Die Samen in Lappland, Teil 2



Die acht Jahrszeiten der Samen

Jahrhundertelang wurde das Leben der Samen von der Wanderung der Rentiere bestimmt und so kennen die Samen auch heute noch acht Jahreszeiten:

Zum Transport benutzen die Samen Rentier-Schlitten , Foto: Staffan Widstrand/imagebank.sweden.se
Zum Transport benutzen die Samen Rentier-Schlitten , Foto: Staffan Widstrand/imagebank.sweden.se

Frühlingswinter (Mitte März bis Mitte April):
Die Sonne wird stärker, der Schnee schmilzt und die Nachtfröste lassen den aufgewärmten Boden wieder gefrieren. Die Rentiere finden im Winterweideland kein Futter mehr und es wird Zeit für sie, in die Berge zu ziehen.

Frühling (Mitte April bis Ende Mai):
Die Rentiere haben das Gebirge erreicht und bringen ihre Kälber zur Welt.

Frühlingssommer (Juni):

Die kleinen Kälber werden größer und die Rentiere setzen ihre Wanderung auf die Sommerweide fort.
Sommer (Juli): Die Rentiere finden in den Bergen saftige Flechten; sie kommen zur Ruhe, nur manchmal müssen sie auf den letzten Schneeflecken Schutz suchen, wenn die Mücken sie zu sehr plagen.
Herbstsommer (August): Die ersten Frostnächte setzen ein und die Rentiere ziehen von den Bergen weiter nach unten in die Täler, weil sie hier besseres Futter finden.

Herbst (September/Oktober):
Nach einigen Wochen sind die Tiere wieder im Kalbungsland. Jetzt beginnt die Brunftzeit.
Herbstwinter (November bis Anfang Dezember): Die Weidemöglichkeiten werden immer schlechter, die Herden ziehen immer weiter Richtung Winterweidegebiet.

Winter (Anfang Dezember bis Anfang März):
Die Tiere sind wieder im Winterweideland.

Die Sprache der Samen

Die verschiedenen samischen Sprachen sind mit der finno-ugrischen Sprache verwandt. Es gibt einige samische Sprachen, die nur noch von wenigen Samen gesprochen werden und fast ausgestorben sind wie das Südsamisch, das Umeåsamisch oder Skoltsamisch.

Diese Sprachen sind so weit voneinander entfernt, dass die Samen sich kaum untereinander verständigen können. Weit verbreitet ist dagegen das Nordsamische, das in Finnland, Norwegen und Schweden gesprochen wird. An der Universität in Umeå (Schweden) gibt es seit kurzem einen Lehrstuhl für die samische Sprache. In Finnland wird Samisch an den Universitäten in Helsinki, in Oulu und in Rovaniemi unterrichtet, in Norwegen kann man Samisch in Oslo, Tromsø oder Alta studieren.

Vor vierzig/fünfzig Jahren war die samische Sprache in Schweden nicht erwünscht. Die Kinder der Sami wurden nur in Schwedisch unterrichtet und so kommt es vor, dass die ältere Generation der Samen in Schweden zwar Samisch spricht, es aber nicht schreiben kann.

In Schweden ist die samische Sprache erst seit 2002 offiziell als Minderheitensprache anerkannt und kann in den Gemeinden Arjeplog, Gällivare, Jokkmokk und Kiruna im amtlichen Verkehr angewandt werden. Das heißt, wenn ein Same in eine dieser Gemeindeverwaltungen geht, hat er das Recht, auf Samisch Fragen zu stellen und kann erwarten, dass er auf Samisch eine Antwort bekommt.

Norwegen hat die samische Sprache bereits 1988 anerkannt, Finnland 1992.

Die Literatur der Samen

Bis ins 20. Jahrhundert hinein wurde Samisch ausschließlich gesprochen. Es war keine Schriftsprache.

Heute gibt es Romane, Sachbücher, Kinderbücher und Lyrik auf Samisch. Ein bekannter samischer Lyriker und Musiker war Nils Aslak Valkeapää aus Finnland. Seine Gedichtsammlung „Sonne, mein Vater“ erhielt 1991 den Literaturpreis des Nordischen Rates.

Es gibt Zeitschriften auf samisch und in den verschiedenen Ländern Lapplands das Sameradio.

Die Religion der Samen

Vor der Missionisierung im 17. und 18. Jahrhundert glaubten die Samen an Naturgötter wie den Donnergott, den Windmann oder die Sonne. Die Natur ist für die Samen beseelt und lebendig und so brachten sie Steinen, Felsen und Seen Opfergaben dar. Diese Opferstätten und heiligen Steine nennt man Seita.

Die samische Kultform ist schamanisch. Deshalb spielen in der traditionellen samischen Religion die Zaubertrommel und das Joiken (samische Musik) eine wichtige Rolle. Der Schamane befragte die Zaubertrommel und joikte bis zur Ekstase und so konnte er in das Reich der Toten und in die Zukunft sehen.

Heute sind die Samen christianisiert, trotzdem glauben viele an die Kraft der Trommel und die Macht des Joikens.

Die Musik der Samen

Den Joik, wie die musikalische Ausdrucksform der Samen bezeichnet wird, gibt es im Grunde nicht. Denn joiken ist eine Handlung, joiken existiert nicht als Substantiv. Man joikt nicht über etwas, man joikt eine Person, einen Berg, einen Fluss, einen schönen Sommerplatz, man joikt ein Tier und drückt so seine Gefühle zu diesem menschlichen Wesen oder Naturwesen aus. Man kann auch seine Stimmung, seine Gefühle joiken.

Diese Musik wird nicht komponiert, es gibt sie einfach. Joiken ist ein Teil aus der vorchristlichen Zeit der Samen, er ist Teil des Lebens. Heute gibt es einige bekannte Musiker und Musikerinnen, die Joiken mit anderen modernen musikalischen Klängen mischen. Bekannt sind der schon genannte Nils Aslak Valkeapää (Finnland), Mari Boine (Norwegen) oder Sofia Jannok und Katharina Rimpi mit der Band Jarŋŋa aus Schweden. Jedes Jahr findet an Ostern in Kautokeino (Norwegen) das samische Musikfestival statt. In der ersten Maiwoche kann man in Inari (Finnland) die Musikveranstaltung der Urvölker besuchen.

Wer sich für Filme der Samen interessiert, wird wiederum in Inari fündig. Jährlich findet dort im Januar das Filmfestival der Urvölker statt. Der samische Film wurde durch Nils Gaup (Norwegen) bekannt, der 1987 seinen Film „Veiviseren“ (Pathfinder) drehte und der für einen Oskar nominiert wurde (zu erhalten auf DVD).

Das samische Handwerk

Das samische Handwerk, auch Duodji genannt, ist praktisch und trotzdem schön. Gegenstände, die man im Alltag benutzte und immer noch benutzt wie Messer, Schalen, Schmuckstücke oder Kleidung werden verziert. Samische Kinder lernen in der Schule, wie man ein Messer herstellt und Muster hineinschnitzt oder wie man Lederarmbänder näht und mit Silberdraht verziert. Das samische Handwerk ist heute ein wichtiger Erwerbszweig und entwickelt sich immer mehr zum Kunsthandwerk. In den zahlreichen Handwerksläden Lapplands kann man wunderschöne Unikate kaufen.

Die Tracht der Samen ist ein wichtiges Symbol für ihre Identität und Zugehörigkeit. An der Form und Farbe erkennt man, aus welcher Gegend die Samen stammen. Auffallend sind die leuchtenden Farben (rot/blau/gelb/grün) des Tuches, aus dem die Tracht genäht wird, die farbenprächtigen Gürtel und bunten Schuhbänder.

Heute tragen die Samen ihre Tracht nur noch bei besonderen Gelegenheiten wie an Feiertagen (6. Februar Nationaltag), bei Hochzeiten (z.B. auf den Samen-Hochzeiten, die jedes Jahr an Ostern in Kautokeino stattfinden), auf Begräbnissen oder auf dem traditionellen Markt in Jokkmokk, der jedes Jahr in der ersten Februarwoche stattfindet.

Wer sich für die Kultur der Samen interessiert, findet in folgenden Museen viele Informationen:

Schweden: Ajtte Museum in Jokkmokk

Finnland: Siida-Museum in Inari

Norwegen: RiddoDuottar Museum in Karasjok, Karesuando, Kvalsund und Porsanger

Norwegen: Varangerbotn Sami-Museum

Buchtipps:

Über die Samen gibt es nur wenige Bücher auf Deutsch. Hier eine Auswahl von Büchern, die teilweise leider nur noch antiquarisch erhältlich sind:

Robert Crottet: Am Rande der Tundra, Reise durch Lappland, Fischer Taschenbuch
ISBN: 978-3-596235186

H.U. Schwaar: Nordland, Lieder, Joik und Gedichte aus Lappland, Waldgut Verlag, 2000
ISBN: 978-3-729400746

H.U. Schwaar: Sapmi, Waldgut Verlag 1999
ISBN: 978-3-729402348

Broschüre: Holger Hansen Petersen: Finnisch-Lappland, Allerlei Wissenswertes
E-Mail: holger_petersen@msn.com (direkt beim Autor oder in Inari zu kaufen).

Text: Hiltrud Baier
Die Autorin wohnt in Jokkmokk und hat Bücher zu den Themen Schweden und über die Auswanderung nach Schweden verfasst (Schweden für Einsteiger/Schwedenträume/Greta in Schweden).
Ihre Homepage: www.norrbooks.com
Fotos: Rainer Ripper




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