Bezahlbarer Dachträger Made in Germany: Wie MyDachtraeger Vanlife-Zubehör neu denkt

Ein modulares Dachträgersystem aus Aluminium, „Made in Germany“, entwickelt für Campervans und Transporter. Wir haben mit Marco gesprochen, dem Kopf hinter MyDachtraeger, über Frust als Gründungsmotiv, eine Nut aus dem Maschinenbau und die
Fragen, die in jeder Vanlife-Gruppe früher oder später auftauchen.
Sergej: Marco, fangen wir vorne an. Wie ist MyDachtraeger entstanden?
Marco: Die ehrliche Antwort ist unspektakulär: aus Frust. Ich wollte einen Dachträger für meinen eigenen Van und bin beim Suchen ziemlich schnell sauer geworden. Du landest da bei 800, 1.000, 1.500 Euro, und kriegst dafür ein starres System,
bei dem das Zubehör auch noch nur vom selben Hersteller kommen darf. Das hat mich aus zwei Gründen gestört. Der Preis ist für viele eine echte Hürde, das war das eine. Das andere: Ein Dachträger ist doch kein fertiges Produkt. Das ist eine
Plattform. Da kommt über die Jahre ständig neues Zeug drauf, das Setup ändert sich mit jeder Reise. Und genau diese Plattform wollte mir niemand bezahlbar und offen verkaufen. Irgendwann dachte ich: Dann mach ich’s halt selbst.
Sergej: War das von Anfang an als Firma gedacht oder erst mal nur für dich?
Marco: Erst nur für mich. Ich hab das Ding für den eigenen Van gebaut, und dann fragten auf dem Stellplatz ständig Leute, wo ich das herhabe. Wenn dir wildfremde Leute über den Parkplatz hinterherlaufen, um dein Dach zu fotografieren, ist das
ein ganz guter Hinweis, dass du nicht der Einzige mit dem Problem bist. So ist es dann gewachsen.
Sergej: Was unterscheidet euer System konkret von dem, was es schon gibt?
Marco: Im Kern drei Sachen. Die Plattform ist modular, das heißt die Querstreben sind verschiebbar und du legst die Aufteilung selbst fest, nicht der Hersteller. Dann läuft oben eine Standard-Bosch-Nut durch, dadurch passt nicht nur unser
eigenes Zubehör, sondern alles, was auf diese Nut ausgelegt ist. Und der Preis: Wir liegen je nach Variante zwischen 559 und 689 Euro, gefertigt in Deutschland. Das war mir wichtig, dass das kein Widerspruch sein muss, günstiger Einstieg und
trotzdem hier produziert.
Sergej: Bosch-Nut, erklär das mal. Viele kennen den Begriff aus dem Maschinenbau, aber nicht vom Autodach.
Marco: Genau da kommt er auch her. Die Bosch-Nut ist ein Industriestandard aus dem Aluminium-Profilbau, im Grunde eine T-förmige Rille oben im Profil. Du schiebst sogenannte Nutensteine rein, und auf die kannst du alles schrauben, was die
passende Schraube hat. In der Praxis heißt das: Halter für Sandbleche, Schaufel, Wasserkanister, Solarpanel, Markise, Nutenstein rein, festziehen, fertig. Willst du was ändern, löst du die Schraube und schiebst das Ganze einfach an die neue
Stelle. In der Industrie baut man so ganze Maschinengestelle zusammen. Auf dem Dachträger ist das komischerweise kaum verbreitet, dabei ist es genau die Logik, die so ein System braucht.
Sergej: Klingt fast zu einfach. Wo ist der Haken bei der Nut?
Marco: Ehrlich? Es gibt keinen großen. Der einzige Punkt, auf den man achten muss: nicht jeder Nutenstein passt in jede Nut. Es gibt verschiedene Größen. Wir geben deshalb klar an, welche Maße man braucht, und legen die passenden bei. Wer
schon mal mit Alu-Profilen gearbeitet hat, kennt das Spiel. Wer nicht, für den ist es nach den ersten zwei Schrauben durchgespielt.
Sergej: Wie schwer ist die Montage insgesamt? Bekommt man das als normaler Vanlifer selbst hin?
Marco: Ja, und zwar die meisten ohne Drama. Wir liefern das System mit Anleitung und allen Befestigungspunkten, die zum jeweiligen Fahrzeug passen. Rechne mit einem Nachmittag und normalem Werkzeug. Beim Fiat Ducato zum Beispiel gibt es ab
Werk feste Befestigungspunkte am Dach, da wird geschraubt, nicht gebohrt. Das ist ein Punkt, der vielen wichtig ist, weil keiner gern das erste Loch in sein eigenes Dach setzt. Bei anderen Fahrzeugen sieht es etwas anders aus, aber wir sagen
vorher, was einen erwartet. Und wer mit Schrauben grundsätzlich auf Kriegsfuß steht, lässt es in der Werkstatt machen. Auch völlig okay, das ist keine Glaubensfrage.
Sergej: Ihr lasst ausdrücklich Zubehör von anderen Herstellern zu. Warum ist euch das so wichtig?
Marco: Weil das Gegenteil eine Art Geiselnahme ist. Überleg dir das mal: Du kaufst einen Träger, und ab dann darfst du nur noch Zubehör genau dieser Marke draufschrauben. Du kannst nicht mehr vergleichen, nicht mehr frei kombinieren, und über
die Preise entscheidet komplett jemand anders. Du sitzt fest. Bei uns ist die Schnittstelle offen. Wer das bessere Produkt baut, kriegt den Auftrag, auch wenn wir das nicht sind. Das klingt erst mal wie ein Eigentor, ist aber genau richtig.
Es zwingt uns, gut zu sein, statt die Leute einzusperren. Und mal ehrlich, kein Mensch kauft sich einen Van für die Freiheit und will dann beim Zubehör in einem geschlossenen System hängen.
Sergej: Welche Fahrzeuge sind kompatibel?
Marco: Die größte Gruppe sind die Kastenwagen: Fiat Ducato, Citroën Jumper, Peugeot Boxer und Opel Movano ab 2021, das sind technisch ohnehin die gleichen Fahrzeuge, nur mit anderem Logo vorne. Dazu Sprinter, Crafter, Transit, Vivaro und
Vito. Für den VW Bus T5 und T6 gibt es eine eigene Variante mit Edelstahlhaltern. Was wir bewusst nicht abdecken, ist der VW California, der hat das Aufstelldach, und damit ist ein fester Dachträger einfach nicht machbar. Da würde ich lieber
Nein sagen als irgendwas zusammenbasteln, was am Ende keiner verantworten kann. Bei den Längen gibt es die Varianten L1 bis L5, abgestimmt auf die gängigen Fahrzeuglängen.
Sergej: Wie sieht es mit der Dachlast aus? Das ist meistens die erste Frage.
Marco: Und zu Recht. Bei den Kastenwagen halten wir uns an die Vorgaben der Fahrzeughersteller, nicht an eigene Wunschzahlen. Beim Ducato sind das zum Beispiel 150 Kilo dynamische Dachlast nach Fiat-Aufbaurichtlinie, mit 25 Kilo pro
Befestigungspunkt. Beim VW T5/T6 reden wir von 400 Kilo statisch, das wird wichtig, sobald jemand ein Dachzelt nutzen will. Der entscheidende Unterschied ist der zwischen dynamisch und statisch: Im Stand darf deutlich mehr drauf als während
der Fahrt, weil bei jeder Bremsung und jedem Schlagloch ganz andere Kräfte wirken. Das steht alles in den Datenblättern. Wir pflegen da keine Fantasiewerte, weil die Zahl im Zweifel über deine Sicherheit entscheidet.
Sergej: Gibt es einen Klassiker an Fehler, den Leute beim Beladen machen?
Marco: Ja, sie laden schwer und hoch. Die meisten denken nur an die Kilos, aber ein Dachzelt mit zwei Personen verändert den Schwerpunkt des ganzen Fahrzeugs spürbar. Du merkst das in der ersten Kurve. Mein Tipp ist immer: schweres Zeug nach
unten und nach innen, aufs Dach gehört eher das, was leicht und sperrig ist. Sandbleche, Markise, eine Box mit Campingkram. Und bitte alles richtig sichern. Ein loser Kanister auf dem Dach ist bei 120 auf der Autobahn kein Spaß mehr.
Sergej: Ihr habt gerade etwas Neues entwickelt, eine verstellbare Querstrebe, die oben auf den Träger kommt. Was war die Idee?
Marco: Das kam direkt aus der Community. Unser Träger ist eine flache Plattform, und für flache Ladung ist das auch der beste Aufbau, den du haben kannst. Aber Dachzelte und Dachboxen sind nun mal nicht für Flächen gebaut, sondern für
klassische Querstreben. Deren Klemmhalter greifen um eine Strebe herum und brauchen darunter Platz zum Zupacken. Auf einer flachen Platte bekommst du die schlicht nicht fest. Also haben wir eine Strebe gebaut, die oben auf dem Träger sitzt,
sich über die ganze Länge verschieben lässt und genau diesen Freiraum schafft. Damit passt jedes Standard-Dachzelt und jede gängige Dachbox, und der flache Vorteil bleibt erhalten, wenn du die Strebe gerade nicht brauchst.
Sergej: Wie viel von dem, was ihr entwickelt, kommt eigentlich aus solchen Rückmeldungen?
Marco: Fast alles. Ich sitze nicht im stillen Kämmerlein und überlege mir, was die Leute vielleicht wollen könnten. Die schreiben uns das. Die verstellbare Strebe, bestimmte Halter, die Edelstahl-Variante für den Bus, das sind alles Sachen,
die jemand konkret gebraucht und nicht gefunden hat. Ein modulares System ist da im Vorteil: Ich muss nicht das ganze Produkt neu erfinden, sondern nur das eine fehlende Teil. Das ist im Grunde der ganze Sinn der Sache.
Sergej: Was steht als Nächstes an?
Marco: Wir bauen das Zubehörsortiment weiter aus, da zeigt ein modulares System erst, was es kann. Parallel arbeiten wir am Auftritt. Die Website kriegt zwei Bereiche: einen für Vanlife und Outdoor, einen für Handwerk und Betriebe. Technisch
ist es dieselbe Plattform, aber das sind zwei völlig verschiedene Welten mit anderen Fragen. Der eine will sein Dachzelt befestigen, der andere seine Leiter und das Material für die Baustelle. Mittelfristig will ich, dass jemand, der einen
Dachträger sucht, bei uns einsteigen kann, ohne vorher das Gefühl zu haben, dafür gleich vierstellig hinblättern zu müssen. Das war der Frust am Anfang, und das bleibt der Maßstab.
Mehr Informationen, Konfiguration und das vollständige Sortiment: mydachtraeger.de
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.