Spitzbergen

Nur wenige Menschen leben auf Spitzbergen. In der unwirklichen Landschaft gibt es mehr Eisbären als Einwohner. Die eisige Schönheit der norwegischen Inselgruppe zieht vor allem Naturliebhaber in ihren Bann.

Das arktische Leben auf Zeit entdecken

Zwischen Nordkap und Nordpol erstreckt sich auf 38.000 Quadratkilometern ein Archipel, das am äußersten Rand Europas kaum rauer und karger sein könnte. Die „kalte Küste“ wie Spitzbergen in der Landessprache heißt, besteht aus 400 Inseln und Schären.

Von den rund 1.800 Bewohnern im Hauptort Longyearbyen ist mancher für einige Jahre in der Erforschung von Arktis und Klima tätig. Nur wenige Wissenschaftler bleiben in den dunklen Wintermonaten auf der Hauptinsel Spitzbergen, die als größtes Freiluftlabor der Erde gilt.

Bei sommerlichen Durchschnittswerten von 4,5 Grad Celsius weichen Eis und Schnee in der Polarregion für etwa sechs Wochen. Wo Nordmeer und Nordpolarmeer, Grönlandsee und Barentssee aufeinander treffen, geht die Sonne ab April für vier Monate nicht unter.

Von Oktober bis Februar herrscht Polarnacht. Dann kann die Quecksilbersäule bis auf minus 25 Grad Celsius sinken. Entlang der Westküste begünstigt der Westspitzbergenstrom die relativ milden Winter, in denen die Fjorde nur zeitweise zufrieren. Der Ausläufer des Golfstroms ermöglicht, dass Menschen seit 1906 auf dem norwegischen Svalbard siedeln.

Die beste Reisezeit für Spitzbergen nutzen

Eisbaeren SpitzbergenIm arktischen Klima mit Packeis bestimmt der Erlebniswunsch die Reisezeit. Wer eine Sichtung von Eisbären bevorzugt, sollte zwischen Mai und September eine Entdeckungstour planen. Brütende Seevögel lassen sich im Mai und Juni beobachten. Dann tragen Rentier und Polarfuchs noch ihr Winterkleid.

Dank der Mitternachtssonne bleibt es im Juni und Juli hell. In diesem Reisezeitraum bricht das Packeis auf, so dass die Tundra mit Hornkraut, Polarweide, Svalbardmohn oder Steinbrech in voller Blüte steht. Nur im Nordosten der Inselwelt herrscht ganzjährig hochpolare Kältewüste.

Zum Sommerbeginn können Änderungen der Reiseroute durch die Inselwelt erforderlich sein. Manche Spitzbergen-Rundreise muss auf eine Abkürzung durch die Hinlopenstraße ausweichen. Aufgrund der reizvollen Lichtverhältnisse eignen sich die Monate August und September am besten für eine Fotoreise. Jetzt sind entlegene Orte auf Spitzbergen wie die Forschungsstation Nordaustlandet erreichbar. Im September und Oktober lockt das nördliche Norwegen mit Walbeobachtung. Am Übergang zum arktischen Winter sind erste Polarlichter zu sehen.

Von November bis Februar gleichen die Tage den Nächten auf Spitzbergen. Dann punktet die Nebensaison im Inselreich mit deutlich günstigeren Übernachtungen. Bei einer Durchschnittstemperatur von minus 15 Grad Celsius hat sich die Landschaft in eine Eiswüste verwandelt.

Aus der Dämmerung klingen Geräusche von Eisbergen und Schneemobilen. Höhepunkt im Winterprogramm auf Spitzbergen ist der Besuch einer Gletscherhöhle. Manchmal ist der Eingang zur Eiswelt nur bäuchlings rutschend erreichbar. Von Platzangst sollten Teilnehmer einer Höhlentour nicht betroffen sein.

Familien erwartet ein hochpreisiges Reiseziel

Expeditionsseereisen bieten eine Möglichkeit, um mit Kindern auf Spitzbergen einen Urlaub zu verbringen. Das Angebot einer Schiffsreise von Oslo nach Longyearbyen variiert zwischen sechs und zwölf Tagen. Für eine Umrundung der faszinierenden Inselgruppe müssen Passagiere mit einem Reisepreis bis zu 8.000 Euro pro Person rechnen. Wer rechtzeitig bucht, kann bei einigen Reiseanbietern von einem Frühbucherrabatt und Bordguthaben pro Kabine profitieren.

Exclusive Fotoreisen zu den Naturwundern der Arktis eignen sich nicht für den Familienurlaub. Bei zwölf Reisetagen kosten sie bis zu 13.000 Euro. Eine Wanderreise in anspruchsvollem Gelände ist für Kinder körperlich zu anstrengend. Für eine 15-tägige Wanderung auf Spitzbergen müssen Aktivurlauber um 3.000 Euro pro Person bezahlen.

Kleine Abenteurer überfordert auch eine mehrtägige Hundeschlittentour. Stattdessen bieten sich für den Familienurlaub spannende Aktivitäten von kurzer Dauer wie Ballonfahrt, Huskyausflug oder Museumsbesuch an.

Individualreisenden mit Kindern stehen landestypische Hostels und gemütliche Privatzimmer, komfortable Ferienhäuser und erstklassige Hotels als Urlaubsdomizil zur Verfügung. Die Preise pro Nacht liegen zwischen 65 und 350 Euro. Die günstigste Anreise bietet ein Linienflug. Je nach Saison starten einige Direktflüge ab Deutschland. Im vorwiegend geschützten Lebensraum von Eisbären ist Spitzbergen in sogenannte Management Areas unterteilt. Bei einem Aufenthalt in Longyearbyen können sich Urlauber frei bewegen, ohne zuvor eine Erlaubnis einholen zu müssen.

Spitzbergen
Die unvergleichliche Landschaft sollte jeder Hobby-Abenteurer einmal gesehen haben.

Was für den Urlaub mit Hund wichtig ist

Bei einigen Reedereien ist die Unterbringung des vierbeinigen Familienmitglieds nur in einer speziellen Haustierkabine möglich. Sobald sich das Schiff auf See befindet, darf der Hund die Kabine nicht verlassen. Aus hygienischen Gründen ist der Zutritt des Tieres in öffentlichen Bereichen an Bord nicht erlaubt.

Mehrmals täglich besteht die Möglichkeit zum Auslauf. Experten empfehlen jedoch bei mehrtägigen Seereisen, den Hund nicht mitzunehmen. Eine Ausnahme stellen Assistenzhunde dar. Auf einen Urlaub mit Vierbeiner müssen Reisende in Longyearbyen nicht verzichten. Vereinzelt sind Ferienwohnungen und Hotels auf den Aufenthalt mit Hund eingestellt.

Die Vielfalt der Inselwelt entdecken

Auf dem Archipel der Sieben Inseln befindet sich der nördlichste Punkt Norwegens. Die felsige Polarwüste der Sjuoyane lockt mit Kolonien von Elfenbeinmöwen und Papageitauchern. Zweitgrößtes Eiland der Inselgruppe Spitzbergen ist Nordostland. Durch die Hinlopenstraße von der Hauptinsel getrennt, bedeckt das Eiland die viertgrößte Inlandeisfläche der Welt. Das empfindliche Ökosystem bietet Walrossen einen Rastplatz. Nordostland ist zeitweise von Forschern bewohnt.

In der Barentssee prägt die Eiswüste von Kvitoya den östlichsten Zipfel Norwegens. Die Weiße Insel ist unbewohnt. Auf ihr brütet eine Kolonie von Küstenseeschwalben. Streng geschützt im Nordost-Spitzbergen-Naturreservat ist das König-Karls-Land. Bedeutsam als Wochenstube der Eisbären darf die Inselwelt im arktischen Ozean das ganze Jahr über nur mit Ausnahmegenehmigung betreten werden.

Zum Südost-Svalbard-Naturreservat zählt die Insel Edgeoya in der Barentssee. Die drittgrößte Insel des Spitzbergen-Archipels ist unbewohnt. Sie dient wie die Barentsinsel Dreizehenmöwe, Polarfuchs, Eisbär und Svalbald-Ren als unvergleichlicher Lebensraum. Wollgras, Leimkraut und Hahnenfuß prägen die Vegetation der unberührten Landschaft für kurze Zeit. Der schönste Fjord von Spitzbergen heißt Hornsund. In ihm erhebt sich das imposante Kap Starostin. Berühmt ist der Landstrich für eine Population von Krabbentauchern, die polnische Forscher untersuchen.

In der atemberaubenden Inselwelt von Spitzbergen hat nachhaltiger Tourismus Priorität. Viele abgelegene Orte sind nur durch Expeditionsschiffe erreichbar. Zur Anlandung erteilt ausschließlich der Kapitän die Erlaubnis. Gegebenenfalls müssen kleinere Kinder an Bord bleiben. Wer das Archipel umrundet, erlebt bei geführten Ausflügen atemberaubende Schutzgebiete für bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Zurück im Hauptort Longyearbyen können sich Reisende im nördlichsten Sushi Restaurant der Welt verwöhnen lassen.