Finnisch lernen

Sich in Finnland zu verständigen ist kompliziert. Schließlich muss man wissen, welche Sprache man wählen soll: Finnisch, Schwedisch, Samisch? Romani oder Gebärdensprache? Alle haben ihren eigenen offiziellen Status.

Finnisch lernen - Ein Land, seine Sprachen und die Kunst der An- und Aussprache
Finnisch lernen - Ein Land, seine Sprachen und die Kunst der An- und Aussprache

Wer meint, sich aufgrund der Mehrheit für Finnisch entscheiden zu wollen, wird nicht sofort, aber sehr bald, mit den zahlreichen Eigenheiten einer Sprache konfrontiert, die nicht einmal indoeuropäisch ist. Was das bedeutet? Nun, in der Praxis vor allem, dass man bis zum Ende zuhören muss, wenn ein Finne Finnisch spricht. Denn oft erklärt sich erst am Ende der Wortketten, worum es eigentlich geht. Und ob es eine Frage ist oder eine Aussage. Doppel-y, eine ausführliche Grammatik mit über einem Dutzend Fällen und der begeisterte Gebrauch von Partizipien (was war das doch gleich?) jeglicher Form in der gesprochenen (das ist eins!) Sprache erfreuen zwar nicht jeden Sprachschüler, aber jede Sprachschule. Denn dies alles garantiert den langjährigen Besuch eines jeden Sprachkurses. Im Übrigen gibt es ganz ausgezeichnete Sommerkurse auch im Land selbst. Da alle Finnen die erfreuliche Erfahrung gemacht haben, dass es tatsächlich möglich ist, diese Sprache fließend und selbst im Schlaf zu beherrschen, teilen sie ihr Wissen gerne mit allen Interessierten. Wer erstmal einen Eindruck von dieser und weiteren nicht ganz unwichtigen Begleiterscheinungen des finnischen Alltagslebens erhaschen möchte, kann auch einfach einen oder mehrere Blicke in den “Fettnäpfchenführer Finnland – Wenn der Fisch nicht beißt, spart man den Wurm“ werfen. Die Autorin Gudrun Söffker informiert hier und dort nicht nur über sprachliche Eigenheiten im nordöstlichen Zipfel Europas.

Finnisch, Schwedisch oder slangi

Dass man in Finnland Finnisch spricht, wird niemanden verwundern. Heute jedenfalls nicht. Da Finnland aber bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zu Schweden gehörte, ist das keineswegs selbstverständlich. Einwanderer aus den westlichen Ostseegebieten haben ihre nordgermanischen Sprachen mitgebracht und sich in den wirtschaftlich interessanten Küstenregionen niedergelassen. Noch heute sind dies die Gegenden, wo am meisten Schwedisch gesprochen wird. Allerdings haben landesweit nur noch etwas über fünf Prozent der Finnen Schwedisch als Muttersprache. Seit 1922 regelt das kielilaki, das Sprachgesetz, wann je nach Bevölkerungsmehrheit die eine, die andere oder beide Sprachen offiziell verwendet werden müssen. Wenn mindestens acht Prozent oder 3.000 Einwohner einer Kommune die Minderheitensprache sprechen, ist die Gemeinde zweisprachig. Dies betrifft zurzeit etwa jede zehnte.

Dass die Mehrsprachigkeit aber auch schon lange im Alltag der Finnen angekommen ist und zu ganz eigenen Wortkreationen motiviert hat, zeigt folgendes Beispiel: In Helsinki gibt es einen Stadtteil ganz in der Nähe des Marktplatzes, ein wenig nach Osten in die Ostsee hinausgeschoben. Jugendstilarchitektur, einige Firmengebäude, ein Gefängnis, das heute ein Hotel ist, und mehrere original Teppichhandwäscheanlagen zieren seine Gestade. Auf Schwedisch heißt er Skatudden, was ungefähr »spitze Landzunge« bedeutet. Daraus ist spätestens Mitte des 19. Jahrhunderts die finnische Form Katajanokka entstanden, wobei kataja zwar Wacholder bedeutet, aber wohl einfach eine lautliche Umformung des schwedischen skata ist, während nokka die Übersetzung von udde darstellt.

Um die Verwirrung komplett zu machen, sei noch erwähnt, dass das schwedische skata außerdem Elster heißt, was wiederum mit der spitzen Form ihres Bürzels zu tun haben soll, aber ebenso wenig wie der Wacholder für Katajanokka namensgebend war. In der Praxis geht es auch viel einfacher: Einheimische nennen die Halbinsel kurz Skatta. Das bewahrt das Schwedische s und erleichtert die finnische Aussprache durch das tt. Der Helsinkier Stadt-Slang geht noch weit darüber hinaus und verwendet zahlreiche Mischformen aus dem Schwedischen und Finnischen, zum Beispiel die Bezeichnung für Helsinki selbst: Stadi.

Überraschend einfach und immer wieder kompliziert

Wer Deutsch oder gar Schwedisch beherrscht und dann Finnisch lernen möchte, wird aber durchaus für die Mühen belohnt: Es gibt Lehnwörter, die den Zugang wechselseitig erleichtern, obwohl der Aufbau der Sprachen sich ansonsten fundamental unterscheidet. Und die Angewohnheit der Finnen, sich diese Wörter durch ein angehängtes i angenehmer zu machen, ist dabei durchaus hilfreich. Selbst der seriöseste, gutwilligste Deutsch sprechende Besucher wird sich eines amüsierten Gefühls kaum erwehren können, wenn er banaani hört. Aber er wird sich eines herabwürdigenden spöttischen Grinsens erwehren können, hoffentlich. Denn die Angewohnheit, das i zur Verniedlichung einzusetzen, ist schließlich eine spezifische Variante der deutschen Sprache, die auch nicht selbstverständlich ist.

Zumindest erleichtert das i in Kombination mit international wohlbekannten Begriffen wie Hotel, Bus, Bar, Tomate oder Melone das Verständnis durchaus. Wenn man mit dem bussi zum hotelli gefahren ist, gibt es an der baari zwar wahrscheinlich keine tomaatti, aber sicher viini oder snapsi.

Für Finnen, die im Ausland unterwegs sind, mag das auch angenehm sein. Wenn sie allerdings ein echtes finnisches Wort in der einen oder anderen Badelandschaft oder im Hotel entdecken, verbirgt sich dahinter nicht unbedingt genau das, was der Finne vermutet. Sauna ist nicht gleich Sauna, wenn das Wort auch in der Bedeutung von Geist, Seele und Ähnlichem bereits durch Jahrtausende finnougrischer Sprachgeschichte gewandert ist. Die mitteleuropäische Variante mit minutengenau ausgezirkelten Ruhe-, Schwitz- und Duschphasen hat sich bereits ein gutes Stück vom Original entfernt. Beim finnischen Saunagang kommt es auf das persönliche Einfühlungsvermögen an, die Balance aus Anpassung und Individualität.

Genauso kann man auch an das ewige Problem des Duzens und Siezens herangehen. Es hieß ja lange, dass jeder jeden duzt in Nordeuropa. Bei Amtsgeschäften oder sonstigen unprivaten Anlässen kann Finnland aber erstaunlich nüchtern und korrekt sein. Und wenn man sich in Hotels, an Theaterkassen oder in Restaurants durch das Siezen unangenehm berührt fühlt, sollte man es als Zeichen des Respekts auffassen, der zu diesem Ort der Kultur und der besonderen Dienstleistung oder Wertschätzung nun mal gehört. Im persönlichen Kontakt kann das Duzen aber kein Problem sein – sofern man es nicht mit dem Versprechen einer unverbrüchlichen Freundschaft verwechselt. Bei nur fünfeinhalb Millionen Einwohnern kann man getrost jedem in Ruhe ins Gesicht schauen, bevor man ihn einlädt.

Wer nach dieser Reportage Lust bekommen hat, tiefer in die faszinierenden Eigenheiten der finnischen Kultur einzutauchen: Gudrun Söffkers „Fettnäpfchenführer Finnland – Wenn der Fisch nicht beißt, spart man den Wurm“, ISBN 978-3-943176-66-7, erschienen im CONBOOK Verlag, Meerbusch, ist im Buchhandel erhältlich.

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