkt vom Fischer. Geraeuchterte Maraene, Lachs oder Forelle mit frischem Brot und Butter gehören zu den typischen Genussen eines Rauma-Besuchs. Ein gerauchterter Fisch kostet zwischen 5 und 10 Euro.

Praktische Tipps

Die Anreise nach Rauma erfolgt am besten mit dem Auto oder Bus. Von Helsinki aus dauert die Fahrt mit dem PKW etwa drei Stunden über die E12 und die Landsstrasse 8. Busse fahren mehrmals taeglich von Helsinki und Turku nach Rauma, die Fahrtzeit von Turku betraegt etwa eineinhalb Stunden. Einen Bahnhof hat Rauma nicht.

Die beste Reisezeit für Rauma ist der Sommer, insbesondere Juli während der Spitzenwoche. Aber auch im Frühling und Herbst hat die Stadt ihren Reiz, wenn die Touristenströme nachlassen und man die Altstadt in Ruhe geniessen kann. Im Winter ist Rauma ruhig, aber die verschneiten Holzhaeuser bieten ein maerchenhaftes Bild.

Unterkuenfte in Rauma reichen vom Hotel am Marktplatz bis zum Ferienhaus in den Schaeren. Ein Doppelzimmer in einem guten Mittelklassehotel kostet zwischen 90 und 140 Euro pro Nacht. Im Sommer empfiehlt sich eine frühzeitige Buchung, da die Kapazitaeten begrenzt sind.

Die Altstadt laesst sich bequem zu Fuss erkunden. Vom Marktplatz aus sind alle Sehenswürdigkeiten in wenigen Minuten erreichbar. Für Ausfluege nach Sammallahdenmäki oder in die Schaeren ist ein Auto von Vorteil. Weitere Informationen zu Städten in Finnland.

Haeufige Fragen

Lohnt sich ein Tagesausflug nach Rauma?

Ja, die Altstadt laesst sich gut an einem Tag erkunden. Wer aber auch die Grabstaette Sammallahdenmäki und die Schaeren besuchen moechte, sollte mindestens zwei Tage einplanen. Von Turku aus ist Rauma ein bequemer Tagesausflug.

Wann findet die Spitzenwoche statt?

Die Pitsiviikko (Spitzenwoche) findet immer in der letzten Juliwoche statt. Das genaue Datum variiert von Jahr zu Jahr. Die Stadt veroeffentlicht das Programm im Frühjahr auf der Tourismus-Webseite. In dieser Woche sind Hotels oft ausgebucht.

Ist der Eintritt in die Altstadt kostenpflichtig?

Nein, die Altstadt Vanha Rauma ist frei zugaenglich. Eintritt wird nur für die Museen erhoben. Das Marela-Haus kostet 6 Euro, das Stadtmuseum 5 Euro. Kinder unter 18 Jahren haben in den meisten Museen freien Eintritt.

Wie komme ich nach Sammallahdenmäki?

Die Grabstaette liegt etwa 20 Kilometer nördlich von Rauma und ist nur mit dem Auto erreichbar. Es gibt einen kleinen Parkplatz am Eingang. Der Besuch ist kostenlos und ganzjaehrig möglich. Im Winter kann der Zugang bei starkem Schneefall eingeschraenkt sein.

Kann man in Rauma Spitzenarbeiten kaufen?

Ja, im Pitsitalo (Spitzenhaus) und in mehreren Handwerkslaeden der Altstadt werden handgeklöppelte Spitzenarbeiten verkauft. Die Preise reichen von kleinen Deckchen für 20 Euro bis hin zu aufwendigen Stücken für mehrere hundert Euro. Waehrend der Spitzenwoche ist das Angebot besonders gross.

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Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026