Fika – Kaffeepause auf die schwedische Art

Wenn der Schwede jemanden fragt: „Vill du fika?“, dann möchte er dem Gegenüber mitnichten an die Wäsche, sondern lediglich mit ihm einen gemütlichen Plausch bei einem Kaffee und einer Kleinigkeit zu Essen halten.

Kaffee und Kuchen
Ein leckeres Stück Kuchen und eine Tasse Kaffee oder Tee: Fika ist für die Schweden nicht wegzudenken!

Fika gehört zu den Schweden wie das Feierabendbier zu den Deutschen. Doch was genau ist Fika eigentlich? Und wozu braucht man das? Und warum sind die Schweden so wild auf Fika? Hier kommt eine kleine Fika-Kunde.

Was verstehen die Schweden unter “Fika“?

Unter dem Begriff „Fika“ versteht man die schwedische Kaffeepause mit einem leckeren Gebäck. Fika hat in Schweden einen hohen sozialen Stellenwert und so macht man diese Kaffeepause immer in Gesellschaft von jemandem, den man mag.

Kurz gesagt ist das schwedische Fika das Gegenteil von dem klassischen Coffee to go, den man mal ebenso nebenbei im Gehen trinkt. Fika ist eine sehr gute Gelegenheit, in entspannter Atmosphäre soziale Kontakte zu pflegen und aufzubauen.

Fika mit Freunden

Darum machen die meisten Schweden wenigstens ein Mal am Tag ein Fika, vorzugsweise am Vormittag und/oder am Nachmittag. Mögliche Orte dafür sind zum Beispiel:

  • ein gemütliches Café
  • bei Freunden
  • am Arbeitsplatz
  • oder auch in der freien Natur

Woher kommt das Wort „Fika“? Im neunzehnten Jahrhundert war der sogenannte „Backslang“ schwer angesagt. Dies bedeutete, dass man die Wortsilben verdrehte. So wurde aus dem Wort „kafi“ (kommt von Kaffee) eben „fika“ – bis heute.

Bei der Aussprache wird die Betonung übrigens auf das „i“ gelegt. Fika kann man sowohl als Verb als auch als Nomen verwenden. Wer in Schweden einen Kaffeedurst verspürt, fühlt sich fika (kaffeedurstig).

Was wird beim “Fika“ traditionell getrunken und gegessen?

Im Normalfall besteht Fika aus einer Tasse Kaffee und einer Zimtschnecke. Der Kaffee kann jedoch auch durch Tee oder andere Erfrischungsgetränke ersetzt werden. Auch das Gebäck kann je nach Stimmung und Jahreszeit variieren.

Zimtschnecken Fika
Cinnamon buns gehören definitiv zu den Favoriten in Schweden!

So erfreuen sich im Sommer fruchtige Törtchen und in der Adventszeit Safrangebäck oder Pfefferkuchen besonderer Beliebtheit. Nach den Weihnachtsfeiertagen und im Frühjahr gibt es dann oft Waffeln zum Fika.

Das Herzstück des Fika: Der Kaffee

Der Kaffee ist natürlich das Herzstück von Fika und wird meistens stark und schwarz getrunken. Der schwedische Kaffee ist aufgrund seiner speziellen Kaffeebohnen und seines Röstprozesses dunkler und schmeckt weniger sauer, als der Kaffee in Deutschland.

Bei der Zubereitung wird zwischen Kochkaffee und Filterkaffee unterschieden, wobei die meisten Schweden den Kochkaffee bevorzugen. Bei dieser Variante wird der Kaffee zusammen mit dem Wasser direkt in der Kaffeekanne oder dem Kaffeebecher aufgekocht. Jetzt muss man nur noch warten, bis sich der Kaffeesatz am Boden absetzt.

Wichtig: Der Kaffee für den Kochkaffee ist grober gemahlen als der Kaffee für den Filter.

So setzt er sich besser am Boden ab. Filterkaffee wird in Schweden als „Brygg“ bezeichnet und Kochkaffee als „Kok“.

French Press Kaffee
Kaffee aus der French Press Maschine schmeckt den Schweden am besten.

Typische Fika-Leckereien

Wie schon erwähnt, ist die Zimtschnecke das klassische Gebäck zum Fika. Aber es gibt auch andere leckere Alternativen:

  • Vaniljbullar (Vanilleschnecke)
  • Kladdkaka (klebriger Schokoladenkuchen)
  • Mandeltårta (Mandeltorte)
  • Drömmar (Kekse)
  • Arraksbulle (so ähnlich wie eine Rumkugel)

Die Schweden haben meistens einige Süßigkeiten oder kleine Gebäckstücke aus dem Supermarkt für ein spontanes Fika im Haus. Wichtig ist hierbei, dass diese nie in der Verpackung gereicht werden, sondern immer hübsch auf einem Porzellanteller angerichtet werden.

In welchen Lebensbereichen wird ein “Fika“ gemacht?

Fika ist den Schweden heilig. Darum kommt ihm im schwedischen Alltag eine immense Bedeutung zu, die sich durch alle Lebensbereiche zieht. Für Fika gibt es keine spezielle Uhrzeit.

Jedoch bevorzugen die Schweden Fika vormittags gegen zehn Uhr, nachmittags gegen drei Uhr oder nach der Arbeit. Dabei gelten diese Zeiten für alle Wochentage.

Fika im Arbeitsalltag

In vielen Unternehmen ist eine Fika-Pause gegen drei Uhr quasi Pflicht, wobei der Kaffee den Mitarbeitern meistens kostenlos zur Verfügung gestellt wird.

In Schweden ist pro Arbeitsstunde jeweils eine Fünf-Minuten-Pause arbeitsrechtlich festgeschrieben und so kommen schnell zwei Fika-Pausen pro Tag zusammen. Der Brauch des Fika geht sogar so weit, dass manche Unternehmen in ihren Arbeitsverträgen das Recht auf Fika-Pausen verankern.

Fika im Büro
Fika im Büro

Das ist sehr klug gedacht: Denn während man in Deutschland bei einer Kaffeepause gleich an Produktivitätsverlust gepaart mit Faulheit denkt, haben die Schweden längst erkannt, dass Fika das Wohlbefinden der Mitarbeiter stärkt und somit ihre Produktivität steigt.

Statt ein Problem unter den Kollegen mittels langer E-Mails zu klären, kann man dies auch entspannt beim Fika besprechen und sich nebenbei über private Belange austauschen.

Fika mit Familie und Freunden

Fika ist nicht nur während der Arbeit ein wichtiges gesellschaftliches Event, sondern wird auch im privaten Bereich unter Freunden oder mit der Familie zelebriert. Ob wochentags nach der Arbeit oder am Wochenende, für Fika ist immer Zeit. Auch als erstes Date ist eine zwanglose Fika beliebt.

Kaffeepause mit Tradition – Woher kommt “Fika“ ursprünglich?

Fika hat in Schweden eine lange Tradition, die etwa vor 150 Jahren begann. Damals brachten großzügige Arbeitgeber ihren Erntehelfern oder Wäscherinnen während der Arbeit zur Stärkung ein wenig Gebäck. Doch warum sind die Schweden noch heute so verrückt nach Fika?

Es mag daran liegen, dass bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts Zucker und Kaffeebohnen als Luxusgüter galten, die nur wohlhabenden Schweden zugänglich waren. Kaffee und Kuchen waren somit nur der Oberklasse vorbehalten und das Kaffeetrinken galt daher als vornehm.

Ab dem Jahr 1850 sanken die Zucker- und Kaffeepreise, so dass sich auch das übrige Volk zumindest ab und zu diese Waren leisten konnten. Darüber hinaus wurden die Küchengeräte Ende des 19. Jahrhunderts moderner, so dass auch in der häuslichen Küche Kuchen und Kekse gebacken werden konnte.

Damals wurden zu feierlichen Anlässen mindestens sieben verschiedene Gebäcksorten angeboten. Diese Tradition hielt sich bis in die 1970iger Jahre.

Heute gilt die Region Westschweden als Fika-Hochburg mit den besten Cafés in ganz Schweden. Hier liegt auch die Fika-Hauptstadt Alingsås, in der sogar spezielle Fika-Touren zu den traditionsreichsten und schönsten Cafés der Stadt angeboten werden.

Wie kann man “Fika“ in den eigenen Lifestyle einbringen?

Fika beschreibt ein gewisses Gefühl, ein Konzept, was in Schweden zum Heiligtum geworden ist und um das sich eine gewisse Aura gebildet hat. Natürlich gibt es auch in anderen Ländern Kaffeepausen, jedoch hat der Begriff „Fika“ für die Schweden eine ganz besondere Bedeutung, die sich nicht mal eben so übersetzen lässt.

Fika-Artikel
Jeder sollte ein Stück Fika in die eigenen vier Wände bringen.

Fika ist ähnlich wie das dänische Hygge oder das schwedische „Lagom“ zu einem Hype geworden, dem sich zumindest Skandinavien-Fans nicht entziehen können.

Wer genau wissen möchte, wie es sich mit diesen Begriffen verhält und wie er diese in seinen Lifestyle integrieren kann, findet inzwischen diverse Bücher zu diesen Themen.

Fazit

Fika mit Freunden oder der Familie lässt sich nicht nur in Schweden zelebrieren. Auch hierzulande ist das nächste gemütliche Café sicher nicht weit.

Und wer einmal eine kleine Pause zwischendurch braucht, kann Fika auch allein an seinem Lieblingsplatz zu Hause oder in der freien Natur genießen – die Schweden müssen es ja nicht wissen.

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet „Fika“?

„Fika“ ist die schwedische Art der Kaffeepause. Dabei werden traditionell Kaffee und Zimtschnecken gereicht. Der Kaffee kann aber natürlich auch durch Tee oder andere Getränke getauscht werden. Auch das Gebäck darf gerne variieren und wird oft an die Jahreszeiten angepasst.

Woher kommt das Wort „Fika“?

Das Wort „Fika“ stammt aus dem 19. Jahrhundert, in dem der sogenannte „Backslang“ sehr beliebt war. Dabei wurden Wortsilben einfach verdreht, wie zum Beispiel „Kafi“ (von Kaffee) zu „Fika“. Das Wort hat sich bis heute durchgesetzt.

Macht man „Fika“ auch während der Arbeit?

Vor allem im Arbeitsalltag ist „Fika“ ein wichtiger Bestandteil der Schweden. Hier soll durch das Pflegen der sozialen Kontakte und den entspannten Austausch unter Kollegen und Chefs die Produktivität gesteigert und das Wohlbefinden gestärkt werden. Teilweise werden die Fika-Pausen sogar im Arbeitsvertrag festgehalten.

Welches Gebäck wird zum „Fika“ traditionell gegessen?

Das traditionelle Fika-Gebäck ist wohl die „Kanelbullar“ – die schwedische Zimtschnecke. Aber es gibt mittlerweile viele weitere Kreationen, die gerne zur Kaffeepause gereicht werden, wie zum Beispiel Vaniljbullar (Vanilleschnecke), Kladdkaka (klebriger Schokoladenkuchen) oder Mandeltårta (Mandeltorte).

Wo wird ein „Fika“ traditionell gemacht?

Fika ist vor allem im Arbeitsalltag ein wichtiger Bestandteil und wird meist am Nachmittag um 15 Uhr gemacht. Aber auch mit der Familie oder den Freunden treffen sich die Schweden gern zu einer Kaffeepause. Wenn sie diese nicht zu Hause machen, sind die zahlreichen gemütlichen Cafés oder auch die Natur ein sehr beliebter Treffpunkt.

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