Geysire



Geysire – Islands natürliche Springbrunnen

Erdgeschichtlich betrachtet ist es das jüngste Land der Erde: Island. Entstanden aus Vulkanen, zeigen die jüngsten Ausbrüche des Eyjafjallajökull im März 2010 und des Grimsvötn im Mai 2011, dass Island noch immer auf einem „heißen Topf“ sitzt. Auch die heißen Quellen sind ein untrügliches Zeichen vulkanischer Aktivität – und ein beliebtes Reiseziel für Island-Touristen, vor allem der eindrucksvollen Geysire wegen.

Geysir in Island
Geysir in Island

Urplötzlich steigt fauchend die riesige Säule aus Wasser und Dampf aus dem Strokkur im Süden Islands aus ihrem Becken hervor. Wo eben noch eine ruhige Wasserfläche zu sehen war, ist Sekunden später nur zischender, heißer Dampf.

Etwa alle fünf bis zehn Minuten schleudert der zuverlässigste Geysir Islands, der Strokkur, eine Fontäne aus Wasser und Dampf 20 bis 30 Meter hoch in die Luft. Ein beeindruckendes Schauspiel für Touristen und Einheimische gleichermaßen.

Namensgeber aller Springquellen

Etwa anderthalb Stunden von Islands Hauptstadt Reykjavik entfernt, in der Nähe der Stadt Selfoss, liegt das Geothermiegebiet Haukadalur. Dort befindet sich der auch Strokkur, zu deutsch Butterfass, ganz in der Nähe seines berühmten Nachbarn: dem Großen Geysir. Im Jahre 1294 wurde dieser in den so genannten Oddsverja annáll das erste Mal geschichtlich erwähnt. Viele Jahre später, 1647, gab ihm vermutlich Bischof Brynjólfur Sveinsson seinen Namen, Geysir. Der aus dem Isländischen stammende Begriff bedeutet so viel wie „schnell hervorsprudeln“ bzw. „wild strömend“ und wurde schließlich zum Namensgeber für alle anderen Springquellen der Welt.

Seinen spektakulärsten Ausbruch hatte der Große Geysir 1845. Damals spritzte die Säule aus Wasser und Dampf 170 Meter hoch. Spätere Ausbrüche erreichten meist noch Höhen von bis zu 60 Metern. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stellte der Große Geysir seine Aktivität ein, begann aber 1935 wieder für einige Jahre Wasser und Dampf zu spucken, um schließlich ganz zur Ruhe zu kommen. In den 1970er Jahren wurde der Geysir als Attraktion für Touristen mit Hilfe von Kernseife noch einmal zum Leben erweckt. In den 80er Jahren setzten Umweltschutzbehörden diesen Maßnahmen schließlich ein Ende.

Lange schlafen konnte Geysir allerdings nicht: seit einem Erdbeben im Jahr 2000 bricht er in unregelmäßigen Abständen wieder aus. Zwischen dem 17. und 20. Juli 2000 zeigte Geysir sogar noch einmal Höchstleistungen – in diesen Tagen lag die Höhe der Wassersäule bei 122 Metern.

Das Geothermalfeld Haukadalur

Haukadalur, auch Tal des springenden Wassers genannt, ist ein vulkanisches Hochtemparaturgebiet und zählt zum Goldenen Kreis, den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Islands. Nicht nur Strokkur und Geysir machen Haukadalur zu einem beliebten Reiseziel, auch die anderen Geysire und die vielen heißen und kalten Quellen, blubbernden Schlammtöpfe und zischenden Fumarolen geben ein eindrucksvolles Fotomotiv ab. Bei einem Spaziergang durch Haukadalur fällt neben den Geysiren vor allem die Thermalquelle Blesi auf. Ihre tiefblaue Färbung entsteht durch im Wasser gelöste Mineralien, die das Licht der Sonne brechen und die blauen Anteile reflektieren. Das zweite, etwas höher gelegene Becken der Quelle enthält weniger Mineralien und erscheint daher klar.

Fast nirgendwo sonst auf der Welt kann man die verschiedenen Aggregatzustände des Wassers näher zusammen erleben, als in Haukadalur. Einen besonders schönen Blick über das gesamte Areal hat man vom nahe gelegenen Berg Laugarfjall aus. Wer etwas über die Kraft der vulkanischen Wärme erfahren und sie hautnah erleben möchte, sollte sich einen Besuch in diesem oder einem der anderen Geothermalfelder Islands, z. B. in Hveragerdi, nicht entgehen lassen. Einen Vorgeschmack auf die Geysire gibt die Live-Webcam in Haukadalur. Ausführliche Informationen über die Nutzung der Erdwärme für die Bewohner Islands bekommen Besucher bei geführten Touren durch das Geothermie-Kraftwerk Nesjavellir in der Nähe von Reykjavik.

Warum Geysire ausbrechen

Der deutsche Forscher Robert Bunsen kam 1846 nach Island, um die Geysire zu erforschen und eine wissenschaftliche Erklärung für ihre Funktionsweise zu finden. Bis auf einige Details hatte Bunsen mit seiner Theorie recht: Geysire sind eine Sonderform heißer Quellen, deren Wasser nicht ungehindert an die Oberfläche kann. Alle heißen Quellen besitzen einen langen, röhrenförmigen Kanal, der vom Grundwasser gefüllt wird. Das umliegende heiße Gestein erhitzt das Wasser und bringt es zum Kochen. Kühlt der entweichende Dampf schnell genug ab und kondensiert, entsteht eine heiße Quelle, tritt er ungehindert aus, entsteht eine Dampfquelle.

Damit ein Geysir entsteht, muss eine Verengung im Eruptionskanal vorhanden sein. Ein Geysir verfügt daher meist über einen Kanal, der in eine größere Wasserkammer mündet. Unterhalb dieser Kammer verengt er sich wieder und der Kanal reicht weiter bis hin zum vom Magma erhitzten Gestein. Dort erreicht das Wasser Temperaturen von mehr als 100 Grad Celsius. Der Druck der darüber stehenden Wassersäule führt jedoch dazu, dass das Wasser zunächst nicht zu sieden beginnt.

Erst wenn es heiß genug wird, beginnt der Prozess: Es entsteht Wasserdampf, dessen Blasen die Wasseroberfläche an der Öffnung des Kanals anheben. Sobald das geschieht und Wasser über den Rand des Kanals abfließt, nimmt das Gewicht der Wassersäule ab, der Druck verringert sich rapide und der Siedevorgang wird verstärkt. Das führt dazu, dass das überhitzte Wasser schlagartig zu Dampf wird. Aus dem Geysir wird dann eine Mischung aus kochend heißem Wasserdampf, kondensiertem bzw. kühlerem Wasser und gelösten Mineralien ausgeworfen. Hat sich der Geysir geleert, füllt das Grundwasser die Kanäle und Wasserkammern langsam wieder auf und der Prozess beginnt erneut.

Hier ein interessanter Artikel zum Thema: Funktionsweise Geysir

Wohnen bei den Geysiren

Direkt gegenüber der beiden Springquellen Strokkur und Geysir liegt das Geysir Center. Der Gebäudekomplex ist die erste Anlaufstelle für Reisende und beherbergt neben Restaurant, Andenkenladen, Museum und Reitgelegenheiten auch ein Hotel und einen Campingplatz. Näher kann ein Reisender bei einer Übernachtung dem Naturschauspiel nicht kommen.

Wer auf dem Campingplatz übernachten will, kann nicht im Voraus buchen, Reservierungen werden nur für Gruppen ab 20 Personen angenommen. Camper können sich bei der Ankunft einfach an der Rezeption im Geysir Center melden. Kostenpunkt für eine Übernachtung: 1.000,- ISK (ca. 6 Euro), für Strom werden noch einmal 500,- ISK berechnet.

Komfortabler hat es, wer im Geysir Hotel unter kommt. Eine Übernachtung im Doppelzimmer kostet im Zeitraum zwischen 1. Mai und 1. August 2011 21.900,- ISK (ca. 132 Euro), das Einzelzimmer 17.500,- ISK (ca. 105 Euro), weitere Preise waren zum Redaktionsschluss dieses Artikels nicht bekannt. Die aktuelle Preisliste kann aber auf der Webseite des Hotels abgerufen werden.

Text: Anne Röhling



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