Die Samen in Lappland



Die Samen in Lappland

Die Samen nennen die Gegend, in der sie leben, Sápmi. Doch Sápmi, der Lebensraum der Rentiere züchtenden und Fische fangenden Samen ist größer als „unser“ Lappland. Es erstreckt sich nicht nur über die ganze Landmasse nördlich des Polarkreises, sondern auch noch viele Kilometer nach Süden in Schweden, ungefähr bis zur geographischen Mitte Schwedens (Härjedalen).

Der Kolt - die traditionelle Bekleidung der Samen, Foto: Lola Akinmade Åkerström/imagebank.sweden.se
Der Kolt - die traditionelle Bekleidung der Samen, Foto: Lola Akinmade Åkerström/imagebank.sweden.se

Heute gibt es noch ca. 70 000 Samen in ganz Finnland, Norwegen, Schweden und Russland.

In Norwegen leben die meisten Samen. Dort sind es ungefähr 40.000 bis 45.000, in Schweden sind es ca. 20.000, in Finnland 6.000 und in Russland sind es 2.000. Man kann die Zahl nicht genau bestimmen, weil es noch nie eine Volkszählung unter Samen gab.

Die Geschichte der Samen

Die Samen sind das Urvolk Lapplands. Historische Dokumente von 800 n. Chr. beschreiben, dass es schon damals Rentierhaltung gab. In dieser Zeit zähmte man Rentiere für die Jagd, als Lockmittel für wilde Rentiere. Ab ca. 1500 waren schon fast alle Rentiere zahm und wilde Rene starben immer mehr aus.

Die Samen lebten früher als Nomaden und ernährten sich von der Jagd, vom Fisch- und vom Vogelfang; sie sammelten Beeren und lebten wie gesagt von der Rentierhaltung. Bis ca. 1950 zogen die Samen mit ihren Rentierherden von den Sommer- zu den Winterweiden und im Frühjahr wieder zurück, vom Winterweideland in die Berge.

Früher folgten die Samen ihren Tieren zu Fuß oder auf Skiern. Sie lebten im Sommer in Kåten in den Bergen, im Winter waren sie oft bei Schweden in deren Häusern einquartiert.

Heute ist die Rentierhaltung modernisiert. Die Samen haben Skooter und nutzen Hubschrauber, mit denen sie ihre Rentierherden zusammentreiben.

Sie leben in gewöhnlichen Häusern und sind meist nur noch in den Sommermonaten zur Markierung der jungen Kälber und im Herbst/Winter zur Rentierschlachtung in den Bergen.

Welche Gruppen von Samen gibt es?

Neben den Bergsamen gibt es die Seesamen, die vor allem in Norwegen vom Fischfang leben. Es gibt die Waldsamen, die schon früher als die Bergsamen feste Wohnsitze hatten und vom Fischfang und der Rentierzucht leben. Dann gibt es die Finnmarksamen in Norwegen, die mit ihren Rentieren zur Eismeerküste wandern und schließlich die Gruppe der Skoltsamen. Die Skoltsamen, die die russisch-orthodoxe Religion pflegen, leben in der Nähe des Inari-Sees (Finnland) und in Russland. Sie lebten bis zum zweiten Weltkrieg von der Jagd und vom Fischfang, heute sind sie Rentierzüchter.

Nur noch 10 % aller Samen können sich heute von der Rentierzucht und vom Fischfang ernähren. Die meisten schwedischen Samen leben in Stockholm und viele haben sich dem schwedischen Lebensstil angepasst. Dennoch ist die Rentierhaltung ein wichtiger Beruf, ja, er ist mehr als ein Beruf, er ist ein Lebensstil und damit wichtiger Teil der samischen Identität.

Samen, die in Lappland leben und eigene Rentiere besitzen, gehen oft noch einem „Brotberuf“ nach, damit sie sich ernähren können. Oder sie „slöjden“, stellen samisches Handwerk her und erzählen Touristen über ihre Lebens- und Arbeitsweise.

Die Samen arbeiten immer im Kollektiv und sind in einem sogenannten „sameby“ zusammengeschlossen. Mitglieder eines solchen Rentierzüchterkollektivs führen all ihre Arbeiten, wie die Markierung der Kälber, die Rentierschlachtung, das Zusammentreiben … gemeinsam aus. Sie haben ein gemeinsames Weideland. Ohne diese Zusammenarbeit würde die Rentierhaltung nicht funktionieren.

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit

Früher zogen die Samen mit ihren Rentieren über die Grenzen. So waren schwedische Rentierherden in Norwegen und norwegische Herden in Schweden.

Nach und nach wurde die samische Gesellschaftsform durch ein skandinavisches Verwaltungssystem ersetzt und die einzelnen Staaten legten Grenzen für die Samen fest. Sie nahmen immer mehr Einfluss auf das Leben und die Arbeitsweise der Samen und so schlossen sich die Samen in Lappland am Ende des 19. Jahrhunderts in Norwegen und Schweden zusammen und gründeten eigene Samenvereine und erste Zeitungen.

1953 fand in Jokkmokk die erste Konferenz der Samen aus Norwegen, Finnland und Schweden statt und 1956 wurde der Rat der Samen gegründet.

Heute hat jedes der drei Länder ein eigenes Parlament und zusammen bilden sie den Parlamentarischen Rat der Samen. Hier versuchen die Samen ihre wirtschaftliche und kulturelle Identität zu wahren und müssen sie oft gegen die Interessen der einzelnen Staaten verteidigen, was ihnen nicht immer gelingt.

Das „Rentierjahr“

Das Leben eines Rentierzüchters ist hart. Im Winter sind die Rentiere im Winterweideland und müssen oft zugefüttert werden. Die Samen behalten ihre Tiere dabei ständig im Auge und fahren bei minus 20 oder minus 30 Grad mit ihren Skootern in die Wälder und beobachten ihre Herden. Manchmal passieren auch grausame Unfälle, wie beispielsweise im Winter 2009, als eine Rentierherde durchs Eis in einen See eingebrochen ist. Dabei sind einige Hundert Rentiere ertrunken.

Im Frühjahr ziehen die Tiere in die Berge, um im Mai ihre Kälber auf die Welt zu bringen. Manchmal sind ihnen jedoch die traditionellen Wanderwege durch neue Fahrwege und Staudämme versperrt und so müssen die Samen ihre Rentiere zusammentreiben und mit Lastwagen in die Berge fahren. Im Juli werden die frisch geborenen Kälber markiert. Dazu gehen die Samen in die Berge, treiben die Herden mit Geländemotorrädern oder Helikoptern zusammen, dann zählen und markieren sie die Tiere. Jedes Rentier hat eine eigene Ohrmarkierung, durch die der Besitzer seine Rentiere erkennen kann. Im Herbst und Winter werden die Tiere für den Eigenbedarf oder Verkauf an Schlachtereien geschlachtet.

Man sagt, dass eine Familie mindestens 400 Rentiere besitzen muss, um davon leben zu können. Ein Tipp: Fragen Sie einen Samen nie, wie viele Rentiere er besitzt. Das ist, als ob Sie jemand nach seinem Guthaben auf der Bank fragen würden.

Lesen Sie hier den 2. Teil unseres grossen Special: Die Samen in Lappland


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