Riga Sehenswürdigkeiten
Riga ist die größte Stadt des Baltikums. Mit 615.000 Einwohnern hat die lettische Hauptstadt mehr Bewohner als Tallinn und Vilnius zusammen. Die Stadt liegt an der Daugava (Düna), 15 Kilometer vor deren Mündung in den Rigaischen Meerbusen. Gegründet wurde Riga 1201 vom Bremer Bischof Albert als Basis für die Christianisierung des Baltikums, und die 800 Jahre seitdem haben Spuren hinterlassen, die man an jeder Straßenecke ablesen kann.
Riga hat zwei Gesichter, die beide sehenswert sind. Die kompakte mittelalterliche Altstadt (Vecrīga) mit ihren Kirchtürmen und Zunfthäusern liegt am rechten Daugava-Ufer. Dahinter beginnt die Neustadt aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, in der sich die größte Sammlung von Jugendstilgebäuden in Europa befindet. Dazwischen liegt der gewaltige Zentralmarkt in umgebauten Zeppelinhallen. Man kann all das in zwei Tagen sehen, drei sind besser.
Die Altstadt: Zwischen Dom und Daugava
Rigas Altstadt (Vecrīga) ist seit 1997 UNESCO-Welterbe. Sie ist klein genug, um sie in 2 bis 3 Stunden zu Fuß zu durchqueren, aber reich genug an Gebäuden, Plätzen und Gassen, um einen ganzen Tag dort zu verbringen. Der Ausgangspunkt für die meisten Besucher ist der Rathausplatz (Rātslaukums) mit dem Schwarzhäupterhaus.
Das Schwarzhäupterhaus ist das auffälligste Gebäude der Altstadt. Die Fassade mit ihren Stufen und Verzierungen stammt im heutigen Zustand von 1999, denn das Original wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und in der Sowjetzeit abgerissen. Die Rekonstruktion ist so detailgetreu, dass man den Unterschied kaum bemerkt. Das Haus diente einst der Bruderschaft der Schwarzhäupter, einer Vereinigung unverheirateter Kaufleute. Im Inneren befindet sich ein Museum (Eintritt 6 Euro), das die Geschichte der Bruderschaft und des Hauses dokumentiert.
Der Rigaer Dom (Rīgas Doms) ist die größte Kirche im Baltikum. Baubeginn war 1211, und die verschiedenen Bauphasen sind an der Architektur ablesbar: romanische Grundmauern, gotisches Kirchenschiff, barocke Turmspitze. Die Orgel im Dom wurde 1884 von der Firma Walker gebaut und hatte damals 124 Register, was sie zur größten Orgel der Welt machte. Heute finden regelmäßig Orgelkonzerte statt (Mittwochs und Freitags um 12 Uhr, Eintritt 10 Euro). Der Kreuzgang neben dem Dom ist frei zugänglich und einer der ruhigsten Orte in der Altstadt.
Zwei weitere Kirchen verdienen einen Besuch. Die Petrikirche (Svētā Pētera baznīca) hat einen 72 Meter hohen Turm mit einer Aussichtsplattform (Aufzug, Eintritt 9 Euro). Von dort überblickt man die gesamte Altstadt, die Daugava und bei gutem Wetter die Vororte bis zum Meer. Die Johanniskirche (Svētā Jāņa baznīca) nebenan fällt durch ihre Ziegelfassade mit den kleinen Nischen auf, in denen der Legende nach im Mittelalter lebende Mönche eingemauert wurden.
Am Rand der Altstadt stehen die Drei Brüder (Trīs brāļi), drei nebeneinanderstehende Wohnhäuser aus dem 15. 17. und 18. Jahrhundert. Das älteste (Nr. 17) ist das älteste erhaltene Wohnhaus Rigas. Die Fassaden zeigen die architektonische Entwicklung über drei Jahrhunderte. Im Haus Nr. 19 befindet sich das Lettische Architekturmuseum (Eintritt frei).
Das Jugendstilviertel
Riga hat die höchste Dichte an Jugendstilgebäuden (Art Nouveau) in Europa. Etwa ein Drittel aller Gebäude in der Innenstadt wurden zwischen 1899 und 1914 im Jugendstil erbaut. Die Konzentration ist am größten in den Straßen Alberta iela, Elizabetes iela und Strēlnieku iela, die alle 10 Gehminuten nördlich der Altstadt liegen.
Die Alberta iela ist die Hauptstraße des Jugendstilviertels. Auf 250 Metern Länge reihen sich acht Jugendstilhäuser aneinander, die meisten entworfen vom Architekten Michail Eisenstein (dem Vater des Filmemachers Sergei Eisenstein). Die Fassaden sind mit Masken, Sphinxen, Drachen, Blumengirlanden und nackten Figuren geschmückt. Haus Nr. 2a ist das berühmteste: Zwei riesige schreiende Gesichter flankieren den Eingang, darüber türmen sich Pfauenschwänze und geometrische Muster.
Das Rigaer Jugendstilmuseum (Rīgas Jūgendstila muzejs) befindet sich in der Alberta iela 12. Das Museum zeigt eine komplett eingerichtete Wohnung aus der Jugendstilzeit mit Originalmöbeln, Tapeten und Lampen. Der Eintrittspreis beträgt 6 Euro. Die Führungen in englischer Sprache (samstags 14 Uhr) erklären die Hintergründe der Architektur und das Leben der wohlhabenden Rigaer um 1900.
Wer den Jugendstil tiefgründiger erleben will, bucht eine geführte Tour (2 Stunden, 15 bis 25 Euro pro Person). Die Guides erklären die Unterschiede zwischen dekorativem, nationalromantischem und perpendiculärem Jugendstil, die alle in Riga vertreten sind. Auf eigene Faust lohnt sich neben der Alberta iela auch die Elizabetes iela (besonders Nr. 10b und Nr. 33) und die Smilšu iela in der Altstadt, wo der "Katzenhaus" (Kaķu nams) mit seinen zwei Bronzekatzen auf dem Dach steht.
Der Zentralmarkt
Der Rigaer Zentralmarkt (Rīgas Centrāltirgus) ist der größte Markt im Baltikum und einer der größten in Europa. Fünf ehemalige Zeppelinhallen aus dem Ersten Weltkrieg, die 1930 zu Markthallen umgebaut wurden, beherbergen Stände für Fleisch und Milchprodukte. Draußen reihen sich weitere Stände aneinander. Der Markt liegt direkt südlich der Altstadt, am Ufer der Daugava.
In der Fischhalle liegen Räucherfische auf Eis: Sprotten und der lettische Klassiker Bückling. In der Fleischhalle hängen Würste von der Decke, und an den Theken werden eingelegte Gurken und Sauerkraut verkauft. Die Gemüsehalle hat im Sommer frische Beeren aus den lettischen Wäldern. Ein Mittagessen auf dem Markt, zusammengestellt aus verschiedenen Ständen, kostet 4 bis 8 Euro.
Der Markt hat täglich von 7 bis 18 Uhr geöffnet (manche Stände schließen schon um 17 Uhr). Samstags ist am meisten los. Der Zentralmarkt ist kein Touristenmarkt, sondern der Ort, an dem Rigaer Einwohner einkaufen. Die Preise sind niedrig, das Angebot authentisch. Wer Souvenirs sucht, findet hier lettischen Honig, Balsam-Likör und handgemachte Schokolade zu besseren Preisen als in den Geschäften der Altstadt.
Kalnciema: Holzhäuser und Wochenmarkt
Das Viertel Kalnciema (genauer: Kalnciema iela und Umgebung) liegt auf der linken Daugava-Seite, 15 Gehminuten von der Altstadt über die Akmens-Brücke. Hier stehen restaurierte Holzhäuser aus dem 19. Jahrhundert, die heute Galerien und Werkstätten beherbergen. Jeden Samstag (10 bis 15 Uhr) findet der Kalnciema-Markt statt, ein kleiner Bauernmarkt mit lettischen Lebensmitteln und Livemusik.
Der Samstagsmarkt hat eine andere Atmosphäre als der Zentralmarkt. Hier verkaufen Kleinbauern aus dem Umland ihre Produkte: frischer Ziegenkäse, Roggenbrot aus dem Holzofen, saisonale Marmeladen und Wildkräutertees. Die Holzhäuser um den Marktplatz sind sorgfältig restauriert und zeigen, wie die lettische Holzarchitektur des 19. Jahrhunderts aussah, bevor die meisten Exemplare im 20. Jahrhundert abgerissen wurden.
In der Nähe von Kalnciema liegt der Āgenskalns-Markt, eine weitere historische Markthalle, die 2023 nach einer umfassenden Renovierung wiedereröffnet wurde. Neben traditionellen Marktständen gibt es dort jetzt Restaurants und Bars. Wer sich für Rigas Holzarchitektur interessiert, kann vom Kalnciema-Viertel durch die Straßen Kalnciema iela und Barona iela nach Norden laufen, wo noch ganze Straßenzüge mit unrestaurierten Holzhäusern stehen.
Essen und Trinken in Riga
Die lettische Küche ist bodenständig: Kartoffeln und Schweinefleisch bilden die Basis. Das Nationalgericht Speķrauši (Speckpasteten aus Roggenteig) bekommt man auf dem Zentralmarkt und in traditionellen Restaurants. Graue Erbsen mit Speck (pelēkie zirņi ar speķi) sind ein weiterer Klassiker, der in vielen Lokalen als Vorspeise serviert wird.
Für gehobene lettische Küche ist das 3 Pavāru Restorāns (Drei-Köche-Restaurant) in der Altstadt bekannt: drei Köche teilen sich die Küche und wechseln das Menü monatlich. Hauptgerichte 18 bis 28 Euro. Das Restaurant Valtera in der Neustadt interpretiert lettische Klassiker modern und verwendet Zutaten von lokalen Bauern (Hauptgerichte 15 bis 24 Euro, Reservierung empfohlen).
Der Rigaer Schwarze Balsam (Rīgas Melnais balzams) ist ein Kräuterlikör mit 45 Prozent Alkohol, der seit 1752 hergestellt wird. Er schmeckt bitter-würzig und wird pur, im Kaffee oder als Cocktail getrunken. Eine Flasche (0,5 Liter) kostet im Supermarkt 8 bis 12 Euro. In den Bars der Altstadt zahlt man 4 bis 6 Euro für ein Glas. Es gibt auch eine mildere Johannisbeer-Variante mit 30 Prozent.
Praktische Tipps
Anreise: Der Flughafen Riga (RIX) liegt 10 Kilometer südwestlich der Stadt. Der Bus 22 fährt in 30 Minuten ins Zentrum (2 Euro). Riga ist auch per Zug erreichbar (Verbindungen nach Vilnius 4 Stunden, nach Tallinn per Bus 4,5 Stunden). Die Fernbusse von Lux Express und Ecolines fahren vom Internationalen Busbahnhof neben dem Zentralmarkt.
Nahverkehr: Riga hat ein dichtes Netz aus Bussen und Straßenbahnen. Einzelfahrscheine kosten 1,50 Euro (mit der e-Talons-Karte am Automaten) oder 2 Euro (beim Fahrer). Die Karte gibt es an Kiosken (Narvesen, Rimi) für 2 Euro Pfand. Währung: Euro. Kartenzahlung ist fast überall möglich. Beste Reisezeit: Mai bis September. Juli hat die wärmsten Temperaturen (Durchschnitt 18 Grad), Dezember den Weihnachtsmarkt.
Tagesplanung: Riga in 1 bis 3 Tagen
1 Tag: Morgens die Altstadt: Schwarzhäupterhaus, Dom (eventuell Orgelkonzert um 12 Uhr), Drei Brüder. Dann Aussicht vom Petrikirchturm. Mittagessen auf dem Zentralmarkt. Nachmittags das Jugendstilviertel: Alberta iela, Jugendstilmuseum. Abendessen in der Altstadt.
2 Tage: Am zweiten Tag die Neustadt erkunden: Freiheitsdenkmal (Brīvības piemineklis), Nationaloper, Esplanade-Park mit dem Lettischen Nationalmuseum für Kunst (Eintritt 6 Euro). Nachmittags über die Daugava nach Kalnciema. Falls Samstag: den Kalnciema-Markt besuchen. Abendessen im Āgenskalns-Viertel.
3 Tage: Am dritten Tag einen Ausflug nach Jūrmala machen, dem Badeort am Rigaischen Meerbusen (30 Minuten mit dem Zug, 2,50 Euro). Der Strand ist 33 Kilometer lang und sandig. Die Holzvillen im Zentrum von Jūrmala stammen aus der Zarenzeit. Im Sommer kann man dort baden, im Winter über die leere Strandpromenade spazieren.
Häufig gestellte Fragen
Wo findet man den besten Jugendstil in Riga?
In der Alberta iela (Nr. 2, 2a, 4, 6, 8, 12, 13). Die Straße liegt 10 Gehminuten nördlich der Altstadt. Das Jugendstilmuseum in der Alberta iela 12 zeigt eine komplett eingerichtete Wohnung aus der Epoche (Eintritt 6 Euro). Weitere gute Adressen sind die Elizabetes iela (Nr. 10b und 33) und die Strēlnieku iela. Eine geführte Tour kostet 15 bis 25 Euro.
Ist Riga günstiger als Tallinn?
Ja, leicht. Ein Mittagessen kostet in Riga 6 bis 12 Euro, ein Abendessen im Restaurant 15 bis 30 Euro. Hotels liegen bei 40 bis 90 Euro pro Nacht für ein Doppelzimmer. Der Zentralmarkt bietet günstiges Essen ab 3 Euro. Bier in einer Bar kostet 3 bis 5 Euro. Insgesamt ist Riga etwa 15 bis 20 Prozent günstiger als Tallinn.
Wie kommt man von Riga nach Tallinn oder Vilnius?
Mit dem Fernbus (Lux Express oder Ecolines). Nach Tallinn dauert es 4 bis 4,5 Stunden (ab 15 Euro), nach Vilnius 4 Stunden (ab 12 Euro). Die Busse sind modern, haben WLAN und Steckdosen. Alternativ gibt es eine Zugverbindung nach Vilnius (4,5 Stunden). Die Busse fahren vom Internationalen Busbahnhof neben dem Zentralmarkt, der Zug vom Hauptbahnhof.
Lohnt sich ein Tagesausflug nach Jūrmala?
Ja, vor allem im Sommer. Der Zug fährt alle 30 Minuten und braucht 30 Minuten (2,50 Euro). Der 33 Kilometer lange Sandstrand ist saüber und gut zugänglich. In Jūrmala gibt es Holzvillen aus der Zarenzeit und Restaurants. Im Winter ist es ruhiger, aber ein Strandspaziergang bei klarer Luft hat seinen eigenen Reiz.
Weiterführende Informationen
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026