Lagom – Der schwedische Lifestyle zum Glücklichsein

Nachdem das dänische Hygge erfolgreich in Deutschland Einzug gehalten hat, ist nun ein weiterer skandinavischer Trend auf dem Vormarsch: Lagom – der schwedische Weg zum Glück und mehr als nur ein Trend!

Schweden Lagom

Was genau bedeutet “Lagom“?

Das schwedische Wort “Lagom“ bedeutet so viel wie „angemessen, mäßig oder gerade recht“. Ausgesprochen wird das Wort übrigens „Logum“ und beschreibt das schwedische Lebensgefühl der goldenen Mitte. Nicht zu viel und nicht zu wenig. Eben gerade recht.

Dieses Lebensgefühl erstreckt sich dabei auf alle Bereiche des Lebens und nicht nur auf einen reinen Wohntrend. Der Schwede lebt bewusst und nachhaltig, wodurch er mit innerer Zufriedenheit belohnt wird. Nicht das Streben nach mehr ist es, was Lagom ausmacht, sondern das Glücklichsein mit dem, was man hat.

Dass an dem schwedischen Glücksprinzip etwas dran sein muss, zeigt die Tatsache, dass die Schweden immer wieder unter den Top 10 der glücklichsten Menschen landen.

Wie zeigen die Schweden ihren Lifestyle im alltäglichen Leben?

Lagom ist neben einem Wohntrend vor allem eine Lebenseinstellung, die sich in nahezu allen Bereichen des täglichen Lebens wiederfindet.

Lagom mit der Familie und im Freundeskreis

Der Schwede gilt in seinem Wesen als zurückhaltend und nicht besonders kontaktfreudig. Sein Freundeskreis beschränkt sich auf wenige, aber dafür gute Freunde. Die Zurückhaltung zeigt sich auch in seinen Taten: So liegt ihm Angeberei fern, denn andere könnten sich dadurch schlecht fühlen.

Im Sinne von Lagom sollen möglichst Gespräche über Themen, die ein hohes Streitpotential haben, wie Geld oder Politik, vermieden werden. Dagegen werden Themen aus dem täglichen Leben, wie Nacktheit, Sex oder gar der Toilettengang ganz ungezwungen diskutiert.

Für andere Nationen vielleicht etwas ungewöhnlich: Der Schwede zahlt seine Rechnung (zum Beispiel im Restaurant) immer selbst – auch in einer Partnerschaft! Soll heißen: Die Rechnung im Restaurant wird sofort und selbstverständlich geteilt. Dass es selbst in einer intakten Partnerschaft getrennte Kassen gibt, hat den Hintergrund, dass der Schwede niemandem etwas schuldig bleiben möchte, vor allem nicht finanziell.

Kaffee im Restaurant

Lagom im Arbeitsleben

Was dem Schweden beim Arbeiten sein Lagom ist, ist dem Deutschen die Work-Life-Balance. Hierbei wechseln sich konzentriertes Arbeiten mit entspannten Pausen ab, wobei beiden Komponenten die gleiche Wichtigkeit zukommt. Das vermindert Stress und sorgt für eine ausgeglichene Arbeitsatmosphäre.

Während der Deutsche noch mit der Work-Life-Balance kämpft, haben die Schweden ihr Lagom im Arbeitsleben längst verinnerlicht. So sind dem Schweden seine Pausen mit den Kollegen heilig. Lagom im Beruf bedeutet aber auch Teamgeist und so werden Zuverlässigkeit und Verantwortung als Sache der Gemeinschaft angesehen. Eine realistische Selbsteinschätzung gepaart mit Zuverlässigkeit steigert dabei die eigene Glaubwürdigkeit.

Essen und Trinken nach Lagom

Die nordische Küche ist derzeit im Aufschwung, was auch an den vielen neuen Sternerestaurants zu erkennen ist. Der Schwede ist ein Genießer und den kulinarischen Genüssen nicht abgeneigt.

Da sich aber nicht jeder Schwede einen Besuch in einem Sternerestaurant leisten kann, gibt es neben den teuren Genusstempeln in Schweden die sogenannten „bakfickor“. Damit sind kleine Bistros und Restaurants gemeint, die mit den Sternerestaurants zusammenarbeiten und von deren Köchen betrieben werden. Hier gibt es hochwertige kulinarische Gaumenfreuden zu bezahlbaren Preisen, deren Portionen jedoch etwas kleiner ausfallen. So spiegelt sich Lagom im sozialen Bewusstsein wider, dass sich niemand ausgeschlossen fühlen soll.

Ansonsten zeichnet sich Lagom in der Küche durch saisonale und gesunde Gerichte aus. Wobei hier der Genuss im Vordergrund steht und nicht die Völlerei.

Wohnen im Lagom-Stil

Wer im Lagom-Stil wohnt, dessen Wohnung ist weder zu vollgestellt, noch zu leer. Es ist die Balance zwischen Überfluss und Minimalismus, die diese gewisse Klarheit des Wohnstils ausmacht. Wohnen im Lagom-Stil bedeutet auch, sich auf die Funktionalität der einzelnen Möbel zu besinnen.

Auf den Punkt gebracht ist Lagom, wenn man anstatt sechs Sofakissen nur zwei hat. Sechs Stück sehen vielleicht schöner aus, sind aber vollkommen überflüssig. Denn zwei Kissen tun es auch!

Lagom für die Umwelt

Weil Lagom auf jeder Ebene das gesunde Mittelmaß sucht, schont das natürlich zum einen den Geldbeutel und zum anderen die Umwelt, da letztere durch übermäßige Verschwendungssucht weniger strapaziert wird.

Auch in puncto Kleidung liebt der Schwede Funktionalität gepaart mit guter und somit langlebiger Qualität, weshalb sein Kleiderschrank niemals überfüllt ist. Besonders wichtig für die Wahl der Kleidung ist auch, dass sie umweltfreundlich produziert wurde.

Lagom als Wohntrend – Wie bringt man Lagom in die eigenen vier Wände?

Lagom im eigenen Zuhause bedeutet die Reduzierung auf ein Minimum. Deko darf zwar sein, aber bitte in Maßen. Vielmehr stehen klare Linien, Funktionalität und Qualität dabei im Fokus. Lieber wenige hochwertige Möbel und Accessoires, als eine vollgestellte Wohnung. Wobei dem Kuschelfaktor durchaus ein gewisser Stellenwert zukommt, aber eben nicht so extrem, wie es der dänische Wohntrend Hygge praktiziert.

Tasse Tee an Weihnachten
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Lagom setzt bei der Wahl der Materialien auf Nachhaltigkeit, weshalb gerne Holz oder Wolle verarbeitet wird. Auch ein überbordendes Farbspiel sucht man vergebens beim Lagom-Stil. Vielmehr sind es die neutralen Farbtöne einer Farbgruppe, die Ruhe ausstrahlen sollen.

Löst die schwedische Glückformel das dänische Hygge ab?

Wer jetzt glaubt, dass Hygge dank Lagom out ist, hat sich kräftig geirrt. Es sind zwar zwei unterschiedliche Glücksformeln, die sich jedoch nicht unbedingt gegenseitig ausschließen müssen.

Zwar macht der Däne sein Heim gerne mit viel Deko besonders gemütlich und genießt seine Zeit mit vielen Freunden und der Familie, während der Schwede ganz in Lagom-Art die Reduzierung auf das Nötigste zelebriert. Doch wenn man etwas genauer hinsieht, lässt sich beides auch gut kombinieren.

Etwas weniger Deko und dafür mehr Nachhaltigkeit. Vielleicht ist Lagom auch nur etwas mehr als Hygge, denn Lagom sorgt für Zufriedenheit in allen Lebensbereichen. Es lebe das hyggelige Lagom!

Wie kann man Lagom in die eigenen Lebensbereiche integrieren?

Wer seinen Alltag ganz im Sinne von Lagom ausbalancieren möchte, muss zunächst nicht nur das richtige Maß in materieller Hinsicht, sondern auch das richtige Verhältnis zwischen Arbeit und Freizeit finden. Darüber hinaus geht es auch darum, die eigene Haltung in Bezug auf die menschlichen Beziehungen sowie zur Gesellschaft und Umwelt festzulegen.

Der schwedische Glücksweg beginnt mit genügend Zeit für sich selbst sowie der Pflege der Beziehungen zu Familie und Freunden. Doch Achtung: Weniger ist auch hier mehr! Lieber wenige gute Freunde, als viele lockere Freunde, die nur in guten Zeiten zu einem stehen.

Wie so oft im Leben, hat auch die Industrie Lagom für sich entdeckt, wenn auch auf ihre ganz eigene Art: So finden sich in den Regalen mittlerweile einige Lagom-Ratgeber und Lagom-Magazine.

Selbst der bekannte schwedische Möbelriese Ikea hat diesbezüglich ein eigenes Projekt gestartet: „Live Lagom“! Im Zuge dieses Projektes sollen langsam nachhaltige Produkte in das Sortiment eingeführt werden. Schaden kann dies sicher nicht.

Kann der Lifestyle auch Nachteile mit sich bringen?

So erstrebenswert der schwedische Lifestyle Lagom klingen mag: Er hat auch eine Kehrseite. Diese Kehrseite heißt “Jante“. Unter Jante versteht man die schwedische Missgunst, die aus einem Klima von Gleichmacherei entsteht.

Denn wenn die Individualität zu Gunsten der Gemeinschaft unterdrückt wird, entsteht eine tiefe Missgunst gegenüber denjenigen, die, gemessen an den eigenen Vorstellungen von Lagom, als erfolgreicher wahrgenommen werden.

Fazit

Auch wenn Lagom nicht nur Positives bewirkt, so kann das schwedische Glücksprinzip jedem dabei helfen, das Wesentliche zu erkennen und in den verschiedenen Lebensbereichen Prioritäten zu setzen.

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet Lagom?

„Lagom“ kommt aus dem schwedischen und bedeutet so viel wie „angemessen“, „mäßig“ oder „gerade recht“. Also nicht zu viel und nicht zu wenig, eben gerade recht.

Ist Lagom das neue Hygge?

Lagom und Hygge sind zwar beides Bedeutungen für einen bestimmten Lebensstil oder Wohntrend, haben aber nicht miteinander zu tun. Lagom kommt aus Schweden und bezeichnet einen Stil, der sich gerade auf das Nötigste reduziert. Hygge kommt aus dem dänischen und bezeichnet einen sehr gemütlichen Lebens- und Wohnstil mit viel Deko.

Wie sieht der Wohnstil nach Lagom aus?

Eine im Lagom-Stil eingerichtete Wohnung ist weder zu vollgestellt, noch zu leer. Hier wird eine Balance zwischen Überfluss und Minimalismus geschaffen, bei der sich vor allem auf klare Linien und auf Qualität, Funktionalität der Einrichtung konzentriert wird.

Wie kann man selbst nach Lagom leben?

Um sein Leben nach Lagom zu gestalten, sollte man das richtige Maß in materieller Hinsicht, aber auch das richtige Verhältnis zwischen Arbeit und Freizeit für sich finden. Auch die persönliche Haltung in Bezug auf die menschlichen Beziehungen, zur Gesellschaft und zur Umwelt sollten festgelegt werden.

In welchen Lebensbereichen wird Lagom angewandt?

Die Schweden zeigen ihren Lebensstil beispielsweise innerhalb der Familie und im Freundeskreis, aber auch im Arbeitsleben oder bei der Ernährung ist er ihnen wichtig. Im Wohnstil ist Lagom am deutlichsten erkennbar, vor allem hier lässt sich auch der Umweltfaktor besonders gut einbringen.

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