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Vilnius Sehenswürdigkeiten
Altstadt, Užupis und Gediminas-Turm

Vilnius Sehenswürdigkeiten

14 Min. Lesezeit

Vilnius wird unter den drei baltischen Hauptstädten am häufigsten übersehen, dabei hat die litauische Hauptstadt eine der größten mittelalterlichen Altstädte Europas. Auf 3,6 Quadratkilometern stehen über 1.500 Gebäude aus Gotik, Renaissance, Barock und Klassizismus. Die Altstadt ist seit 1994 UNESCO-Welterbe, und anders als in manchen westeuropäischen Städten wirkt sie nicht wie ein Museum, sondern wie ein lebendiges Viertel, in dem Studenten in Kellerkneipen sitzen und Handwerker in Hinterhöfen arbeiten.

Vilnius hat 590.000 Einwohner und liegt im Südosten Litauens, am Zusammenfluss von Neris und Vilnia. Die Stadt ist weiter von der Ostsee entfernt als Riga und Tallinn, hat dafür aber eine stärkere mitteleuropäische Prägung: polnische, jüdische und russische Einflüsse haben die Stadtkultur über Jahrhunderte geformt. Das zeigt sich in der Architektur, im Essen und in den Straßennamen.

Die Altstadt: Barock und Backstein

Die Pilies gatvė (Burgstraße) ist die Hauptachse der Altstadt. Sie führt vom Kathedralenplatz durch das historische Zentrum bis zum Tor der Morgenröte am südlichen Rand. Entlang der Straße reihen sich Restaurants, Souvenirläden und Bernsteingalerien aneinander. In den Seitengassen wird es ruhiger: Hinterhöfe mit Kopfsteinpflaster, kleine Kirchen (Vilnius hat über 50) und Handwerkstätten.

Die Universität Vilnius, 1579 gegründet und damit eine der ältesten Universitäten Osteuropas, nimmt einen ganzen Block der Altstadt ein. Der Innenhof ist öffentlich zugänglich (Eintritt 2 Euro) und verbindet 13 Gebäude aus verschiedenen Jahrhunderten. Die Fresken in der Johanniskirche (innerhalb des Universitätskomplexes) stammen aus dem 18. Jahrhundert und zeigen Szenen aus dem litauischen Kirchenleben. Der Glockenturm der Johanniskirche ist mit 68 Metern der höchste Turm der Altstadt und gegen Eintritt (4 Euro) besteigbar.

Blick durch die Pilies gatvė in der Altstadt von Vilnius mit barocken Fassaden
Die Pilies gatvė: Hauptstraße durch die barocke Altstadt von Vilnius (KI-generiert)

Am südlichen Ende der Altstadt steht das Tor der Morgenröte (Aušros Vartai), das einzige erhaltene Stadttor von ursprünglich neun. Über dem Tor befindet sich eine Kapelle mit einem Marienbild, das als wundertätig gilt und seit dem 17. Jahrhundert verehrt wird. Die Kapelle ist frei zugänglich und wird von Gläubigen aus Litauen und Polen besucht. Auf der Straße davor knien manchmal Pilger.

Der Kathedralenplatz (Katedros aikštė) ist der größte Platz der Altstadt. Die klassizistische Kathedrale (1783 in ihrer heutigen Form erbaut) steht frei auf dem Platz, daneben der 52 Meter hohe Glockenturm, der ursprünglich ein Verteidigungsturm der Burg war. Im Inneren der Kathedrale befindet sich die Kapelle des heiligen Kasimir mit barocken Wandmalereien. Im Boden vor der Kathedrale ist die Fliese "Stebuklas" (Wunder) eingelassen, auf der man sich drehen und einen Wunsch aussprechen soll.

Gediminas-Turm und Burgberg

Der Gediminas-Turm steht auf dem 48 Meter hohen Burgberg oberhalb des Kathedralenplatzes. Er ist das Wahrzeichen von Vilnius und das letzte erhaltene Stück der Oberen Burg, die im 14. Jahrhundert unter Großfürst Gediminas errichtet wurde. Im Turm befindet sich ein kleines Museum zur Stadtgeschichte (Eintritt 6 Euro). Die Aussicht vom Dach des Turms reicht über die gesamte Altstadt und die Neris bis zu den modernen Hochhäusern von Šnipiškės.

Den Burgberg erreicht man zu Fuß über einen steilen Pfad (10 Minuten) oder mit der Standseilbahn (2 Euro, fährt alle 10 Minuten). Die Standseilbahn startet am Arsenal, dem Gebäude am Fuß des Hügels, in dem das Litauische Nationalmuseum untergebracht ist (Eintritt 5 Euro). Das Museum zeigt Exponate zur litauischen Geschichte von der Frühzeit bis zur Sowjetära.

Gediminas-Turm auf dem Burgberg über Vilnius bei Sonnenuntergang
Der Gediminas-Turm: Wahrzeichen von Vilnius seit dem 14. Jahrhundert (KI-generiert)

Vom Burgberg aus sieht man auf den sogenannten Drei-Kreuze-Hügel östlich der Altstadt. Drei weiße Betonkreuze stehen dort als Gedenkstätte, zuerst aufgestellt im 17. Jahrhundert, in der Sowjetzeit gesprengt und 1989 wiedererrichtet. Der Aufstieg über einen Waldpfad dauert 15 Minuten und lohnt sich für den Blick über die Stadt, besonders in der Abenddämmerung.

Užupis: Die selbsternannte Republik

Das Viertel Užupis liegt östlich der Altstadt, jenseits des Flüsschens Vilnia. In den 1990er Jahren war es ein heruntergekommenes Arbeiterviertel, in das Künstler, Studenten und Aussteiger zogen, weil die Mieten niedrig waren. Am 1. April 1997 riefen die Bewohner die "Republik Užupis" aus, mit eigener Verfassung, Flagge und Präsident. Der Spaß wird ernst genommen: Die Verfassung hängt auf einer Mauer in der Paupio gatvė, übersetzt in über 30 Sprachen, darunter auch auf Deutsch.

Die Verfassung von Užupis enthält Artikel wie "Jeder Mensch hat das Recht, glücklich zu sein", "Eine Katze ist nicht verpflichtet, ihren Besitzer zu lieben, aber sie muss ihm in Zeiten der Not beistehen" und "Jeder hat das Recht auf heißes Wasser, Heizung im Winter und ein Ziegeldach". Die Verfassungsmauer in der Paupio gatvė ist einer der meistfotografierten Orte in Vilnius.

Heute ist Užupis kein Geheimtipp mehr, sondern ein etabliertes Kreativviertel mit Galerien, Ateliers und Cafés. Die Hauptstraße Užupio gatvė hat Restaurants und Bars, in den Seitenstraßen findet man Street Art und offene Werkstätten. Am 1. April feiert Užupis seinen "Unabhängigkeitstag" mit Straßenfesten und einem Grenzposten, an dem Pässe gestempelt werden. Außerhalb des 1. Aprils ist das Viertel ruhiger und lässt sich in einer Stunde durchstreifen.

Am Rand von Užupis liegt der Bernardinų-Garten, ein renovierter Park am Ufer der Vilnia. Im Sommer gibt es dort Open-Air-Kino und Konzerte. Im Winter wird ein Teil des Parks zur Eisbahn (Eintritt 4 Euro, Schlittschuhverleih 3 Euro).

Šnipiškės und das moderne Vilnius

Nördlich der Neris, gegenüber der Altstadt, wächst das moderne Vilnius in die Höhe. Das Viertel Šnipiškės war bis vor 20 Jahren ein Industriegebiet mit Brachflächen. Heute stehen dort Bürohochhäuser und das Einkaufszentrum Europa. Der Kontrast zur Altstadt ist gewollt: Glas und Stahl auf der einen Seite und Backstein auf der anderen.

Für Besucher interessant ist die Nationalgalerie (Nacionalinė dailės galerija) am Ufer der Neris. Das Gebäude aus der Sowjetzeit wurde umgebaut und zeigt litauische Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Eintritt: 6 Euro. In der Nähe steht das Litauische Energetik- und Technikmuseum (Eintritt 5 Euro), untergebracht in einem ehemaligen Kraftwerk, das die Industriegeschichte der Stadt dokumentiert.

Panorama von Vilnius mit Altstadt und modernen Hochhäusern
Alt trifft Neu: Die Altstadt von Vilnius vor der Skyline von Šnipiškės (KI-generiert)

Wer einen ungewöhnlichen Blick auf die Stadt sucht, fährt mit dem Heißluftballon. Vilnius ist eine der wenigen europäischen Hauptstädte, in denen Ballonfahrten über die Innenstadt erlaubt sind. Die Fahrten starten vom Stadtrand und führen bei günstigem Wind über die Altstadt. Preis: 100 bis 150 Euro pro Person, Dauer etwa eine Stunde. Buchung über lokale Anbieter wie Oreivystė oder Ballooning.lt.

Essen und Trinken in Vilnius

Die litauische Küche hat Einflüsse aus Polen und Russland aufgenommen. Das bekannteste Gericht sind Cepelinai (Zeppeline): große Kartoffelklöße, gefüllt mit Hackfleisch oder Quark und übergossen mit einer Specksoße. Eine Portion (2 Stück) kostet in einem lokalen Restaurant 5 bis 8 Euro. Das Restaurant Etno Dvaras am Rathausplatz serviert Cepelinai und andere litauische Klassiker in rustikalem Ambiente.

Šaltibarščiai (kalte Rote-Bete-Suppe) ist im Sommer allgegenwärtig. Die pinke Suppe wird kalt serviert, mit saurer Sahne und Dill. Sie klingt gewöhnungsbedürftig, schmeckt aber erfrischend und leicht. In fast jedem Restaurant bekommt man sie für 3 bis 5 Euro als Vorspeise.

Vilnius hat eine lebendige Café-Szene. In der Altstadt ist das Café Sugamour (Vilniaus gatvė) für Frühstück und Kuchen beliebt (Frühstück 6 bis 10 Euro). Im Stadtteil Naujamiestis (Neustadt), südlich der Altstadt, hat sich rund um die Gedimino-Allee und die Pylimo-Straße eine Szene aus Specialty-Coffee-Shops entwickelt. Crooked Nose & Coffee Stories in der Šv. Stepono gatvė gehört zu den besten Kaffeeröstern der Stadt.

Praktische Tipps

Anreise: Der Flughafen Vilnius (VNO) liegt 6 Kilometer südlich der Altstadt. Der Zug (1 Euro, 7 Minuten) oder Bus Nr. 1 (1 Euro, 20 Minuten) fahren ins Zentrum. Fernbusse von Riga (4 Stunden, ab 12 Euro) und Tallinn (10 Stunden, ab 25 Euro) fahren vom Busbahnhof neben dem Hauptbahnhof.

Währung: Euro. Kartenzahlung ist fast überall möglich, auch in kleinen Cafés und auf Märkten. Nahverkehr: Busse und Trolleybusse decken die Stadt ab. Einzelfahrschein 1 Euro (mit Vilniečio kortelė, aufladbar an Kiosken) oder 1,50 Euro (beim Fahrer). Vilnius ist kompakt genug, um das meiste zu Fuß zu erreichen. Beste Reisezeit: Mai bis September. Im Winter wird es kalt (Durchschnitt minus 4 Grad im Januar), aber die verschneite Altstadt hat ihren Reiz.

Tagesplanung: Vilnius in 1 bis 3 Tagen

1 Tag: Morgens den Gediminas-Turm besteigen für den Überblick. Dann durch die Altstadt: Kathedrale, Universität, Pilies gatvė bis zum Tor der Morgenröte. Mittagessen in einem lokalen Restaurant (Cepelinai probieren). Nachmittags durch Užupis schlendern und die Verfassungsmauer ansehen. Abendessen in der Altstadt.

2 Tage: Am zweiten Tag die Gedimino-Allee entlanglaufen (Einkaufsstraße und Regierungsviertel). Das Museum der Opfer des Genozids (Genocido aukų muziejus) im ehemaligen KGB-Gebäude besuchen (Eintritt 6 Euro, Führungen in Englisch). Nachmittags den Drei-Kreuze-Hügel besteigen. Abends die Bar-Szene in der Vilniaus gatvė oder der Islandijos gatvė erkunden.

3 Tage: Am dritten Tag einen Ausflug nach Trakai machen (30 Kilometer westlich, Busse alle 20 Minuten, 2 Euro, 40 Minuten). Die Wasserburg von Trakai liegt auf einer Insel im Galvė-See und ist das meistfotografierte Bauwerk Litauens. Das Burgmuseum kostet 10 Euro Eintritt. Im Ort Trakai kann man karaitische Kibinai (gefüllte Teigtaschen, 2 bis 3 Euro) probieren, ein Gericht der karaitischen Minderheit.

Häufig gestellte Fragen

Ist Vilnius eine günstige Stadt?

Ja, Vilnius ist die günstigste der drei baltischen Hauptstädte. Ein Mittagessen kostet 5 bis 10 Euro, ein Abendessen im Restaurant 15 bis 25 Euro. Hotels liegen bei 35 bis 80 Euro pro Nacht für ein Doppelzimmer. Bier in einer Bar kostet 3 bis 4 Euro. Der Nahverkehr ist günstig (1 Euro pro Fahrt), und viele Sehenswürdigkeiten in der Altstadt sind frei zugänglich.

Was muss man in Vilnius probiert haben?

Cepelinai (Kartoffelklöße mit Fleischfüllung) sind das litauische Nationalgericht und in den meisten Restaurants für 5 bis 8 Euro erhältlich. Šaltibarščiai (kalte Rote-Bete-Suppe) ist im Sommer ein Muss. Kibinai (karaitische Teigtaschen) bekommt man am besten in Trakai, aber auch in einigen Restaurants in Vilnius. Zum Trinken: Lietuviškas Midus (litauischer Met) oder ein lokales Craft Beer.

Lohnt sich der Ausflug nach Trakai?

Ja, die Wasserburg ist eines der markantesten Bauwerke im Baltikum und liegt nur 30 Kilometer von Vilnius entfernt. Der Bus fährt alle 20 Minuten, die Fahrt dauert 40 Minuten und kostet 2 Euro. Man braucht 2 bis 3 Stunden vor Ort (Burg, Museum, Mittagessen). Im Sommer kann man auf dem See Tretboot fahren oder Kajak mieten (8 bis 12 Euro pro Stunde).

Wie viele Tage sollte man für Vilnius einplanen?

Zwei Tage reichen für die Altstadt und den Gediminas-Turm. Drei Tage erlauben den Ausflug nach Trakai und einen ruhigeren Bummel durch die Altstadt-Hinterhöfe. Wer das Museum der Opfer des Genozids und die Nationalgalerie besuchen will, sollte ebenfalls drei Tage einplanen. Die Stadt lässt sich gut mit Riga und Tallinn auf einer Baltikum-Rundreise kombinieren.

Weiterführende Informationen

Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026