Wintermarkt in Jokkmokk, Foto von Jürgen Weiss
Der Wintermarkt in Jokkmokk findet bereits seit dem Jahr 1605 statt. Damit gehört der Samimarkt zu den ältesten Märkten der Welt.
Schon früher war der Markt ein wichtiger Treffpunkt, der nicht nur Sami aus Schweden sondern aus ganz Skandinavien wie Finnland, Norwegen und der Kola-Halbinsel anlockte und immer noch anlockt.
Auf diesem Markt kann man die Sami in ihren traditionellen Trachten sehen, die sie sonst nur an Feiertagen, Hochzeiten oder Begräbnissen tragen. Man kann ihre Sprache hören und ihrer Musik, dem Joik, lauschen. Ein Ereignis, das man sich nicht entgehen lassen darf!
Am Sonntag, den 31. Januar 2010, war es wieder soweit. Dann wurde der traditionelle Markt in Jokkmokk mit einem Fackelzug und einem historischen Gottesdienst in der offenen Eiskirche eröffnet. Drei Tage lang konnte man nun den Markt im Freien genießen. Es ist ein kleiner Markt, wenige Stände, aber wohlfeile Dinge mit Leder, Selbstgestricktem, Rentierhörnern, mit kulinarischen Spezialitäten aus Lappland, Pferdeschlittenfahrten durch die Stadt und viel Zeit zum Schauen und zum Plaudern.

Einer der vielen Stände in Jokkmokk
Am Mittwoch, den 3. Februar, begann dann der offizielle Markt. Jetzt wurde die kleine Stadt Jokkmokk, die wenig mehr als 3000 Einwohner zählt, für wenige Tage zum Zentrum Lapplands. Mehr als 40 000 Besucher wurden erwartet. Sie wohnten in Hotels, in Jugendherbergen, sie wohnten privat, ja sogar die Schulen wurden zu Schlafstätten umfunktioniert.
Wer keine Unterkunft direkt in Jokkmokk findet, muss in die umliegenden Städte wie Gällivare, Voullorim oder Arvidsjaure ausweichen. Alles war ausgebucht, Jokkmokk pulsierte.

In der Stadt laden viele Marktstände zum Verweilen ein, Haupt- und Nebenstraßen sind für den Durchgangsverkehr gesperrt; sogar in Schulen werden Waren angeboten. Besonders zu empfehlen sind die Ausstellungen und die kleinen Stände im samischen Ausbildungszentrum.
Hier gibt es traditionelles samisches Handwerk: geschnitzte Messer, Armbänder aus Rentierhorn oder aus Leder und Silberdraht, Leder- und Rentierkleidung, Wollsachen, Felle, samische Glaskunst und Gemälde, man findet alles, von traditionell bis exotisch.
Die Stände auf der Straße informieren über die neusten Skooter oder die trendigste Sauna. Es gibt samische Lederschuhe, ausgestopfte Tiere, handgegerbtes Rentierleder, finnische gegrillte Käsewurst oder süße Verführungen. Auch in den eigens dafür aufgestellten Lappenzelten werden samische Spezialitäten angeboten. Musikveranstaltungen mit samischem Joik, Modeschauen auf der Eisbühne und Vorträge in verschiedenen Sprachen runden den Markt ab.
Auf dem Talvatissee kann man Hundeschlitten fahren, Kochkaffee, der über dem Feuer zubereitet wird, genießen oder sich von einem Rentier im Schlitten über den zugefrorenen See ziehen lassen. Auch ein Helikopterflug über Jokkmokk ist im Angebot.
Stimmt dann noch das Wetter, dann kann nichts mehr schief gehen. Am schönsten ist es, wenn es leicht schneit, es ist minus fünf bis minus zehn Grad und trocken. Dann kann man ohne zu frieren einige Stunden draußen durch die Marktstände schlendern und sich von all den wunderbaren Angeboten verführen lassen.
Während der Markttage hört man auf der Straße die unterschiedlichsten Sprachen: Samisch und Schwedisch natürlich, aber auch Norwegisch, Deutsch, Holländisch, Französisch oder Englisch. Die Touristen kommen aus aller Herren Länder, denn dieser Markt ist ein ganz spezieller.
Der Sonntag ist der letzte Markttag, ein Feuerwerk, dann ist alles vorbei. Es wird wieder ruhig in Jokkmokk und die Einwohner und Touristen können sich ein Jahr lang auf den nächsten Markt freuen.
Text: Hiltrud Baier
Interessierte können gerne den deutschen Vortrag von Hiltrud Baier (mit Bildern, Musik und Texten aus ihren Büchern) besuchen. Sie ist Autorin und lebt seit vielen Jahren in Schweden, seit fast zwei Jahren wohnt sie in Jokkmokk. “Mein Leben in Schweden”, jeweils Donnerstag und Freitag von 15.00 bis 16.00, www.norrbooks.com
Wir bedanken uns bei Rainer Ripper für die tollen Fotos.
Copyright der Bilder: Rainer Ripper
Ein wärmendes Feuer
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